Blog-Eintrag über zwei Trainer, die unterschiedlicher nicht sein könnten – passend zu den differenzierenden Philosophien ihrer Arbeitgeber. Für die beiden Dompteure steht am Mittwoch jeweils ein Schlüssespiel auf europäischer Bühne auf dem Speiseplan

Unausgeglichenheit, die belebt
Man kann weder sagen ein Stevens wäre ein halber Pacult, noch kann man behaupten, der Rekord- hätte etwas mit dem amtierenden Meister gemein. Unterschiedlicher könnten Klubs nicht sein. Der Eine, Rapid Wien, ist Rekordmeister und seit neuestem Tabellenführer der höchsten österreichischen Spielklasse. Der Verein hat sich Fans und Tradition verschrieben, Leidenschaft und Einsatz werden groß geschrieben. Zu behaupten, letzteres wäre bei Salzburg nicht der Fall, wäre spätestens seit der Ära Huub Stevens gemein. Zwar wird der Austria-Salzburg-Nachfolger nie die Kampfkraft der aus einem Arbeiterklub hervorgegangenen Hütteldorfer erreichen, aber von der oft zitierten ruhig geschoben Kugel kann bei weitem nicht die Regel sein. Das Budget der Mozartstädter ist freilich für österreichische Verhältnisse schwindelerregend – die von rapid-nahen Medien spekulierten 60 Millionen sind Humbug, die kolportierten 40 Mille aber durchaus real -, aber Kapazunder wie Villareal (Budget: 170 Millionen!) oder Lazio Rom müssen trotzdem erst mal geschlagen werden. Der Fairness halber muss jedoch erwähnt sein, dass auch der grün-weiße Erzrivale kein Freund schlechter Europacup-Ergebnisse ist. In der Quali wurde Aston Villa der Gar ausgemacht, in der Gruppenphase durften die Hansestadt-Kicker baden gehen. Dem Höhenflug folgte das Malheur zweier Debakel:
Erst musste man sich den unterschätzten Israeli um Längen, das entspricht etwa 5 Gegentoren, geschlagen geben. Das Rückspiel sollte versöhnen, tat es aber nicht. 0:3 die ernüchternde Klatsche im heilig gesprochenen Hanappi.

Dieser Weg wird kein leichter sein
In der Bundesliga läuft es für beide Vereine gut. Rapid ist Tabellenführer, gefolgt von den Bullen. Der Abstand ist minimalst, lediglich die knapp bessere Tordifferenz des Medienlieblings ist für das ersehnte Anführen der Wertung ausschlaggebend. Mit der Winterkrone darf Peter Pacult trotzdem liebäugeln. Dem Auswärtsauftritt der Siezenheimer wird in Runde 18 eine grün-weiße Darbietung gegen Kapfenberg gegenüberstehen, eine Woche später wird Gludovatz samt Spielerschaft im Hanappi sein. Für Spannung ist jedenfalls gesorgt. Der Weg zum Meistertitel ist jedenfalls noch ein weiter, egal welche Mannschaft man hernehmen möchte.

Dieses Spiel wird kein leichtes sein
Dass Rapid nicht Salzburg ist, weiß man – das ist Allgemeinbildung. Dass die österreichische Bundesliga nicht ganz die Klasse der Europa-League hat auch. Letzteres weiß auch Stevens. „Gegen Lazio wird es sicherlich schwerer als gegen Rapid.“, merkte der Salzburg-Coach an. Dass es einer „deutlichen Leistungssteigerung“ seiner Mannschaft bedarf, weiß er ebenfalls, auch wenn er im Großen und Ganzen mit dem zuletzt Gezeigten zufrieden war. Das zuletzt Gezeigte umfasst insbesondere Rapid, aber das ist grün-weißer Schnee von gestern. Das Xerl im Spitzenduell bekam den Salzburgern dennoch nicht gut, aber auch der morgige Gegner ist kein Teams aus Wunderwuzzis. Der 15. Tabellenrang spricht klar verständliche italienische Sprache, der zweite Platz in der Gruppenphase zeigt jedoch, dass es der amtierende österreichische Meister auch mit keinem Kind von Traurigkeit zu tun bekommen wird. Wie es der Zufall möchte, könnten übrigens genau jene Spieler fehlen, die durchaus beträchtlichen Anteil am Sieg im Hinspiel hatten. Schiemer und Janko erzielten jeweils einen Treffer und haben derzeit jeweils eine Verletzung.
Stevens: „Arzt bin ich keiner, aber ich sehe die Spieler beim Training. Wenn Marc fit ist, spielt er.“ Selbes Privileg könnte auch Schiemer genießen.

Der Gegner der Rapidler ist kein geringerer als der HSV. Dem längst entrohnten Tabellenführer der deutschen Bundesliga mangelt es zwar kaum an Klasse, aber an nicht-verletzten Spielern. Mehr als die Hälfte der Startelf sind verletzt oder rekonvaleszent, neuester Patient ist Wirbelwind Elia. Den Aufstieg kann Rapid morgen keineswegs fixieren – diese Chance gebührt einzig und allein Red Bull Salzburg -, aber das „Wunder von Hamburg“ sollte drinnen sein. Mitreisen werden übrigens rund 8.000 Rapidler!

Fakt ist: Rapid ist nicht Salzburg, Pacult nicht Stevens und Schörgenhofer (noch) kein UEFA-Schiri.

Artikel stammt vom: 1. Dezember 2009 – 18:48 Uhr

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