Geht es nach der Statistik, ist Jupp Heynkes so gut wie Meister und Louis Van Gaal so gut wie nicht Meister.
Trotzdem wähnen sich die Münchner auf einem guten Weg, das bayrische Gefühl ist zurück gekehrt

Statistiken neigen dazu, gerne zu lügen. Hat sich der gemeine Statistiker eine solche zusammengereimt, so ist der Fußball oft so gemein, diese schnellstmöglich zu wenden. Eine Statistik besagt, dass der Herbstmeister durchaus passable Chancen hat am Ende den Meisterteller zu stemmen. In 66,9 Prozent von 45 Bundesliga-Saisonen hieß der Herbstmeister zufällig gleich wie der Herbstmeister.

Von Zufall hält man in Leverkusen nicht viel. Der Zufall, sofern man überhaupt noch von einem solchen sprechen kann, ist den Leverkusnern nämlich seit jeher keinen Titelgewinn vergönnt. 2002 war Real Madrid im Champions-League-Finale nur um ein Tor zu groß und im selben Jahr war auch im heimischen Kick nur ominöser Zweiter. Im Jahr darauf war man von einer solchen Enttäuschung wenigstens weit entfernt, ein 13. Endrang ist da schon wesentlich beruhigender. Doch heute, mittlerweile in einem neuen Jahrzehnt, können die Bayern in jüngster Vergangenheit trotzdem nur zweite Endränge zählen – unter anderem wurde im Mai des Vorjahres der DFB-Pokal an Werder verschenkt.

Doch Vizekusen hat gelernt Meister zu werden. Freilich ist ein Herbstmeistertitel kein Freifahrtsschein auf die Meisterschale – nein, er ist eher ein schlechtes Omen -, doch Heynckes hat Prinzipien und die kommen in Leverkusen an. Bei den Bayern konnte der Interimstrainer nur einen Teilerfolg verbuchen. Die Champions-League-Teilnahme wurde zwar in trockene Tücher gelegt, der Meister hieß am Ende jedoch Wolfsburg, trainiert von Felix Magath. Doch jetzt ist Heynkes kein Bayern-Trainer mehr, außerdem schwört er, gereift zu sein.
Der Neue von Hoeneß ist Van Gaal, Meistermacher von AZ Alkmaar. Bemerkenswert ist die Disziplinfanatik des Niederländers, seine Tochter darf partou nicht „Du“ zu Papa Van Gaal sagen.

Jedem das Seine
Das Trainergeschäft ist also schnelllebig. Heynkes ist Bayerns Ex, Van Gaal ist Hoeneß‘ Neuer, Magath ist der gelsenkirchner Veh, Veh ist der wolsfburger Magath, Veh ist Sportdirektor, Veh war Sportdirektor.
Doch Veh ist egal, seine Truppe hat Sorgen, die nichts mit Vize- oder gar Meisterschaften zu tun haben. Van Gaal, als Trainer des FC Bayern ein Muss, ist arrogant, das will er verstanden wissen und gibt er selber zu. Trotzdem funktionierte das Gemisch aus ihm und 11 Spielern anfangs nicht gut, mittlerweile ist man Dritter.
Eine Stufe weiter oben steht der Meister. Magath ist sein Name, oft wird er „Quälix“ geschimpft. Harte Trainingseinheiten und das fleißige Baden junger Spieler im Wasser werden ihm nachgesagt. Magath war übrigens auch mal Bayern-Quäler.
Leverkusen, und damit wären wir wieder beim relativen Meister, ist Tabellenführer. Nicht zuletzt dank Stefan Kießling, der derzeit Tabellenführer der Torschützen ist.

Wetten, dass…
In der Rückrunde jedenfalls wird die Bundesliga zu kämpfen haben mit Robben und Ribery. Ersterer ist bereits einsatzfähig, letzterer ist auf dem Wege der Genesung. Aber auch Schalke hat Kurany und Leverkusen wiederum hat Kießling. So also hat jeder Titelanwärter seine Macher, manchmal sind es auch die Trainer. Und sollte Magath oder Van Gaal am Ende der Beste unter ihnen sein, so hat Leverkusen zu Saisonende wieder den realen Vizemeister-Titel.

Artikel stammt vom: 20. Jänner 2010 – 16:59 Uhr

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