[ANALYSE] Real vorbereitet und belohnt

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Real Madrid : FC Barcelona
1-1 (Messi 54. bzw C. Ronaldo 82.)

Nach der historischen 0:5-Niederlage im letzten Aufeinandertreffen mit Barcelona hatten Real – und vor allem José Mourinho, für den besagte Schmach die größte seiner bisherigen Trainerkarriere bedeutete – so einiges gutzumachen. Barca dagegen wusste, dass selbst ein Remis im zweiten Clasico der Saison endgültig den neuerlichen Titelgewinn sichern würde – und genau dieses fuhr man letztlich, wenn auch mit fast schon ungewohnter Mühe, auch ein.

Die Partie selbst war nicht annähernd so gut wie das letzte Match dieser beiden Teams, aus taktischer Hinsicht und mit Blick auf die kommenden drei Begegnungen aber umso interessanter. Nämlich bereitete Mourinho mit seiner Mannschaften den Katalanen Schwierigkeiten, wie diese sie seit der Niederlage im Emirates nicht mehr hatten. Zugleich zeigt sich dadurch auch, wie verwundbar Barca doch ist wenn man entsprechend intelligent gegen sie spielt.

“Intelligent” war bei den Madrilenen in erster Linie der Systemwechsel vom ursprünglichen 4-2-3-1- zu einem wesentlich massiveren 4-5-1-System – Özils Platz im Mittelfeld nahm Pepe ein, ansonsten blieb alles wie gehabt. Pepe ist zwar gelernter Innenverteidiger, kennt das zentrale Mittelfeld aber bereits aus Zeiten mit der portugiesischen Nationalmannschaft. Im Unterschied zu seinen dortigen Auftritten gab er für Real jedoch keineswegs den Abräumer vor der Viererkette sondern war äußerst aktiv am Pressing beteiligt. Auch von einer Manndeckung für Lionel Messi konnte keineswegs die Rede sein – weder Pepe noch ein anderer Real-Spieler kümmerte sich übermäßig um den Weltfußballer. Mit Sicherheit eine richtige Entscheidung von Mourinho, genügte es doch vollkommen Xavi, Iniesta und Dani Alves zu neutralisieren, womit Messi mehr oder weniger isoliert war und zeitweise extrem tief spielen musste.

Bei den Gästen ergab sich so über weite Strecken unfreiwillig eine Art Mittelfeld-Raute, mit Pedro und Villa, eigentlichen Flügelstürmern, davor. Wie man sich vorstellen und auch gut anhand der folgenden Graphik erkennen kann, fehlte Barca so einfach der Platz und natürlich auch eine echte Anspielstation in ihrem Angriffsdrittel.

die Starformationen (4-5-1 gg. 4-3-1-2)

die Starformationen (4-5-1 gg. 4-3-1-2)

Vor allem Xavi und Iniesta hatten große Schwierigkeiten, ihr gewohntes Netz an Pässen auszutauschen, was dem Spielfluss Barcas sichtlich schadete. Zeit und Raum ließ Real eigentlich nur Sergio Busquets, der so durchaus das Spiel dominieren hätte können; aus Mangel an Anspielstationen musste er jedoch meist den Kurzpass zu Xavi wählen.

Als Barcas effektivstes Offensivmittel stellten sich im Laufe der ersten Halbzeit lange Bälle auf Messi, Villa oder Pedro, unmittelbar hinter die Madrid-Abwehr, heraus. Mourinho wählte für sein Team abermals eine relativ hohe Verteidigungslinie, was einerseits den Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr sehr gering hielt, allerdings auch Gefahr bot, von einem Tempowechsel der Katalanen überrascht zu werden – erst scheiterte Messi zwar noch mit einem Heber an Casillas, es sollten aber noch weitere Gelegenheiten aus solchen Situationen folgen…

Ein weiterer Grund für die fehlende Durchschlagskraft bei Barcelona war sicherlich auch der gebremste Offensivdrang von Rechtsverteidiger Alves; verursacht durch a) den unheimlich diszipliniert verteidigenden di Maria und b) die Unnotwendigkeit für Barcelona, in diesem Spiel volles Risiko einzugehen.

Bei Real hieß unterdessen die einzige Möglichkeit für Gefahr zu sorgen Cristiano Ronaldo: Der 26-Jährige Portugiese erwischte einen ausgesprochen guten Abend, spielte mannschaftsdienlich, konnte allein auf weiter Flur aber nur bedingt echte Torchancen herausspielen.

Alles in allem war die erste Spielhälfte deshalb eine eher enttäuschende, wobei das Tempo meist sehr hoch und die alternative Real-Formation bei Ballbesitz des Gegners durchaus interessant war:

alternative Real-Formation (derStandard.at/sport)

alternative Real-Formation (derStandard.at/sport)

Zu sehen war diese in der ersten Hälfte meist dann, wenn Ronaldo im Spielzug zuvor seine Position verlassen hatte.

Real vorbereitet…

Die zweite Spielhälfte begann Real ein wenig druckvoller und abermals mit einem in Topform befindlichen Cristiano Ronaldo, der mit einem Freistoß den er zuvor selbst herausgeholt hatte Aluminium traf.

Wenige Minuten später bereitet auf der anderen Seite ein an und für sich recht harmloser Pass von Pique Albiol derartig Schwierigkeiten, dass sich dieser gegen den wesentlich agileren David Villa nur mit einem Foulspiel zu helfen weiß. Den fälligen Strafstoß verwandelt Lionel Messi zur Führung für sein Team, zudem wurde Albiol (fälschlicherweise in meinen Augen, nie und nimmer hatte Villa den Ball unter Kontrolle) wegen Torraubes vom Platz gestellt.

Glücklicherweise hatte Mourinho, wie er bereits am Donnerstag der Presse mitteilte, seine Mannschaft das Spielen in Unterzahl trainieren lassen. Somit war man auf diese Ausnahmesituation den Umständen entsprechend gut vorbereitet. In weiterer Folge tauschte Mourinho nacheinander Özil für Benzema, Arbeloa für di Maria und Emanuel Adebayor anstelle des weitestgehend wirkungslosen Xavi Alonso, wobei die letzten beiden Wechsel jeweils in der 66. Spielminute von Statten gingen.

… und mit dem Ausgleich belohnt

Von da an spielte Real mit Sergio Ramos in der Innenverteidigung, Arbeloa rechts hinten, Pepe & Khedira praktisch allein gelassen im Mittelfeld und Ronaldo, Adebayor sowie Özil im Angriff. Real ging also reichlich Risiko ein. Risiko, dass gegen ein Barcelona in bester Verfassung sicherlich in weiteren Gegentreffern gemündet hätte, an diesem Abend jedoch ohne Folgen blieb.

Im Gegenteil, Torgelegenheiten hatte eigentlich nur noch Real, wovon eine ein Elfmeter war, den Cristiano Ronaldo zum Endstand von 1:1 nutzte.

Fazit

Einen Clasico, der verdientermaßen keinen Sieger hatte und der vor allem Lust auf die folgenden drei macht, durften wir mit ansehen. Wem mit dem Ausgang des Spiels mehr geholfen ist? Schwer zu sagen. In Sachen Meisterschaft ist diese mittlerweile klar zugunsten des FC Barcelona entschieden, auch ein Real-Sieg hätte daran wohl nichts geändert, also sind die Auswirkungen des Spiels hauptsächlich psychologische: Mourinho hat nun die Spieler und insbesondere die taktischen Mitteln, Barcelona Paroli zu bieten, in mindestens einem der drei kommenden Aufeinandertreffen ist also zwingend mit den Madrilenen zu rechnen.

