Marc Janko ist angeschlagen, Somen Tchoyi gewährte sich selbst Sonderurlaub vom Afrika-Cup – aus unterschiedlichen Gründen absolvieren beide momentan ein Lauftraining. Paradoxerweise will es beim Meister trotzdem nicht wirklich laufen.

Nach einer guten, fast furiosen, Herbstsaison in die Gänge zu kommen, ist selten leicht, meist gar fast unmöglich. Beendet man eine Saison im Jubel, beginnt man die nächste nur allzu oft ganz anders. Davon kann zum Beispiel ein Marc Janko ein Lied trällern. War er nach 20 Runden noch eindeutig auf Kurs den Krankl-Rekord zu brechen und den Golden Schuh zu holen, wurde schlussendlich aus beidem nichts, in der Rückrunde fiel ihm das Treffen merklich schwerer.
Seinem momentanen Arbeitgeber, Red Bull Salzburg, scheint es momentan recht ähnlich zu ergehen, aus 4 Vorbereitungsspielen konnte man kein einziges siegreich verlassen.
Obwohl: So herrausragend hatten die Bullen die Hinrunde doch gar nicht verlassen. Man bedenke die matten Darbietungen gegen Sturm oder gegen Kärnten. Trotzdem, alles in allem war Stevens‘ erste Halbsaison das, was man gut nennen kann. Und daher anfällig, im zweiten Durchgang abzusacken, zu sinken in ein Mittelmaß.

Es wäre freilich unangebracht, schon jetzt eine Krise an die Wand zu malen, jetzt wo weder die Europa-League, der Cup oder die heimische Liga begonnen haben. Man muss sich Zeit lassen mit Schlüssen, diese könnten oft voreilig und unbedacht ausfallen. Nichts desto trotz macht man sich als Anhänger und wohl auch als neutraler Beobachter so seine Gedanken, wenn der amtierende österreichische Meister, der Klassenbeste im Zweig Euro-League, gegen Dynamo Budweis erst 1:3 zurückliegen muss, ehe er beginnt aufzuwachen und schlussendlich den Ausgleich schafft.

Freilich ist die fehlende Durchschlagskraft erklärlich, berechenbar. Bereits zu Saisonbeginn hatte sich ähnliches zugetragen: Das Spielsystem der Salzburger war noch nicht ausgereift, Spieler A kannte Spielers B’s Laufwege nicht, C hatte keine Ahnung dass es A überhaupt gibt. Es folgten schwache Spiele, wie etwa jenes in Dublin, als man bis zur 86. Minute warten musste, den Aufstieg gegen eine irische Mannschaft zu erreichen. Später, als das System gefunden war, lief es gut, man gewann die Europa-League-Gruppenphase mehr als souverän.
In einer ähnlichen Phase, in einem Umbruch, scheint sich Stevens‘ Mannschaft momentan zu befinden. Es gilt Wallner zu integrieren und keinen der elf Erfolgsspieler zu entfernen – mathematisch schwierig. Vermutlich wird man in einigen Ligaspielen auf den provisorischen 6er hinter Leitgeb und Pokrivac verzichten und stattdessen Wallner, mehr oder minder hängend aufbieten. Ganz sicher zu sein, scheint sich Stevens noch nicht, zumal er zuletzt einige von Grund auf verschiedene Spielsysteme spielen ließ. Im vierten und letzten Testspiel probierte er ein 4-4-2 (Wallner mehr oder minder hängend), was am wahrscheinlichsten erscheint.

Zeit für Veränderung sollte jedem gewährt werden, auch dem Liga-Krösus. Doch bereits am 10. Februar steht gegen Sturm Graz im Rahmen des ÖFB-Cups ein äußerst wichtiges wie schweres Auswärtsspiel auf dem Plan. Stevens erklärte, den Cup unbedingt holen zu wollen, somit muss dieses Spiel gewonnen werden.
Schlecht, dass gerade jetzt zwei Väter des Salzburger Erfolges aus jeweils unterschiedlichen Gründen untauglich sind. Marc Janko plagt sein Sprunggelenk, er könnte fit werden. Somen Tchoyi hingegen wird im Cup wohl ganz sicher nicht auflaufen. Der Kameruner zeigte sich zum wiederholten Male von seiner düsteren Seite, gewährte sich Zusatzurlaub nach dem Afrika-Cup – ohne Rücksprache mit dem Verein. Deshalb beorderte Stevens Tchoyi zum Lauftraining, selbiges absolviert derzeit übrigens auch Janko.
Sollten beide Garanten, und davon ist durchaus auszugehen, nicht zum Einsatz kommen (können), steht Stevens vor einer ersten Hürde. Louis Clemens Ngwat-Mahop ist momentan noch mehr rekonvaleszent als fit, Wallner als Solo-Spitze ergebe keinen Sinn, Rakic wurde verständlicherweise in die Heimat geschickt.

Doch man sehe die Welt von Red Bull nicht zu trüb. Stevens hat bereits bewiesen, dass mit Engagement, Wille und der nötigen taktischen Einstellung manch Schwächephase überstanden werden kann. Wallners Engagement in Salzburg wird übrigens von einem guten Stern überwacht: Sein fußballerisches Comeback beim LASK wurde von einer halben Gesichtsmaske begleitet, auch die nächsten Spiele im Dress der Salzburger wird er mit Nasenschutz zu absolvieren haben, einem Naseneinriss gegen die Grashüpfer sei Dank.

Artikel stammt vom: 5. Februar 2010 – 21:20 Uhr

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