Österreichs Nationalmannschaft gewann gegen Kasachstan und verdiente sich dadurch drei Punkte. Dem glücklichen 2:0-Sieg war jedoch eine katastrophale Vorstellung der Constantini-Elf vorausgegangen, welche hauptsächlich auf den Teamchef selbst zurückzuführen ist. Der dseitlhuber – sportblog gibt die gestrigen Ereignisse schonungslos wieder und zeigt auf, warum Constantinis minimalistische Taktik zum Scheitern verurteilt ist:

Dietmar Constantini – richtig, jener Teamchef, dem die Massen bei seinem Amtsantritt förmlich zu Füßen lagen – wäre, so sagt er selbst, möglicherweise nicht länger Teamchef, hätte Linz nicht ins Tor getroffen. Tatsächlich wäre dies eine Erlösung für Fußball-Österreich gewesen, weshalb der 2:0-Sieg in meinem Fußball-Herzen wie eine 0:7-Niederlage schmerzt. Doch Linz hat getroffen, infolgedessen ist das Zustandekommen des Ergebnisses egal – diesbezüglich sind Polzer, Prohaska und Constantini einander im Grunde genommen einig. Dass es nicht egal ist, weiß jeder unbefangene Beobachter normalen Intelligenzgrades. Soweit meine Meinung, nun zum Spielverlauf:

Im österreichischen Tor stand, wie versprochen, Jürgen Macho, die Viererkette davo bildeten Ekrem Dag, Sebastian Prödl, Emanuel Pogatetz und Christian Fuchs, allesamt Legionäre. Im Mittelfeld bewies Constantini insofern Mut, als er Veli Kavlak ins zentral defensive Mittelfeld beorderte – zuletzt hatte Kavlak diese Rolle bei der U20-WM in Kanada ausgefüllt – und Roland Linz, gemeinhin als lauffaul und technisch limitiert verschrien, als ZOM/hängende Spitze aufbot. Im rechten Mittelfeld kam Martin Harnik zum Zug (Constantini zwei Tage vor Spielbeginn: “Harnik ist meiner Meinung nach im Sturm am besten aufgehoben.”), die Mittelstürmer-Position hatte erwartungsgemäß Teamkapitän Janko inne.

Linz’ Rolle war meiner Meinung nach nicht klar definierbar, insofern auch nicht das System der Österreicher – ich tendiere dazu, Roland Linz (!) als Ballverteiler im zentral offensiven Mittelfeld und folglich ein 4-2-3-1 zu sehen.

Dietmars Startformation

Dietmars Startformation

Erste Halbzeit
Österreich begann einigermaßen gut, fand nach Geschenken der Kasachen und einfach strukturiertem Flügelspiel sogar Torchancen vor. Nach 15 Minuten des Anfangselans – man verfolgte offensichtlich die Taktik, ein schnelles Tor zu erzielen – fand jedoch der graue Alltag und somit auch die spielerischen Unzulänglichkeiten Einzug. Was vor allem auffiel: Anstatt die beiden 6er mit Bällen zu füttern, verwickelten die Außenverteidiger Jantscher beziehungsweise Harnik in 1-gegen-2-Duelle. Und das, obwohl mit Kavlak ein echter Kreativspieler in der Doppelsechs stand. Schiemer berührte in 90 Minuten gefühlt neun Mal das Leder, Kavlak einige Male öfters, aber keinesfalls oft genug, um ins Spiel zu finden.

Dass Constantini den Rapidler im Zentrum aufstellte, empfand ich als guten Schachzug, schließlich bringt Kavlak praktisch alle Fertigkeiten für einen guten 6er mit. Nur hätte man seine Stärken besser zur Geltung bringen können, indem man ihn und nicht die Flügelspieler zum Motor der Offensivbemühungen macht. Wie gesagt: Eine ursprünglich gute Idee des Teamchefs, einzig die Ausführung war eine Katastrophe in sich.

Die Spielminuten 15-45 offenbarten eine desolate österreichische Mannschaft, welche nicht einmal ansatzweise in der Lage war, die Kasachen auch nur wenige Minuten in deren Abwehrdrittel zu fesseln. Stattdessen ergab man sich seinem Schicksal, streute immer mehr hohe Bälle ein, anstatt den Gegner, wie angedacht, mit Seitenwechseln in die Enge zu treiben.

Zweite Hälfte
Österreich kam unverändert aus der Kabine – unverändert auch insofern, als man weiterhin auf Pressing verzichtete. Kasachstan wechselte derweilen, wobei der Tausch rein personeller Natur war und nichts am 4-4-1-1 des Weltranglisten-Hundertfünfundzwanzigsten (zum Vergleich: Brückner wurde nach einem sehr, sehr unglücklich zustande gekommenen 1:1 beim 118. entlassen). Der Siegeswille war weiterhin ersichtlich, man kombinierte allerdings ebenso planlos weiter wie in Halbzeit Eins. Allmählich verlor selbst der Anhang die Geduld, was bei der Auswechslung Marc Jankos (für ihn kam Maierhofer, Anm.) in einem gellenden Pfeifkonzert gipfelte und die Spieler jeglicher Form von positiver Körpersprache beraubte. Es folgte Steinzeitfußball, sinnlos in den Strafraum gedroschene Bälle und, fast noch schlimmer, beinahe der Führungstreffer für Kasachstan. Vom Wiederanpfiff bis zur 89. Minute kam Österreich zu keiner einzigen herausgespielten Tormöglichkeit, bis letztendlich doch noch zwei Tore fielen.

Constantinis Aussage – “Wenn man gewinnt, hat man alles richtig gemacht!” – ist dermaßen irrig, dass sie keines Kommentars bedarf und deshalb auch keinen bekommt.

Zusammenfassend
Die Kasachen waren unseren Kickern fußballerisch um Klassen unterlegen, igelten sich in keinster Weise ein, verteilten hinten Geschenke und spielten ihre Konterchance halbherzig aus – einen angenehmeren Gegner kann man nicht bekommen. Dennoch kam der Heimsieg letztlich durch ein Haufen des Glücks, und nicht etwa des Verstandes zustande. Freilich: Man vergab zu Spielbeginn einige Hochkaräter und zugegebenermaßen erwischten einige Stammspieler (namentlich: Janko, Jantscher, Dag) einen äußerst schlechten Tag. Die Unleistung selbst muss sich nichts desto trotz der Teamchef selbst ankreiden lassen. Gründe hierfür gibt es allerlei, Hauptursache für den stotternden Spielverlauf ist jedoch zweifelsohne Constantinis absurde Vorstellung von einer Doppelsechs.

Dieser stellte am Tag danach übrigens ein Comeback von Roland Linz im ZOM in den Raum, der Tiroler will eine “gute Leistung vom Roli” gesehen haben. Dass er meiner Wahrnehmung nach einer der Schlechteren war und mit seiner Rolle hinten und vorne nicht fertig wurde, mag meinetwegen an mir liegen.

Beitrag stammt vom: 8. September 2010 – 18:39 Uhr

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