Blog-Eintrag über einen Trainereffekt den es (nicht) gibt, einen Tabellenführer der das vielleicht bald nicht mehr ist und über ein paar Gründe die dazu führten

Hätte die Linzer Gugl keine halbwegs neutrale Anzeigetafel, hätten ihr die Hardcore-Linzer wohl kaum geglaubt, als sie in der Halbzeit auf 2:0 stand. Und hätte man Saurers Hammer nicht direkt hinter Hedl ins Tor schweben sehen und den Platzsprecher danach „LASK 4; Herbst- und Rekordmeister Rapid 1“ tönen hören, man hätte sich schwer getan, es für wahr zu halten. Was sich gestern auf der Gugl abspielte war Balsam auf des Linzers Seele, nicht mehr als eine Momentaufnahme, aber trotzdem Hoffnung auf Beständigkeit.

Die LASK-Anhänger – die eigentlich sehr gute sind, wie Krankl meint – könnten Demonstrationen dieser Art aber künftig unterlassen, gab Panis zu, man schade damit dem Verein und gleichsam sich selbst. Sturm liefen die Linzer gegen Präsident Peter-Michael Reichel, der in der Winterpause Hamann auswechselte und eine Woche vor Meisterschaftsbeginn Helmut Kraft eintauschte. Wobei: Im SKY-Interview zwischen den zwei Halbzeiten gestand er manches ein. Fehler habe er gemacht, zum Beispiel jenen, Hamann nicht viel früher ausgewechselt zu haben. Vermutlich handelte es sich dabei wieder nicht um die Aussage, die der Linzer Anhang gewünscht hätte. Gut möglich, dass die Eingefleischten bald wieder erst im zweiten Durchgang Platz nehmen.

Als Schiedsrichter Thomas Gangl pünktlich um halb Acht freigab, war die Gugl also fast leer. Von 10.000 verkauften Tickets wurden bestenfalls die Hälfte Vollzeit genutzt. Vermutlich lag es aber nicht am dadurch fehlendem Auftrieb, sondern eher am dominant vorgetragenen Flügelspiel der Hütteldorfer, dass Reichels Spieler vorerst nicht oft die eigenen 50 Meter verließen. Dass dies aber nicht unbedingt aussagekräftig ist, beweist zum Beispiel der Vergleich der beiden Sturmreihen: Solo-Spitze Skuletic sollte weit weniger Ballkontakte als Salihi/Gartler haben, am Ende aber doch in etwa gleich wirkungsvoll bleiben. Dazu aber später mehr.
Die ersten Minuten gehörten erwartungsgemäß dem Herbst- und Rekordmeister, Kavlak und Hofmann (39 Ballkontakte nach 27 Minuten) drehten ihre jeweiligen Gegenspieler nach Belieben aus. Vor Allem der gelernte Innenverteidiger Alunderis, der von Kraft nach außen beordert wurde und somit Kavlak zu bändigen hatte, machte keine herzeigbare Figur. So gut die Grün-Weißen begannen, so schnell machte sich Ideenlosigkeit breit. Mangels Anspielstationen blieb den Hütteldorfern oft nur das horizontale Ballverschiebe, Krankl hätten vertikale Angriffszüge „mit dem letzten Pass“ besser gefallen. Zugegeben kann das horizontale Verteilen des Balles oft kein Nachteil sein, die Bayern zeigen vor dass es geht, den Rapidlern fehlte aber schlicht und ergreifend der Überraschungsmoment – der Robben oder der Ribery – der den dadurch erspielten Raum auch in Verwertbares ummünzt. Bis zur Mitte der ersten Halbzeit glich sich das Spiel mehr und mehr aus, selbst ein sehr defensiv orientierter LASK wagte sich ein paar Mal nach vorne.

