Helmut Kraft folgt Matthias Hamann, verfolgt andere Philosophie. Reichel wollte das so, ist mit sich und den Aussichten zufrieden

So je und komisch seine Ära unter Stronach zu Ende ging, so rasch darf Helmut Kraft wieder arbeiten. Nachdem Stronach nicht von diesen und auch nicht von jenen Handlungen Krafts angetan war, entließ er ihn, recht unerwartet, zumal MAGNA zu diesem Zeitpunkt auf dem passablen sechsten Tabellenrang gelegen war.

Hamanns Entlassung war da schon absehbarer. Rang 8 ist kein Abstiegsplatz, aber auch kein Platz 6, eine öffentliche Vereinskritik nicht unbedingt für jedermann wünschenswert. Torfabrik der Liga ist man gerne, dem Gegner aber beim Tore schießen kooperativ gegenüber zu stehen, tut freilich weh. Außerdem hätte es ein Saufgelage gegeben, Zustimmung oder gar Einwirken Hamanns laut Reichel möglich. KRONE-Recherchen überführten immerhin bereits den Assistenztrainer, der wäre der Hotel-Security betrunken zur Last gefallen. Deswegen, und vermutlich fiel noch mehr vor, gibt es in Linz keinen Hamann mehr, höchstens noch in den Geschichtsbüchern oder den Herzen der Linz-Anhänger.

Helmut Kraft tritt ein schweres Erbe an, beim LASK muss man viel tun um geschätzt, aber sehr wenig tun um entlassen zu werden. Bei Ried wirkte Kraft durchaus positiv, mit Wacker Innsbruck stieg er ab. Kraft gilt als Meister des Mitteldings, er baut auf junge Talente (in Neustadt machte er zuletzt Patrick Wolf groß), ist routinierten Spielern aber nicht abgeneigt. Weiters bevorzugt er inländische Gewächse, ihm, dem Präsidenten, sei das wichtig. Insofern dürfte Reichel ausnahmsweise richtig gelegen sein.

Aber auch mit einem guten Trainer und einer dementsprechend gesunden Mischung wird es schwer, den LASK in höhere Regionen zu hieven. Der Präsident wünscht sich mehr Punkte,  verkaufte jedoch Wallner. Um den Traditionsklub, dem zuletzt die Philosophie zu fehlen schien aus dem hinteren Tabellendrittel zu führen, benötigt Kraft in jedem Fall ein Konzept. Dass ein Polster oder ein Reichel dieses zu tragen oder gar bauen imstande sind, darf Kraft nicht erwarten, er wird den Weg allein zu gehen haben. Wohin dieser führt ist noch nicht abzuschätzen, den Führenden der Torjägerliste, einen passablen Trainer und somit das Vertrauen der Fans abzugeben und im Gegenzug Besserung zu erfahren, wird aber selbst in der skurrilen Welt der Kulturhauptstadt mehr als schwierig.

Artikel stammt vom: 5. Februar 2010 – 12:57 Uhr

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