Mit Rapid Wien präsentierte sich vergangenen Sonntag ein österreichischer Leistungsträger schlecht wie selten zuvor: Beim finanziell klar unterlegenen FC Wacker Innsbruck setzte es im Rahmen des Bundesliga-Auftaktes eine verheerende 0:4-Niederlage. In der Euro-League-Quali folgte vier Tage später ein ernudelter 4:2-Heimsieg.
Dem nicht genug, tun sich nun erstmals Klüfte zwischen Vereinsführung, sportlicher Leitung, Ultras und dem Rest der grün-weißen Anhängerschaft auf. Der dseitlhuber – sportblog hat das WWW durchforstet und ist dabei auf Ungereimtheiten in verschiedensten Bereichen gestoßen.

Sie, die die österreichische Meisterschaft bereits 32 Mal gewonnen haben, und sie, die sich – völlig zurecht – den beliebtesten Klub Österreichs schimpfen, fangen sich in Runde Eins gegen den Aufsteiger aus Tirol vier Tore ein, ohne selbst eines zu erzielen. Auch gegen Sudova Marijampole lief es für sie suboptimal.
Bittere Pillen musste der Rapid-Anhang folglich schlucken, Pillen, die man weder heute noch morgen vergessen haben wird. Pillen, die vor allem noch größer hätten sein können – etwa, wenn Julius Perstaller am Sonntag zumindest einen seiner Hochkaräter in ein Tor ummünzt. Ja, der Sieg der Tiroler war allemal verdient, vielleicht sogar auch in dieser Höhe gerechtfertigt. Meint jedenfalls der sympathische Raimund Hedl.

Was schief gelaufen ist? Vom aufgebotenen Personal, über die ausgewählte Taktik, bis hin zum Abändern des Systems während des Spiels eigentlich alles.

Aufgebotenes Personal, ausgewählte Taktik
Konkret heißt das, dass ein 4-2-2-2 (althergebrachtes 4-4-2 mit zwei tiefen 6ern) im 21. Jahrhundert ohnehin nur noch als Abwehrtaktik zu gebrauchen ist – wer Ahnung vom Fußball hat, wird es einem bestätigen – und mit zwei himmellangen, und technisch entsprechend limitierten, Stürmern wie Jelavic und Salihi sowieso nur in die Hose gehen kann. Dazu kommt, dass die Doppelsechs, gestern – wie eigentlich immer – von Heikkinen und Pehlivan gebildet, aus einem Finne, der mit dem Ball seit jeher per Sie ist und seit geraumer Zeit den Spaß am Kicken verloren haben dürfte (dazu später mehr), und einem Österreicher, der einzig durch sein Spiel ohne Ball zu überzeugen weiß, besteht. Entsprechend löchern war das zentrale Mittelfeld.

Wacker Innsbruck - Rapid Wien

Rapid - Wacker (4-2-2-2)


Hofmann suchte zwar immer wieder den Weg ins Zentrum, fand ihn auch häufig, konnte dort, weil manngedeckt, jedoch nie ernsthaft Gefahr erzeugen. Den Wienern blieben die geliebten Flanken (19 an der Zahl) auf Jelavics Kopf, welche aber ausnahmslos wirkungslos bleiben sollten. Ein sportliches Ausrufezeichen setzte einstweilen Tanju Kayhan, der an einem, für die Mannschaft, schwarzen Sonntag eine ausgesprochen gute Leistung erbrachte.

Abändern des Systems während des Spiels
Nach 54 Minuten – also bei 0:1 aus Sicht Rapids – Drazan für den eigentlich recht soilden Pehlivan zu bringen, Kavlak nach rechts und Hofmann in die Mitte zu ziehen, grenzt schließlich an Dummheit und ebnet den Innsbruckern den Weg zu unzähligen Kontermöglichkeiten. Dass der (momentan?) unwillige (als Belohnung ersetzte er gegen Sudova übrigens Hofmann als Kapitän) Heikkinen ohne Pehlivan völlig hilflos sein wird, war absehbar und trat auch genau so ein.