Favorit bleibt dennoch die Mannschaft von Pep Guardiola, die zweifelsohne die beste der Gegenwart ist und in Topform nur von den allerwenigsten besiegt werden kann. Aber wem, wenn nicht einem Jose Mourinho/Cristiano Ronaldo sollte es gelingen auch dieses Team fertig zu machen…

Eine interessante Randnotiz übrigens noch zur Darbietung des ehemaligen Weltfußballers: Mit exakt 9 zurückgelegten Kilometern stellte er auch in dieser Hinsicht Lionel Messi (7,9 km) deutlich in den Schatten. Ein weiteres Anzeichen dafür, wie viel mannschaftsdienlicher er in seiner Zeit unter dem ‘Special One’ geworden ist.

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[ANALYSE] Wenger nimmt Risiko und gewinnt

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Arsenal FC : FC Barcelona
2-1 (van Persie 77., Arshavin 83. bzw. Villa 26.)

Welch ein Spiel im Emirates Stadium, das da der Arsenal Football Club mit ein wenig Glück aber letztlich nicht unverdient gewonnen hat. Das Kräftemessen zweier außergewöhnlich spielstarker Mannschaften brachte das erwartete Spitzenspiel und durch den knappen Endstand viel Spannung fürs Rückspiel. Lange Zeit sah Barcelona wie der sichere Sieger aus, doch Arsenals Mut ließ am Ende die Nordlondoner jubeln…

programmgemäße Startformationen

Beide Teams begannen rein personell genau so, wie man sich das im Vorfeld erwartet hatte. Emmanuel Eboue ersetzte bei Arsenal den gesperrten Sagna, Samir Nasri kehrte nach überstandener Sprunggelenksverletzung in die Mannschaft zurück.
Bei Barcelona fehlte Kapitän Puyol verletzungsbedingt. Manch einer mutmaßte deshalb im Vorfeld, dass Guardiola Busquets zurückziehen und Mascherano in die Mannschaft bringen würde, Busquets blieb jedoch einziger 6er und Abidal spielte zu Piques Linken in der Innenverteidigung.

die Startformationen (4-4-1-1 gg 4-3-3)

die Startformationen (4-4-1-1 gg 4-3-3)

Auch die taktische Anordnung beider Mannschaften glich jener aus den vorherigen Spielen, bei Arsenal vielleicht mit dem Unterschied dass Nasri und Walcott diesmal etwas defensiver spielten, sodass sich eine weitere Viererkette vor der Abwehr ergab. Die Katalanen spielten der Papierform nach mit drei echten Stürmern, nur konnte man Messi an diesem Abend eigentlich gar keinen solchen nennen, so weit zurückfallen hat er sich teilweise lassen. Es war also das Duell eines 4-2-3-1/4-4-1-1 gegen ein 4-3-3 mit einem Lionel Messi als “falsche 9” – der Papierform nach heißt das: Überzahl für Barca im Mittelfeld, dafür möglicherweise viel Raum für Arsenals Flügelspieler; und so kam es dann eigentlich auch.

mutige Gunners

In den ersten drei Spielminuten ließ Barcelona gleich anklingen, worauf sich Arsenal gefasst zu machen hatte – endlose Ballstafetten, gern auch ausschließlich in der eigenen Hälfte, aber insofern effektiv als der Gegner den Ball nicht hat und so selbst für keine Gefahr sorgen kann. Nachdem sie 180 Sekunden lang kaum einen Ballkontakt hatten, fanden die Gunners jedoch immer mehr zu ihrem Spiel und hätten nach Fabregas-Vorlage schon in Minute 6 durch Robin van Persie in Führung gehen können. Die nächsten Minuten gehörten dann auch hauptsächlich den Gastgebern, die zu Beginn weitaus intensiveres Pressing als in den meisten Ligaspielen und so Barcelona nicht wirklich zu deren Spiel finden haben lassen.

Mit der Zeit sah sich Arsenal allerdings immer weiter zurückgedrängt, was schlichtweg an der enormen Ballsicherheit des Gegners lag.

Song als Unsicherheitsfaktor

In dieser Phase erwies sich der sonst so souveräne Alexandre Song als dem Tempo der Katalanen einfach nicht gewachsen. Bereits nach wenigen Minuten sah er für ein taktisches Foul an Messi (ob in einem CL-Achtelfinale das erste Vergehen gleich eine Karte zufolge haben sollte, lass ich hier mal dahingestellt…) die gelbe und musste somit vorsichtig in seinen Tacklings sein. Als dann noch ein paar Fouls und so auch mehrere ausdrückliche Ermahnungen des Schiedsrichters folgten, konnte Song endgültig nichtmehr ohne Bedenken in normale Zweikämpfe gehen, vor allem weil Spieler wie Busquets jede Gelegenheit nutzten eine Gelb-Rote zu provozieren.

Nachdem zuvor Weltfußballer Messi eine 100%ige Torchance ausgelassen hatte, folgte Minuten später durch David Villa der Führungstreffer für die Gäste. Neben Gael Clichy – der Franzose hob das Abseits auf – war hier auch Song mitverantwortlich für das Gegentor: Eben weil er schon am Rande eines Platzverweises wandelte musste er Messi im Mittelfeld ziehen lassen, wodurch dieser relativ unbedrängt auf die Arsenal’sche Viererkette zulaufen und in der Folge den Pass zum Tor spielen konnte.

Walcott weitesgehend harmlos, Wilshere nicht

Nun waren die Gunners unter Zugzwang, denn eine Heimniederlage käme gegen einen solchen Gegner praktisch dem Ausscheiden gleich. Als Arsenals gefährlichster Mann war im Vorhinein Theo Walcott eingestuft worden, der blieb jedoch bis auf eine gute Szene zu Beginn recht farblos und auch Fabregas und van Persie konnten zu Beginn nicht sonderlich für Akzente sorgen. Es musste also der 19(-!)-Jährige Jack Wilshere einspringen und den Londonern wieder auf die Beine helfen. Der Teenager machte eine wirklich gute Partie – unerreicht seine Ruhe in der eigenen Hälfte, extrem ausgereift seine Technik, offensichtlich seine enorme Spielintelligenz und unheimlich gefährlich die Tempo-Dribblings, von denen eines zu einer großen Torchance führte.

Von dieser abgesehen war für die Heimmanschaft aber wenig zu holen, den Ball hatte praktisch nurnoch Barcelona und die Art und Weise wie sie ihn spielend zirkulieren ließen erinnerte ein wenig an die Demütigung vom letzten Jahr. Gut dass sich Arsenal mental auf die Überlegenheit des Gegners eingestellt hatte, wie Wenger später erklärte, denn es gab durchaus schon Mannschaften die in solchen Phasen die Neven weggeschmissen haben…

Arsenals Comeback

Aus der Kabine kamen die Gunners wie ausgewechselt, ohne dass sich personell auch nur irgendetwas getan hätte. Es war vielmehr die deutlich offensivere Ausrichtung, die Arsenal wieder ins Spiel finden ließ und Barcelona von übermäßiger Ballkontrolle abhielt. Zwar schauten zunächst hauptsächlich Halbchancen dabei heraus, doch die waren genug um die Spieler wieder Glauben an sich und die Zuseher Vertrauen in die Spieler finden zu lassen.

