Blog-Eintrag über ferne Geschichte, ein nahes Finale und den Aufstieg durch fünf Siege aus ebenso vielen Spielen

Das System ist gefunden, die Spiele werden gewonnen
Genau vier Monate nach dem mageren Last-Minute-Aufstieg gegen die bohemischen Iren, hatte Salzburg die Ehre dem italienischen Erstligisten Lazio Rom Unterkunft zu gebieten. Die Rolle des Gastgebers erfüllten die Salzburger Bullen anfangs zu gut, den Gästen wurden zwecks Gastfreundschaft zuviele Räume überlassen. Im Laufe des fußballerischen Meetings konnte Salzburg die spielerische Überhand mehr und mehr ihr Eigen nennen. Ausschlaggebend zeigte sich die Dominanz im Mittelfeld. In diesem vertrat Opdam den verletzten Schiemer würdig und bereitete so manchem flinken Italo-Offensiven Kopf- und Fußzerbrechen. Das gewohnte 4-1-4-1-System wurde durch einen genesenen Marc Janko komplettiert. In der 19. Minute wurde der Schädel des Stiers gefunden, ein langer Einwurf von Schwegler eröffnete die durchaus gute Tormöglichkeit. Auch ansonsten rührt die lange Solo-Spitze recht gut um und besticht insbesondere durch Einsatzwillen. Dieser war es, der ihn in Minute 34 in eine brisante Situation verwickelte:

Beiersdorfer: „Waren es sechs oder sieben Schiris? Ich konnte sie nicht mehr zählen!“
Nach einer zu kurz geratenen Hereingabe eines Salzburgers unterläuft Janko den Lazio-Keeper. Der Entscheid auf Foul war für den Referee lediglich Formsache. Muslera hingegen sieht Rot und macht einen auf Bulle. Nein, er sah nur sprichwörtliches Rot, aus Karton war es nicht. Nach einer Tätlichkeit des Goalies beließ es das Schiedsrichter-Sextett (!) bei einer ins Gelbe getunkten Karte. Der Fehlentscheidung folgte ein gellendes Pfeifkonzert der 26.270 Zuseher über mehrere Minuten hinweg. Die Entscheidung des Schiris blieb unerklärlich, die Salzburger dominant.

Nähe und Gewissheit
Die Minuten kurz vor und kurz nach dem Pausenpfiff bringen Hektik und vielerorts auch Gelb. Die 52. Minute darf sich aus deutlich löblicheren Gründen ein Highlight nennen. Erst hatte Svento in ihr vier Italiener überbrückt, dann führte der verhängte Freistoß zum 1:0 für Rot-Weiß(-Rot). Nachdem sich die hitzigen Italiener gegen Svento nur per Regelverstoß verteidigen konnten, findet ein Leitgeb-Standard die Birne von Afolabi; Tor. Der Aufstieg scheint erschreckend nahe, die zuvor bewiesene Souveränität und Konzentration der Hausherren wiegte einen in Sicherheit. Doch weil in dieser Welt nichts sicher scheint, nahm Gustafsson einem Schuss der Römer zwar ein bisschen Geschwindigkeit, aber der Abstauber war dann irgendwas was bleibt. Der Ausgleich nämlich.

Die bereits abgeschobenen Römer finden die Luft wieder. Beinahe im Minutentakt regnet es Torchancen, eine davon folgte einem kapitalen Eigenfehler des Salzburger Torschützen. In Gegenzügen präsentierte sich der amtierende Meister jedoch gefährlich. Als solcher wäre zum Beispiel der Alu-Knaller von Leitgeb zu werten, die ideale Flanke war eine Ulmer-Produktion. Im direkten Gegenzug findet sich das Runde im eckigen Strafraum der Salzburger und in der Folge auch an der Hand von Schwegler wieder, über die Absicht darf gestritten werden, über die Gerechtigkeit eines möglichen Elfmeters nicht. Auch das Sextett hielt nichts von einem solchen – zum Unmut der Lazio-Spieler, die heftige Wutausbrüche einer kompakten Defensivleistung vorzogen. Die Verwirrung nutzt der ansonsten unterirrdische Tchoyi aus, lernt Cribari das Schwindeln und netzt mit aller Ruhe und mit noch mehr Lupfer zur wohmöglichen Vorentscheidung. Die kommenden Minuten gestalten die Bullen ruhig und elegant, bis auf ein zufälliges Stangen-Tor eines Italieners bleiben die Salzburger Herr im eigenen Haus.

Feste werden gefeiert, wie sie fallen
Nach dem Schlusspfiff – das Spiel endete 2:1 und brachte somit den fünften Sieg im sovielten Spiel – wurden die Siegenden gebührend gefeiert, Gustafsson war Wort- und Schmähstad, lediglich der Verweis auf ein mögliches Finale lag ihm am Herzen – „Im Fußball ist alles möglich!“. Stevens wollte einfach nur „von Spiel zu Spiel schauen“. Auf die Frage, ob der Aufstieg geschichtsträchtig sei, entgegnete Janko, dass dies nur das von Gustafsson angestrebte Szenario wäre.

Artikel stammt vom: 3. Dezember 2009 – 17:37 Uhr

Analytischer Zusatzteil:

Aufstellung RB Salzburg:
4-1-4-1-System: Gustafsson – Schwegler, Afolabi, Sekagya, Ulmer – Opdam – Tchoyi, Leitgeb, Pokrivac, Svento – Janko

Aufstellung Lazio Rom:
3-4-3-System: Muslera – Diakhite, Cribari, Radu – Lichtsteiner, Brocchi, Mauri, Kolarov – Foggia, Zarate, Eliseu

Die roten Bullen werden einzeln kritisiert:
Gustafsson, Grandios: Hielt was zu halten war, brüllte was es zu brüllen gab – Sicherer Rückhalt, sehr guter Kapitän

Schwegler, Unauffällig gut: Defensiv durchaus ansprechend, Hammer-Einwürfe, Flanken teilweise ungenau
Afolabi, Ansprechend: Hinten zwar gut aber teilweise unsicher, bewies beim Tor Durchsetzungsvermögen
Sekagya, Cool: Fehlerfreie Leistung des Abwehrchefs
Ulmer, Lernend: Ist auf internationaler Ebene defensiv überfordert, lernt ganz brav, schlug gute Flanken

Opdam, Nett vertretend: Machte Schiemer keine Schande, war eine würdige Vertretung

Tchoyi, Grenzgenial: 89 Minuten lang Pfui, Tor war jedoch ein Mega-Hui
Leitgeb, Wichtig: Bereitete beide Tore mustergültig vor, teilweise unsicher, ansonsten stark
Pokrivac, noch Wichtiger: Um ein Haarspitzerl besser als Leitgeb, leitete so manche gute Szene ein, war ein Ruhepol
Svento, Tourenwagen: Kommt langsam richtig auf Touren, schlechte Flanken machte aber viel Druck

Janko, rackernder Provokateur: Versuchte die Italiener sichtlich zu einem Frustfoul zu provozieren, teilte aus und steckte ein, kämpfte außerordentlich gut, fand zwei gute Chancen per Kopf zu

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