Sechs Tage vor der WM steht nun auch Lieblingsnachbar Deutschland samt zugehörigen Gruppenmitgliedern Serbien, Ghana und Australien auf dem Prüfstand – Teil 4 der WM-Vorberichterstattung des dseitlhuber – sportblogs

DEUTSCHLAND
– Sechster der FIFA-Weltrangliste

– von Joachim Löw zusammengestellt und trainiert

– Gruppenerster der UEFA-Quali


Im eigenen Land Drittplatzierter und bei der vor vorjährigen Europameisterschaft immerhin schon Vize geworden, sieht die deutsche Nationalmannschaft – so man der Statistik Glauben schenken darf – einer höchst erfolgreichen WM entgegen. Abgesehen davon, dass Statistiken und Gesetzmäßigkeiten in der Regel nutzlos sind, sprechen tatsächlich einige Dinge für einen Weltmeister Deutschland:

Die Mentalität
Jeder Österreicher hat sie schätzen und verfluchen gelernt: Die Turniermannschaft Deutschland, den unbändigen Siegeswillen, das positive Denken – wie gesagt, jeder kennt sie.

Der Trainer
, Joachim Löw, hat den Weg Klinsmanns (bzw. seinen eigenen, manche meinen, Löw hätte bereits bei der WM2006 die Fäden gezogen) fortgeführt, eine gute Mischung aus Jung und Alt, sowie aus deutschen und nicht-deutschen Tugenden gefunden – also eigentlich all das, was ich Herrn Löw bereits überbracht habe. Kleine und große, kurze und lange, verschmerzbare und tragische Verletzungen hatte er zu beklagen, ohne dabei die Fassung zu verlieren oder von seinen ursprünglichen Vorstellungen (4-2-3-1, attraktive Spielweise, junge Mannschaft, …) abzuweichen. Dass nicht alles rosig ist, habe ich bereits an anderer Stelle angesprochen, dennoch sei es – um nicht nur pro Löw Stimmung zu machen – noch einmal erwähnt: Podolski und Klose haben (auch wenn bei den beiden zwischen Verein und Nationalteam ein gehöriger Unterschied besteht) in der deutschen Nationalmannschaft genauso wenig verloren, wie Ausreden (fast schon DiCo-like) bei der Kaderbekanntgabe. Wenn man Löws bisherige Arbeit zusammenfasst, überwiegen aber sicherlich trotz allem die positiven Aspekte.

Das Spielermaterial
, übrigens durchwegs in der deutschen Liga spielend, ist ein ausgezeichnetes. Der Großteil der deutschen Startelf besteht aus jungen Talenten wie Badstuber, Tasci, Khedira, Özil, Marin oder Müller, die allesamt erst nach der EURO aufgetaucht sind.  Zudem ist mit Bastian Schweinsteiger ein würdiger Ballack-Nachfolger herangewachsen. Sorgenkinder sind die angesprochen Kloses und Podolskis, zu denen sich zuletzt auch Piotr Trochowski und Mario Gomez (jeweils oft nicht von Beginn an eingesetzt, Anm.) gesellt haben.

Einen qualitativ hochwertigen Kader komplettieren einige wenige arrivierte Spieler wie Philipp Lahm (wird bei der WM vermutlich rechts spielen), Per Mertesacker oder Cacau.

So erwarte ich Deutschland:

Neuer
Lahm – Mertesacker – Friedrich – Badstuber
Schweinsteiger – Khedira
Müller ——– Özil ——– Podolski
Klose

So erhoffe ich Deutschland:

Wiese
Lahm – Tasci – Friedrich – Badstuber
Schweinsteiger – Khedira
Müller ——— Özil ——— Marin
Kießling

Wiese, weil ich ihn für den besseren Torhüter halte und Neuer zudem immer mal wieder die Nerven flackern – aber es soll auch schon Goalies gegeben haben, die im Teenageralter bei Großevents über sich hinausgewachsen sind, frag Toni Schumacher.

Lahm ist für mich Rechts um Längen besser (unscheinbarer, aber wesentlich ballsicherer und somit wertvoller), Mertesacker ein ständiger Gefahrenherd und Tasci/Friedrich ein würdiges IV-Duo. Links kann es eigentlich nur Badstuber geben.

Schweinsteiger und ebenso Khedira sind im DM absolut unverzichtbar (mMn die beste Doppelsechs des Turniers), ebenso Özil im ZOM davor. Die rechte Seite bekleidet der taktisch perfekt geschulte Müller, während gegenüber der pfeilschnelle Marin für Aufruhr sorgt – so jedenfalls, wenn es nach mir ginge.


