Was Gruppe A zusteht, verdient Gruppe B allemal: Eine möglichst klare Einschätzung in allen denkbaren Belangen. Im konkreten Fall diesmal für die Auswahlen von Argentinien, Griechenland, Südkorea und Nigeria

ARGENTINIEN
– Siebter der FIFA-Weltrangliste

– von Diego Armando Maradona zusammengestellt und trainiert
– Gruppenvierter der CONMEBOL-Quali


Man kann ihn – wie eigentlich jeden Menschen und/oder Trainer – lieben und hassen. Bereits als Aktiver verstand es Maradona wie kaum ein anderer, die Massen zu spalten, extreme Pole und dementsprechende Emotion zu sorgen. Als argentinischer Nationaltrainer legt er die Sache ähnlich an, hat gleich zu Beginn für eine Art Mia-san-Mia-Stimmung gegen den Rest der Welt gesorgt. Legendär wurde unter anderem sein Spruch, nachdem das WM-Ticket für Südafrika mit einem 1:0-Auswärtssieg über Uruguay mit Ach und Krach gelöst wurde.

Doch nicht erst damals ist der 59-Jährige bei der Presse zum Buhmann avanciert, die Teamchef-Karriere des Ex-Dribblanskis stand von Beginn weg unter keinem guten Stern. Teils waren die Medien selbst, aber mit einem beträchtlichen Anteil sicher auch der sportlich wie menschlich extravagante Maradona, für die diversen Unstimmigkeiten verantwortlich. Die Journalisten, weil Maradonas zweifellos skandalträchtige Lebensgeschichte von Anfang an zu Voreingenommenheit in der Medienlandschaft geführt haben dürfte – und der 1,65 Meter kleine Diego insofern, als er in seinem unwillkürlichen Führungsstil (insbesondere Einberufungen betreffend)  oft arrogant und realitätsfern agiert hat.

Nun naht das große Turnier und Maradonas Kreis der Erwählten beginnt – auch ohne übermäßige Rückendeckung von Außen – langsam zur Einheit zu werden. Die Nicht-Nominierungen von Kapazundern wie Zanetti (Maradona zog ihm, je nach Seite, Heinze oder Burdisso vor) oder Cambiassos sind mittlerweile nicht mehr so heftig umstritten, wie noch vor einigen Wochen gewesen, bieten aber noch immer Gesprächsstoff. Weitaus brisanter dürfte die Debatte rund um Diego Milito und Gonzalo Higuain geraten. Der Teamchef scheint dahingehend eindeutig zugunsten des Real-Stürmers gestimmt zu sein, hat sich auch schön des Öfteren für eben diesen ausgesprochen. Potenzielles Problem: Spätestens seit Militos großem Auftritt gegen die Bayern, tendiert die argentinische Bevölkerung – soweit das aus Europa mitzubekommen ist – eher zum Inter-Akteur.

Im Grunde genommen gibt es genug Argumente für- und gegen beide Spieler – wen man in die Startelf stellt, ist hauptsächlich Sache des Systems, worauf ich im Laufe des Eintrags noch eingehen werde.

Grundsätzlich aber ohnehin kein Problem, solange die Ergebnisse passen. Was anfangs nicht hinhaute, findet langsam Gefallen und führt zu immer besseren Ergebnissen. Insbesondere das 5:0 gegen die kanadische Auswahl dürfte dem Team Sicherheit und der Öffentlichkeit Hoffnung gegeben haben – und dem Teamchef in der Folge natürlich gestalterische Freiheit. Gestalterische Freiheit, die kaum einer so nötig hat, wie Diego Maradona, der als Spieler von einstudierten Laufwegen nicht viel hielt und als Trainer ein oberflächliches, aber eigentlich gar nicht mal schlechtes System zu spielen pflegt. In der Regel tritt man mit einer Mischung aus 4-1-3-2 und 4-2-3-1 auf, wobei Messi die Maradona-Position, also die 10er-Rolle, bekleidet. Mittelstürmer Higuain muss sich mit keinen übermäßigen Defensivaufgauben herumschlagen – und hat insoweit womöglich einen Vorteil gegenüber Milito: Wenn es um den Torabschluss geht, gehört der 22-Jährige zu den Weltbesten. Mit rund 35% Chancenverwertung ist er vermutlich sogar DER Beste.

