Rapid und Salzburg spielen derzeit unter ferner liefen, einem potenziellen Meister schlichtweg unwürdig. Den Schwung der Herbstsaison konnten beide Titelaspiranten nicht beibehalten, wodurch sie sich derzeit gerechterweise im Kreuzfeuer der medialen Kritik befinden – Salzburg naturgemäß mehr als die Anti-Kommerzler aus Hütteldorf. Der dseitlhuber – sportblog begibt sich auf Spurensuche und durchleuchtet mehrere Aspekte, die für die Krisen verantwortlich sein könnten

Grundsätzlich sind sich der SK Rapid Wien und Red Bull Salzburg ja spinnefeind, einander Gegensätze wie Rapid und Austria und schlichtweg unsympathisch. Keiner gönnt dem anderen auch nur einen Virus – geschweige denn den begehrten Meistertitel. Irgendwie scheinen sich die Titelfavoriten aber nicht mehr sonderlich um den Meisterteller zu scheren – die letzten Darbietungen ließen dies zumindest indirekt vermuten. Irgendwann werden aber sowohl Rapid als auch Salzburg die aktuellen Spielschwächen überstanden haben. Wie das gelingen soll? Im Idealfall mit Ursachenforschung.

  • Zwischenzeitliche Hochs, die den Allgemeinzustand überblendet haben

SK Rapid Wien
In Hütteldorfern neigt man ganz allgemein dazu, Spiele schön zu reden oder sich von den Medien schön schreiben zu lassen bzw. ganz einfach zu glauben, was der Haus- und Hof-Schreiberling in seiner Kolumne zum Besten gibt. Nicht zuletzt deswegen, wird man dort nie die Fortschritte á la Red Bull Salzburg erzielen können – dass einem das Prinzip des unendlich Genügsamen bereits in der Rückrunde auf den Schädel fällt, durfte man aber nicht unbedingt annehmen. Beispiel: Die Innenverteidigung gilt seit jeher als wunder Punkt der Grün-Weißen. Mit Jovanovic UND Soma hat man versucht, dieses Manko auszugleichen. Soweit, so gut. Doch nun entpuppte sich Jovanovic als Reinfall und auch Soma war an etlichen Gegentreffern Hauptschuldiger. Die Winterpause brachte aber keinen weiteren Innenverteidiger, sondern einfach gar nix – der geliebten Kontinuität wegen. Gut, Kontinuität muss sein, aber wenn man offensichtliche Schwachstellen konsequent verdrängt, darf man sich über blaue Wunder wie das momentane einfach nicht wundern.

Red Bull Salzburg
Die Salzburger werden ja nur ungerne mit Rapid verglichen und auch in puncto „Zwischenzeitliche Hochs, die den Allgemeinzustand überblendet haben“, wäre eine ernsthafter Vergleich unzulänglich. Fakt ist aber, dass man sich auch in Siezenheim von teils sensationellen Partien täuschen ließ. Man hieß die €-League-Dominatoren sogar so gut, dass man ihr das vollste Vertrauen zu sprach, sie lediglich durch Wallner punktuell verstärkt hat. Kontinuität, die lobenswert ist, aber eigentlich Fehl am Platz war. Befasste man sich kritisch mit dem Auftreten der Roten Bullen, konnte man klar erkennen, dass das gewisse Etwas fehlte, um die sogenannten ‚Kleinen‘ wie sogenannte ‚Kleine‘ zu behandeln. Tatsächlich fehlte nicht nur ein Wallner, sondern ein ganzes System. Stevens hat zugegeben versucht auf eine Art 4-4-2 umzustellen, ist dabei aber mehr oder minder kläglich gescheitert. Die letzten drei Spiele brachte der Taktikfans den Zusehern jeweils drei verschiedene Startformationen aufs Feld. Für Stevens normalerweise ein absolutes Tabu…

