Constantini redet gerne, das mag man. Constantini redet aber viel unverständliches, das ist komisch und muss besprochen werden. Zuletzt hatte der Teamchef wieder den Drang, Garics verbal Haue zu geben, heute bekommt er von mir die verbale Retourkutsche. Constantini ist der erste Sportler, der von mir bereits den zweiten virtuellen Brief zugestellt bekommt. Der folgende Blog-Eintrag behandelt unter anderem Lügen, Nicht-Lügen und Aussichten

Geschätzter Teamchef, lieber Didi,

Vielleicht können Sie sich ja noch an mich erinnern. Ich war es, von dem Sie bereits am 11. November vorigen Jahres Post bekommen haben, mit der Bitte, sich zu ändern. Sie haben geschwiegen, das nennt man Akzeptanz durch Stillschweigen, passiert ist wenig. Sie konnten es sich weiter nicht verkneifen, Ivanschitz zum schwarzen Peter der vergangenen Nationalteam-Ära zu stempeln, Außenverteidiger für prinzipiell unnötig zu erklären oder Scharner am rechten Verteidigungsflügel einzusetzen.
Trotzdem, Ihr Vertrag wurde verlängert. Man darf Sie dutzen, das kommt gut an, wirkt tirolerisch. Sturheit wird den Männern und Frauen von dort auch nachgesagt, Sie selbst wollen diese bei Ihnen noch nicht erlebt haben.

Seit dem 11. November ist jedenfalls viel passiert. Frankreich spielte man den Puntktelieferant, gegen Spanien durfte man 1:5 unterlegen, zugegeben haben Sie immerhin, dass es höher hätte ausfallen können. Als schuldig sahen Sie einmal Scharner, erstmals als Außenverteidiger aufgeboten, und einmal Garics, hauptberuflich Außenverteidiger. Nicht Sie hätten fehlerhaft gehandelt, Scharner wäre einfach unbemüht gewesen. Bei der Pressekonferenz vor dem Spiel hatten Sie noch darauf gepocht, selbst Entscheidungen treffen zu wollen, da Sie ja immerhin später ohnehin Ihr Haupt vor die Medien halten müssen. Das sah nach dem Spanien-Match anders aus, Sie sahen sich lediglich bestätigt in Ihrer Annahme, Außenverteidiger mit Drang nach vorne wären unnützt.

Bereits vor dem Spanien-Länderspiel wurde Garics durch Ihre Auffassung hellhörig, merkte höflich an, Sie wären im Unrecht. Per Presseaussendung ließen Sie verlautbaren, Sie wären keiner der Maulkörbe verteilt, Garics hätte teilweise recht. So durfte er dann auch gegen Spanien rechtsverteidigen, das kann er. Nach dem Spiel wollten Sie wissen, Rechts- und Linksverteidiger könne man sich nicht leisten, das hätte man heute bewiesen bekommen. Dieses Muster, denn Garics war keinesfalls einer der schlechteren an diesem Tag, erinnerte doch stark daran, was Sie eigentlich als „charakterlos“ eingestuft hatten: Einen Spieler gegen einen Top-Gegner aufzubieten, ihn dumm aussehen lassen, um ihn schlussendlich abservieren zu können. Einer Ihrer Berater hatte Ihnen angeblich dazu geraten, so bei Ivanschitz vorzugehen, dem wollten Sie das aber nicht antun, es musste Garics herhalten.

Dann kam der Winter, der Tumult um Ihre Person kühlte ab. Erst vor wenigen Tagen haben Sie wieder Ihr Wort erhoben, via Interview aus der Türkei. Eben dieser zuvor angesprochene Garics hätte gegen Spanien sehr schlecht ausgehen, spreche dauernd von offensiven Außenverteidigern „hat aber selbst noch kein Tor aufgelegt“. Außerdem hätten Sie unwillentlich eine SMS zugestellt bekommen, deren Absender Garics heißt. Inhaltlich machten Sie nur so viel klar, dass über seinen Vereinstrainer hergezogen wurde. Die SMS hatten sie vermutlich durch Zufall erhalten.
Nach Pogatetz („Ich wollte ihn anrufen, er hob nicht ab.“) und Scharner („Ich wollte nicht anrufen.“, er hob ab) folgt mit Garics die nächste Geschichte mit Ihrem Mobiltelefon.
Dass Ihnen das nicht zu glauben ist, sollte sich von selbst erklären, aber wo liegen denn Ihre Beweggründe? Immerhin handelt es sich hier um grobe Rufschädigung, nachhaltige Schwächung von Garics‘ Karriere.

Liegt Ihnen etwas an der vermutlich sehr hohen Abfertigung, die Sie für eine vorzeitige Vertragsauflösung erhalten würden? Oder sind Sie einfach mehr Tiroler als ich dachte? Nein, höchstwahrscheinlich war dies schlicht und ergreifend ein böses Revanchefoul, welches über die Stränge schlug und Ihren Charakter perfekt nach außen demonstrierte.

Mit verwunderten Grüßen
Dominik Seitlhuber

Artikel stammt vom: 28. Jänner 2010 – 17:51 Uhr

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