Constantini reist wunsch- und vermutlich konzeptlos nach Warschau, will sich dort überraschen lassen. Eine Qualifkation für die EM ist für ihn ein Wunsch, ein Traum, aber „unrealistisch“

Wenn am Sonntag Platini zur Auslosung für die EM2012 in Polen und der Ukraine lädt, wird auch Constantini dabei sein. Nicht ungebeten, aber wunschlos. Was er tun könne, hätte er bereits getan, aus Quali-Topf Drei gezogen zu werden, erleichtere die Qualifikation – „Auch wenn’s unrealistisch ist“.
Die Auslosung könnte eine Teilnahme möglicher machen, unterliege aber höheren Gewalten. Daher wolle er sich nichts wünschen.
Wenn sich manch einer schon eine Wunsch-Gruppe zurecht legt, gefiele ihm das („Schön wenn sich die Leute dafür interessieren.“), selbst beteiligen wolle er sich deswegen aber noch lange nicht an Spekulationen.

Wir, der Traum eines jeden Anderen
Österreich hat also keine Wunschgruppe, das erleichtert, da es somit auch kein Horror-Los gibt. Ein solches wäre Österreich für andere gewiss nicht. „So realistisch muss man sein, aus Topf3 wünscht sich jeder uns“, gab Constantini zu Protokoll. Und wenn er von einem Uns spricht, meint er freilich die österreichische Nationalmannschaft. Diese Länderauswahl, die sich in seiner Ära vom fünften, dem letzten, in den dritten Topf vorgearbeitet hat. Als „zweifelsohne ein gutes Zeichen“ interpretierte der Teamchef das.
Zugegeben sei nicht alles rosig, was rot-weiß-rot glänze. „Fehler habe ich gemacht, Fehler haben wir gemacht“, gab er zu.

Andreas Ivanschitz, fast auf Lebzeiten Nationalspieler, spielt unter dem Tiroler keine Rolle mehr, mit Sturheit hätte dies aber nichts zu tun. Wünscht man am Ende der Qualifkation ein positives Resümee, welches zweifellos nur die erste selbstständig erworbene Teilnahme in Österreichs Fußballgeschichte wäre, ziehen wird man aber einen Ivanschitz gebrauchen. Auch wenn dieser zuletzt Schwierigkeiten hatte, an die Leistungen der Hinrunde anzuknüpfen, benötigt ein Land wie Österreich die spielerischen Qualitäten des Mainzers. Insbesondere das Auswärtsspiel gegen die Rumänen dürfte dies eigentlich bewiesen haben, eine Doppel-Sechs verhindert Tore, hüben wie drüben.
Der Teamchef selbst hielt sich vorerst bedeckt, wolle sich da bis zum 3. März (Bekanntgabe des Kaders gegen die Dänen, Anm.) Zeit gewähren.

Relativ fixe Exklusivität
Ziemlich wahrscheinlich, dass Österreich als wohl einziges europäisches Team auf Außenverteidiger verzichten wird, selbst auf den Färöern kennt und schätzt man die. Das 1:5 gegen die Spanier hätte aber bewiesen, dass Österreich sich solche nicht leisten könne. Außerdem, so meint der Teamchef, gibt es bei uns, und wieder meint er Österreich, Spieler die von offensiven Außenverteidigern sprächen, in ungemein vielen Länderspielen aber nicht eine Vorlage beigesteuert hätten. Constantini: „Leicht abzuschätzen, welche Variante daher die richtige Variante ist!“
Sonderbar, da Constantini zuweilen auf große Stürmer vertraut, es kann durchaus vorkommen, dass mal ein Janko, mal ein Maierhofer und mal Beide in Einem stürmen. Solche Spielertypen fordern gefüttert zu werden, seitwärts wenn möglich. Freilich besitzt Österreich Spieler die das können, Jakob Jantscher von links ist da ebenso gut wie Andreas Hölzl von rechts. Von internationaler Klasse, von außerordentlichem Durchsetzungsvermögen, kann bei Beiden aber keine Rede sein. Deswegen täte ihnen Unterstützung von Hinten mehr als gut, ob Emanuel Pogatetz (Middlesbrough, zweitklassig) oder Paul Scharner (im Verein mal Innenverteidiger, mal Abräumer, mal Spielgestalter, bei Didi seit Spanien äußerster Innenverteidiger) dazu imstande sind, darf man bei allem Respekt aber anzweifeln.