Nach 68 Minuten nahmen dann beide Trainer Wechsel vor: Guardiola brachte Keita für den Torschützen Villa, Arsene Wenger Arshavin anstelle von Alex Song. Bei Barca ging nun Iniesta in die Spitze, bei den Gunners Nasri an die Seite von Wilshere. Zur Folge hatte das natürlich, dass Barcelona ohne Iniesta nicht länger die Ballzirkulation aus Hälfte Eins aufrechten erhalten konnte, während Nasri den Spielaufbau der Gunners aus dem Zentrum heraus noch mehr belebte. Ein wenig später kam dann auch noch Nicklas Bendtner für Theodor James Walcott, ein Wechsel der sich auszahlen sollte, war es doch der Däne der Valdes beim herausragenden Ausgleichstreffer durch van Persie entscheidend irritierte.

Das Emirates war nun außer sich und Arsenal psychologisch klar im Vorteil. Worin das ganze letztendlich mündete ist bekannt, einen bilderbuchartigen Konter schließt Andrej Arshavin in Minute 83 zur Führung für sein Team ab. Barcelona, sichtlich geschockt, versuchte noch alles auszugleichen, von einer großen Gelegenheit in der Nachspielzeit abgesehen – Szczesny vereitelte sie mit tollem Stellungsspiel – war es das jedoch gewesen. So durften also die Gunners und ihr Anhang feiern, wobei man sich natürlich darüber im Klaren ist wie schwer es sein wird im Nou Camp zu bestehen.

Fazit

Ein hervorragendes Spiel in vielerlei Hinsicht haben wir erleben dürfen, insbesondere auch eines dass die Fähigkeiten der jeweiligen Teams sehr gut repräsentiert: Das Passspiel der Katalanen ist unerreicht und unnachahmlich, mit technisch ebenso feinem aber wesentlich direkterem Angriffsfußball versuchte Arsenal da dagegen zu halten und hatte letzten Endes Erfolg damit. Die erfolgreiche Aufholjagd verdankt man einerseits dem konditionellen Vorteil gegen Ende (man siehe nur, wie Alves beim 2:1 seinen Sprint frühzeitig abbrechen muss, Anm.) und zum anderen den gelungenen Wechseln von Arsene Wenger. Während Pep Guardiola mit seinem Tausch seiner Mannschaft mehr geschadet hat, gingen Wengers mutige Umstellungen auf. Der erfolgreiche Coach, nach dem Spiel darauf angesprochen, sagt folgendes:

I took a gamble. But I had to do it, we needed two goals. I’m very proud because everybody urged us to play differently to our nature.

Mal sehen, ob sich Arsenals Spielweise auch in Spanien bewährt oder ob nicht doch ein parkender Bus (= extrem tiefes Verteidigen, kaum eigene Offensivbemühungen, Inter Mailand eben), wie etwa der Hercules-Coach meint, die einzige Möglichkeit ist sich langfristig mit dem unbestritten besten Team der Welt messen zu können…

[ANALYSE] Ancelotti beharrt auf Mittelfeld-Raute und verliert

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Chelsea FC : Liverpool FC
0-1 (Meireles, 69.)

In einem mäßig unterhaltsamen Spitzenspiel schlug gestern Liverpool Chelsea an deren Stamford Bridge. Aus rein taktischer Sicht war es eine durchaus interessante Partie, spielten doch beide Teams mit innovativen Spielsystemen. Während Kenny Dalglish und seine Mannschaft nun Kurs auf die internationalen Startplätze nehmen, verabschiedet sich Chelsea erstmal wieder aus dem Titelrennen.

ungewöhnliche Startformationen auf beiden Seiten

die Startformationen (4-3-1-2 vs 3-5-1-1)

die Startformationen (4-3-1-2 vs 3-5-1-1)

Chelsea begann erwartungsgemäß mit Neuverplichtung Torres neben Drogba und Nicolas Anelka wie schon gegen Sunderland unmittelbar dahinter. An der Seite von John Terry verteidigte neuerlich Branislav Ivanovic, den Rechtsverteidiger gab der etwas leichtfüßigere Bosingwa.

Bei Liverpool blieb Dalglish bei seinem eigenwilligen 3-5-1-1, wobei die zentralen Mittelfeldspieler Lucas Leiva, Maxi Rodriguez, Gerrard und Meireles eine Art Raute bildeten. Somit hatten beide Teams jeweils vier Spieler im Zentrum des Spielfelds, die einander mehr oder weniger neutralisierten.

Chelseas 4-3-1-2 spielt in Liverpools Karten

Warum Ancelotti für das Spiel gegen die Dalglish’sche 3er-Kette nicht kurzfristig zum 4-3-3 der Hinrunde zurückkehrte, ich weiß es nicht. Mit ein wenig mehr taktischer Flexibilität hätte er den Liverpoolern wirklich Probleme bereiten können, so aber hatte deren Hintermannschaft wenig zu tun. Die beiden Chelsea-Stürmer Torres & Drogba hatten mit Agger und Carragher je einen Gegenspieler, die Reds mit Martin Skrtel zusätzlich noch einen weiteren Innenverteidiger zur Absicherung ­– für eine 3-Mann-Abwehr gibt es eigentlich keine bessere Situation. Ein Sturm aus Anelka-Drogba/Torres-Malouda/Kalou hätte den Gästen sicherlich weh tun können, allein schon weil Kelly und Johnson noch mehr nach hinten gebunden gewesen wären. Warum dem so ist, hat die englischsprachige Webseite ZonalMarking.net schon früher eindrucksvoll erklärt

Spielverlauf

Der Theorie nach hätten sich die zentralen Mittelfeldspieler beider Mannschaften also gegenseitig ausschalten müssen, nur war Raul Meireles oft nicht rasch genug bei John Obi Mikel, sodass Rodriguez, Gerrard oder Lucas ihre Position verlassen mussten und Anelka einige Male viel Platz zwischen den Linien fand. Allerdings konnte der Franzose mit diesem Raum einfach nichts anfangen, weil er schlichtweg kein guter Spielmacher ist. Anelka fehlen Spielintelligenz und Übersicht, die nötige Technik und vor allem das Auge für den Mitspieler als Alternative zu sinnlosen Dribblings/Weitschüssen um diese Rolle ausführen zu können. Vielleicht eignet sich ja Malouda für diese Position – schwer vorstellbar, nachdem er im Vorjahr mit Domenech aneinandergeraten war weil der ihn im Zentrum eingesetzt hatte – oder Benayoun kann sie nach seiner Genesung (voraussichtlich frühestens im April, Anm.) erfüllen, ansonsten hat Ancelotti und somit auch Chelsea ein ernsthaftes Problem.

Nun wieder zurück zum gestrigen Spiel… wobei, soviel gibt es da wohl gar nicht mehr zu zu sagen. Beide Teams steckten recht wenig Aufwand in diese Partie, weshalb das Spiel – ganz abgesehen von taktischen Komponenten – eigentlich eine Beleidigung für jedes andere Spitzenspiel darstellte. Die deutlich bessere Mannschaft war über weite Strecken der FC Liverpool, der situationsbedingt vor allem auf den Flügeln einen Vorteil hatte – einige Male wagte der auf dem linken Flügel aufgestellte Rechtsfuß Glen Johnson auch die Flanke mit Effet zum Tor hin oder gar den Abschluss, wirklich gefährlich wurde es aber selten.

Angriffe der Hausherren fanden praktisch nicht statt, und wenn, dann fanden sie spätestens beim überragenden Jamie Carragher ein Ende. Torres’ Debüt hätte für ihn persönlich kaum schlechter verlaufen können, was jedoch nur bedingt seine Schuld war. Er bekam nämlich, genauso wie Sturmpartner Drogba, kaum Unterstützung durch seine Mitspieler und Bälle nur in ungefährlichen Positionen, bis auf eine Ausnahme weit weg vom gegnerischen Tor.

