Südafrika musste sich erst finden, fand sich aber letztendlich ausgesprochen gut. Mexiko fing gut an, um anschließend stark nachzulassen – eine verheerende Umstellung hätte letzten Endes fast noch den sicher geglaubten Punktgewinn gefährdet.
Eine Kurzanalyse:

Aufstellung Südafrika:

Aufstellung Mexiko:

Wie Mexiko spielte
Wurde zwar anders zu Papier gebracht, verhielt sich aber in Wahrheit etwa auf diese Art und Weise. Bei Mexiko war im ersten Durchgang von Viererkette keine Spur, auch wenn SKY-Kommentator Marcel Reif – ich schätze ihn normalerweise sehr, aber gestern hat er sehr oberflächlich kommentiert – “Marquez mittlerweile in der mexikanischen Viererkette” gesehen hat. Vielmehr probierten es die Mittelamerikaner mit einer 3er-Kette, der ursprüngliche 6er Marquez spielte zeitweise ein paar Schritte vor und hin und wieder auch etwas hinter Rodriguez und Osorio.

Die ‘Außenverteidiger’ Salcido und Aquilar agierten wie Flügelspieler und erzeugten dadurch ungemeinen Druck auf die südafrikanische Hintermannschaft – dazu später mehr. Weiters fiel mir auf, dass RZM Juarez und ‘Rechtsverteidiger’ Aguilar regelmäßig Positionen tauschten, wobei Juarez im zentralen Mittelfeld deutlich besser spielte und diese Rotation somit unnütz war.

Da sich der Linksverteidiger Südafrikas recht früh als nicht-WM-reif herausstellte, zog es Vela zudem immer wieder auf die rechte Seite, wo er zusammen mit Giovani dos Santos einen hervorragenden Auftritt hinlegte und Parreira Kopfschmerzen bereitet haben dürfte.

Wie Südafrika spielte
Der Gastgeber vertraute auf zwei Viererketten, eine hängende Spitze – namentlich Steven Pienaar, und einen echten Stürmer (Mphela).

Das 4er-Mittelfeld der Bafana Bafana fädelte sich, wenn möglich, immer in einer horizontalen Linie auf, was den Mexikanern das Kombinieren teils sehr schwierig gestaltete, vor allem wenn Pienaar deren Spielaufbau störte oder sich ein Innenverteidiger einige Meter aus der südafrikanischen Abwehr heraus wagte, um direkt hinter dem Bollwerk abzusichern.

Im ersten Durchgang war man mit der mexikanischen Spielweise restlos überfordert, sicherlich auch einigermaßen nervös und schlichtweg nicht in der Lage den Angriffen des Gasts etwas entgegen zu setzen. Durch die Systemumstellung Mexikos zu Beginn der zweiten Halbzeit sowie einige gelungene Kombinationen kurz vor und kurz nach dem Pausenpfiff, erfing sich der Gastgeber jedoch auf eindrucksvolle Weise:

Spielverlauf
Nachdem die Mexikaner vor dem Seitenwechsel Chance um Chance vergeben hatten, sah sich Teamchef Aguirre kurzerhand dazu gezwungen, per taktischer Korrektur – sprich: ein Mix aus Dreier- und Viererkette; Marquez mal im Mittelfeld, mal in der Abwehr – für weiteren Druckaufbau zu sorgen. Tatsächlich bewirkte er damit das Gegenteil, die Mannschaft war zu keiner Zeit imstande ein Gleichgewicht aus Offensive und Defensive zu wahren, ebenso wenig konnte man die einstudierten Laufwege in die Tat umsetzen – jedenfalls schien es mir so zu sein.

Als Südafrika-Coach Parreira zeitgleich Thwala, den mit Abstand größten Unsicherheitsfaktor seiner Elf austauschte, übernahm das Gastgeberland, begleitet von tausenden Vuvuzelas (die mich übrigens nicht im geringsten gestört haben), langsam aber kontinuierlich die Kontrolle – was aber nicht unbedingt den Ballbesitz meint, diesbezüglich war Mexiko selbst in dieser Phase klar führend, sondern vielmehr das Gefühl von Überlegenheit, spätestens seit Mourinho weiß man, dass dies auch ohne im Besitz des Balls zu sein möglich ist.

Eine knappe Viertelstunde nach dem Pausenpfiff schlug sich die Aufbruchsstimmung Südafrikas schließlich auch in Zählbarem nieder: Einen ansehlichen Konter – der in meinen Augen fast schon einen Hauch von Inter Mailand versprühte – verwertete Tshabalala mit einem scharfen, präzisen Schuss aus spitzem Winkel zur Führung.

In weiterer Folge fehlen Mexiko ein klares Konzept und die nötige Qualität im zentralen Mittelfeld. Dass man am Ende doch punktete verdankt man einem Blackout des südafrikanischen Abwehrchefs Mokoena, der ‘seine’ Abwehr nach vorne schickte, um komischerweise selbst stehen zu bleiben und das Abseits aufzuheben. Der Rest war absehbar, Fehler schießen nunmal Tore.

Die letzten Minuten gehörten überwiegend den Südafrikanern, die inzwischen das Mittelfeld quasi aufgelöst und die Bälle nur noch hoch nach vorne geschlagen haben, obwohl auch die Mexikaner noch ein, zwei gute Möglichkeiten vorfanden. Die beste auf Seiten Südafrikas setzte Mphela nach Khune-Abschlag in Minute 90 an die Stange.

Zusammenfassend
Mexikos System hat seine Tücken, funktioniert aber im großen und ganzen recht gut – umso erstaunlicher, dass Aguirre in der Halbzeit umstellte. Südafrika agierte im Rahmen seiner Möglichkeiten sehr ordentlich, abgesehen von den ersten gut 30 Spielminuten als die Zuordnung überhaupt nicht gestimmt hatte. Während die Offensive bereits floriert, hat man im Defensivverbund definitiv Nachholbedarf – kaum ein Team wird Südafrika so in die Karten spielen wie es Mexiko gestern getan hat.

In meinen Augen ist der Aufstieg sowohl für Mexiko als auch Südafrika möglich, wobei die mexikanische Auswahl über mehr Qualität zu verfügen scheint – man wird sehen, inwieweit es dem Gastgeber gelingt, diese durch Leidenschaft und Heimvorteil wett zu machen.

Die Besten:
Dos Santos, Torreda / Letsholonyane, Gaxa

Beitrag stammt vom: 12. Juni 2010 – 8:29 Uhr

Advertisements