Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. In der Liga läuft es für die Salzburger nicht wirklich rund, im Nachfolge-Pokal des UEFA-Cup ist man DIE Sensation. Parallelen zum Stevens-Engagement bei Schalke können gezogen werden. Im folgenden offenen Brief richte ich meine Worte an den Cheftrainer des FC Red Bull Salzburg

Geschätzter Herr Stevens,

Sie können mir glauben: Nichts behagt mir weniger als Kritik an Ihrer Person. Ich schätze Sie als einen von Grund auf ehrlichen Menschen, einen akribischen Arbeiter, eine Respektsperson für die Spieler und nicht zuletzt als einen guten Trainer ein. Was derzeit in der Bundesliga passiert, verdient jedoch Verwunderung. Wiederholt mussten Sie auf die geistige Müdigkeit verweisen, was im Umkehrschluss natürlich heißt, dass diese nicht behoben werden konnte. In Anbetracht dieser Tatsache kann so mancher Fan schwer nachvollziehen, wieso sie das Prinzip der Rotation so strikt ablehnen. Eigentlich war ich immer gegenteiliger Meinung, ich konnte mich mit ihrer Startelf abfinden und war stets gegen große Rochaden. Denn ein „Winning Team“ will bekanntlich nicht getauscht werden. Ist ein Team allerdings im spielerischen Keller (so wie das in Salzburg derzeit zweifelsohne der Fall ist), wären „Winds of Change“ vielleicht doch ein probates Mittel.

Man kann nicht wirklich sagen, dass Sie das nicht versucht hätten: Mit Christoph Kröpfl wurde ein Junior zu seinen ersten Einsatzminuten in der Ersten gebracht – mit durchaus ansehlichem Erfolg. Trotzdem blieb die Startelf die Selbe, sieht man von dem verletzungsbedingten Tausch Opdams anstatt Schiemers ab. Außerdem müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, in der Liga nicht genug Flexibilität walten zu lassen. Dass eine Wiener Austria ein anderes Spielsystem als die Kärntner Austria verlangt, sollte doch eigentlich selbstverständlich sein. Ihr Spielsystem mag wirklich ein gutes sein, das will ich Ihnen nicht absprechen, aber es könnte ein wenig Abwechslung vertragen. Die Aufstellung die Sie nach langem Suchen gefunden haben, könnte für die Europa-League gar nicht besser geeignet sein, ob es in der Bundesliga Zukunft hat, wird sich weißen.

Genug der Kritik, es war wahrlich mehr eitel wonniges, als es die ersten Absätze darstellen. Die sensationellen fünf Siege in der Gruppenphase habe ich ja bereits erwähnt, aber auch für andere Verdienste ist Ihnen zu danken. Beispielsweise haben Sie Schiemer die Position des defensiven Mittelfeldspielers wieder entdecken lassen und somit ein grundsätzliches Problem behoben. Das Sorgenkind von Saisonbeginn blüht in seiner neuen Rolle richtig auf, es sei denn er ist (wie momentan) verletzt.
Ein anderer Kicker, ein echter Salzburger Volksheld, bereitete ihnen da schon mehr Schwierigkeiten. Der bronzene Marc Janko wollte ihrem Willen nicht und nicht gehorchen und wurde daher auf die Ersatzbank gesetzt. Die Medienlandschaft hätte Sie für diese Entscheidung wohl strangulieren wollen, so mancher Fan auch, aber wie sich herausstellen sollte, behielten Sie Recht. Janko bezeichnet Sie heute als „Segen“ und sich selbst als den „neuen, besseren Janko“. Das mit dem Tore schießen lernte er dann auch schnell wieder. Nach 19 von 36 Runden hat er 10 Treffer auf dem Konto, gegen Kärnten verhinderte eine gemeine Querlatte seinen Elften.

„Wir können froh sein, dass die Winterpause da ist.“, gaben Sie selbst zu. Und sie haben mal wieder Recht. Es ist Zeit, das Passierte aufzuarbeiten, zu alter Stärke zurückzufinden und den Meisterteller in Salzburg zu bunkern. Ich denke, dass Ihnen das auch gelingen wird.
Bevor ich mich schließlich verabschiede, möchte ich Ihnen noch meine Wunschaufstellung ans Herz legen:

____Gustafsson____
_Schwegler_Afolabi_Sekagya_Ulmer_
_____Leitgeb__Pokrivac_____
_Kröpfl___Tchoyi___Svento_
______Janko______

Mit hoffnungsvollen Grüßen
Dominik Seitlhuber

Artikel stammt vom: 12. Dezember 2009 – 12:49 Uhr

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