Der beerbte Kapitän Paul Scharner holte nach anfänglicher Gelassenheit schließlich doch zum Rundumschlag aus. Arnautovic folgte, wenngleich sanfter. Beide hatten und haben folgendes zu beanstanden: Manche spielen den Watschenmann, Constantini kommuniziere selten und schlecht. Der rote Faden der Ära Didi zieht sich somit weiter. Blog-Eintrag über Geschehenes und Hoffnung

Scharner: „Er hätte anrufen können!“
Vermutlich hätte ich meinen üblichen Appell an Constantini vor dem morgigen Länderspiel ihm zuliebe ausfallen lassen. Zwar nur vielleicht, aber die Chance hätte durchaus bestanden – hätte Paul Scharner nicht heute berechtigterweise für neuerliche Teamchef-Kritik gesorgt. Es macht nämlich langsam müde, Wort für Wort die selben Inhalte predigen zu müssen, nur um später feststellen zu müssen, dass es dem Teamchef nicht nach Lernen beliebt. So gesehen heute beziehungsweise gestern. Gestern, weil er für die Entmachtung Scharners keine Begründung hatte – heute, weil ihm genau das auf den Kopf fiel. Spät aber wuchtig holte Paul Scharner heute aus um ihm vor Dänemark noch eine gehörige verbale mitzugeben. Grundtenor seiner Wutrede: Der Teamchef kommuniziere schlecht – sofern man überhaupt noch von Kommunikation sprechen könne. Über die Medien, so behauptet er, habe man ihm die Degradierung zugesteckt. Die feine Art eines Menschenkenners, der Constantini vorgibt zu sein? Kaum. Vielmehr scheint mal wieder der rote Faden durch – Jener Strick der sich seit seinem Amtsantritt durch Länderspiele und deren Pausen zieht. Entweder der Nationaltrainer wird aus unergründlichen Motiven heraus extrem persönlich, oder aber, er teilt sich erst gar nicht mit.

Arnautovic: „Wieso ruft er nicht an?“
Mehr auf der Hand liegend als komisch ist daher auch, dass Arnautovic ebenfalls kein Constantini-Fan ist. Zum einen fühlt er sich nicht wertgeschätzt, zum anderen kommt er sich gar überflüssig vor. „Ich bin der teuerste Spieler Österreichs. Warum kann mich Constantini nicht einmal anrufen, und mich fragen, wie es mir geht?“, verschafft er, ebenfalls heute, seinem Ärger Luft.
Wieder Scharner: „Das (die Causa Kapitän, Anm.) war nicht der richtige Weg, das habe ich ihm auch in unserem Gespräch am Montag gesagt“. Weiters kommt es ihm beinahe so vor, als diene der Kapitän ausschließlich als Watschenmann.

Schließlich und endlich – und da bin ich bei ihm – habe er sich kaum etwas vorzuwerfen und sei trotzdem bei jeder Gelegenheit geprügelt worden. Er, Paul Scharner, wurde als er, Paul Scharner, zum Kapitän bestimmt. Und Paul Scharner hat sich auch verhalten wie Paul Scharner. Übermotiviert (Paul selbst: „Ist mir lieber als zu wenig!“), motiviert (Didi über Paul: „Gefällt mir!“) und ein wenig skurril (Paul über Pauls Frisur: „Die war doch nur da, um im Gespräch zu bleiben!“). Zuweilen habe er sich dem Didi zuliebe sogar verstellt. „Diplomatischer geht’s nicht, ich habe stets die Ruhe bewahrt und dem Teamchef die Stange gehalten“. Im übrigen hätte sich Scharner auch gefreut, wenn er und nicht sein Manager den Anruf erhalten hätte.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Weg des Constantinis das ist was er nicht zu sein scheint – der beste. Genügen würde es auch, wenn er der richtige wäre, aber auch davon kann man nicht ausgehen. Morgen warten die Dänen – freiwillig ohne Salzburger Augustinussen, unfreiwillig ohne Poulsen und Tomasson – und wollen vermutlich gewinnen. Früh wird abzusehen sein, ob sich Constantini auf dem Holzweg oder auf der A1 befindet. Ist letzteres nicht der Fall, so rate ich jedem patriotischen Österreicher die Daumen für die Dänen und alle weiter folgenden Gegner in der Ära Constantini zu drücken. Aus zu Liebe zu Österreich, aus Hoffnung auf Besserung!
Eines Besseren belehren lasse ich mich natürlich gerne.

Artikel stammt vom: 2. März 2010 – 17:48 Uhr

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