  • Tiefs, die als „zwischenzeitlich“ vermutet wurden

SK Rapid Wien
Grundsätzlich wieder das selbe Problem wie bereits oben behandelt: Mehr oder weniger kurzfristige Tiefpunkte werden falsch interpretiert/als Ausrutscher abgetan. Siehe hierzu: Rapid gg Tel Aviv I und II
Gut, da war die katastrophale IV dem internationalen Niveau schlichtweg nicht gewachsen, aber spätestens rund um die 2:0-Niederlage gegen den HSV hätten die Alarmglocken läuten müssen. In dieser Phase hatte Rapid nämlich genau das gleiche Problem, welches sie momentan von Enttäuschung zu Enttäuschung spielen lässt. Die Doppelsechs kann offensiv für keinerlei Akzente sorgen, wirkt meist spielverschleppend, weshalb flotte Kombinationen eigentlich nicht gegeben sein können. Dazumals fanden die Flanken (allen voran jene von Christopher Drazan, der zu diesem Zeitpunkt in Überform agierte) halt jedesmal den Kopf von Jelavic oder Salihi und von dort aus das Tor. Wirklich kombiniert wurde nicht, was sich auch im Liga-Alltag nachteilig erwies. Anstatt sich um Besserung zu bemühen – das System abzuändern oder Pehlivan/Heikkinen zu hinterfragen – sah man sich aber immer als den heimlichen Tabellenführer. Hier und da waren auch die SchiRis schuldig.

Red Bull Salzburg
Zu Gute halten muss man Salzburg, dass man durchaus versucht hat, dem Minimalistenfußball ein Ende zu bereiten – eben mittels der Wallner-Verpflichtung. Wie wir mittlerweile wissen, reicht der allein aber nicht aus, was auch durchaus vorhersehbar gewesen wäre. Wieso also schenkte man einer Mannschaft, der zur Winterpause zwei Punkte auf die Tabellenspitze fehlten, das beinahe ultimative Vertrauen? Eigentlich super, eigentlich untypisch Salzburg. Aber vermutlich doch nicht der richtige Weg. Rund um die Euro-League herum spielte man sich in einen Rausch, der einen eigentlich gar keine Spiele verlieren lassen kann. War aber mal Pause mit dem internationalen Geschäft tat man sich rasch schwer, das täglich Brot erwartungsgemäß aus der Red Bull Arena zu schießen. Nun konnte man die Sache aber nicht allzu eng sehen, da man immerhin das Wunder Europas war – man hätte zurecht von Jammern auf höchstem Niveau gesprochen. Heute tut man sich noch immer schwer, programmgemäße Siege einzufahren – die Zeit das Problem zu beheben wäre gegeben gewesen.

  • Vorbereitung, die selten gut tut

SK Rapid Wien
War man nicht beim Rapid-Trainingslager dabei, kann man über die dortigen Zustände nur mutmaßen. Was man weiß ist, dass hart und vor allem ohne Ball trainiert wurde – Konditionstraining hatte oberste Priorität, man fuhr sogar auf eine eigene Art Laufwoche. Die Rapid-Vorbereitung sollte die Wadln der Spieler härten und die Konkurrenz vom Rekordmeister zittern lassen. Wirklich aufgegangen sein dürfte der Plan jedenfalls nicht: Nicht wenige Spieler beklagten sich ob des Trainingslagers und den damit verbundenen müden Beinen. Kapitän Hofmann hingegen betonte als einer von wenigen, dass man eigentlich „nicht härter als normalerweise“ trainiert habe. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte.

Red Bull Salzburg
In Salzburg reden wir von etwas grundverschiedenem. Hier waren sich eigentlich alle sicher, dass die Pause dem Spielrhythmus nicht gut tun würde. Abgesehen von etlichen verpatzten (oder abgesagten) Freundschaftsspielen verlief auch die sonstige Vorbereitung nicht wie programmiert. Stevens: „Bin mit der Vorbereitung nicht zufrieden“. Inwieweit das mit der momentanen Schwäche zu tun hat, lässt sich schwer abschätzen. Meine Meinung: Sehr wenig, die Gründe liegen anderswo.

