Offener Brief an den zuletzt immer mehr gescholtenen Österreichischen Teamchef

Geschätzter Nationalttrainer, lieber Didi!

Als Sie wenige Wochen nach der fristlosen Kündigung von Karel Brückner das zugegeben sehr schwere Amt des ÖFB-Teamchefs übernommen haben, wurden große Erwartungen in Ihre Person gesetzt. Bei Fans und Medien, erhielten Sie einen Bonus, wie Ihn kaum ein Nationaltrainer gesehen hat. Anfangs konnten Sie den von ihnen geforderten Umschwung tadellos herbeiführen, die Spieler schienen Lust am Nationalteam zu gewinnen, lust- oder praxislose wie Ivanschitz oder Stranzl wurden aussortiert. Rumänien konnte mit viel Glück und noch mehr Hoffer knapp geschlagen werden, aber langsam offenbarten sich Risse in Ihrem Sonny-Boy-Image. Maier-Hoffer war die bevorzugte Variante, Janko durfte Bankerl wärmen, so mancher Legionär ebenso. Statt auf gestandene Spieler zurückzugreifen forcierten Sie die Jugend, was Ihnen auch niemand verdenken kann. Aber wenn ein 17-Jähriger David Alaba gegen die Spanier bereits zum zweiten Mal im Teamkader steht, so ist das wahrlich gewöhnungsbedürftig.

Doch all diese Lappalien konnte man Ihnen – sofern man das wollte – verzeihen. Immerhin war der Erfolg durchaus vorhanden, spielerisch war das Ganze ein Graus, aber laut Gludovatz ist „alles wurscht, wenn man siegt“. Dann fand der von Ihnen nur allzu oft mit einer Diva verglichene Andreas Ivanschitz einen Verein, Mainz 05, und Sie verloren einen Grund Ihr scheinbar rotes Tuch nicht einzuberufen. Da sie ja keinen anderen rausnehmen hätten können, entschieden Sie sich kurzerhand dem enttrohnten Kapitän das Fordern einer Stammplatzgarantie zu unterstellen, nur um diese Meinung bereits Stunden später fallen zu lassen und durch die angebliche Langsamkeit und bei Ihm fehlende Defensivarbeit zu ersetzen. Ihr Sieger-Image – wie Sie es erlangen konnten, ist mir schleierhaft – haben Sie damit längst verloren, viel zu offenkundig waren Ihre charakterlichen Schwächen in der ‚Causa Ivanschitz‘. Auch Martin Stranzl fühlte sich unfair behandelt, Peter Pacult, obwohl dieser eigentlich keinen Grund dazu hätte, auch. Der Grundtenor ist immer der selbe: Ihnen wird vorgeworfen nicht die Wahrheit zu sagen. Zuvor hatte bereits Alexander Manninger aus bis heute ungeklärten Gründen sein Engagement für das ÖFB-Team unter dem Trainer Constantini bis auf Weiteres beendet.

Mein lieber Herr Constantini, sie können – wie sie es auch selbst sagen – quasi tun und lassen was Sie wollen, immerhin müssen letztendlich eh Sie die Fingern hinhalten. Sie können einberufen und mögen, wen Sie wollen, aber zumindest begründen sollten Sie so manche unnachvollziehbare Entscheidung. Dass eine Begründung nicht völlig an den Haaren herbeigezogen – Martin Stranzl – oder gar erfunden – Andreas Ivanschitz – sein darf, versteht sich von selbst.

Ob Sie einen Stranzl einem Patocka, einen Baumgartlinger einem Leitgeb oder einen Beichler einem Ivanschitz vorziehen möchten, ist Ihr Kaffee. Doch Sie sollten doch das Rückgratt besitzen, zu Ihrer Entscheidung zu stehen und sich nicht hinter fadenscheinigen Ausreden zu verstecken. Dass der Unmut gegenüber Ihnen tagtäglich zunimmt, haben Sie sich wirklich selbst zuzuschreiben. Immer nur auf die Jung-, Lieb- oder Geilheit der eingesetzten Spieler zu verweisen, ist nicht das Wahre, der 08/15-Österreicher will Verbesserung und Ehrlichkeit sehen. Erstere ist nicht absehbar und auf Letztere haben sie zuletzt einfach viel zu oft verzichtet, als dass Sie mir in Zeiten wie diesen leid tun könnten.

Gegen Spanien möge unser Team ein gutes Resultat erzielen, es geht schließlich um die Ehre der Fußballnation, aber des Umschwungs willen, käme auch ein Debakel ganz gelegen. Denn auf einen Andreas Ivanschitz in dieser Form zu verzichten ist, selbst seiner Langsamkeit zu Trotze, lächerlich Sollte das Ganze auch noch aus persönlichen Gründen geschehen, wäre es natürlich hochgradig unprofessionell und einem Teamchef nicht würdig.

Ich hoffe Sie behalten meine Worte in Erinnerung
Mit freundlichen Grüßen
Dominik Seitlhuber

Artikel stammt vom: 11. November 2009 – 08:25 Uhr

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