Blog über Constantinis Dilemma, einen farblosen Schmäh, der leider keiner zu sein scheint, und „subjektive Ungerechtigkeit“

„Da kann man durchaus von subjektiver Ungerechtigkeit sprechen“, macht Österreichs Nationalteam-Chef kein Hehl aus seiner Kaderzusammenstellung. Leider sah er diese „subjektive Ungerechtigkeit“ aber nur im Fall Hoffer und nicht etwa im Falle Andreas Ivanschitz‘. Den Jimmy konnte er nämlich nicht einfach aus der Mannschaft kegeln, immerhin hat er ja zuletzt im Nationalteam so gut gespielt – da macht es nichts dass er nicht wirklich zum Einsatz kommt, ist sich Österreichs Feldherr sicher. Doch wenigstens kann man Constantini nicht vorwerfen seiner Linie nicht treuzubleiben – der Linie nämlich, dass Leistung nicht wirklich zählt und Kadereinberufungen entweder durch weibliche Intuition oder populistische Hintergründe zustande kommen. Das österreichische Staatsfernsehen ORF sah dies auf seiner Homepage (www.orf.at) freilich anders, ist sich sicher dass Didi der richtige Mann für den Posten ist und den „Kurs nicht verlassen“ wird. Einerseits betont Constantini zwar immer wieder neue Spieler integrieren zu wollen – was er ja auch tut – und jene die keine Leistung bringen aus dem Kader zu werfen, andererseits gab er neuerdings die Devise „Ich habe mich entschlossen, dass ich zu diesem Kader halte und ihm weiter die Chance gebe. Dazu stehe ich, und das werde ich durchziehen“ aus. Etwas widersprüchlich wie ich finde, doch noch wesentlich lächerlicher machte sich der gute Herr mit folgender Aussage gegenüber ORF.at:

„Ich habe Ivanschitz den Mainzern empfohlen, als guten Techniker und als Spieler, der einen guten Pass nach vorne spielt. Ich habe ihnen gesagt, wenn er hängend in der Mitte spielt, kann er ihnen helfen. Wenn ich ihn nicht empfohlen hätte, hätten sie ihn in Mainz nicht genommen.“

Ob der selbsterklärte „sture Tiroler“ wirklich der Meinung ist, er habe Ivanschitz zu seinem Karriere-Sprung verholfen liegt im Auge des hoffentlich skeptischen Betrachters. Mit meiner eher negativ belasteten Meinung zum – wie er sich gerne insziniert und zuweil auch bezeichnet – „graden Mandl“ stehe ich übrigens keineswegs alleine da, die heutige SportWoche meint in ihrem „Mail der Woche“  an eine sportliche Prominenz nämlich:

Lieber Didi Constantini!

Beim Begründungs-Slalom, warum sie Andreas Ivanschitz nicht in den Teamkader geholt haben, haben Sie aber ordentlich eingefädelt. Ihr Vorpreschen, er hätte eine Stammplatzgarantie gefordert, wurde umgehend dementiert. Die Ausrede, dass es in Ihrem System keine Position für ihn gebe, ist schlichtweg Unsinn. Dann hätten Sie ja auch Paul Scharner, bei Wigan neuerdings ebenfalls „Zehner“, nicht holen dürfen. Und was machen Sie dann mit Thomas Prager? Und dass Mainz nicht besser ist, als Rapid, Salzburg, Sturm oder Austria mag ja sein – dort schießt man die Tore aber in der Regel gegen Mattersburg und Kapfenberg und nicht gegen Bayern und Hoffenheim.

Auf Ivanschitz trotz vier Tore und vier Assists zu verzichten ist ihr gutes Recht, auch wenn es das von Ihnen ausgerufene Leistungsprinzip konterkariert. Aber dann doch bitte mit Begründungen, die weniger an den Haaren herbeigezogen sind.

Ihr Markus Geisler

Artikel stammt vom: 6. Oktober 2009 – 15:11 Uhr

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