Ein weiteres Fußball-Quartal ist österreichische Geschichte. Wer überzeugen konnte, wer ins Klo griff und wer schon Einpacken kann – die große Analyse der Herbstsaison:

Mannschaften

Der Star
Star der Liga ist zweifelsohne Red Bull Salzburg. 6 Siege in 6 Euro-League-Partien sind lediglich mit einem Punkt zu quittieren und sprechen eine deutliche Sprache. Die des Huub Stevens nämlich: Bereits `97 konnte das smarte Pendant zum Tulpengeneral mit Schalke04 den UEFA-Cup gewinnen, 12 Jahre später steht er mit dem einstmaligen Schmähobjekt Salzburg im Sechzehntelfinale des Nachfolgepokals.

Der Fanmagnet
Rapid Wien
ist der Verein mit den meisten Fans. Das heißt nein: Rapid ist nicht der Verein mit den meisten Fans. Rapid gilt in Österreich als ungeschriebene Religion und wird auch als solche gefeiert. 150.000 Zuseher lockte der Rekordmeister alleine gegen den HSV, Hapoel Tel Aviv und gegen Celtic auf die Tribünen – Topwert der Europa-League.

Der Abgeschlagene
Austria Kärnten
ist arm. Jörg Haider, leiblicher Vater des Klubs, schied aus der Welt, die Hypo Group, Sponsor der Wörtersee-Arena, ist ein Frack. Geld schießt zwar keine Tore, aber kein Geld eben noch weniger. Zuletzt wurden Hiden und Sand gegangen, der marode Kader noch weiter auf die zweite Spielklasse vorbereitet. Auch wenn unter Prelogar ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen ist, dürfte das Schicksal des Retortenvereins besiegelt sein.

Trainer

Der Unterschätzte
Salzburg ist Offensivmannschaft, wurde gegröllt. Janko ist Strafraumstürmer, hat man posaunt. Stevens wäre der falsche Mann am falschen Ort, konnte man vielerorts vernehmen. Heute ist Salzburg Tabellenzweiter, knapp hinter Rapid, und Europa-League-Gruppensieger, sehr weit vor Villareal. Die Null hat im Laufe der Saison das Stehen gelernt, Janko hat seinen Torriecher wieder entdeckt und das Mannschaftsklima scheint prächtig zu sein. Huub Stevens ist der Trainer, den Salzburg zuvor vergeblich gesucht hat, einer, der das Geld zur Mannschaft werden lässt.

Der Offensive
Die Winterkrone ist für Rapid wie Weihnachten und Ostern in Einem. In ganz Hütteldorf ist man froh das Imaginäre erreicht zu haben und den verhassten Siezenheimern die Tabellenführung entrissen zu haben. Kaufen kann man sich darum gar nichts, aber sieht man, wie man sich gekrönt hat, so verlangt das Respekt. Schuld hat Peter Pacult. Der griesgrämige Rapid-Coach steht für wenig Talk und viele Tore. Trotz der Abgänge des ungleichen Sturmduos ‚MaierHoffer’ ist Rapid mal wieder Torfabrik der Liga. In der Europa-League bezahlt man den Offensivdrang teuer – in den letzten 4 internationalen Partien durften die Goalies Payer bzw. Hedl 13 Mal hinter sich fassen.

Der Fade
Paul Gludovatz
steht in Ried für Erfolg. Vor der Saison vom eigenen Trainer zum Abstiegskandidaten degradiert, stehen die Innviertler nun schon seit Runde hinter den Top4 Schlange. Schön anzusehen ist das Rieder 3-3-3-1-System aber bei Weitem nicht – von der (nicht vorhandenen) Fortschrittlichkeit einmal abgesehen. Funktionieren tut das Ganze trotzdem gut, den Riedern sei der Erfolg gegönnt.

Spieler

Der Beste
Steffen Hofmann
war im vergangenen Bundesliga-Quartal fleißig am Stempeln. Kein Spieler hat dem Spiel seinen Namen so oft aufgedrückt, wie er. Seine Freistoß sind für Rost, Safar und Weitere unhaltbare Geschosse gewesen und auch aus dem Spiel hat der Rapid-Regisseur noch einmal zugelegt. Sein Kampfgeist ist ohnehin unerreicht. Krankl: „Hofmann ist das Herz und das Hirn von Rapid!“. Wollte man gemein sein, würde man schlussfolgern, dass Rapid herz- und hirnlos ist.

Der Aufsteiger
Um Roman Wallner wird uns Europa wohl doch nicht beneiden, aber so mancher Verein wird dem LASK den Top-Scorer schon neidig sein. Die gesundete Schnapsdrossel hat das Schimpfen zwar nicht verlernt, ist mittlerweile aber eher Stürmer denn Rotzpipen. Ein weiterer Kandidat für denTitel wäre auch Nikica Jelavic gewesen, der im Europa-Cup ein Wucht ist, in der Liga aber noch ein Schippchen zuzulegen hat.

Das Versprechen
Man könnte ruhig Jakob Jantscher oder Daniel Beichler anführen, doch da es sich bei denen um recht fertige Erzeugnisse handelt, muss der Blick auf einen anderen Spieler gerichtet werden – Christoph Kröpfl. Der Red-Bull-Junior kam gegen Kärnten zu seinem ersten Saisoneinsatz bei den Großen und machte prompt eine tolle Figur. In der zweithöchsten Spielklasse wurde er bereits mehrfach zum „Youngster des Monats“ erhoben, außerdem ist er der Assistkönig der Liga.

Transfers

Der Rentable
Rabiu Afolabi
! Ablösefrei kam der Ex-Austrianer von Sochaux daher, gutes Geld hat er seinem neuen Arbeitgeber verdient. Stand Afolabi auf dem Platz, haben die Bullen noch kein Spiel verloren. Top Transfer.

Der Lahme
Jovanovic sollte Patocka ersetzen, wurde aber eine bessere Kopie des zuvor angesprochenen. Fehleinkäufe gibt’s also auch im Lager Grün-Weiß, also musste ein neuer Abwehrchef her. Dieser wurde im Norweger Rangvald Soma gefunden. Dieser besticht durch gutes Stellungsspiel, ist aber weder Rakete noch Stabilisator. Gegen Hapoel verschuldete er in 2 Spielen 4 Tore, in der Bundesliga reicht sein Können.

Der Flop
Der Griff ins Klo gelang aber doch noch den Salzburgern am Besten. Von Aalborg kam er her um Europa zu erobern, der verlängerte Arm von Stevens sollte Thomas Augustinussen werden. Weit gefehlt. Anfangs versuchte man sich mit dem Dänen anzufreunden, doch als das schließlich nicht mehr ging, wurde er schnurstracks durch Pokrivac ersetzt. Bis zum notgezwungenen Einsatz gegen Villareal, war die Tribüne oder bestenfalls die Bank Arbeitsplatz des defensiven Mittelfeldspielers.

Bundesliga Elf der Herbstsaison

___Gustafsson___
Schwegler_Dragovic_Sekagya_Ulmer
_Pehlivan_
_Hofmann_Acimovic_Jantscher_
__Wallner__Jelavic__

Artikel stammt vom: 19. Dezember 2009 – 14:05 Uhr

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