Das schauderhafte Spitzenspiel zwischen amtierenden Tabellenzweiten Salzburg und den krisengebeutelten stürmischen Grazern muss aufgearbeitet werden und hat sich eine Analyse redlichst verdient.

Weder Tabellen- noch spielerische Spitze
Die Mannschaften könnten unterschiedlicher nicht in eine Partie gehen. Während Sturm Graz nach zuletzt 4 sieglosen Bundesliga-Partien und der unnötigen 1:2-Schlappe gegen Bukarest die Tabellenspitze nur noch in feuchten Träumen zu Gesicht bekommt, könnte es für die Stevens-Elf nicht besser laufen. Villareal wurde mit 2:0 panniert, Lazio und Levski bekamen je zwei Mal eine Abfuhr serviert. Die Hausaufgaben, das täglich Brot – die Tipp3-Bundesliga, wurden auch brav gemacht, zwar lag man vor dem Sonntags-Kracher 3 Punkte hinter Rapid, aber der Rückstand hätte ausgemerzt werden können. Die Vorzeichen standen als auf Sieg, aus Sicht der Salzburger. Den Grazern konnten zwar keine Flügel gestutzt werden (solche hat nämlich nur der Gegner), aber man konnte wahrlich von einem absteigenden Ast reden auf dem sich die Foda-Elf befand.

So unterschiedlich eingestellt gingen die Teams also in das angedachte Spitzenspiel. Ein solches versprach sie nämlich zu werden die Partie, immerhin waren an ihr glatt die Hälfte der legendären ‚Fantastic Four‘ beteiligt. Weder von Unerschieden, noch von Klasse (hüben wie drüben übrigens) war was zu sehen, die Partie war langweiliger als ein plätschernder Bach. In den ersten Minuten war von Fußball nichts zu sehen, aber auch gekämpft wurde nicht wirklich. Trotzdem: Die vorherrschende Macht waren die heimischen Grazer, bei denen wiederum Klemen Lavric Gefahrenherd Nummer Eins war. Erst stimmte bei ihm jedoch das Timing nicht, dann war der Abschluss kein guter – zwei durchaus gute Einschussmöglichkeiten, wurden zu keiner- und einer Halbchance hinuntergeschraubt.
Die Salzburger waren auf drei Zähler angewiesen, aber wollten doch nicht so richtig. Defensiv konnte man zwar über weite Strecken die Kompaktheit bewaren, vorne ging im Prinzip nichts, daran konnte auch Marc Janko nichts ändern. Der Bullen-Stürmer erwischte einen schlechten Tag und vertändelte zahlreiche Bälle. Zwar trug sich sein Weitschuss aus Minute 45 als eine von zwei Torchancen seiner Mannschaft in die Statistik ein, aber im Großen und Ganzen versagte der 39-Tore-Mann.

Geteiltes Leid ist halbes Leid
Die Kommentatoren von Sky und ORF sahen die Partie auf verschiedene Art und Weise. Der Sky-Sprecher wirkte den Salzburgern gegenüber negativ eingestellt, der ORFler hatte Müh und Not sich ein Gähnen zu verkneifen. Für Ersteren war Sturm die klar bessere Mannschaft, letzterer sah das nicht wirklich so und war einfach über das bescheidene Niveau des Spitzenspiels frustriert.

Besserung ist Relativ
Die zweiten 45 Spielminuten versprachen, bessere zu werden. Mank kann auch durchaus behaupten, dass es solche wurden, doch heißen soll das nichts. Die Salzburger reißen das Geschehen nun an sich, der Spielaufbau bleibt allerdings behäbig und schlicht und ergreifend ideenlos. Immer öfters gelingt es zwar, die Grazer im eigenen 16er einzukreiseln, wirklich gefährlich vermag man jedoch nicht zu werden. Ein seltener Tchoyi-Gedankenblitz bleibt das einzig richtig torgefährliche. Sturm hatte derweilen sämtliche Offensivbemühungen auf einen Minimum reduziert, was ihnen aber nicht zu verdenken war. Obwohl die Sache trüb aussah, verzichteten beide Trainer voerst auf Wechsel. Stevens‘ erster war jener von Nelisse für Janko, im selben Moment kam auch Zickler für Svento (73.). Foda zögerte seine Ausstausche überhaupt erst bis ganz nach hinten hinaus, sie blieben einzig und allein Zeitverwaltung.

Nach dem Spiel, es endete leistungsgerecht mit 0:0, sahen beide Trainer die Doppelbelastung (beide Teams haben bereits 34 Spiele in den Beinen) als Grund für die schlappe Darbietung – selbiges tat übrigens auch Tchoyi. Foda war ganz zufrieden, Opdam auch, Stevens konnte zwar lachen aber Freude war ausgeschlossen. Somit liegt der amtierende Meister nunmehr zwei Punkte hinter der Grün-Weißen Gegnerschaft, Sturm ist derzeit das schwächste Team der gerühmten Vier.

Artikel stammt vom: 6. Dezember 2009 – 18:33 Uhr

Analytischer Zusatzteil:

Aufstellung Sturm Graz:
4-4-2-Sytem: Gratzei – Lamotte, Feldhofer, Schildenfeld, Kandelaki – Hölzl, Hlinka, Weber, Jantscher – Beichler, Lavric

Aufstellung RB Salzburg:
4-1-4-1-System: Gustafsson – Schwegler, Sekagya, Afolabi, Ulmer – Opdam – Leitgeb, Pokrivac, Svento, Tchoyi – Janko

Lichtblick Hüben:
-) Jakob Jantscher

… und Drüben:
-) Barry Opdam

Hauptverantwortlich für das ‚Spitzenspiel‘:
Alle + Lavric bzw. Ulmer, Opdam, Pokrivac, Svento, Tchoyi, Janko

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