Schlüsse
Nach fast vier Jahren Rapid-Trainer-Dasein scheint Pacult endlich begriffen zu haben, dass man im 4-2-2-2 weder Schönheitspreis noch Meisterschale gewinnen wird. Nicht zuletzt die Aufstellung gegen Sudova Marijampole deutet darauf hin, dass der gebürtige Winter und gelernte Postler künftig ein 4-2-3-1 versuchen will – entweder mit Kavlak oder Hofmann im Zentrum, je nachdem ob Drazan oder Trimmel in der Startelf stehen soll. Wobei es Pacult durchaus zuzutrauen ist, das 4-2-3-1 nach einem – zugegeben sehr – schlechten Spiel gleich wieder zu verwerfen. Auch wenn eigentlich jeder Blinde sehen konnte, dass es diesmal ausnahmsweise nicht am System lag.

Rapid Wien - Sudova Marijampole

Rapid - Sudova (4-2-3-1)


Fanmeinungen zum Thema Startaufstellung
Der Großteil der Rapid-Fans steht Pacult trotz allen Ausrastern und Fehlern positiv gegenüber, überwiegend können sich die Anhänger mit der geraden Art des 49-Jährigen identifizieren. Dennoch macht sich nach der deutlichen Niederlage gegen den Aufsteiger Unmut, insbesondere über die taktischen Vorstellungen des Trainers, breit.

4-4-2 mit einer Doppel-Sechs bringt sich mMn genau gar nix, das allzubeliebte 4-2-3-1 lebt ja davon das du zwar die Doppelsechs hast aber 3 offensive Mittelfeldspieler, da hast einen Boskovic, einen Kavlak und einen Hofmann.. da einen Boskovic zu nehmen und ihn durch Salihi zu ersetzen und damit ein 4-4-2 zu machen das bringt sich einfach nichts, weil eben im MF genau gar nix geht, da ist ein Vakum das einfach nicht geschlossen werden kann…

Meint etwa ein Wienerfußballfan. Und er hat damit – zwar sehr oberflächlich, aber doch – Recht. Freilich kann ein 4-2-2-2 weiterhin funktionieren, allerdings nur, wenn man entsprechende, nämlich technisch begabte, Spieler in seinen Defensivreihen hat. Ebenso sollte eine der beiden Spitzen hängender als die jeweils andere sein, René Gartler bietet sich im Falle Rapids förmlich dafür an, ein Bewerbungsschreiben hat er mit seinen zwei Treffern gegen die Litauer bereits abgegeben.

Nun folgen, um endlich konkret zu werden, einige Aufstellungsvorschläge der Grün-Weißen. Um es vorweg zu nehmen: Von Raute bis Fächer war alles zu lesen, allein die Pacult-Aufstellung vom Wacker/Sudova-Spiel fand ich in keiner einzigen Variante.

Payer
Kayhan – Eder – Sonnleitner – Katzer
Pehlivan
Saurer____________Kavlak
Hofmann
Salihi – Jelavic

Hedl
Kayhan – Eder – Sonnleitner – Katzer
Pehlivan
Hofmann – Saurer – Katzer
Jelavic – Salihi

Hedl
Dober – Sonnleitner – Eder – Kayhan
Hinum____
____Kavlak
Hofmann________________Saurer
Salihi – Jelavic

Hedl
Dober – Patocka – Sonnleitner – Kayhan
Hinum
Hofmann – Kavlak – Saurer
Salihi – Jelavic

Hedl
Kayhan – Sonnleitner – Patocka – Dober
Hinum
Hofmann – Kavlak – Drazan
Salihi – Jelavic

Ich habe mich hierbei bemüht, die aussagekräftigsten Werke herauszusuchen, unabhängig davon ob sich gut oder schlecht finde. Natürlich können fünf Aufstellungen keine Fankultur repräsentieren, aber geschickt gewählte Beispiele sind immer aussagekräftig. Was auffällt: Viele Rapid-Fans würden lieber entweder Kayhan oder Dober Links spielen sehen, anstatt Katzer in der Startelf ertragen zu müssen.

