Entgegen der Hoffnungen von Medien, Anti-Kommerzlern, Rapidlern und Austrianern, konnte Red Bull Salzburg das Alles entscheidende letzte Spiel der Saison 2009/10 für sich entscheiden und den Titel aus dem Vorjahr somit verteidigen. Der dseitlhuber – sportblog saß in Graz-Liebenau und schildert, was sich im und um das Stadion herum zugetragen hat

Auch wenn du als Fan Vertrauen in deine Mannschaft hast, zitterst du immer ein bisschen. Insbesondere dann, wenn irgendwie Vieles gegen deine Mannschaft zu sprechen scheint – aber gut, das ist ein anderes Kapitel.
Komischerweise kommt die große Nervosität aber immer erst 1,2 oder halt ein paar Minuten vor Spielbeginn – gestern dauerte es sogar bis zum Sekagya-Schnitzer ehe das Adrenalin so richtig da war.
Vielleicht, weil die 2 1/2 stündige Anreise ungewohnt reibunglos verlief und man in Liebenau angekommen von mehreren Sturm-Fans Sonst-Was gekrault bekam. Darunter meinte Einer – dem Aussehen nach vermutlich japanischer Abstammung, was aber nichts zur Sache tut – gar, er werde heute für Salzburg jubeln und klatschen. „Des Wiener Xindl“ brauche er nicht – „und scho goar ned als Meister“.

Gut eine halbe Stunde vor Spielbeginn nehme ich in Sektor 2 (direkt neben aber nicht im RBS-Fansektor, Begleitungen wollten nicht unbedingt dort hin) Platz, in der Erwartung von Blackies umringt zu sein. Erwartungen nicht erfüllt: Zu meiner Linken saß ein waschechter Salzburger, zu meiner Rechten ein Grazer, der „seit 10 Jahren nicht mehr im Stadion“ war und heute eigentlich auch nur da ist, um gegen die Wiener Mafia zu hoffen.
Der RBS-Fanblock – wie gesagt direkt neben mir – machte derweilen Stimmung wie ich sie von einem Salzburger Publikum noch selten zu hören bekam, man schien sich ob der Wichtigkeit des Spiels – no na – bewusst zu sein.

Als die 11 Grazer (Jantscher, Hölzl verletzt; Sonnleitner wegen Rapdi-Transfer nicht dabei; Haas zwecks Ehrerweisung in der Startelf), die 11 Bullen (Bulle Wallner bekam den Vorzug vor Janko) und die dazugehörigen Kids einliefen, hatten sich schließlich auch die letzten Fans auf ihre vier Buchstaben gesetzt. Das Spiel begann mit einer durchaus ambitionierten Sturm-Mannschaft, die nach schwerem Sekagya-Fehler sogar den ersten ‚Sitzer‘ der Partie vorfand. Doch das Tor fiel auf der Gegenseite: Nachdem Roman Wallner eine Ulmer-Hereingabe ideal mitnahm, jedoch an Gratzei scheiterte, fiel der Ball vor Simon Cziommers Füße und von da aus ins Tor – Pure Ekstase im Gästesektor.

Noch ehe der Torjubel vollständig verklungen war, erhöhte Wallner mit einem scharfen, aber unplatzierten Freistoß von der Strafraumgrenze auf 2:0. Ohne dem Nationalgoalie im Kasten von Sturm Absicht (ja, es gibt wirklich Leute, die das tun) unterstellen zu wollen, meine ich: Ein bis in die Haarspitzen motivierter Schlussmann pariert diesen Ball. Sei’s drum.
In der Folge präsentierte sich Salzburg äußerst souverän, hatte gefühlte 90 Prozent Ballbesitz. Und selbst wenn Sturm einmal zu Angriffen kam – meist ohnehin nur aus Kontern -, konnte die Stevens-Elf durch gutes Verschieben die Ordnung wahren und den Gegner vom eigenen 16er fern halten.

Erst gegen Ende des ersten Durchgangs schlichen sich der eine oder andere individuelle Aussetzer ein, welcher von den Grazern aber recht nachlässig behandelt wurde. Mit dem Beginn der zweiten Hälfte stellten die Salzburger auch ihre Spielweise um, spielten abwartender und übertrugen Sturm die Verantwortung für den Spielaufbau. Irgendwie kann ich diese Maßnahme nicht nachvollziehen, hatte sich Sturm im ersten Durchgang doch so bereitwillig in die eigene Hälfte drängen lassen. Trotzdem hielt die Null, auch wenn Fehler im Stellungsspiel von Andreas Ulmer, das Loch im rechten Mittelfeld (Tchoyi musste verletzungsbedingt ausgewechselt werden, Janko kam, Wallner wich ins RM) und einige haarsträubende Unzulänglichkeiten Ibrahim Sekagyas (es sei ihm verziehen, war er doch vor Kurzem noch verletzt) für zwischenzeitliche Schreckmomente sorgten. Daher blieb es beim verdienten 2:0 und folgerichtig beim dritten Meistertitel in der Ära RedBull.

Für das Negativ-Highlight eines wunderbaren Fußballabends sorgten übrigens – im Fernsehen war es, so ein Kollege von mir, ja nicht zu sehen – die Ultra-Ultra-Sturm-Graz-Fans, die wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff das Feld stürmten, mit einem Salzburg-Fan aneinander gerieten und letztendlich sogar versuchten, gegenüber den RBS-Spielern handgreiflich zu werden. Mein Sitznachbar: „Ich schäme mich, Fan vom selben Verein wie diese [dann fehlte ihm – begleitet von einem leichten Kopfschütteln – das richtige Wort dafür, Anm.] zu sein!“

Für das Positiv-Highlight eines wunderbaren Fußballabends sorgte die Meisterfeier. Gespickt mit vielen Emotionen und ehrlicher Freude bei fast allen Spielern bekamen die Bullen das Honorar für eine starke, wenngleich freilich nicht perfekte, Saison 2009/10 überreicht – den Meisterteller. Bewegend fand ich vor Allem die Zuneigung der Salzburg-Fans gegenüber dem verletzten Einser-Goalie Gustafsson. Praktisch jede Aktion des Schwedens wurde mit tosendem Applaus und „Eddie, Eddie, Eddie“-Rufen bedacht. Die Meisterfeier an sich verlief ausgiebig, intensiv und ohne gröbere Zwischenfälle.

Als ich das Stadion schließlich, naturgemäß in aller Freude über den Triumph, verlasse, lassen sich mehrere vorbeifahrende Sturm-Graz-Fans natürlich noch zu den obligaten „Bullenschweine“-Rufen hinreißen. Mit dem Gedanken an die gewonnene Meisterschaft und die Worte meines Sitznachbars waren mir diese aber genauso egal wie die Ergebnisse in Wien (2:0) beziehungsweise Mattersburg (1:3).

Artikel stammt vom: 14. Mai 2010 – 12:27 Uhr

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