Zuletzt ließ Rapid hauptsächlich mit negativen Schlagzeilen aufhorchen, gegen Wiener Neustadt blühte man aber endlich wieder richtig auf. Im Gerhard-Hanappi-Stadion beglückte der – nennen wir ihn der Einfachheit halber so – Rekordmeister seine Fans mit einem 3:0-Sieg, der eigentlich nur in den Anfangsminuten gefährdet war.

Da konnten sie wieder lachen. Lange haben sie, die Rapid-Fans und -Spieler, es nicht getan – und wenn, dann nur sporadisch und gekünstelt. Insgeheim hatte jeder auf den Titelgewinn geschielt, die letzten Wochen ließen ihn für die Hütteldorfer jedoch in weite Ferne rücken. Der Ärger entlud sich durch Pfiffe (in Rapid-Kreisen normalerweise verpönt) und erfuhr seinen Höhepunkt nach dem Cup-Aus bei Austria Kärnten – eh schon wissen.

Nach dem 0:0-Remis gegen den LASK hieß es die Fans im Heimspiel gegen Peter Schöttels MAGNA Wr. Neustadt zu versöhnen. Mit einem Sieg in der letztendlichen Deutlichkeit konnte man nicht wirklich rechnen, wer sich mit dem System der Neustädter beschäftigte, konnte aber zumindest von einer stark verbesserten Rapid-Mannschaft ausgehen.
Die Doppelsechs (bzw. neuerdings flache Raute) tut sich beim Kombinieren schwer, braucht oft sehr viel Platz für einen geordneten Spielaufbau – gesehen beim Spiel gegen den LASK, als die Linzer Flügelspieler in die Mitte zogen und diese komplett dicht machten.
Nun spielt Wiener Neustadt aber genau so, wie es einem 4-2-2-2-Team gefällt: Abwartend, tief stehend, konternd.
Auch hier verhält es sich mal wieder krass gegenteilig zum Erzfeind aus Salzburg: Während die Bullen Mauergegner wie die Schweinegrippe hassen, spielt Rapid gerade gegen solche Gegner am liebsten und besten.

Rapid Wien hat bewiesen, dass es sowohl individuell als auch kollektiv enorme Qualität besitzt – es braucht halt öfters den passenden Gegner, um diese voll auszuschöpfen. Heute ist es der Pacult-Elf (ausnahmsweise auch mit Hamdi Salihi darin) bestens gelungen, es gab Phasen, in denen der Gegner förmlich erdrückt wurde.
Boskovic konnte schalten und walten wie er gerade wollte, Hofmann erwischte eine fantastische Tagesform und erwies sich als würdiger Spielmacher. Untermauert wurde die Dominanz der Grün-Weißen beispielsweise durch das Fehlen der falschen Rotation, Hofmann blieb dort, im RM, wo er aufgestellt wurde. Rapid scheint es nicht für nötig empfunden haben, zusätzlich Druck aufzubauen – das spricht für die Hütteldorfer.

Die Niederösterreich hingegen blieben ihrem Ruf als Kontermannschaft (kein österreichischer Erstligist fährt mehr schnelle Gegenstöße) mehr als treu, wurden daraus auch des Öfteren gefährlich, spielte Rapids Mittelfeld mit dieser Ausrichtung aber – wie bereits erwähnt – direkt in die Füße.
Dass das 1:0 trotzdem nicht aus dem Spiel sondern aus einer einstudierten Standardsituation heraus fiel, ist einigermaßen komisch, aber nicht weiter wichtig – die Wiener bewiesen im Laufe der Partie, dass es auch andersrum geht.

Mit Beginn der zweiten Spielhälfte, das Match zu diesem Zeitpunkt immer noch 0:1 stehend, erhöhte Grün-Weiß den Druck noch einmal, zog plötzlich Hofmann ins Mittelfeld und Dober weiter nach vorne. Was normalerweise schief geht, funktioniert gestern prächtig, brachte den gewünschten Erfolg – Was teilweise an einer leichten Leistungssteigerung Dobers, aber hauptsächlich an der Ausrichtung Wiener Neustadts lag.
In der 54. Minute wurde der Einsatz Rapids in Form des 2:0 belohnt, Torschütze war der überragende Steffen Hofmann.

In der Folge brach die Gegenwehr des Gegners, Rapid konnte im typisch schnörkellosen Stil effizient kombinieren. Bei einigen Angriffen fehlte die letzte Konsequenz, das Publikum konnte man dennoch bei Laune halten. Als Jelavic in der 80. Spielminute aus abseitsverdächtiger Position sogar noch das 3:0 besorgte, waren letzte Zweifel ob des Siegers endgültig verklungen.

Lange nach der Entscheidung und kurz vor Schlusspfiff sah der Schiri bei einem Foul an Trimmel Gelb-Rot für Johana, beeinflusste dadurch den Spielausgang nur unwesentlich, traf allerdings eine glatte Fehlentscheidung.
Rapid tangierte das jedoch wenig, man genoss den hochverdienten 3:0-Heimerfolg in vollen Zügen. Eine etwas sonderbare Aussage traf Peter Pacult gegen Ende des Abends: „Eine tolle Serie“, fasste er die letzten neun Spiele zusammen. Übermütig (geworden)? Hoffentlich nicht.

Artikel stammt vom: 17. April 2010 – 21:28 Uhr

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