  • Spieler, die sich in kurzen oder Dauertiefs bewegen

SK Rapid Wien
In der Hinrunde spielte eigentlich jeder Grün-Weiße seinen Stiefel so gut er konnte – nicht zuletzt deshalb ging man auch als Tabellenführer in die Winterpause. Mittlerweile sieht die Sache etwas anders aus: Hofmann spielt die mehrere Zeit nix, Boskovic läuft seiner Form nach und Payer hat gesundheitliche Schwierigkeiten. Bei Innenverteidiger Soma kann man von einem Dauertief sprechen beziehungsweise generell die Qualität des Spielers infrage stellen.

Red Bull Salzburg
Die Bundesliga spielten die Salzburger meist nach bestem Wissen und Gewissen – die Europa-League mit 110%. In den letzten Tagen hatte man das Gefühl, dass die Luft ein wenig draußen ist, vl. auch wegen des Ausscheidens gegen Lüttich und des klaren Vorsprungs in der Meisterschaft. Trotzdem müssen manche Spieler ihre Form und Motivation wiederfinden, ansonsten wird auch künftig nur auf sehr dürftigem Level gespielt werden. Akteure wie Svento oder Pokrivac spielen in der Rückrunde beispielsweise schlecht beziehungsweise gar nicht. Und auch der Goalgetter vom Dienst, Marc Janko, tut sich mit laufen und treffen schwer. Vor Verletzungssorgen blieben die Salzburger großteils verschont, ausgerechnet jetzt musste sich allerdings Abwehrchef Sekagya verletzen – sein Ausfall machte sich bereits gegen die Austria bemerkbar.

  • Systeme, die nicht wirklich passen

SK Rapid Wien
Wer spielt heutzutage mit einer Doppelsechs und ohne 8er oder 10er? Sturm, gut. Ansonsten? Niemand, zumindest nicht in der Weltklasse. Wieso, weshalb, warum? Vermutlich weil die guten Trainer erkannt haben was Pacult erst beim letzten Spiel aufgefallen ist: Man kann so kein Spiel kontrollieren. Kontrahent Salzburg gelingt es selten Druck auf den Gegner aufzubauen, bei Rapid sitzt das Problem aber noch tiefer. Denen gelingt es in der Rückrunde praktisch nie den Gegner zu dominieren und unter Kontrolle zu halten. Wie auch, wenn Hofmann macht was er will und Pehlivan/Heikkinen konsequent den Schwung aus der Partie nehmen? Gegen Sturm hat es der Rapid-Trainer ausnahmsweise mit einem Stürmer und einem Boskovic dahinter probiert – mit ersten Achtungserfolgen. SKY-Experte Stöger meinte beispielsweise: „Aufwärtstrend, guter Weg“

Red Bull Salzburg
4-1-4-1 spielt Salzburg und wer noch?  Richtig, die spanische Nationalmannschaft. Diese spielt aber eine ganz andere Art des Fußballs, eine die Stevens ein bisschen zu aufwändig ist. Bei den Spaniern sieht man, dass der Gegner auch mit einem 4-1-4-1 an die Wand gespielt werden kann – nur muss man es halt richtig angehen. Salzburg ging es nur selten richtig an, weshalb Stevens das System für die Bundesliga-Partien ändern wollte. Im neu entdeckten 4-1-3-2 besteht aber das Problem, dass Leitgeb alleine nicht in der Lage ist, ein Spiel zu lenken und zu kontrollieren. Es gibt also noch Handlungsbedarf für Stevens, was dieser auch erkannt hat und gegen die Austria ein 4-2-3-1 erprobte. Die Zwei hinter den vier Offensiven waren allerdings gelernte Verteidiger (Schiemer, Odpam) weswegen auch dieser Versuch ordentlich fehl schlug.

  • Die Krisenspirale

Beispiel (gilt hüben wie drüben): Tabellenführer -> Niederlage gg starke Mannschaft -> Tabellenführer weg -> Medialer Druck -> Schlechtes Spiel + Punktverlust gg schlechte Mannschaft -> Medialer Druck² -> Nächster Ausrutscher -> Fix fertige Krise -> Noch mehr schwache Spiele -> Krise³ -> Befreiungsschlag???

Artikel stammt vom: 22. März 2010 – 19:57 Uhr

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