Deutlich besser wurde das Match immerhin als Ancelotti mit Kalou einen weiteren Stürmer brachte, nur um drei Minuten später seine Mannschaft in Rückstand gehen zu sehen. Spätestens jetzt musste Chelsea doch zum 4-3-3 zurückkehren dachte man, doch weder Kalou noch Anelka spielten in der Folge wie echte Flügelstürmer. Die letzten Minuten gehörten dann den Außenverteidigern der Blues (Cole links; auf Rechts mittlerweile Ivanovic, weil David Luiz inzwischen für den enttäuschenden Bosingwa gekommen war), die zu Beginn noch völlig kalt gestellt waren, je tiefer Liverpool stand jedoch immer besser ins Spiel fanden. Gegen nun wirklich fabelhaft verteidigende Reds führte allerdings auch in den letzten Spielminuten kein Weg vorbei, womit es letzten Endes beim 1:0 blieb.

Fazit

Ob ein 4-2-3-1 tatsächlich die beste denkbare Variante für den FC Chelsea darstellt wird sich erst in den nächsten Spielen weisen, gestern jedenfalls wäre das ursprüngliche 4-3-3 sicherlich ratsamer gewesen. Während sich Carlo Ancelotti in den nächsten Tag sicher seine Gedanken darüber macht, wird man in Liverpool wohl mit getaner Arbeit zufrieden sein, diesen hochverdienten Auswärtserfolg beim amtierenden Meister bejubeln und auch in den nächsten Partien an Dalglishs Erfolgssystem festhalten.

[ANALYSE] Arsenals „double impact“ im Londoner Derby

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Gestern standen einander der FC Arsenal, Chelsea London und somit zwei Londoner Teams gegenüber. Heißt, es handelte sich nicht nur um ein Spitzenspiel erster Güte, sondern sogleich um ein Treffen zweier Lokalrivalen. Nur ein Punkt trennte die Teams vor dem Spiel, Arsenal dafür schon fünf Punkte von Tabellenführer ManU. Die Partie hätte also bedeutender garnicht sein können, vor allem weil Wengers Mannschaft sich und seinem Publikum zu beweisen hatte, auch in Aufeinandertreffen mit unmittelbaren Gegner um die Meisterschaft bestehen zu können. Schlussendlich sollte den Gunners der Sieg gelingen, nämlich sogar ein relativ ungefährdeter…

die Startformationen
Der interessanteste Gesichtspunkt aus taktischer Sicht war zweifelsohne Arsenals Startformation: Entgegen aller Erwartungen blieb Arshavin vorerst auf der Bank sitzen, so auch Neuverpflichtung Squillaci. Stattdessen begannen mit dem Schweizer Djourou und Theo Walcott ein körperlich sehr robuster Innenverteidiger bzw. schneller, auch defensiv recht starker Winger. Wenger, dessen angeblich nicht vorhandenes taktisches Verständnis oft kritisiert wird, hat hiermit ins sprichwörtliche Schwarze getroffen – sowohl Djourou als auch Walcott taten Ihres zum Erfolg ihrer Mannschaft.

Carlo Ancelotti dagegen stellte sein Team erwartungsgemäß auf, bietet ihm der verhältnismäßig dünn gewordene Chelsea-Kader doch kaum Alternativen. Immerhin konnte er auf Frank Lampard (in den letzten Wochen und Monaten plagte ihn eine Leistenzerrung, Anm.) zurückgreifen. Dafür musste Nicolas Anelka verletzungsbedingt passen, ihn ersetzte Kalou.

die Startformationen (4-2-3-1 / 4-5-1)

die Startformationen (4-2-3-1 / 4-5-1)

 

Spielverlauf
Die ersten Minuten brachten den erwarteten offenen Schlagabtausch, zu Beginn mit leichten Vorteilen für Arsenal, aber auch etlichen Halbchancen für Chelsea. Interessant zu sehen war, dass Alexandre Song nicht wie in den Spielen zuvor einen Box-to-Box-6er gab, sondern sich wie in der Vorsaison hauptsächlich mit den Defensivaufgaben eines Abräumers beschäftigte. So wollte Arsenal jene Konter unterbinden, die ihnen in den vergangenen “Big Games” jeweils zum Verhängnis wurden.

Auch Walcotts Aufgabe war interessant: Als eigentlich gelernter Flügelstürmer fand er sich oft in der eigenen Hälfte wieder, um dort entweder Bälle zu erobern oder Ashley Cole einfach ein wenig auszubremsen. Außerdem wichen Kapitän Fabregas und Robin van Persie immer wieder wieder in tiefere Positionen (siehe hierzu die Graphik!), den Niederländer fand man sogar einige Male auf dem rechten Flügel. Obwohl der Papierform nach das zentrale Mittelfeld (bestehend aus Song, Wilshere, Fabregas bzw. Mikel, Essien, Lampard) ausgeglichen hätte sein sollen, konnte Arsenal in dieser Zone des Spielfelds einen klaren Vorteil für sich verbuchen.

van Persies Passes

van Persies Passes

 

Wenger hatte also seine Hausaufgaben gemacht und seine Truppe auf das Spitzenspiel vorbereitet. Nicht so anscheinend Ancelotti, dessen einziges taktisches Mittel offensichtlich ein massives Mittelfeld – deshalb die Umstellung von 4-3-3 zu 4-5-1 – und lange Bälle auf Solo-Spitze Didier Drogba hinter die hoch stehende Arsenal-Abwehr waren. Dass letzterer so überhaupt nicht ins Spiel fand, lag einerseits an der nicht vorhandenen Unterstützung seitens seiner Mitspieler, andererseits aber auch an Djourous athletischem Körper, der ihn auf Schritt und Tritt verfolgte.

Mit Fortdauer des Spiels bekamen die Hausherren selbiges immer besser in den Griff, unter anderem aufgrund des extrem wirkungsvollen Pressings das man von Beginn an betrieb: nicht mit nur einem und nicht mit zwei, drei Spielern setzte man Chelsea unter Druck, sondern die ganze Mannschaft beteiligte sich daran. So zwang man Chelsea zu Abspielfehlern, wie sie das passstärkste Team der Liga normalerweise nicht machen würde…

Gegen Ende der ersten Spielhälfte igelte sich Chelsea mehr und mehr ein und man hatte das Gefühl, der Führungstreffer der Gunners könne nurnoch eine Frage der Zeit sein. So war es dann auch – nach einem versuchten Doppelpass zwischen Wilshere und Song und einem regelrechten Gemetzel im Strafraum bewahrt der Kameruner die Übersicht und bringt das Leder im Tor unter.

Zweite Halbzeit
Zur Pause brachte Ancelotti Ramires für den enttäuschenden John Obi Mikel, wobei Essien dessen tiefe Rolle übernahm und Ramires neben Lampard spielte.
In die beiden Tore kurz nach dem Seitenwechsel zu viel hineinzuinterpretieren wäre sogut nicht, resultierten sie doch aus kapitalen Eigenfehlern der Blues. Immerhin belegen sie aber, was Arsenal an diesem Abend auszeichnete: Beim 2:0 kam Chelsea nicht mit van Persies Rolle als sogenannte “falsche 9” zurecht, Walcotts Treffer ging ein Ballgewinn durch Pressing voraus.

Außer dem Ehrentreffer durch Branislav Ivanovic – möglich gemacht durch katastrophales Abwehrverhalten des ansonsten starken Koscielny – gelang Chelsea in weiterer Folge recht wenig. Zwar ging nach und nach auch bei Arsenal der Spielfluss verloren, doch hatten die ihre Tore ja bereits erzielt. Dennoch, es hätten gut und gerne noch mehr werden können – unter anderem vergaben Nasri, aus Überschuss an Selbstvertrauen, und der eingewechselte Diaby, aus Mangel an einem funktionstüchtigen linken Fuß, Hochkaräter. Beim 3:1 blieb es letztlich, was dem Spielverlauf nach auch so in Ordnung ging.