Die Mehrheit wünscht sich außerdem – verständlicherweise, sehe ich genauso – Kavlak ins Zentrum, Heikkinen auf die Bank und Saurer von Beginn an. Auch Thomas Hinum dürfte bei Vorbereitungs- und Qualifikations-Spielen Eindruck hinterlassen haben – nicht wenige wollen ihn im zentral defensiven Mittelfeld beginnen lassen.

Schließlich, damit auch dies geklärt ist, biete ich noch meine Wunschaufstellung an:

Hedl
Kayhan – Sonnleitner – Eder – Katzer
Pehlivan
Hofmann – Kavlak
Saurer____________________Drazan
Jelavic

Womit wir das erste Kapitel beschlossen hätten.

Christoph Saurer –
24 Jahre alt, 1,75 Meter klein, beidbeinig, Ex-Veilchen – ist nach Andreas Ivanschitz die vermutlich umstrittenste grün-weiße Personalie des 21. Jahrhunderts, wer den Konflikt um ihn einigermaßen verfolgt hat, weiß, wovon ich spreche. Mehrere, teils machthungrige, teils übermäßig fanastische, Bewohner des BlockWest (richtig, das sind die, vor denen AstonVilla noch heute zittert), lehnen den im Sommer aus Linz verpflichteten Mittelfeldspieler wegen seiner Austria-Vergangenheit ab. Nach der Niederlage gegen Innsbruck – bei der Saurer, weil nicht im Kader, nicht mitwirken durfte – machte im Rapid-Anhang Kunde, dass Saurer von oberster Vereinsetage aus “geschützt” werde – “geschützt” heißt, geschützt vor dem BlockWest, der ihn auszupfeifen droht – und das übrigens bei Saurers Einwechselung gegen Marijampole auch gnadenlos durchzog. Einige, nicht wirklich wenige, Nicht-Block-West-Sitzer, aber trotzdem Rapid-Anhänger, vermuten hinter dem Ganzen gar Kalkül der Anti-Saurer-Fans: Nicht seine violette Vergangenheit stehe im Vordergrund, die sei dem Großteil egal, es gehe dem BlockWest hauptsächlich darum, seine Macht noch weiter auszuweiten. Heißt: Man will Grenzen austesten, Grenzen erweitern und vor allem: mitreden.

Inwiefern diese Theorien – manche geben an, sie sogar belegen zu können – ihre Richtigkeit hat, weiß man nicht. Ich zumindest nicht. Jedenfalls kann ein Fan-interner Kleinkrieg sich sicher negativ auf die Gute-Laune-Stimmung auf den Tribünen auswirken. Als ob Rapid Wien nicht schon genug Probleme sportlicher Art hätte…

Problemkind #1: Markus Heikkinen…
… “will einfach nicht mehr in Österreich spielen”, schreibt jemand, der angibt, Insider-Infos zu bekommen/bekommen zu haben. Dass der Finne bis 2011 Vertrag hat, ist so gesehen einigermaßen bitte, insbesondere zumal man seine Lustlosigkeit schon im Frühjahr bewundern durfte.

Erstmals hab ich den Verdacht geäußert, dass etwas mit ihm nicht stimmt, als wir Villa geschlagen haben. Damals hat mich seine Körpersprache im Stadion schon richtig schockiert. Das 3:0 gegen den HSV hab ich mir aus dem Grund noch einmal ganz alleine nur wegen Heikkinen angeschaut und seitdem war ich überzeugt, dass irgendwas nicht passt. Freilich war er noch nie einer, der besonders viel gelächelt hat, aber man merkt einfach schon sehr langer Zeit, dass er sich nicht mehr wohl fühlt. Leider!

Der Verein entschied sich gegen eine Vertragsauflösung. Heikkinen steht nun also auf dem Feld, spielt aber tatsächlich so, als ob er nicht spielen mag. Pacult schafft es trotzdem irgendwie wegzuschauen, Spiel für Spiel spielt Mika – wie sie ihn in Hütteldorf liebevoll nennen – durch. Erfolg- und lustlos.

Dass Heikkinen gegen Marijampole anstatt des verletzten Hofmanns die Schleife trug, habe ich ja bereits erwähnt…

Beitrag stammt vom: 23. Juli 2010 – 17:11 Uhr

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