Im Bullenstall läuft derzeit vieles nach Wunsch. Mattersburg hatte zweimal keinen Auftrag, die Tabelle führt man einigermaßen beruhigend an. Dass man sich gegen Mauergegner weiterhin schwer tut, ist kein Beinbruch, birgt allerdings vermutlich noch Verbesserungspotenzial

Dass Gegner wie Mattersburg besonders für Tabellenführer  unliebsame Gegner sind, ist nichts Neues. Gegen Mannschaften die permanent rund um den eigenen 16er patrouillieren, hat auch der amtierende Meister und Spitzenreiter der aktuellen Meisterschaft seine Schwierigkeiten.

Auswärts hatte man das Glück, früh in Führung zu gehen und danach von ungewohnt selbstzerstörerischem Auftreten der Mattersburger zu profitieren. 6:1-Endresultate sieht man gegen Gegner wie die Burgenländer gerne, aber nur sehr selten. Lederer war der Ärger nach der Partie ins Gesicht geschrieben, weshalb davon auszugehen war, dass er den Salzburgern das nächste Aufeinandertreffen mit seiner Mannschaft schwerer gestalten wolle.

Wie es der Spielplan haben wollte, traf man sich bereits am nächsten Wochenende. Wie es die Bundesliga wünschte, am gestrigen Karfreitag. Der Spieltermin dürfte den einen oder anderen Gast abgeschreckt haben, 10 850 Bullen haben trotzdem in die Arena gefunden. Anfangs sahen sie ein Mattersburg, das mitspielen durfte, schnell zog sich der Tabellensechste jedoch gänzlich in die eigene Spielhälfte zurück.
Salzburg spielte auf gutem Niveau, fand aber kein Mittel, den Abwehrriegel der Burgenländer zu durchdringen. Svento, weil abhängig von Räumen, tut sich gegen Gegner dieser Art sowieso schwer und Somen ist eben Somen. Die linke Seite fand deswegen nicht wirklich statt, auf Rechts war Christian Schwegler ein Aktivposten (63 Ballkontakte in 45 Minuten).

Die Fäden im Angriffsspiel der RedBulls zogen Leitgeb und Neo-Stammspieler (Stevens: „Stammplatz hat mir mir jeder, aber eigentlich keiner.“) Simon Cziommer. Beide machten ihre Sache gut, sahen sich aber oft mit einer unlösbaren Aufgabe konfrontiert. Abhilfe schaffen könnte meiner Ansicht nach ein konstruktiver Sechser – Nikola Pokrivac wäre eine Option. Bei aller Zweikampfstärke eines Opdams (67% gewonnene Zweikämpfe ehe er zu Beginn der zweiten Halbzeit Pokrivac weichen musste), bei allem Kredit den sich Schiemer durch starke Auftritte als Zerstörer erarbeitet hat, verdient sich ein Tabellenführer vermutlich Attraktiveres.

Der zerstörerische 6er ist nämlich eigentlich fast nur dazu gedacht, das zentrale Mittelfeld des Gegners auszuschalten. Da praktisch keine österreichische Mannschaft gegen Salzburg das Spiel macht oder auch nur annähernd für Druck durch die Mitte sorgt, ist diese Maßnahme aber mehr oder weniger unnütz. Durch einen reinen Spielzerstörer wie Opdam oder Schiemer (ersterer hat zwar eine gute Übersicht, ist technisch aber doch recht limitiert) verschwendet man in meinen Augen eine äußerst wichtige Position des 4-1-4-1-Systems. Nicht nur Van Gaal sagt, dass Sechser die Spielmacher der neuen Generation sind und sein werden. Dass sie das in Salzburg nicht sind, entspricht wohl der Philosophie eines Huub Stevens, ist mir allerdings nicht ganz verständlich.

Der spielende Sechser hingegen, hat seine Vorzüge in Form von Pokrivac gestern eindrucksvoll bewiesen: Neben mehreren öffnenden Lochpässen, entlastete er auch Leitgeb beziehungsweise Cziommer im Spielaufbau und verhalf diesen zu mehr offensiven Freiheiten. Dass Salzburg das Spiel schlussendlich hochverdient und durch zwei Tore (I und II) von Marc Janko gewann, liegt natürlich nur unwesentlich an der Hereinnahme von Nikola Pokrivac – dass das Spiel von da an wesentlich runder lief, war aber mehr als offensichtlich.

Stevens ist definitiv mehr Fachmann als ich es bin, vielleicht muss er aber dennoch darüber nachdenken, ob nicht Pokrivac der bessere Mann für die Sechser-Position wäre, er dem Spiel der Salzburger nicht neue Impulse verleihen könnte.
Freilich sprechen wir hier von Kritik (sofern überhaupt von einer die Rede sein kann) auf höchstem Niveau und sicherlich auch vom Changing eines Winning Teams – des spielerischen Fortschritts und der Attraktivität des Salzburger Spiels wegen, würde ich diesen Schritt aber mehr als begrüßen.
Schließlich war es Stevens himself, der sagte: „Es gibt immer etwas zu verbessern!“

Artikel stammt vom: 3. April 2010 – 12:10 Uhr

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