Die erste echte Torchance war dann gleichsam das erste Tor des LASKs – und überhaupt. Mit zwei simplen Kurzpässen spielt man Florian Metz frei, dieser zögerte nicht wirklich lange und ließ Raimund Hedl (statt dem mäßig fitten Payer angetreten, Anm.) kaum eine Chance zu halten. Krankl: „Mitschuld vom Goalie!“, Auer: „Ich bleib dabei: Unschuldig.“
In der Folge tat sich Rapid noch schwerer, von Aufbruchstimmung sah man wenig. So kam Jürgen Panis innerhalb von 10 Minuten gleich zweimal im Strafraum zum Abschluss. Einmal störte in Hofmann, einmal half im Soma. Letzteres führte dann zum 2:0 der Linzer. Die Rapidler hatten das Spielgerät eigentlich schon unter Kontrolle gehabt, Rangvald Soma ließ sich aber zu einer Einlage im eigenen 5er hinreißen, verstolperte und legte den Ball vor des „Beißers“ Füße – Tor.
Mit dem 2:0 sei man aufgewacht, sollte Hofmann später meinen. Teilweise hatte er recht, einem Tabellenführer war die Leistung aber auch ab da unwürdig. Bis zum Pausenpfiff hatten die Gäste mehr Spielanteile, ohne zwingend gefährlich zu werden. Die Halbzeitstatistik ließ Rapid nicht nur bei den erzielten Toren, sondern auch bei gewonnen Zweikämpfen schlecht aussehen. Von 100% gewann der LASK 55.

Den zweiten Durchgang begann Rapid merklich druckvoller, Durchschlagskraft ließ man aber weiterhin vermissen. Die erste echte Einschussmöglichkeit vor den Hardcore-LASK-Fans hatte Jürgen Panis und komplettierte seinen Doppelpack. Nach einer eindrucksvollen Flanke von Rechts fand sich Panis frei vor Hedl wieder und spitzelte das Runde am Torhüter-Ersatz vorbei. Nun schien das Spiel gelaufen zu sein, vor Allem zumal bisher nichts vom berüchtigten Kampfgeist der Hütteldorfer zu merken war. Doch bereits zwei Minuten nach dem dritten folgte gleich der vierte Treffer. Dieses Mal anderswo, die Kugel lag hinter Macho. Kavlak bedient auf Umwegen Steffen Hofmann, dieser trifft ohne Umwege ins Tor. Kein Wunder, dass die Kombination ‚Kavlak auf Hofmann‘ hieß, die beiden waren über die gesamte Spielzeit hinweg die besten Grünen. Es keimte etwas auf, was sich zwischen Spannung und Ungewissheit bewegte. Zwar fehlte Rapid weiterhin das gewisse Etwas, das Unberechenbare, aber man konnte sich nie um den Ausgang des Spieles sicher sein. Man musste erst bis zur Rapidviertelstunde warten, bis Saurer schließlich eine Rakete zündete, Hedl abermals chancenlos ließ und das Schicksal des Rekordmeisters besiegelte.
In der 92. Spielminute bekam Rapid noch zurecht einen Strafstoß zugesprochen, welchen Hofmann unwillig in die Maschen drosch. Die Ergebniskosmetik brachte den Endstand von 4:2.

Was hüben bleibt ist die Gewissheit, mit Helmut Kraft einen Meister des effektiven und defensiven Spiels gefunden zu haben. Auch wenn Kraft meinte, es gäbe so etwas die den Trainereffekt nicht, war komischerweise genau ein solchiger klar erkennbar. Die Linzer waren ideal auf Rapid eingestellt und ließen kaum Strafraumszenen zu.
Drüben bleibt – abgesehen von drei vergebenen Punkten – kaum etwas übrig. Da Rapid normalerweise eine Mannschaft ist, die über den Überraschungsmoment verfügt, ist dieses Spiel nicht allzu hoch einzuordnen.

Artikel stammt vom: 13. Februar 2010 – 9:11 Uhr

Analytischer Zusatzteil

Aufstellung Linzer ASK:
4-2-3-1-System: Macho – Alunderis, Margreitter, Chinchilla-Vega, Prettenthaler – Metz, Aufhauser, Majabvi, Saurer, Panis – Skuletic

Aufstellung Rapid Wien:
4-2-2-2-System: Hedl – Dober, Soma, Patocka, Katzer – Hofmann, Heikkinen, Pehlivan, Kavlak – Gartler, Salihi

Matchwinner des LASK:
Margreitter, Metz, Saurer, Panis

Lichtblicke bei Rapid:
Hofmann, Kavlak

Anmerkung:
Neuzugang Rene Aufhauser musste nach einem unrunden Schritt in der Halbzeitpause vom Platz. Es besteht Verdacht auf einen verschobenen Wirbel oder dergleichen.

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