„Sichere Siege“
by Declan Hill

Vorwort:

Die Ehre vorgestellt zu werden, genießt heute das Buch „Sichere Siege“ vom US-amerikanischen Enthüllungsautor Declan Hill. Der ehemalige Oxford-Student begiebt sich im Laufe seiner Recherche rund um den ganzen Globus, auf der Suche nach Hinweisen für Manipulation im Fußball.

Das Buch umfasst genau 400 Seiten und behandelt drei große Kapiteln:

-) ASIEN: Ein Sturm zieht auf
-) EUROPA: Ganz normale Geschäfte
-) DIE FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT

Ersteres von den dreien wird in diesem Blog-Eintrag durchleuchtet und in sämtlichen Belangen auf Qualität überprüft.

Asien ist nicht unbedingt bekannt dafür, ein Kontinent des Fußballs zu sein.
Declan Hill meint, anderes entdeckt zu haben. Beispielsweise erzählt er von fanatischen Liverpool-Anhängern mitten in den Straßen von Singapur, rund 8.600 Kilometer von der Anfield Road entfernt. Ein prominenter TV-Vermarkter im asiatischen Raum meint, europäische Durchschnittspartien hätten in ganz Asien Einschaltquoten von über 140.000 Zusehern – bei Top-Spielen verdoppeln sich die Werte.

Asien ist also ein Kontinent des Fußballs. Leider hat Declan Hill auf seiner Suche nach dem Bösen gefunden, wonach gestöbert wurde. Von ihm angesprochene Liverpool-Anhänger beteuern, Jahre zuvor noch mit Leib und Seele die Fahnen des UC Singapur getragen zu haben, die Zeiten hätten sich aber geändert – Schuldig sehen beinahe alle den Betrug.

Auf seiner Reise durch Asien sieht sich Hill oft mit solchem konfrontiert. Eines Tags bewundert er, so behauptet er zumindest, zusammen mit einem in Singapur ansässigen Kollegen ein packendes Fußball-Spiel. Nach einer wahrlich dramatischen Schlussphase lobt er, völlig unwissend, den Kampfgeist der triumphierenden Mannschaft.

Seinem Kumpel kostet der naive Autor ein Schmunzeln, anschließend verweist er auf mit an sich grenzender Wahrscheinlichkeit erfolgter Manipulation.

Bei Schilderungen wie diesen, fällt es schwer zu glauben, der Verfasser dieser Zeilen hätte nicht ein wenig nachgeholfen bei seinen Erzählungen, doch Hill kann seine Mutmaßungen belegen. Beinahe alle erwähnten Namen hat es so auch tatsächlich gegeben, erfundene Namen werden mit einem >> * << gekennzeichnet. Ein 40 Seiten langer Aufklärungsteil zur Neige des Buches  macht einem seine Recherche leichter nachvollziehbar – seine Informationen scheinen sich, so bitter das auch ist, auf Wahres zu beziehen.

„Ich war mein Leben lang Fußball-Fan“, beteuert Hill im Vorwort, er sei es auch jetzt noch. Nur wolle er mit dem Profi-Sport nichts mehr am Hut haben, an dem sei ihm im Laufe seiner Weltreise die Lust vergangen – Amateursport bereitet ihm nach wie vor Freude, vor Allem „der Duft von frisch gemähten Gras“.

Rafiq Saad (der Name ist im Buch mit einem Sternchen versehen und daher erfunden) ist einer, der im die Lust vergehen machte. Saad wurde des fußballerischen Betruges überführt, unter Drohung und Folter wurde er zum Reden gebracht.

Da sich die Seiten von Saads Geständnis als die spannendsten des gesamten Asien-Abschnitts erwiesen, möchte ich Rafiqs Aussagen hier in aller Breite anführen:

Rafig Saad über…

-) … die Kunst des Torhüters zu manipulieren:
Torhüter, so meint Saad, hätten einen leichten Job, sofern sie verschieben möchten.
Ein bestochener Torhüter verlässt in der Regel so oft seinen Bereich (d.h. den Tor- oder Strafraum). Ein Tor kann ihm so leichter unterlaufen, ohne dass ihm ein grober Fehler angehängt werden kann. Weiters sei es wichtig, sich falsch zu platzieren. Schlechtes Stellungsspiel ermöglicht einem Goalie das spektakuläre Fliegen, ohne den Ball zu parieren.

-) … Verteidiger, die sich nicht helfen dürfen
Mindestens ein bestochener Verteidiger gehört zu jeder gut (sic!) verschobenen Partie.
Hierbei hilft entweder der Außenverteidiger dem Innenverteidiger nicht oder der Innenverteidiger dem Außenverteidiger nicht – je nachdem wer bezahlt wird.

-) … verhältnismäßig unwichtige Mittelfeldspieler
Mittelfeldspieler spielen, erklärt Saad weiters, nur eine untergeordnete Rolle.
Ein absichtlich schwächelnder Mittelfeldspieler sollte die Manipulation überwachen und zudem das Spiel verschleppen.

-) … einen Goalgetter, der nicht treffen darf
„Es hat natürlich keinen Sinn , die Verteidiger und den Torhüter anzuwerben, um ein Spiel zu manipulieren, wenn der eigene Stürmerstar vorne Tore schießt“, bringt der Autor die Sache auf dem Punkt. Gute Stürmer haben in verschobenen Partien nichts verloren und wenn doch müssen sie den Ball möglichst lange führen, dem Gegner in die Arme bzw. Hände dribbeln und natürlich darf vorher kein Zielwasser getrunken werden.

Rafigs Behauptungen sind schwerer Tobak – Tobak, der jedoch wahr sein könnte.
Ein weiterer faszinierender Bestandteile des Asien-Abschnitts ist Hills Analyse:

-) Elfmeter in manipulierten Spielen
Nach Untersuchung tausender nachweislich manipulierter Spiele, kam Hill zu dem Schluss, dass in manipulierten Spielen die Zahl der Elfer nur unwesentlich höher sei als in regulären Matches. Grund ist, dass ein bestochener Verteidiger den Stürmer nicht unfair stoppen würde, sondern ihn einfach passieren ließe. Bei geschmierten Referees sieht die Sache freilich anders aus – Für Schiedsrichter ist der Piff auf den Elferpunkt ein einfaches Mittel um Spiele in die richtige (sic!) Richtung zu lenken.

-) Eigentore in manipulierten Spielen
Diesen Punkt möchte ich einfach mit einem Zitat von Hill beschließen:
„Meine Recherche hat ergeben, dass Eigentore in etwa zehn Prozent der normalen Spiele vorkommen und in knapp 20 Prozent der verschobenen Partien. Das ist ein bedeutender Anstieg, zeigt aber nur, dass bestimmte Spieler vielleicht Eigentore schießen, um ein Spiel zu manipulieren.

-) Rote Karten in manipulierten Spielen
Hills Untersuchungen ergaben, dass geschmierte Spieler weniger Rote Karten erhalten als saubere. Vermutlich, damit der manipulierte Spieler das Spiel unter Kontrolle halten kann.

Die weiteren Seiten des Asien-Teils umfassen einige weitere spannende Erzählungen, die aber allesamt zu umfassend wären, um sie hier anzuführen.

Artikel stammt vom: 11. Jänner 2010 – 18:58 Uhr

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