Rapid gewinnt wieder, wenngleich freilich alles andere als souverän. Der vermeintliche Rekordmeister Rapid Wien wurschtelt und wurschtelt, bekommt ab und an auch Hilfe von Schiris und Wachlern. Darauf möchte ich aber, weil nicht zielführend, nicht näher eingehen – wer Augen im Kopf hat, weiß was Sache ist. Es geht vielmehr um die allgemeine Befindlichkeit der Hütteldorfer: Kann man von einer Krise sprechen, wenn diese 10 Runden (sprich: 120 Tage) andauert?

Hofmann selbst sagt es: Rapid Wien steckt in keiner Krise. „Das war jetzt der vierte Sieg [exklusive Cup-Schmach, meint er vermutlich, Anm.] in Folge – die Krise kann weiter gehen“, meint der Rapid-Kapitän, ohne das Wort Krise wirklich so zu meinen. Wir halten fest: Rapid gewinnt brav, spielt nicht in Unform.

Woran liegt es also, dass der Rekordmeister trotzdem gerne aus Elfern (wie diesem) oder sehr, sehr gerne nach mäßigen Leistungen gewinnt – sofern überhaupt? Entweder lügt Hofmann, oder Rapids Normalverfassung spielt halt so. Irgendwie scheint das eine zum anderen zu kommen. Spielerisch tritt Rapid eigentlich auf wie immer – hinten relativ unsicher, in der Mitte ziemlich ideenlos, über die Flügel genial, vorne eiskalt -, im kämpferischen Bereich schien es zu Frühjahrsbeginn zu hapern. Mittlerweile hat man den Kampfgeist wieder entdeckt – und gewinnt daher wieder Spiele. Die Partien gegen Austria Kärnten und das gestrige Treffen mit Ried waren für mich klassische Rapid-Auftritte, von einer Unform meiner Meinung nach nichts zu spüren.

Die Hütteldorfer wollen aber sicher, auch wenn gerne gegenteiliges behauptet wird, Meister werden. Und SO wird man definitiv nicht Meister: Nicht immer wird ein Hammerer vorne Gelegenheit um Gelegenheit verhauen, nicht immer kann der Schiedsrichter einen Elfer geben und nicht immer bleibt Thonhofer trotz dutzender Gelb-Fouls auf dem Rasen. Für den Fall der Fälle gilt es daher vor zu sorgen, an Pacults Stelle vielleicht einmal das taktische Konzept überdenken. Man scheint sich an Schalke04 (Titelaspirant, der kein Spiel beherrschen kann/will) oder Leverkusen (Titelaspirant, bei dem der RM, Toni Kroos, das Spiel gestaltet) zu orientieren, hindert sich damit aber vermutlich selbst an ansehlicheren und vielleicht auch erfolgreicheren Darbietungen.

Wieso – nur als Beispiel – darf Boskovic nur spielen, wenn Not am Mann ist? Weshalb macht man einen auf Vizekusen (= Hofmann steht als RM da, Hofmann spielt ZM/OM; RV soll RM machen), wenn Andi Dober (bzw. dessen Vertreter) nicht flanken oder dribbeln kann? Wäre es nicht klüger, Hofmann neben Boskovic ins Mittelfeld zu stellen und stattdessen mit Christopher Trimmel einen echten Flügelspieler aufzubieten? Gut, Geschmackssache.
Kann eben so

Pehlivan *
Hofmann – Boskovic
Trimmel________________Kavlak

Jelavic **

* gerne auch mit Heikkinen
** auch Salihi würde gehen

oder meinetwegen gern auch so

Heikkinen – Pehlivan
Hofmann – Boskovic – Kavlak
Jelavic

aussehen, würde garantiert mehr Kreativität bringen. Für Freunde des doppelten Sturms, gäbe es auch die Alternative einer Raute:

Pehlivan
Hofmann____________Kavlak
Boskovic
Gartler – Jelavic

Jedenfalls wird es mit Pacults Art Fußball zu spielen nur noch eine Frage der Zeit bis zur nächsten „Krise“ sein. Steffen Hofmann: „Solche Krisen hab ich gerne.“

Artikel stammt vom: 10. April 2010 – 8:58 Uhr

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