Auf Rasen, der sich für beide Mannschaften als gleich schlecht erwies, gewinnt Sturm Graz den vorgezogenen Cup-Schlager. Blog-Eintrag über Negativ-Werbung für den österreichischen Fußball, Entwertung des ÖFB-Cups und einen trotzdem verdienten Sieger

Professionell wollte man den verschneiten Rasen betreten, professionell und vor Allem erhobenen Hauptes auch wieder rausgehen aus der UPC-Arena. So und nicht anders hatte sich Stevens das gewünscht, vorgestellt aber nicht: „Wissen wo man steht kann man erst nach einer gewissen Anzahl von Spielen“
Entgegen meiner Vermutungen vertraute er, nichtwissend wo man steht und wie man spielen soll, Roman Wallner auf der Janko-Position. Wie bereits von mir gemutmaßt, machte die Neuverpflichtung dort keine gute Figur, hing noch mehr im Leeren als Marc Janko zu seinen besten Zeiten. Nicht überraschend, dass Wallner bereits in Minute 52. duschen ging. Den taktisch unpassenden und physisch matten Tchoyi ersetzte Alexander Zickler mehr oder minder erfolglos.

Einer Heimmannschaft entsprechend offensiv stellte Franco Foda auf, mit Daniel Beichler und Klemen Lavric hatte Sturm doppelt so viele Angreifer auf der Haben-Seite wie Salzburg. Sämtliche Neuerwerbungen saßen um das Feld herum, wobei Roman Kienast immerhin noch Platz auf der Bank fand.

Die beinahe irregulären Spielbedingungen (Foda empfand die Austragung des Spiels als gewagt, Stevens als Liebe der Österreicher zum Skisport) stellten eine Austragung der Partie zwischenzeitlich sogar auf die Kippe. Eine erste Generalvisitation des Untergrunds brachte Sorgen, die finale Kommissionierung um 15:30 Uhr Gewissheit – zugunsten der Partie, gegen schön anzusehenden Fußball. Als Schiedsrichter Grobelnik dann also pünktlich anpfiff, konnte man recht rasch erkennen, welches Spiel der Zuseher zu erwarten hatte. Eines, das Sturm dominiert ohne hochprozentig gefährlich zu werden. Aber im Großen und Ganzen eigentlich eines, das den Namen nicht verdient. Ob ein Platz wie dieser bespielbar ist, möchte ich an dieser Stelle gar nicht entscheiden, aber förderlich für den Ruf von Fußball-Österreich ist es nicht, geschweige denn für den ÖFB-Cup, den man eigentlich attraktiver gestalten wollte. Stattdessen wurde er Gestern Abend in erschreckend unansehliche Dimensionen geführt.

Dass da ein Schiedsrichter pfiff, der teils unnachvollziehbar entschied, geriet da zur Nebensache. Innnerhalb von 45 Minuten tätigte der Referee zwei umstrittene Entscheidungen: Einmal entdeckte er einen Zupfer an Sekagyas Leiberl. ORF-Kommentator König verstand die Welt nicht mehr, hatte scheinbar das Regelwerk vergessen. Diesem zufolge hat nämlich keiner der zehn Finger auch nur irgendwas am Trikot des Gegners verloren und so subtil wie dargestellt war das Zerren nun auch wieder nicht. Hier lag Grobelnik durchaus am Rechten Rand. Beim wenig später folgenden Zweikampf eindeutig nicht. Christian Schwegler bedient sich selber Unart wie zuvor Lavric, nur noch bedeutend heftiger. Da sich der Zwischenfall im Sechzehner (dessen Linien zwischendurch gewischt wurden) zugetragen hatte, hätte sich Sturm einen Elfmeter verdient gehabt.
Vom amtierenden Meister und Europa-League-Besten war bis dahin kaum was zu sehen und das lag bestenfalls teilweise am heftigen Schneefall. Stevens hatte seiner Mannschaft scheinbar verboten zu kombinieren, was angesichts der Umstände auch durchaus legitim ist. Wenn dann aber lange Bälle auf Roman Wallner geschlagen werden, ist die Erfolgschance gering.

Die zweite Hälfte war gerade einmal fünf Minuten alt, als man dafür Reuen musste. Der Schiedsrichter dürfte sich seiner Fehlentscheidung aus Halbzeit Eins bewusst geworden sein, gab nach Handspiel von Beichler Elfmeter für Sturm. Lavric probiert rechts, Gustafsson im Eck, Ball trotzdem drin – 1:0. Nachdem sich Stevens bereits im ersten Durchgang mit der Fortsetzung der Partie nicht einverstanden zeigte und dies dem zweiten, dritten und vierten Offiziellen auch mehrmals mitteilte, war der Salzburg-Trainer erneut erbost. Verständlich, zumal der Elfer bei Weitem keiner war. Dass es sich um ausgleichende Ungerechtigkeit handelte, ist einem fanatischen Holländer in diesem Moment aber fern, als dem Schiedsrichter klar wurde, dass der Bullen-Dompteur für ihn nicht zu bändigen war, zeigte er Stevens Rot und den Weg auf die Tribüne. Seinem Ausschluss folgte Nelisse anstatt des farblosen Wallners und Salzburger Druck. Da dieser jedoch hauptsächlich durch Ideenlosigkeit auffiel und wenig Durchschlagskraft mit sich brachte, fand man nur zweimal ernsthaft vor Gratzeis Tor. Einmal konnte der Salzburger Angriff 17 Meter vor dem Tor auf unfaire Art und Weise gestoppt werden, ein anderes Mal traf Nelisse Gratzei und Zickler den eigenen Mann. Der Top-Chance folgend fällt der zweite Treffer für Sturm. Das Mittelfeld erkontert dem mittlerweile eingetauschten Kienast viel Platz, welchen er nutzt um den herausgeeilten Gustafsson zu überheben. Der Ex-Norweger hatte nur zweimal mit dem Hintern gewackelt, ehe er seinen ersten Treffer für den neuen Arbeitgeber erzielte.
Die letzten zehn Minuten bringen Alibi-Fußball und noch mehr Negativ-Werbung.

Dass eine Absage der Partie viele enttäuscht hätte, steht außer Frage. Auch dass man dadurch wohl oder übel in einen zeitlichen Engpass geraten wäre. Wenn ein dermaßen wichtiges Spiel aber unter solchen Bedingungen geführt wird, wäre es vermutlich die bessere von zwei Varianten gewesen, die Partie zu verschieben. So wurde jedenfalls dem Image des ohnehin eher untergeordneten Cups noch mehr geschadet.
Dem verdienten Gewinner ist nichts desto trotz zum Aufstieg zu gratulieren. Den Hausherren ist es besser gelungen, sich auf die Verhältnisse einzustellen, vermutlich hätte man Salzburg aber auch auf Mallorca gebogen. Stevens hingegen muss weiter an der Integration von Roman Wallner arbeiten. Dass das System mit den gestrig auflaufenden Personen in dieser Form keine Zukunft hat, wurde nämlich selbst in einem biederen Spiel wie diesem eindrucksvoll bewiesen.

Artikel stammt vom: 11. Februar 2010 – 16:01 Uhr

Advertisements