SERBIEN
– 15. der FIFA-Weltrangliste

– von Goran Antic zusammengestellt und trainiert

– Gruppenerster der Österreich-Gruppe


Viele meinen, dass die Serben das Rüstzeug für den ganz großen Coup, sprich: Einzug in Halbfinale oder Endspiel, hätten. Sie stützen sich hierbei insbesondere auf Teamchef Goran Antic, der seine Spieler (die teilweise in völlig unterschiedlichen Ligen kicken) aufeinander eingeschworen und dem Kollektiv den notwendigen Teamspirit einverleibt hat. Weiters kann Serbien auf Ausnahmekönner wie Vidic (bester IV der Welt? IMHO ja), Jovanovic (Standard), Stankovic (Inter), Krasic oder Pantelic bauen. Neben den eben erwähnten Spielern, verfügt die serbische Auswahl aber auch über absolute Jungspunde, die ihren Zenit wohl erst bei der nächsten WM erreicht haben werden – man nehme nur die Deutschland-Legionäre Subotic und Krasic als Beispiel her.

Die Testspiele im Vorfeld der Weltmeisterschaft brachten dennoch Ernüchterung mit sich. Zu einer 1:0-Niederlage im Spiel mit Neuseeland (ausgetragen übrigens in Klagenfurt) gesellte sich wenige Tage später ein 0:0 gegen Polen. Sowohl gegen den WM-Teilnehmer (nein, Polen fährt nicht zur WM) als auch gegen den Nicht-WM-Teilnehmer lag das Problem zwischen Doppelsechs und Doppelsturm: Stankovic und Milijas sind eigenständig nicht in der Lage, ein Spiel gegen unterlegene, defensiv eingestellte Gegner zu Serbiens Gunsten zu lenken. In solchen Fällen stellt der Teamchef für gewöhnlich auf 4-2-3-1 um, oder stellt mindestens einen Stürmer mit Defensivpotenzial auf. Wohlwissend, dass ihm bei der WM ganz andere Gegner gegenüber stehen,dürfte Antic dennoch auf seiner Spielweise (bzw. dem Sturmduo Pantelic-Zigic) beharren – vermutlich zurecht, das Spiel werden die Serben in Südafrika höchstens gegen Australien machen müssen. Von daher mein Vertrauen in diese Mannschaft…

Ohne zu behaupten, die Gedankengänge des Teamchefs zu kennen, tippe ich auf folgende Startelf:

Stojkovic
Ivanovic – Vidic – Lukovic* – Obradovic*²
Milijas – Stankovic
Krasic____________________Jovanovic
Zigic – Pantelic

* Subotic?
*² Kolarov?


AUSTRALIEN
– 20. der FIFA-Weltrangliste

– von Pim Verbeek zusammengestellt und trainiert
– Gruppenerster der ACF-Quali


ACF = Asiatischer Fußballverband
Land Australien = Kontinent Australien

Leicht verwirrend, aber irgendwie logisch. Wenn man sich die Größe des Landes/Kontinents ansieht und diese mit den Teilnehmern der Ozeanien-Quali in Relation setzt, allerdings verständlich. Dementsprechend viel Qualität braucht Australien Quali um Quali um sich zu qualifizieren, hat es bisher aber noch fast jedes Mal geschafft. So auch dieses Jahr, als man sich relativ souverän vor Japan durchsetzte.

Hegte man je Zweifel, ob Australien dem europäischen oder südamerikanischen Fußball gewachsen sei, haben die ‘Socceroos’ den Beweis in den letzten Jahren definitiv erbracht. Die letzten Großereignisse waren aber auch insofern richtungsweisend, als Australien nicht für den großen Durchbruch geschaffen scheint. Physisch enorm stark, taktisch geschult, kampfstark, technisch so lá lá. Doch gerade deswegen könnten sie Teams wie Ghana oder Löw-Deutschland Schwierigkeiten bereiten, sie in ihrem Spielaufbau hindern und gegebenfalls gar selbst Tore erzielen.
Man wird sehen.

Große Namen sind in den letzten 2, 3 Jahren rar geworden – Emerton, Cahill, Kewell (allesamt Mittelfeldspieler) und Mark Schwarzer dürften die geläufigsten sein.


GHANA
– 32. der FIFA-Weltrangliste
– von Milovan Rajevac zusammengestellt und trainiert
– Gruppenerster der CAF-Quali


Wenn man’s auf den Punkt bringen will, kann man die ganze Betrachtung Ghanas auf einen einzigen Satz reduzieren. Neugierig? Gut, der da wäre: Der ghanaischen Nationalmannschaft fehlt ein Goran Antic. Meinetwegen auch ein Carlos Dunga – jedenfalls einer, der Disziplin, taktische Disziplin und Zusammenhalt vermittelt.

Die Arbeit von Rajevac lässt sich als Europäer schwer verfolgen, uns wird schließlich nur das Endprodukt präsentiert. Und ja, weil dieses nunmal wie eine undisziplinierte, taktisch undisziplinierte und von besonderem Zusammenhalt freie Mannschaft aussieht, zieht man eben seine Schlüsse daraus.

Auch wenn Michael Essien verletzungsbedingt nicht dabei sein wird, fährt Ghana mit enormer Qualität nach Südafrika: Kapitän Appiah, Goalie Kingston, Muntari (wärmt die Bank des CL-Siegers, Anm.) oder Asamoah Gyan sind die wohl klingendsten Namen der ‘Black Stars’ – und nein, Kevin-Prince Boateng habe ich nicht vergessen.

Beitrag stammt vom: 5. Juni 2010 – 17:49 Uhr

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