Die österreichische Bundesliga bietet 10 Vereinen Unterschlupf, soll jedem der Nächste sein. Grundsätzlich sollte Neutralität gegeben sein, ein sportlicher Wettbewerb hat ohne diese nicht wirklich Sinn. Ja, es sollte wahrlich so sein. Ist es aber nicht: Salzburg-Coach Stevens war einer der Letzten (aber vermutlich lange nicht der Letzte), dem manche Entscheidungen (Rapid betreffend) komisch vorkamen. Auch im 292. Wiener Derby war das Hanappi wieder im Blickpunkt: Bereits zum vierten Mal in dieser Saison bekam der Hausherr Rapid einen 11er zugesprochen. Brisant: Linienrichter Alain Hoxha, der seinem Chef einen Elfer und den Ausschluss von Acimovic anzeigte, kickte im Rapid-Nachwuchs und soll bei mehreren vergebenen Austria-Chancen hämisch gegrinst haben. Die Bundesliga darf, soll und muss sich diesbezüglich einfach mitteilen.

Geschätzte Herren am Ruder,

unlängst hat sich Huub Stevens beklagt, dass gewisse (vermutlich grün-weiß gestreifte) Vereine eine Art Bevorzugung seitens der Referees erleben. Auch wenn ihm das seitens der Medien als Schwäche ausgelegt wurde, hatte er freilich völlig Recht. Und er war nicht der Erste, der Recht hatte. Bereits mehrere Trainer sehen die Großen – zu deutsch: die Wiener – im Vorteil. Ihrerseits wurde selten sachlich argumentiert, vermutlich aus dem Wissen heraus, ohnehin im Unrecht zu liegen. Man hat ihnen geglaubt, jene die von „Wiener Mafia“ oder Sonstigem sprachen, galten in der Fanszene eh und je als schlechte Verlierer. Mittlerweile hat sich die Sache gedreht, die Herren in Schwarz haben übertrieben, die Bundesliga ist zu weit gegangen.

Keiner, wirklich keiner, kann mir weismachen, dass die hohen Herren nicht Bescheid gewusst haben, dass Alain Hoxha, der Linienrichter vom Derby, in seiner Jugend dem SK Rapid Wien gedient hat. Oder ist doch alles nur ein komischer, weil echter, Zufall? Es tut mir Leid, den Glauben daran habe ich längst verloren. Viel zu oft – und vor Allem viel zu offensichtlich – wird der Rekordmeister zur Mission 33 gepusht – insbesondere vor heimischer Kullisse. Beispiel gefällig? Gerne. Wir, die besorgten Fußballfans, haben recherchiert und sind für die Saison 2009/10 auf folgende Ergebnisse gestoßen:
Der heutige Elfer (ob gerecht oder nicht sei dahingestellt) war bereits der vierte Strafstoß, den die Hütteldorfer im Hanappi-Stadion zugesprochen bekamen. Der Gegner – egal wie dieser hieß – bekam in dieser Saison noch keinen solchen. Bei gelben und roten Karten sowie bei zu Unrecht aberkannten Toren (man denke an das Spitzenspiel gegen Salzburg) verhält es sich übrigens sehr ähnlich.

Sehr gerne würde ich an unglückliche Zufälligkeiten glauben, nichts wäre mir lieber. Ich bin nämlich Fan des fairen Wettkampfs, des ausschließlich sportlichen Messens – da ist es sehr mühsam, andauernd einen Elfmeter fürchten zu müssen, wenn es beim Rekordmeister gerade nicht nach Wunsch läuft. Man ist sich dann auch oft nicht sicher, ob man einem Verfolgungswahn verfallen oder im Recht ist.
Die Heimstärke der Hütteldorfer auf die Unparteiischen (sic!) zu reduzieren, wäre jedenfalls gewagt beziehungsweise schlichtweg unfair. Tatsachen von der Hand zu leugnen, die erschreckend offenkundig sind, kann aber nicht der richtige Weg sein. Das gilt für die Fangemeinde (die Grün-Weiße wie die Nicht-Grün-Weiße), aber natürlich auch für die Verantwortlichen.

Sollte das Problem ein hausgemachtes, ein gewünscht und gewolltes sein, ist es verständlich, dass sie, die Herren am Ruder der Bundesliga, lieber Schweigen als sich mit dem Problem auseinander zu setzen. So und nicht anders funktioniert schließlich Korruption. Sind die Schiedsrichter aber schlicht und einfach unfähig (bzw. zur falschen Zeit am falschen Ort), dürfen sie ruhig Stellung beziehen. Auch langfristige Sperren wären vermutlich ein probates Mittel, dem ungerechte Pfiff entgegen zu steuern.

Da aber davon auszugehen ist, dass man den Referees, die schließlich auch nur Menschen sind, nicht böse ist, wird sich vermutlich nichts ändern am ewigen Leid für den gemeinen Nicht-Rapidler. Die Frage, die sich stellt: Wozu das Ganze? Höchstwahrscheinlich aus dem banalen Grund, den Ball flach und den Gegenwind ruhig zu halten. Denn die mehreren Österreicher tragen Grün-Weiß, dessen dürften sie sich mehr bewusst sein. Selbst unser Lieblings-Teamchef weiß, dass man es nicht Allen Recht machen kann – aber wenn schon, dann am Besten den Rapidlern. Dem Herrgott im Fußballhimmel sei Dank führt momentan aber jene Mannschaft die Bundesliga an, die sich am wenigsten auf Schützenhilfe in Schwarz verlässt und verlassen darf. Constantini hatte also Unrecht, als er sagte: „Der Fußball ist ungerecht“.

Artikel stammt vom: 14. März 2010 – 19:48 Uhr

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