Barcelona gewinnt weiter wie am Fließband, degradierte gestern selbst die spielstarken Gunners zu biederen 08/15-Kickern. Eine tragende Rolle im Erfolgs-System Guardiolas spielt Lionel Messi. Der Argentinier darf vollenden, was der Rest der Mannschaft ermöglicht. Jedenfalls wurde gestern nur Messi mit Lorbeeren überhäuft, das Kollektiv rückte in den Hintergrund.
Über die Stärken Barcelonas, die Qualitäten eines Lionel Messi und die Frage nach dem besten Fußballer der Welt

Guardiola hat leicht coachen. Wer einen Xavi, Iniesta, Messi oder Ibrahimovic im Offensivspiel zur Verfügung hat, kann eigentlich nur Tore schießen. Dass die Defensive ebenfalls aus Ausnahmekönnern besteht, ist quasi eine Lebensversicherung für die Künstler jenseits der Mittellinie. Der junge wie ballesterisch erprobte Josep Guardiola hat es verstanden, zusammenzufügen was zusammengehört und ein funktionierendes System zu formen.

Vermutlich angelehnt an die Europameister-Aufstellung der spanischen Nationalmannschaft, eignete er seinem Team folgende Startelf an:

TW
ROV – IV – IV – LOV
DM
ZM – ZM
RF – MS – LF

Die drei Stürmerpositionen übernahmen gestern der 19-jährige Bojan Krkic, Pedro Rodriguez und Lionel Messi. Krkic und Pedro Rodriguez tauschten alle paar Minuten die Flügel, nur um Mittelstürmer Messi die nötigen Räume zu verschaffen. Mittelstürmer Messi? Gut, er war zugegeben kein Ibrahimovic der im Strafraum auf Bälle wartend Löcher in die Luft schaut, spielte oft bis ins zentrale Mittelfeld zurückgezogen – aber ja, er war eine Art Mittelstürmer.
Der bewegliche Mittelstürmer – okay, nennen wir ihn künftig der Gewohnheit halber eine hängende Spitze – dem die blutjunge Arsenal-Defensive aber so gar nichts entgegen zu setzen hatte. Das Bemühen war da bei den Gunners, nur sind sie eben genau jene Mannschaft, gegen die Barcelona so gerne spielt: Arsenal will immer mitspielen, ist am Ball verspielt wie eine Schülermannschaft und hat vor Allem keinen klassischen 6er, wie er Messi Schwierigkeiten bereiten könnte.

Die Show des 22-jährigen Argentiniers war daher kein Wunder. Dass er Tore erzielen würde, war absehbar – dass es gleich deren vier wurden, aber eher nicht. Beim ersten Treffer bewies er nach Ballglück einen strammen Schuss, das zweite Tor leitete er sich selbst mit einem ideal getimten Pass auf Abidal ein. Bei seinem dritten Tor stand er, wo ein Mittelstürmer – pardon, eine hängende Spitze – zu stehen hat und das Vierte war ein klassischer Messi.

Was aber steht hinter dem Phänomen? Garantiert ein Ausnahmekönner Lionel Messi. Dass es der alleine nicht sein kann, der für seinen aktuellen Torlauf verantwortlich ist, beweisen uns allerdings seine Leistungen im argentinischen Nationalteam, wo er mehr enttäuschend als herausragend agiert. Es gehören noch immer zwei, drei oder gar neun andere Feldspieler dazu. Allen voran natürlich Xavi und Iniesta, die durch technische Finesse und exakte Pässe das Spiel für Messi aufreißen. Von einem magischen Trio des Erfolgs zu sprechen, wäre der restlichen Mannschaft gegenüber jedoch ungerecht. Die nicht enden wollende Arbeit eines jeden Einzelnen, das einstudierte Forechecking jedes Spielers macht den Erfolg des Kollektivs aus. Dass Lionel Messi den medialen Ruhm absahnt, ist logisch – aber sollte es nicht das Gesamtkunstwerk sein, dem gehuldigt (sofern man überhaupt jemandem huldigen sollte) wird?

Wurscht, das hat Guardiola mit seinen Jungs und der Chefredakteur mit seinem Sportjournalisten auszumachen. Was die Allgemeinheit vielmehr beschäftigt, ist die Frage nach dem besten Fußballer der Gegenwart. Die Meisten sehen eben diesen Messi als den unumstritten Besten, andere favorisieren Christiano Ronaldo. Der Eine oder Andere findet auch Xavi/Iniesta super. Vermutlich war die internationale Weltklasse im Fußball schon seit Jahren nicht mehr so dicht beieinander wie sie es heute ist. Meiner Meinung nach beruhen die Unterschieden zwischen den vier absolut potenziellen Kandidaten fast ausschließlich auf der persönlichen Auffassung von Fußball.
Will ich eine Augenweide, kann ich nur Messi wählen. Ist mir ein kompletter Kicker das liebste auf der Welt, kann es für mich nur einen Christiano Ronaldo geben. Und will man sich schlicht und einfach an den Fadenziehern aufgeilen, wählt man hoffentlich Xavi oder Iniesta. Solange mir keiner mit einem Andreas Ivanschitz daher kommt, reden wir hier von persönlicher Meinung und keinem unverrückbaren Faktum.

Artikel stammt vom: 7. April 2010 – 11:04 Uhr

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