Zusammenfassend
Auch wenn der Gegner über weite Strecken nicht wie einer gespielt hat, ist es den Gunners gestern seit langer Zeit wieder gelungen einen Großen zu besiegen. Mannschaftliche Tugenden wie ausgezeichnetes Pressing und Ansätze totalen Fußballs waren dafür ebenso verantwortlich wie herausragende Einzelleistungen wie sie beispielsweise Alex Song gezeigt hat. Erleichtert schien nach der Partie vor allem der zuletzt in die Kritik geratene Arsene Wenger, der die Folgen des Sieges folgendermaßen beschrieb:

It was a double impact. Mathematically, it keeps us in touch with the leaders of the league. And psychologically, it was important. We were questioned about our capability of winning big games. I’m happy with the desire in the team.

[ANALYSE] Ergebnis ≠ Leistung

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ÖSTERREICH – GRIECHENLAND
Ernst Happel-Stadion, 16 200 Zuseher

1 : 2 (Fuchs 67. / Samaras 49.; Fotakis 81)

Österreichs Fußballnationalmannschaft war am vergangenen Mittwoch inferioren Griechen über weite Strecken des Spiels klar überlegen, musste sich letztendlich jedoch mit einer 1:2-Heimniederlage begnügen. Da das Endergebnis in Freundschaftsspielen nur in Ausnahmefällen (Österreich gg Deutschland, Brasilien gg Argentinien, Portugal gg Spanien unter anderem) von Bedeutung ist, kann man mit dem Gesehenen an sich zufrieden sein. Zu den vielen positiven Aspekten der Partie gesellten sich natürlich auch weniger gute – diese und jene werden im Laufe des Blog-Eintrags genauestmöglich analysiert.

Nach der überraschender-, fast komischerweise recht guten Darbietung in Belgien hatte Österreich im letzten Länderspiel des Jahres den Europameister von 2004 sowie den Weltranglisten-Elften Griechenland zu Gast. An Österreichs Startformation änderte sich trotz völlig anderem Gegner wenig bis gar nichts, noch nicht mal Kapitän Marc Janko kehrte in die erste Elf zurück. Die wenigen Änderungen, die Constantini vornahm/vorzunehmen hatte tätigte er allerdings ausgerechnet in der so empfindlichen Doppelsechs: Der angeschlagene Baumgartlinger wich David Alaba, Paul Scharner (fürs nächste Pflichtspiel Rot-gesperrt, ausschließlich deswegen auf der Bank) machte Yasin Pehlivan Platz frei.

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Ebenso wie Österreich zu Beginn liefen auch die Griechen in einem leicht verkappten 4-2-3-1 auf, dessen zentrale Achse (Karagounis, Samaras, Salpingidis, Anm.) die Fäden im Spiel hätte ziehen sollen.

erste Halbzeit
Bereits nach fünf Minuten hätte Österreich in Führung gehen können – nämlich per Elfmeter, der nach Maierhofer-am-Leiberl-ziehn korrekterweise verhängt wurde. Anstatt einen Junuzovic oder sonstigen technisch versierten Spieler das Leder in die Maschen schießen zu lassen, durfte Geburtstagskind Florian Klein selbiges versuchen. Der Rechtsverteidiger scheiterte kläglichst. In einem Freundschaftsspiel wie gesagt so schlimm nicht, allerdings ebenso ein Zeichen von mangelnder Professionalität und im Ernstfall natürlich umso schlimmer.

Von 16 200 gekommen Fans fanatisch angefeuert präsentierte sich die Constantini-Elf in der darauffolgenden Viertelstunde wirklich erfrischend, selbst One-Touch-Kombis über mehrere Stationen hatte man in dieser Phase anzubieten. Tatsächlich gelang es uns gestern deutlich besser, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Auch Maierhofer tat hier das Seinige dazu, indem er die Bälle einige Male geschickt auf Junuzovic abprallen hat lassen. Der Austrianer wiederum suchte häufig nach Marko Arnautovic, der gestern – abgesehen von einem Distanzschuss in der 20. Minute – recht unauffällig spielte, mit seiner Ballsicherheit und einigen guten Pässe aber zu überzeugen wusste. Maierhofer – Junuzovic – Arnautovic war also die prägende Achse des österreichischen Spielaufbaus – gäbe es eine Netzwerkanalyse zum Spiel, so würde sie dies sicherlich belegen.

Um die 30. Spielminute herum verebbte das Spiel zusehends und bot nicht mehr die Torchancen, die es noch zu Beginn geboten hatte. Dennoch hatte Österreich das Spielgeschehen weiterhin im Griff. Griechenland hatte unterdessen alle Mühe, den Ball längere Zeit in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Wurde man gefährlich, dann hauptsächlich durch Konter über die linke österreichische Abwehrseite, wo Christian Fuchs zuweilen einfach zu offensiv agierte. Sein Gegenüber Florian Klein hatte das Glück, mit Mitroglou einen bestenfalls durchschnittlichen Gegenspieler zu haben – jeder andere hätte mit dem schlicht überforderten Klein nämlich seine Freude gehabt.

fliegender Systemwechsel
Nach rund 35 Minuten änderte Österreich (ob nun vorgegeben oder nicht…) sein System vom 4-2-3-1 in ein 4-1-4-1 um – Pehlivan war nun alleiniger 6er, Alaba spielte deutlich offensiver als zuvor und Junuzovic ließ sich immer häufiger in tiefere Rollen fallen. Man versuchte so offensichtlich auf die inferiore Spielweise der Griechen zu reagieren und noch mehr Druck zu entwickeln. Gelungen ist dies kaum, da Maierhofer fortan isoliert wirkte und die Laufwege von Pehlivan, Alaba und Junuzovic ein solides Kombinationsspiel im Zentrum verunmöglichten. Einen Versuch war es jedoch wert, wozu sonst sind Freundschaftsspiel schließlich da…?

Trotz diesen Umstands fand Österreich selbst in dieser Phase einige Einschussgelegenheiten vor – einige Male scheiterte man jedoch am Unvermögen, andere Male am Schiedsrichter.

zweite Hälfte
Zur Halbzeit kam, wie im Vorfeld vereinbart, Christian Gratzei für den quasi beschäftigungslosen Macho. Dass der Sturm-Goalie bereits nach vier Minuten den Ball aus dem Netz fischen musste, war so nicht unbedingt zu erwarten und eigentlich mehr als nur ungerecht. Andererseits darf man sich, wenn man sieht wie Klein Samaras deckt bzw. eben nicht-deckt, über den Gegentreffer an sich nicht wirklich beklagen.

Bereits Minuten später hätte Österreich ausgleichen können, doch der ansonsten überragende Junuzovic rutschte ungeschickterweise an einer Hereingabe von Christian Fuchs vorbei.

In der 58. Minute kam dann endlich Marc Janko ins Spiel. Doch anstatt Maierhofer, der mit Fortdauer des Spiels immer weniger an diesem Teil hatte, auszutauschen, musste Veli Kavlak den Platz verlassen. An sich nicht schlimm, Kavlak war schließlich bis auf ein paar Aktionen unmittelbar vor seiner Auswechslung nicht wirklich vorhanden, aber insofern sehrwohl problematisch, als der Wechsel von 4-2-3-1/4-1-4-1 auf 4-4-2 dem österreichischen Spiel einfach nicht gut tut. Bereits in Belgien sah man dies, also ist auch die Ausrede “Freundschaftsspiel, also eh wurscht” unzulässig. Ein fähiger Teamchef lernt aus Fehlern, Constantini augenscheinlich nicht.

