Selbes Spiel wie hier und hier – mit dem Unterschied, dass diesmal Gruppe C und somit die Auswahlen Englands, der Vereinigten Staaten, Sloweniens und Algeriens betrachtet werden

ENGLAND
– Achter der FIFA-Weltrangliste

– von Fabio Capello zusammengestellt und trainiert
– Gruppenerster der UEFA-Quali


England stellt die beste Liga der Welt und die beste Liga der Welt besteht wiederum hauptsächlich aus Engländern. Dennoch brachten die ‚Three Lions‘ bei den letzten Großevents nicht viel Positives zustande. Bei der Europameisterschaft in Portugal und der Weltmeisterschaft in Deutschland erreichte England immerhin das Viertelfinale, während man sich für das letzte Großereignis, die EURO2008, erst gar nicht qualifizierte – Teamchef SteveMcLaren musste daraufhin seinen Hut nehmen.

Mit Fabio Capello scheint die englische FA (Football Association) endlich den passenden Mann geholt zu haben.

Der Italiener gilt als Verfechter kontrollierter Offensive und taktischer Disziplin – vermutlich das, was der Ansammlung diverser Stars lange Zeit gefehlt hat. Capello hielt, was man sich von ihm versprach und führte die Engländer auf sicherem Wege zur WM in Südafrika, obschon er wegen seiner eigenwilligen Einberufungen und Nicht-Einberufungen durchaus Gegenwind seitens der kritischen englischen Medien erfuhr. Capello blieb seiner Linie unbeirrt treu, fand seinen Stamm und ergänzte ihn immer wieder durch diverse Talente.

Alles in allem ist die englische Nationalelf aber immer eine verhältnismäßig alte geblieben – beim Testspielsieg über Japan betrug das Durchschnittsalter aller eingesetzter Spieler 28,7 Jahre, was das „erfahrenste“ England seit Jahren bedeutete. Untypisch italienisch beharrte Capello während seiner langjährigen Trainerlaufbahn nicht durchwegs auf einem einzigen Spielsystem, passte seine Formation immer dem Spielermaterial an – so auch als englischer Teamchef. Als der Einsatz Barrys wegen dessen Verletzung zwischenzeitlich infrage stand, überlegte er gar, das ursprünglich angedachte 4-4-2 in ein 3-5-2 abzuändern. Zustande kam diese, vermutlich ohnehin zu riskante, Vorstellung durch die rasche Genesung Barrys jedoch nie.

Zuletzt kristallisierte sich immer mehr ein 4-4-2 mit Barry und Lampard im Zentrum, vermutlich Lennon auf Rechts und Gerrard auf der linken Seite heraus. Gerrard links? Geht nicht? Geht sehr wohl, insofern nämlich, als Gerrard eigentlich LZM spielt und LV Ashley Cole stattdessen ins linke Mittelfeld aufrückt. Da Gerrard über enorme individuelle Qualität hat, muss der Rechtsverteidiger des Gegners dem Liverpool-Kapitän vermutlich folgen und seine ursprünglich angestammte Position verlassen – für Cole ergeben sich dadurch gut 20 Meter Raum vor ihm (schenkt man dem „Guardian“, der die Außenverteidiger- als die wichtigste Position des modernen Fußballs sieht, Glauben, ist diese Idee schlichtweg genial). Weiters ergibt sich ein Trio aus Steven Gerrard, Gareth Barry und Frank Lampard, was vermutlich das stärkste zentrale Mittelfeld des Turniers bedeutet und manch gegnerisches Mittelfeld vor eine unlösbare Aufgabe stellen dürfte. Den Sturm bilden unterdessen Rooney, etwas nach links hinten hängend, und Peter Crouch, der sich bei Ballbesitz Englands immer gegenüber (sprich: wenn Ball links, dann Crouch rechts, und umgekehrt) des Balles platziert, um für etwaige Flanken ideal postiert zu sein.

Ich persönlich empfinde Capellos System als ein gutes, bezweifle aber, ob es für Spiele gegen die Großen geeignet ist. Das Rotieren auf der linken Seite bringt sicherlich seine Vorzüge mit sich, macht den linken Flügel aber für schnelle Gegenstöße anfällig und überträgt zudem viel Verantwortung auf Aaron Lennon. Bei allem Respekt für die Offensivqualitäten Coles, wird es gegen Brocken wie Brasilien, Spanien, Deutschland oder sonstige Turnierfavoriten sicherlich einen echten Flügelspieler brauchen – und ob der junge Lennon dieser Bürde gewachsen ist, wage ich ganz einfach mal an zu zweifeln. Wie schon die Favoriten Gruppe A’s und B’s, bekommt auch England eine ausgeklügelte Wunschelf des Autors aufgetischt:

