Nächsten Samstag beginnt die österreichische Bundesliga von Neuem. Nicht dass die Punkte weg wären, aber die Karten werden gewissermaßen neu gemischt. Wie bereits Tradition, werden sich Salzburg und Rapid die Meisterschale nicht teilen, sondern einer der beiden wird sie am Ende hochhalten. Wer das Rennen macht und welche Mittel Wem gut zu Gesicht stehen würden

Rapid Wien
Der Rekordmeister aus Wien-Hütteldorf hat die ersten 19 Spielrunden am besten, oder zumindest am effizientesten hinter sich gebracht. 2 Punkte hat man Vorsprung auf den Erzrivalen Salzburg, verdanken tut man dies vor Allem 12 Siegen, welche Ligaspitze bedeuten. 44 Tore in 19 Spielen sind ebenfalls das österreichische Maß aller Dinge, 19 Tore bekommene Tore sind dagegen auch kein schlechter Wert, lediglich ein Tor hat man mehr bekommen als Stevens, bei dem die Null 18mal nicht stand. Überhaupt hat Rapid das beste Torverhältnis der Liga, landet oft Kantersiege.

Doch welches Geheimnis verbirgt sich hinter der beinahe rundum positiven Hinrunde? Zum einen einmal, dass die Hinrunde nicht wirklich beinahe rundum positiv war, der Eindruck täuscht ein wenig. Die Hütteldorfer hatten zu Saisonbeginn zu kämpfen, was aber auch am Jubiläumsspiel mit Liverpool lag, welches das Spiel gegen Sturm Graz nach hinten verschob. Lange dachte man, Rapid hätte Probleme und Salzburg leichtes Spiel.
Mit Fortschritt der Meisterschaft fanden die Grün-Weißen jedoch ihren Rhythmus, bestachen auch (aber nicht nur) mit Kampfgeist. Insbesondere das Flügelspiel viel einem positiv ins Auge. Kavlak, Drazan und Trimmel waren da vor Allem ausschlaggebend, die Drei verfügen jeweils über hervorragende Flankentechnik. Was auffällt ist, dass es sich um durchwegs junge Österreicher handelt, die bei Rapid für den Überraschungsmoment sorgen, von Hofmann freilich abgesehen. Während die arrivierten Leute für die nötige Stabilität sorgen, bringen unbekümmerte Spieler Unausrechenbares. Generell verfügt Rapid vermutlich über die beste Offensivabteilung des Oberhauses.

Tore, wie sie die Grünen besonders gerne erzielen, gibt es nicht wirklich. Was Rapid so gefährlich macht, ist das Unkalkulierbare, die Unbekannte. Kaum ein Tor gleicht dem nächsten, was es dem Gegner natürlich ungemein schwierig gestaltet, sich auf die Offensivbemühungen des Tabellenführers einzustellen.

Red Bull Salzburg
Rapid hat das, was Salzburg fehlt. Salzburg hat jenes, was Rapid abgeht – So könnte man es formulieren. Während die Bullen in der Liga um eben diesen einen Sieg, diese drei Punkte zurückliegen, zeigt man den Rapidlern anderswo, auf europäischer Ebene, wie Fußball gespielt wird. Während in der Meisterschaft Rapid-Tugenden fehlen, fährt man in der Europa-League mit Stevens‘ Kurs genau richtig. Dass die heimische Liga jedoch oberste Priorität haben sollte, weiß man aber auch in Salzburg, mit Wallner wurde daher ein Ex-Rapidler geholt, einer der noch heute wie einer spielt.

In der Herbstsaison tat sich Salzburg, weil selbst nicht unbedingt der Erfinder des Toreschießens, gegen defensiv orientierte Teams oft sehr schwer, eine Mauer blieb meist eine Mauer, hüben wie drüben. Die Angriffsbemühungen fielen meist sehr ähnlich aus, eine Aktion glich der anderen. Somit ist es auch bedeutend einfacher ein typisches Salzburg-Tor der Herbstsaison zu finden, ich habe mich für >>dieses<< entschieden.
Durchaus schön anzusehen, wenn die Bullen ins Kombinieren kommen, leider aber oft zu offensichtlich. Abhilfe schaffen soll ab nun Roman Wallner, der die einzige Neuverpflichtung im Winter darstellt. Von ihm erwartet sich Stevens einiges, will ihn nicht zum Ivanschitz machen. Auch für Wallner findet sich ein typisches Tor, im folgenden Video sind sämtliche Tugenden verankert -> Klick mich.
Wallner setzt den Verteidiger (Burgstaller) unter Druck, dieser ist durch den heranstürmenden Wallner irritiert, fabriziert einen ungenauen Pass, welchen Prager abfangen kann. Wallner beweist seinen Torinstinkt, bedeckt den freien Raum, bekommt das Runde, drischt es mit einem strammen Schuss ins Eckige.

Wer macht’s?
Schwer zu sagen. Sollte Salzburg die Europa-League noch weiter rocken, könnte sich dies auf die konditionelle Verfassung der Spieler auswirken. Da der Kader jedoch sehr breit gefächert und auch individuell eindeutig besser besetzt ist, als jener der Rapidler, tippe ich Salzburg zum Meister. Was aber natürlich kein verbindlicher Ratschlag sein soll, denn es gilt abzuwarten wer sich mehr vom Anderen abschauen kann. Immerhin fehlt Rapid Salzburg und Salzburg mangelt es im Gegenzug an Rapid.

Artikel stammt vom: 7. Februar 2010 – 10:50 Uhr

Advertisements