Anschließend nahm Constantini den enttäuschenden Pehlivan vom Feld und brachte stattdessen Paul Scharner, doch selbst der England-Legionär vermochte dem mittlerweile recht trostlosen Spiel der Österreicher keine Wende zu geben. So musste also eine fantastische Einzelaktion des Deutschland-Legionärs Christian Fuchs den hochverdienten Ausgleich herbeiführen: Von Marko Arnautovic zuvor per Fersler in Szene gesetzt nimmt sich der Mainzer aus 25 Metern ein Herz und wuchtet das Runde ins Eckige.

Dass das Spiel letzten Endes trotzdem verloren ging, ist für mich nicht weiter schlimm, das Abwehrverhalten beim spielentscheidenden 1:2 gibt jedoch zu denken – abermals fiel es über Christian Fuchs’ Seite und zum wiederholten Mal aus einem schnellen Gegenstoß. Zeichnete sich Österreich zu Beginn der Ära Constantini noch durch seine solide Hintermannschaft aus, hat es mittlerweile stark an Souveränität eingebüßt. Vier Gegentreffer bei mittelmäßigen Belgiern und deren zwei von destruktiven Griechen sprechen für sich…

Zusammenfassend
Im Grunde genommen lässt sich mit der Leistung unserer Jungs leben, die viel zitierte und oft vermisste “Leistungssteigerung” war diesmal klar und deutlich ersichtlich. Durch Pech, Unvermögen und mangelhaftes Abwehrverhalten hat man sich allerdings um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Constantini muss man zugestehen, eine durchaus schlagkräftige Truppe geformt zu haben, seine Wechsel waren jedoch abermals ein Schuss in den sprichwörtlichen Ofen.

Ein Wort abschließend noch zu Griechenland: Erschreckend, dass man sich zwar von Otto Rehagel getrennt hat, unter einem neuen Teamchef aber weiterspielt wie bisher. Ungeachtet der guten Ergebnisse in der EM-Qualifikation wird man sich meiner Einschätzung nach nicht mehr lange auf dem elften Rang der FIFA-Weltrangliste halten können, es sei denn man gleicht seine Spielweise endlich dem internationalen Trend des Fußballs an.

Einzelkritik

Macho: So gut wie beschäftigungslos… wenn beschäftigt, dann sicher

Klein: kann nichts dafür, dass er nichts im Nationalteam verloren hat
Prödl: mehrere Male ein Unsicherheitsfaktor
Schiemer: Solide.
Fuchs:
seine Vorstöße sind Goldes wert, die Lücke, die er dadurch in der Viererkette hinterlässt, ist jedoch schwer zu stopfen

Pehlivan: etliche unnötige Fehlpässe, im Zweikampfverhalten fehlt oft die Entschlossenheit
Alaba:
ein Versprechen für die Zukunft, momentan nichts als ein Mitläufer… als 6er weit besser als als 8er, btw

Kavlak: hatte relativ wenige Ballkontakte. Wenn er den Ball dann mal hatte, folgte meist der Alibi-Pass.
Junuzovic: laufstark, dynamisch und mit einer hervorragenden Technik ausgestattet – könnte tatsächlich der ZOM sein, nach dem Österreich schon so lange sucht
Arnautovic: zusammen mit Junuzovic bester Mann auf dem Platz, Gründe sind oben angeführt

Maierhofer: holte das Beste aus sich raus, was aber noch immer zu wenig sein sollte, einen Marc Janko auf die Bank zu vertreiben

Gratzei: beim 1:2 kann er stehn bleiben, muss er aber nicht… am Ende war es nur ihm zu verdanken, dass man nicht noch ein drittes Gegentor kassierte
Janko:
fand nicht so recht ins Spiel – teilweise lag’s an ihm selbst, teils aber auch an den nicht vorhandenen Vorlagen
Scharner: Durchschnitt.
Linz:
sollte bei unserem Material an Stürmern eigentlich nicht für einen Einsatz infrage kommen…

[ANALYSE] Wie und weshalb Salzburg Juve Schwierigkeiten bereitete

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FC Salzburg – Juventus Turin
Red Bull Arena, 19 200 Zuseher
1 : 1 (Svento 36. / Krasic 48.)

Nach teils katastrophalen Vorstellungen im Liga-Alltag lief Österreichs Meister pünktlich zur Kür zu gewohnter Europacup-Hochform auf – über 90 spannende Minuten hinweg verlangte man dem italienischen Spitzenverein Juventus Turin alles ab und hätte letztendlich sogar gewinnen können. Es zeigte sich zum wiederholten Male, dass RedBull Salzburg die europäische Bühne weit besser liegt als das täglich Brot – zurückzuführen ist dies auf mehrere Faktoren, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der Heimniederlage gegen den KSV Superfund folgte also ein Punktgewinn gegen den Tabellenfünften der Serie A… kaum zu glauben eigentlich, nahm Stevens doch nur, so schien es zumindest, wenige Änderungen gegenüber dem Kapfenberg-Spiel vor.

Im Tor stand abermals Gerhard Tremmel, in der Viererkette davor verteidigte unter anderem der 18-jährige Alexander Hinteregger. Den 6er gab Franz Schiemer, den einzigen Stürmer Roman Wallner. All diese Spieler konnte man mehr oder weniger in der Startelf vermuten, doch mit Nikola Pokrivac rechnete kaum einer: Seit geraumer Zeit ist der Kroate bei Stevens unten durch, zuletzt wurde ihm sogar Thomas Augustinussen vorgezogen.

Gestern aber benötigte es einen Spieler wie Pokrivac. Warum er und nicht Leitgeb beginnen durfte?

Das hat taktische Gründe. Ich brauche heute einen passenden Spieler (Pokrivac, Anm.) und lasse dafür einen laufenden Spieler (Leitgeb, Anm.) auf der Bank. Natürlich hat die Startaufstellung immer mit Leistung zu tun, aber in diesem Fall geht es hauptsächlich um Taktik”

, meinte Stevens, von Gerhard Krabat auf die Personalie Pokrivac angesprochen. Wie nützlich der Kroate Salzburg sein kann, sollte sich bereits in den Anfangsminuten herausstellen…

Salzburgs Starformation (4-1-4-1)

Salzburgs Startformation (4-1-4-1)

Juventus’ 4-4-2 ließ insofern an Kompaktheit vermissen, als es die beiden Stürmer (Del Piero und Amauri) verabsäumten Druck auf den Ballführenden auszuüben – also konnte RedBull Salzburg die Vorzüge des 4-1-4-1-Systems in vollen Zügen genießen: Schiemer – oder auch Pokrivac, der sich immer wieder in tiefe Positionen fallen hat lassen – konnte das Spiel diktieren, den Ball nach Belieben an die Außenverteidiger oder Mendes da Silva weitergeben und Juve war, weil in nummerischer Unterzahl, immer einen Schritt hinterher.

Überzahl: Salzburg dominiert das Mittelfeld

Überzahl: Salzburg dominiert das Mittelfeld

Schiemer, Pokrivac und Mendes da Silva waren sich dessen offensichtlich bewusst und profitierten davon, indem sie mehrmals eine Art Dreieck formten und in diesem den Ball zirkulieren ließen. Salzburg blieb dadurch in Ballbesitz und drängte sowohl Viererkette als auch Flügelspieler der Gäste weit zurück.