Egal, um Sieg oder Niederlage wird sowieso das Kollektiv und wahrscheinlich nicht der Mittelstürmer entscheiden. Teil des Kollektivs Maradonas ist übrigens auch das Ausgehverbot für Außenverteidiger, die unter ihm die Mittellinie unter keinen Umständen überschreiten dürfen. Auf den Zweck dieser Taktik angesprochen, meint Maradona: “Cross the halfway line? That’s what my wings are for!”

Maradona scheint also mit einer massiven 4er-Abwehr, Abräumer Mascherano davor, sowie den Ausnahmekönnern Di Maria, Gutierrez, Veron/Pastore, Messi und Higuain im Angriff zu planen. Ob seine Überlegungen für Viertel-, Halb- oder gar Finale genügen, bezweifle ich, verglichen mit den taktischen Fertigkeiten der Konkurrenz, dennoch – trotz der enormen Qualität des Kaders.

Übrigens finden sich auf zonalmarking.net einige interessante Grafiken in einem ebenso interessantem Artikel zu diesem Thema.

Abschließend, meine Empfehlung:

Romero
Burdisso – Samuel – Demichelis – Heinze
Cambiasso – Mascherano
Rodriguez –—- Messi –—- Di Maria
Milito


GRIECHENLAND
– 13. der FIFA-Weltrangliste

– von Otto Rehagel zusammengestellt und trainiert
– durch Relegationssieg über die Ukraine qualifiziert


Der Europameister von 2004 ist zwar weiterhin unter den besten 15 der belanglosen FIFA-Weltrangliste, hat den Anschluss an die Weltspitze aber faktisch längst verloren. Nicht, dass es für ein kleines, staatsverschuldetes Land wie Griechenland Pflicht wäre, durchwegs vorne mitzuspielen, es handelt sich einfach um eine Beobachtung. Die Welt hat es geschafft, sich auf das 3-5-2 Otto Rehagels einzustellen und dementsprechend zu verteidigen – der Überraschungsmoment ist verflogen, zurückgeblieben biedere wie einfallslose Angriffsversuche gegen unterlegene Gegner.

Inwieweit die Griechen für Furore sorgen werden können, kann ich nicht wirklich beurteilen, da ich mich zuletzt kaum mit deren Fußball beschäftigt habe. Vermutlich wird das Abschneiden in gewisser Weise auch vom Mut Rehagels abhängen, sein lieb gewonnenes System abzuändern – denn wie gesagt: Aus dem Konzept wird er damit kaum einen bringen – es sei denn, Rehagel erwirkt eine Versetzung Griechenlands in Gruppe G oder H.


NIGERIA
– 21. der FIFA-Weltrangliste
– von Lars Lagerbäck zusammengestellt und trainiert
– Gruppensieger der CAF-Quali


War Nigeria vor Jahren noch treibende Kraft des afrikanischen Fußballs, ist der aufstrebende Fußball-Kontinent mittlerweile nicht mehr von den “Super Eagels” abhängig. Zwar ist Nigeria weiterhin mit zahlreichen hervorragenden Stürmern (siehe Martins, siehe Utaka, siehe Obasi, siehe Kanu) gesegnet, insbesondere im Mittelfeld fehlen jedoch junge Talente, die für ein Großereignis konkurrenzfähig wären. Freilich sind mit Chelseas (Bankdrücker) Obi Mikel und Fulhams Etuhu (in meinen Augen ein schwerst überschätzter Spieler) auch im zentralen Mittelfeld zwei Spieler mit internationaler Erfahrung gegeben, dahinter sieht die Sache aber weit weniger rosig aus. Die durchaus stabile Abwehr wird übrigens auch Salzburg-Innenverteidiger Rabiu Afolabi bereichern.


Südkorea
– 47. der FIFA-Weltrangliste

– von Huh Jung-Moo zusammengestellt und trainiert
– Gruppenerster der ACF-Quali


Von Du-Ri Cha und Ji-Sung Park abgesehen, ist mir der südkoreanische Fußball zugegebenermaßen völlig fremd, weshalb ich der Vollständigkeit halber einfach auf folgenden Wikipedia-Artikel verweise: http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdkoreanische_Fu%C3%9Fballnationalmannschaft

Beitrag stammt vom: 31. Mai 2010 – 18:38 Uhr

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