Trotz aller offensichtlichen menschlichen Unzulänglichkeiten, trotz teilweise unnachvollziehbarer Personalentscheidungen, muss man Constantini allerdings zugestehen, dass er zumindest kurzfristig für Erfolg und mittelfristig für einen Stamm gesorgt habe. Kurzfristiger Erfolg meint zum Beispiel vier Punkte gegen (zugegeben taumelnde) Rumänen. Langfristige Verbesserung ist, fehlendem Konzept sei Dank, nicht wirklich absehbar, aber das ist Lesen im Kaffeesud und unzulänglich. Viel greifbarer sind da die Jünger, die der Teamchef um sich gesammelt hat. Alle die er nicht für seinen Weg erlesen hatte wurden teilweise übelst demontiert (Ivanschitz, Manninger, Garics, …), so konnte er aber mit jenen an denen ihm etwas liegt, verhältnismäßig befreit arbeiten.

Hypothetisches
Welche Gegner und welches Konzept der dseitlhuber – sportblog dem österreichischen Nationalteam wünscht:

Topf1: England
Topf2: Griechenland
Topf3: ÖSTERREICH
Topf4: Zypern
Topf5: Kasachstan
Topf6: Malta

ÖSTERREICH gg England
Aus Topf1 wünsche ich unserem Nationalteam England. Die Engländer sind zwar Ranking und Namen zufolge nach ein übermächtiger Gegner, konnten zuletzt aber nie an alte Tage anknüpfen. Engländer wären für uns garantiert leichter zu bespielen als etwa Kroaten, die flink und überraschend sind. Außerdem wäre Constantinis ‚Taktik‘ für die Insulaner geeignet, man könnte sich einen Punkt ermauern.

ÖSTERREICH gg Griechenland
Otto Rehagel mag ein guter Trainer sein, hat jedoch mit Spielerischem wenig am Hut. Sein revolutionäres 3-5-2 brachte den Griechen die Europameisterschaft, heute kennt das jeder, kaum einer fällt noch darauf rein – Griechenland ist nicht mehr fähig, schwächere Gegner zu dominieren, der Name verspricht von den Südeuropäern zu viel. Sollte Österreich die Griechen bekommen, wäre ich für einen Sturm mit Roman Wallner und Marc Janko. Im defensiven Mittelfeld könnten Baumgartlinger und Pehlivan den schnellen Griechen entgegenwirken, die Außenverteidiger (!) müssten Druck erzeugen und Janko füttern, Wallner betreibt Laufarbeit und lässt sich oft bis ins Mittelfeld zurückfallen.

ÖSTERREICH gg Zypern
Topf4 Viers namentlich einfachster und wohl auch leichtest zu bespielender Vertreter ist Zypern. Janko und Arnautovic könnten im Sturm für Größe sorgen, letzterer ist außerdem technisch beschlagen und relativ schnell zu Fuß. Spätestens jetzt bräuchte man einen Andreas Ivanschitz oder zumindest einen Christoph Leitgeb, eine spielerische Kraft im Zentrum. Moderne Außenverteidiger wären natürlich unverzichtbar.

ÖSTERREICH gg Kasachstan
Kasachstan wäre leicht, aber nicht zu leicht. Um beurteilen zu können, welches Spielsystem die Kasachen erfordern, müsste ich sie besser kennen, tue dies aber nicht.

ÖSTERREICH gg Malta
Aus Topf6 gibt es beinahe nur schwierige Los, zumindest wenn wir bis dahin noch immer Constantini auf der Bank sitzen haben. Man bräuchte Mut zum Risiko, müsste sich von 6ern und etlichen anderen Vorstellungen trennen. Ein Spiel gegen Gegner wie diese ohne einen Mittelfeld-Motor zu gewinnen, ist ohne einen Patzen Glück kaum möglich.

Morgen wird ausgelost. Didi schaut zu, freut sich drauf. Immerhin will er sich qualifzieren. „Auch wenn’s unrealistisch ist!“

Artikel stammt vom: 6. Februar 2010 – 14:10 Uhr

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