Nichts anderes dürften Stevens’ “taktische Gründe” gewesen sein – er war sich einfach der Tatsache bewusst, dass ein 4-1-4-1 einem 4-4-2 im zentralen Mittelfeld unheimlich viel Schaden zufügen kann wenn der Ball richtig zirkuliert. Und Leitgeb ist nunmal ein laufender Spieler, der den Ball entweder in die Gefahrenzone trägt, oder ihn zumindest recht lange am Fuß hält – ihn aufzustellen wäre nicht unbedingt produktiv gewesen.

Ein weiterer kluger Schachzug von Stevens war es, David Mendes da Silva jene offensive Rolle zuzuteilen, die er schon während des Rückspiels gegen Omonia Nikosia hervorragend erfüllt hatte – war Salzburg in Ballbesitz spielte er, wie er es aus Alkmaar-Zeiten gewohnt ist, den sicheren Pass aus der Tiefe. Hatte der Gegner den Ball, war er zumeist vorderster Mittelfeldspieler. Zusammen mit Roman Wallner gelang es ihm sehr gut, den ballführenden Turiner “auszubremsen” und damit das Tempo aus den Angriffen der Gästen zu nehmen.

Jedenfalls war er gestern der unumstritten beste Spieler auf dem Feld. Sieht man, wie er dem Spiel seinen Stempel aufdrückte ohne sonderlich spektakulär zu wirken, wird einem nun auch klar, wieso Gludovatz Mendes da Silva zuletzt als den gefährlichsten Salzburger bezeichnet hat.

Spielverlauf
Gegenüber der 0:2-Niederlage gegen Kapfenberg präsentierte sich Salzburg in allen Belangen verbessert: Kämpferisch, taktisch und in der Folge auch spielerisch. Im zentralen Mittelfeld zogen Pokrivac und Mendes da Silva geschickt die Fäden, auf dem linken Flügel riefen Svento und Hinteregger ihr volles Leistungsvermögen ab – überhaupt war die linke die weitaus gefährlichere Seite der Salzburger, da Svento seine Schnelligkeit dazu nutzte, den Raum zwischen Rechtsverteidiger Grygera und Martinez zu beackern und so für viel Gefahr sorgte (siehe Graphik, Anm.).

Juventus Turins Angriffsbemühungen fehlte unterdessen die kreativen Momente eines Milos Krasics oder auch eines Aquilanis – beide waren im Sommer zu Juve gewechselt, mussten allerdings mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen. Weiters ließ die alte Dame Pressing jedweder Art vollständig vermissen. Eine Tatsache, die den Roten Bullen insofern entgegenkam, als es sie das Spiel gemächlich aufziehen hat lassen.

Die erste halbe Stunde gehörte zweifelsohne den Salzburgern, welche allerdings den letzten Zug zum Tor vermissen ließen. Bis schließlich das 1:0 fiel, so geschehen in der 36. Spielminute: Der überragende Mendes da Silva behauptet sich gegen zwei Gegenspieler und verlagert das Spiel auf die linke Seite, wo Svento mit einem gekonnten Haken Grygera aussteigen ließ – der Abschluss selbst landete genau im langen Eck, Manninger chancenlos.

Die zehn verbliebenen Minuten bis zum Pausenpfiff waren von Abspielfehlern der Gäste und zurückgezogenen Hausherren geprägt. Jedoch konnte man davon ausgehen, dass Juventus mit Beginn der zweiten Hälfte Druck machen würde. Dieser trat auch ein und führte bereits nach drei Spielminuten zum Erfolg: Der eben eingewechselte Krasic lässt Tremmel aus wenigen Meter keinerlei Chance. Zählen hätte das Tor aber nicht dürfen, da sich der Serbe an Hintereggers Leiberl zog und sich so einen klaren Vorteil verschaffte – eine von mehreren Fehlentscheidungen des Unparteiischen.

Eine nächste folgte sogleich, nämlich als Martinez Gelb-Rot hätte sehen müssen. Dem Schiedsrichter fehlte aber offensichtlich der Mut, das Foul regelkonform zu ahnden. Als Minuten später eine Tätlichkeit an Schwelger ohne Konsequenzen blieb, konnte man endgültig von einem Kniefall vor dem Großen sprechen. Sei’s drum…

Gegen Ende der Partie praktizierte RedBull Salzburg teils atemberaubendes Pressing, welches seinen Zweck erfüllte und Juventus zu zahlreichen Abspielfehlern zwang. Angetrieben vom mittlerweile eingewechselten Christoph Leitgeb war Österreichs Meister dem Siegtreffer weit näher als Juventus, einzig die mäßige Chancenauswertung verhinderte einen Heimsieg.

Zusammenfassend
Salzburg hätte das Spiel gut und gerne gewinnen können, kann aber auch so stolz auf sich sein – vom Glanz vergangener Tage mag bei Juventus zwar wenig bis gar nichts übrig geblieben sein, internationales Format haben die Turiner allerdings weiterhin. Nun braucht es, sofern man die Gruppenphase überstehen möchte, wohl oder übel einen Auswärtssieg in Turin – zuzutrauen ist es der Mannschaft allemal, einfach wird es jedoch mitnichten.

[ANALYSE] Constantini beseitigt Irrtümer und untermauert den Rest

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Constantini wird vielerlei vorgeworfen – Stamm habe er keinen, System erst recht nicht. Außerdem sei die Mannschaft zu jung und seine Startaufstellung nahezu jedes Mal blöd. Spätestens seit dem Heimsieg über Azerbaijan weiß man, welche Vorwürfe nun stimmen und welche nicht. Der dseitlhuber – sportblog analysiert die gestrige Partie und geht der Frage nach, ob das Nationalteam unter Dietmar Constantini Zukunft hat.

Nach den Kasachen, bekam man es auch in der zweiten Runde der EM-Quali mit Halbprofis zu tun. Sechs Punkte aus den ersten beiden Partien warn die Vorgabe von oben, Constantini fuhr sie mit Bauchweh ein. Gegen Azerbaijan präsentierte man sich wesentlich besser als gegen Kasachstan, was aber nichts an der tristen Situation unseres Nationalteams ändert.

Macho begann in Österreichs Tor, Schiemer bekam den Vorzug gegenüber Aleks Dragovic, Arnautovic stand in der Startelf und Roland Linz gab, wie schon gegen Kasachstan, den 10er. Den angeschlagenen Marc Janko ersetzte Stefan Maierhofer. In Addition mit den restlichen sieben Feldspielern ergab dies jenes 4-2-3-1, welches Constantini bereits gegen Kasachstan und die Schweiz spielen hat lassen (Stichwort: Stamm).

Azerbaijans Aufstellung wurde uns als 4-1-4-1 verkauft, glich in Ballbesitz aber mehr einem 4-2-3-1, da Mammadov immer wieder in eine tiefe Rolle schlüpfte.

 

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

 

Die österreichische Doppelsechs bildeten diesmal Paul Scharner und Zlatko Junuzovic. Scharner spielte das, was der Engländer einen “Box to Box”-Player nennt: Einen, der immerwährend von 16er zu 16er läuft. Auch bei WestBrom spielt er diese Rolle, entsprechend gut kam er mit ihr zurecht. Junuzovic behielt seine Position meist bei und versuchte, möglichst viele Ballkontakte zu sammeln. Warum ihm dies nicht gelang? Österreich hatte große Probleme, den Ball aus der Abwehrreihe heraus den 6ern zuzuspielen, einfach weil sich diese nicht zurückfallen haben lassen. Im modernen Fußball ist es üblich, dass man dies tut, selbst Azerbaijan war so klug. Einzig Constantini scheint nichts davon zu halten. Junuzovic hätte aus einer tieferen Rolle heraus das Spiel gestalten können, doch man ließ ihn stattdessen weiter vorn herumirren und passte den Ball lieber den überforderten Außenverteidigern zu.

