Peter-Michael Reichel ist LASK-Präsident, das tue er gerne, 24 Stunden am Tag, will zumindest Polster wissen. Mit Hamann hatte er großes vor, wollte mittelfristig die Besten ärgern. Jetzt ist Hamann weg, Reichel wollte es so.

Geschätzter Präsident Reichel,

Noch vor Monaten hatten Sie im ‚Sport am Sonntag‘ erklärt, dass Sie Hamann gern hätten, als Trainer und auch als Mensch. Hamann verkündete, dass man nun auf einem Weg sei, der langfristig gesehen der Beste wäre und kurzfristig immerhin nicht der Schlechteste. Dem stimmten Sie zu, da war die Linzer Welt noch in Ordnung. Dann durfte Hamann nicht mehr Sportdirektor sein, Polster kam, Sie entwickelten sich immer mehr zum „Alleinherrscher“. Dies attestierte Ihnen auch Hamann, leicht irritiert mittlerweile.

Ausschlaggebend für Hamanns Entmachtung auf Raten dürften neben sportlichen- wohl auch persönliche Gründe gewesen sein. Denn nicht nur, dass der LASK derweilen auf Rang 8 abgerutscht war, der Trainer meldete sich auch immer öfter zu Wort – oft medial, das mögen Sie nicht.
Verständlich, immerhin erklärte er Sie zum Alleinherrscher, sogar quasi als unmündig sportliche Bereiche betreffend. Einen Aufhauser zu holen, wäre inkompetent gewesen, Wallner nicht zu ersetzen ohnehin.

Hamanns  Entrüstung sollte schließlich zu seinem Grab werden. Sie bezichtigten Hamann des Nicht-Vertrauens in seine Spieler, er wolle den jungen, wie österreichischen Weg nicht mehr mitgehen. Nie hatte Hamann dies getan, er hatte nur davon gesprochen, dass „Wallner 1a Priorität“ hatte, diese nicht erfüllt wurde. Von mangeldem Vertrauen in seine Spielern hatte Hamann nie gesprochen, Sie aber wollten es so verstanden haben.

Viel wichtiger, und das schien sich tatsächlich zugetragen zu haben, schien Ihnen, so erzählen Sie zumindest, ein Saufgelage in Belek gewesen sein. Es entstand Sachschaden, der Trainer gab angeblich die Erlaubnis dazu, war eventuell selbst dabei. Die Hotel-Security könne das bestätigen, die hätten zu tun gehabt. Hamann selbst wollte weder Vorwürfe noch Rausschmiss kommentieren.
Jedenfalls ist Matthias Hamann nicht länger LASK-Trainer. Der Nachfolger, manche munkeln einen Jara nach Linz, wird somit der fünfte Coach innerhalb ziemlich weniger Montate sein. Zuletzt sprachen Sie noch oft von Kontinuität, welche mittlerweile eingekehrt sei, davon ist leider nichts spüren. Seit dem 27. Oktober 2008 haben in Linz, jeweils unter Ihren Argusaugen, Panadic, Lindenberger, Krankl und Hamann trainiert, großteils mehr oder minder erfolglos. Ein Krankl war da noch der Einzige dem Sie ein Schmähbruder waren, der wenn es nach Ihnen ginge hätte bleiben dürfen, er wollte nicht. Die anderen waren teils (Panadic, Lindenberger) tatsächlich ligauntauglich, andere (Hamann) hätten sich mehr Respekt gewünscht und diesen auch verdient. Der LASK beeindruckte mit sehenswertem Offensivfußball, mit dem Abstieg hatte man kaum etwas zu tun, Ihnen wurde gedankt, Hamann geholt zu haben. Jetzt ist Hamann weg, Ihnen war er vermutlich zu einflussreich, und Ihr Ruf in Linz liegt beinahe am Gefrierpunkt.
Einige Anhänger kündigten via Internet-Foren sogar Proteste, Pro-Hamann- und Anti-Reichel-Chöre an. Ob Sie Ihre Entscheidung dann bereuen werden? Wohl kaum, seit Sie vor gut 9 Jahren das Amt des Präsidenten übernommen haben, scheinen Sie nichts gelernt zu haben. Der LASK ist heute genauso konzeptlos wie gestern und vor 10 Jahren, das müssen Sie sich gefallen lassen. Und ob da ausgerechnet ein Toni Polster aushelfen kann, darf – gelinde gesagt – in Frage gestellt werden.

Übrigens: Als einen der Gründe für Hamanns Ablöse sahen Sie außerdem dessen fehlenden Weitblick, seine Weigerung junge Spieler zu integrieren. Sollte dies tatsächlich so sein, hätten Sie Recht – junge Spieler sind wichtig.
Jetzt pocht aber Jara an der Tür, was seltsam ist, da besagter als Verfechter routinierter Spieler gilt.

Auf dass bessere Zeiten kommen mögen
Dominik Seitlhuber

Artikel stammt vom: 4. Februar 2010 – 14:32 Uhr

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