Ohne die beiden auf die selbe sportliche Stufe stellen zu wollen: Mario Gomez und Marc Janko sind einander vom grundsätzlichen Spieltyp sehr ähnlich – und werden momentan auch vom haargenau selben Problem geplagt: Groß gewachsene Strafraumstürmer sind – aus teils sehr unterschiedlichen Gründen – in den Systemen vieler Trainer unerwünscht.

Man fühlte sich fast an die donners- und freitägige Meisterfeier der Salzburger erinnert, als man Gomez gestern betröpfelt (Gomez war im Pokal-Finale nicht zum Einsatz gekommen, Anm.) durch das Berliner Olympiastadion spazieren sah, während der Rest des frisch gebackenen Cup-Siegers fleißig das Double bejubelte. Marc Janko – im Vorjahr hatte er mit 39 Saisontoren „Goldenen Schuh“ sowie Krankl-Rekord nur knapp verpasst – ist es nach dem 2:0-Auswärtssieg seiner Bullen nämlich ähnlich ergangen: Sein halbherziger Jubel und seine Interviews im Laufe des Abends dürften bekannt sein.

Sowohl der 35-Millionen-Euro-Transfer als auch der österreichische Teamkapitän passen ihrem jeweiligen Trainer derzeit nicht ins Konzept. Was auffällt: In beiden Fällen wird einem groß gewachsenen Strafraumstürmer (Gomez 1,89m groß, Janko 7cm größer als Gomez) ein kleiner, wendiger, kampfstarker Bulldozer vorgezogen. Einziger Unterschied: Bei Bayern heißt er Ivica Olic, in Salzburg Roman Wallner.

Die Motive Van Gaals dürften sich von jenen Huub Stevens‘ hingegen recht deutlich unterscheiden. Während der Tulpengeneral quasi dazu gezwungen ist, mittels laufstarker Stürmer (Olic, Müller) die defensiven Unzulänglichkeiten von Robbery auszugleichen, könnte Stevens diesbezüglich beruhigter zur Sache gehen – immerhin hat er mit Svento, Leitgeb und Schiemer gleich drei defensivfreudige Akteure im Mittelfeld. So Stevens‘ Interviews ernst zu nehmen sind, gehe ich vielmehr davon aus, dass der Bullen-Dompteur fächerübergreifend – sprich: in Offensive und Defensive – denkt. Er meint, eine Solo-Spitze müsse den Gegner bestmöglich unter Druck setzen. Nicht nur, um den Ball rasch zurück zu erobern, sondern einfach, um dem 5er-Mittelfeld die Defensivarbeit zu erleichtern. Die Probe auf’s Example fällt folgendermaßen aus:

Typ Janko: Ruht sich mehr oder weniger aus, deckt nur die Räume ab, anstatt sich in Richtung Ball und Gegner zu bewegen

Da Janko nur versucht möglichst viele Passwege abzuschneiden anstatt den Ballführenden aktiv zu bearbeiten, hat dieser die Möglichkeit, ungestört einige Meter nach vorne zu spazieren. Je nachdem ob sich der Vorstoß auf Links oder Rechts abspielt, müssen daher Dusan Svento oder Simon Cziommer/Christoph Leitgeb statt Janko Druck ausüben – das Verteidigungskonzept leidet erheblich. Auszugleichen versucht dies die Salzburg-Hintermannschaft in der Regel so:

Szenario: Vorstoß auf Links, Svento rückt hinaus

TW
RV – RIV – LIV – LV
DM
RM___RZM – LZM
MS
_____Svento

Die beiden zentralen Mittelfeldspieler weichen nach Links um Sventos zeitweilige Abwesenheit auszugleichen. Mit einem schnellen Seitenwechsel könnte die gegnerische Mannschaft nun das Salzburger Mittelfeld überwältigen.

Szenario: Vorstoß auf Rechts, Cziommer oder Leitgeb rücken hinaus

TW
RV – RIV – LIV – LV
RM – DM – LZM – LM
Cziommer – MS

Einer der ZMs – meist ist es Cziommer – prescht in die Spitze und setzt den Ballführenden unter Druck. Um gröbere Lücken im Zentrum zu vermeiden, rückt der 6er nach und platziert sich auf der ursprünglichen Cziommer-Position. Die Stabilität ist somit wieder gegeben. Einziger Nachteil: Für einen gewissen Zeitraum gibt es die Position des defensiven Mittelfeldspielers nicht mehr.

Typ Wallner: Versucht den Ballführenden auf Biegen und Brechen zum Ballverlust zu zwingen

Ein Typ a lá Wallner verlangt im Gegensatz zu einem Strafraumstürmer Keinen, der für ihn Defensivarbeit verrichtet. Er orientiert sich ausschließlich am ballführenden Gegenspieler und versucht diesem den Ball ab zu jagen. Gelingt dies nicht, muss dieser den Ball zumindest abspielen. Sobald das Abspiel erfolgt pressen jedoch bereits Svento, Leitgeb und/oder Cziommer in Richtung des Balles – ein kontrollierter Spielaufbau fällt somit deutlich schwieriger als in den vorherigen Szenarien.

So oder so ähnlich dürfte Huub Stevens überlegen, wenn er Marc Janko alle paar Spiele mal auf die Bank setzt und in gut jedem fünften Interview seinen Unmut zu verstehen gibt. Eine diesbezügliche Einigung scheint schwerlich machbar, weil sowohl Janko als auch Stevens fix fertige Vorstellungen von den Aufgaben einer Solo-Spitze zu haben scheinen. Frei nach ÖSTERREICH-Kolumnist Krankl gibt es somit nur zwei Auswege: „Zusammenreißen und Stevens beweisen, was er kann […] oder er sucht sich einen neuen Verein“.

Mario Gomez hat es in gewisser Weise noch schwerer als Marc Janko. Der Ex-Stuttgarter ist eigentlich kein klassischer Standfußballer, lässt sich oft bis ins Mittelfeld zurückfallen und setzt sogar immer wieder zu Dribblings an. Gomez leidet schlichtweg unter Van Gaals System, welches neuerdings keinen Spielraum für groß gewachsene Angreifer mehr lässt. Zudem haben sowohl Müller als auch Olic (!) durch gute Auftritte überzeugt. Ob der 35-Mille-Mann noch einmal in die Mannschaft zurückfindet, oder doch nur per Gaudi (siehe Tymoshchuk) gekauft wurde, wird sich weisen.

Artikel stammt vom: 16. Mai 2010 – 17:28 Uhr

Advertisements