Blog-Eintrag über einen Rapid-Sieg und die ausgleichende Gerechtigkeit

„Das Leben ist eben ungerecht!“
„Das Leben ist ungerecht“, stellte der österreichische Teamchef unlängst fest. „Außer wenn ein Trainer nix gewinnt und entlassen wird“. Letzteres ist dem Herren Schinkels passiert, ersetzt wurde er durch den Slowenen Joze Prelogar.
Das Leben neige also dazu ungerecht zu sein, ist die Moral von Didi’s Geschicht. Flügel haben die Bullen – und die Grün-Weißen halt nicht. Von Ungerechtigkeit war bei den Hütteldorfern nach der bitteren 0:1-Niederlage gegen Sturm die Rede, Salihis Treffer in der Nachspielzeit war zuvor für null und nichtig erklärt worden. Constantini schien also Recht zu behalten.
Gestern paarten sich die Teams ein zweites Mal. Eigentlich hätte der Schlager schon in der ersten Runde über die Bühne gehen sollen, damals zogen Rapid samt Bundesliga jedoch das Jubiläums-Spiel mit Liverpool vor.
Gegner ist diesmal zwar nicht ein krisengeschüttelter Premier-League-Klub, aber immerhin ein krisengeschüttelter österreichischer Erstligist. Sturm hatte anfangs mehr vom munteren Spiel, doch Rapid erweckte mehr Torgefahr. Als in Minute 16 Kavlak imposant den Ball erkämpft, zur Mitte auf Hofmann spielt und dieser Nikica Jelavic auf Reisen schickt, hat der Kroate keine Mühe auf 1:0 zu erhöhen und die Torgefährlichkeit in Zählbares umzumünzen.
Die Grazer tun sich zwar weiterhin ganz gut gegen den Rekordmeister, vermögen aber nicht mehr richtig zu überzeugen. Jantscher tut sich einige Male als Wirbelwind hervor, Klemen Lavric als bemühter Chancentod.
Die erste 100%ige findet Sturm erst vor, als sich der erste Durchgang seinem Ende zuneigt: Jantscher dreht die Ecke auf das Köpfchen seines Zwillings und der bisher unauffällige Daniel Beichler netzt. Ausgleich. Falsch!
Dem Treffer des Teamspielers war ein Foul eines Sturm-Spielers an Soma vorausgegangen, der Schiedsrichter wertete diese Winzigkeit als Foul. Helle Aufregung bei der Foda-Elf, gleich zwei Spieler bekommen von Gangl den gelb gefärbten Karton gezeigt, helfen tut’s nix.

… Oder doch nicht?
Von der Ungerechtigkeit des Lebens angestachelt, setzen die Steirer ihre Bemühungen nun voll und ganz auf den Ausgleich. Zwar will ein Törchen voerst nicht gelingen, ohne herausgespielte Chancen fällt das auch schwer, doch als sich Andreas Hölzl auf rechts durchtankt, den freistehenden Lavric erspäht und ihm die Kugel serviert, sagt dieser per Vollspannschuss unter das Aluminium nur noch ‚Danke‘. Ausgleich! Zu allem Überfluss ließ ein selbstverschuldeter Ballverlust mit inkludierter Knieumdrehung die Oberschenkelverhärtung des Steffen Hofmanns akut werden, der Rapid Regisseur musste das Feld schweren Gemüts räumen.
Das Bemühen, die Schwarte auszuwetzen merkt man den Hütteldorfern zwar an, aber herz- und hirnlos war es schwer, gegen passable Gäste zu bestehen. Als alles auf ein leistungsgerechtes Remis hindeutet, schlagen die Rapidler doch nochmal zu. Die Rapid-Viertelstunde war schon lange am Laufen, 14 Minuten genauer gesagt, als ein weiter Abschlag weder Schildenfeld noch Salihi findet. Der Sturm-Verteidiger weiß sich nicht wirklich zu helfen, bugsiert das Runde unfreiwillig auf Salihis Geschoss. Dieser zeigt Routine, schlenzt den Ball um Gratzei herum. Der Goalie kann sich nicht in Luft auflösen, aber ein Zupfen am Leiberl des Angreifers hätte er sich schon verkneifen können – der verhängte Elfer geht in Ordnung. Der Gefoulte (!) läuft an und trifft (!). Gratzei befand sich zwar in der richtigen Ecke des Tores, aber hatte kein Chance den platzierten Schuss abzuwehren. 1:2 hieß dann auch der Endstand.

Fazit:
Dass Grün-Weiß nun Tabellenführer ist freut Medien, Spieler, Pacult und Hörtnagel. Ob der Sieg gegen Sturm verdient ist, ist strittig. Aber angesichts des Salihi-Tors, das beim Hinspiel geklaut wurde, kann man nur von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen. In jedem Fall ist jedoch zu sagen, dass Pfiffe wie diese nur gegen die Hütteldorfer zustande kommen können.

Artikel stammt vom: 26. November 2009 – 18:38 Uhr

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