Green
Johnson – Ferdinand – Terry – Cole
Carrick – Lampard – Barry
Cole____________________Young
Rooney

Der Goalie ist klar, die Viererkette steht – diese fünf Positionen würden aus 99 wohl 98 Fußballtrainer so besetzen. Mein Mittelfeld dürfte ich hingegen ziemlich exklusiv haben, wenngleich ich es dennoch für eine sehr gute Lösung halte: Anstatt die linke Seite durch Gerrard zu verschwenden, wäre es in meinen Augen besser, mit Carrick (oder Gerrard, je nach bevorzugtem Spielstil), Lampard und Barry drei 8er ins zentrale Mittelfeld zu stellen – Carrick und Barry vielleicht etwas hängend, damit eine Art Dreieck entsteht. Cole, weil er defensiv deutlich besser als Lennon ist und Young wegen der mäßigen Konkurrenz auf dieser Position. Solo-Spitze ist wieder so eine 98-aus-99-Fußballtrainern-Situation.


USA
– 14. der FIFA-Weltrangliste

– von Bob Bradley zusammengestellt und trainiert
– Gruppenerster der CONCACAF-Quali


Vor 10, 15, 20 Jahren hätte man die Vereinigten Staaten Amerikas in die Top20 der FIFA-Weltrangliste wetten sollen – man hätte sich garantiert erst Ahnungslosigkeit vorwerfen lassen müssen, um 10, 15, 20 Jahre später umso reicher dadurch zu werden. Ausschlaggebend sicherlich auch Coach Bob Bradley, aber noch wesentlich vermutlich die steigende Qualität der MLS-League, verbunden mit der daraus resultierenden Verbesserung der Nachwuchsmannschaften. Im Laufe der Jahre wurden auf diesem Wege junge Talente (Pionier war sicherlich Landon Donovan) nach Europa verfrachtet (siehe den Pionier, siehe DaMarcus Beasley, siehe Tim Howard, siehe Dempsey). Beliebtester Aufenthaltsort für talentierte US-Amerikaner sind seit jeher die britischen Inseln (siehe alle Spieler in Klammer), aber auch Länder wie Spanien (Jozy Altidore) oder Deutschland (Steve Cherundolo, Michael Bradley) importieren mittlerweile aus Übersee.

Wie bereits erwähnt trägt natürlich auch der aktuelle Teamchef, Bob Bradley, den Erfolg insofern mit, als er aus dem vorhandenen Spielermaterial – ja, ich weiß, wie oft diese Phrase fälschlicherweise gebraucht wird und dementsprechend abgedroschen ist, aber in diesem Fall ist sie treffend – eine Mannschaft geformt. Der Aufstieg ins Achtelfinale ist dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit ziemlicher Sicherheit zuzutrauen.


SLOWENIEN
– 25. der FIFA-Weltrangliste
– von Matjaz Kek zusammengestellt und trainiert
– qualifiziert durch Relegationssieg über Russland


Vor 5, 10, 15 Jahren hätte man Slowenien in die Top25 der FIFA-Weltrangliste wetten sollen – man hätte sich garantiert erst Ahnungslosigkeit vorwerfen lassen müssen, um 5, 10, 15 Jahre später umso reicher dadurch zu werden. Dahingehend sind sich die USA und Slowenien ausgesprochen ähnlich, keinem der beiden hatte man einen solchen Aufschwung zugetraut. Wobei die Leistung Letzteres sicher noch wesentlich höher einzustufen ist, sind die finanziellen Mittel in Slowenen doch weiterhin begrenzt – zumindest im Vergleich zu denen der US-Amerikaner.

Leistungsträger des slowenischen Nationalteams ist mit Sicherheit Stürmer Novakovic vom deutschen Erstligisten Köln. Mit Spielern wie Handanovic (Udinese), Krhin (Guiseppe-Meazza-Stadion-Tribüne, weil Inter-Spiel), Koren (West Brom) oder Dedic verfügt man zudem über weitere Spieler mit Potenzial. Weiters im WM-Kader vertreten ist Matej Mavric, Neuverpflichtung des KSV Superfunds. Nicht nach Südafrika fährt hingegen Milenko Acimovic – der Austria-Dribblanski hat sich, aus moralischen Gründen, gegen einen Rücktritt-vom-Rücktritt entschieden.


ALGERIEN
– 30. der FIFA-Weltrangliste
– von Rabah Saadane zusammengestellt und trainiert
– qualifiziert durch Finalsieg über Ägypten


Kenne ich genauso wenig wie Südkorea, daher: http://de.wikipedia.org/wiki/Algerische_Fu%C3%9Fballnationalmannschaft

Beitrag stammt vom: 3. Juni 2010 – 16:32 Uhr

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