Auch in seiner zweiten Partie als zentral offensiver Mittelfeldspieler erging es Linz nicht gut – wenig gute Pässe spielte er, keinen Druck übte er auf den ballführenden 6er aus und Torgefahr schon gar nicht. Wesentlich besser tat es Stefan Maierhofer, der sich gut/viel bewegte und rein fußballerisch deutlich besser auftrat, als bei seinen letzten Einsätzen. Außerdem lieferte er quasi die Vorlage zu Junuzovics Eckstoß, welchen wiederum Prödl zum frühen 1:0 nützte.

Das befürchte Geduldsspiel blieb also aus, doch anstatt vor Selbstbewusstsein zu strotzen und entsprechend zu spielen, ließ sich Österreich tatsächlich in der eigenen Spielhälfte festnageln – Grund waren hauptsächlich Ballverluste von Harnik und Linz sowie allgemeine Mängel im Spielaufbau. Die Drangperiode der Gäste dauerte gut 15 Minuten, danach hatte die Cosntantini-Elf das Spiel wieder unter Kontrolle. Von Pressing war jedoch weiterhin keine Spur – stattdessen gab man sich damit zufrieden, die Räume eng zu machen und die Führung zu verwalten. Zugegebenermaßen gelang Vor- und Letzteres recht gut, was ein wenig Hoffnung für Dienstag gibt, gegen einen Gegner wie Azerbaijan hätte es aber mehr Mut zum Risiko gebraucht.

Nach einer guten halben Stunde tauschten Harnik und Arnautovic Seiten – auf eigenen Entschluss hin, wie Constantini später zugeben sollte. Jedenfalls tat die Rochade dem österreichischen Spiel insofern gut, als Arnautovic auf Links endlich ins Spiel fand. Andererseits war nun die rechte Seite ziemlich verwahrlost, was angesichts der Harnik’schen Leistung allerdings auch nicht weiter schlimm gewesen ist.

Was taten eigentlich die Außenverteidger? Fuchs agierte erwartungsgemäß offensiver als Klein und bot Arnautovic somit eine Anspielstation, die Harnik auf dem rechten Flügel nicht hatte.
Dass die österreichische Vierer- bei Ballbesitz zur Dreierkette wird, hat der dseitlhuber – sportblog bereits nach dem Länderspiel gegen die Schweiz erwähnt, nun haben es auch die Kollegen von Ballverliebt.eu erkannt. So stand in deren Analyse nämlich:

Problematisch erwies sich an Fuchs’ Spielweise allerdings, dass die Abwehr in vielen Situation de facto als Dreierkette agieren und reagieren musste, wenn der umtriebige Kapitän sich wieder weiter vorne aufhielt.

geschrieben. Illustriert hat man das Ganze mit einer sehr anschaulichen Graphik – zumindest in Österreichs Online-Sportmedien ist also ein Aufwärtstrend erkennbar.

Um noch einmal auf Linz in seiner Rolle als Spielmacher zurückzukommen: Nirgendwo – ich betone nirgendwo – sonst würde ein Teamchef aus einem derartig breit gefächerten Spektrum an Spielmachern einen Strafraumstürmer als 10er einsetzen, Constantini tat es sogar zweimal. Wer Arnautovic (meiner Meinung nach spielt er nirgends besser als hinter den Spitzen), Junuzovic oder ja, auch Andi Ivanschitz zur Verfügung stehen hat, sollte von ihnen Gebrauch machen.

Überhaupt neigt unser Teamchef dazu, Spieler auf Positionen einzusetzen, die ihnen nicht liegen. Nicht weniger als drei Akteure (Linz, Harnik, Junuzovic) waren es allein gestern.

Zweite Hälfte
Einer katastrophalen ersten Halbzeit folgte eine bessere zweite, nicht zuletzt Arnautovics Treffer entschädigten für vieles: Das 2:0 war eine von wenigen Kurzpasskombinationen, das 3:0 eine simple Zur-Schau-Stellung von Arnautovics Können: Der Laufweg, der Schupfer – göttlich!

Doch auch ansonsten gelang der ÖFB-Auswahl weit mehr als in Hälfte Eins, wobei ein Zusammenhang zwischen Systemumstellung/Spielerwechseln und Leistung keineswegs ausgeschlossen werden kann: Kavlak ersetzte den schwachen Harnik, Hoffer kam für Linz. Jimmy gab jedoch keinen 10er, sondern eine zweite Spitze. Da außerdem Junuzovic mehr Freiheiten zugestanden bekam, kann man getrost von einem 4-1-3-2 sprechen. In dieser Phase spielte die Constantini-Elf ihren besten Fußball, doch mit der Einwechslung von Baumgartlinger und der damit verbundenen Systemumstellung war auch dieser Elan dahin.

Dass man die Gäste auch in der Schlussphase zu keiner ernsthaften Torgelegenheit kommen hat lassen, muss zwar erwähnt werden, was ich hiermit auch tue, ist aber ohnehin Grundvoraussetzung, will man gegen Belgien oder gar Deutschland ein Leiberl haben.

Zusammenfassend
Eine wenig unterhaltsame Partie gegen einen desolaten Gegner, die immerhin ein zufriedenstellendes Endresultat mit sich brachte. Constantinis hat zum einen haarsträubende Fehler gemacht und desweiteren nicht gegnergemäß, sprich: offensiv, spielen lassen. Die Begegnung offenbarte wenig Neues, trennte jedoch Wahres von Unwahrem: Ja, Dietmar Constantini hat wenig Ahnung von Taktik und Ordnung. Ja, unser Teamchef ist lernunfähig und stellt Spieler auf, wo sie nichts verloren haben. Nein, die Mannschaft ist nicht (zu) jung. Und schließlich die wichtigste aller Fragen:

Wird sich das spielerische Element jemals bessern, solange er das Amt des Teamchefs inne hat? Nein.

Einzelkritik

Macho: Einmal hielt er gut, ansonsten gab es nichts zu halten

Klein: Kann noch immer nichts dafür, dass er im Nationalteams nichts verloren hat…
Prödl: Einige Male ungeschickt, dafür mit einer hervorragenden Zweikampfbilanz

Schiemer:
Wer meint, er habe in der IV nichts verloren, kann ihn nicht spielen gesehen haben
Fuchs:
Ab und an sorgten seine Vorstöße für Gefahr, doch selbst wenn nicht sorgten sie immerhin für einen Hauch von spielerischer Linie

Scharner: Box-to-Box mag man, oder eben nicht… Wenn man es mag, kann man mit Fug und Recht von einer guten Leistung sprechen
Junuzovic: Viel zu wenig Ballkontakte, als dass er dem Spiel eine Wendung hätte geben können

Arnautovic: In Halbzeit Eins noch biederer Durchschnitt, nach dem Seitenwechsel bester Mann auf dem Platz
Linz: Kanns nichts dafür, dass er außerhalb des Strafraums nichts verloren hat…
Harnik:
Ein Freund seiner Spielweise werd ich nie werden. Meiner Meinung nach gibt er generell zu viele Bälle verloren, gestern erwischte er obendrein einen schlechten Tag

Maierhofer: Kämpferisch wie gewohnt, am Ball ungewohnt stark – seine mutmaßlich beste Leistung im Teamdress

Kavlak: Allein seine Vorlage zum 3:0 rechtfertigte seine Einwechslung
Hoffer: Viel Wirbel um nichts
Baumgartlinger: Kann nichts dafür, dass er zu kurz eingesetzt wurde

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