Am Wochenende trafen einander Manchester City und Chelsea, also zwei Anwärter auf den Premier League-Titel. Am Ende hatte der Gastgeber als spielerisch unterlegene Mannschaft die Nase vorn – der folgende Blog-Eintrag befasst sich mit den Umständen, die dazu führten.

Roberto Mancini, ob des Umgangs mit seinen Spielern mittlerweile in Verruf geraten, bot im großen und ganzen jene Spieler auf, die bereits in den Runden zuvor sein Vertrauen genossen hatten. Den einzigen weniger geläufigen Namen in Citys Startelf stellte Dedryck Boyata dar – der 19-Jährige war bereits gegen RedBull Salzburg 22 Minuten lang im Einsatz und durfte nun ausgerechnet im Duell mit dem Tabellenführer von Beginn an. Boyata übernahm die Position des Rechtsverteidigers, weshalb Rechtsfuß Zabaleta diesmal den linken Flügel bekleidete. Die Dreifach-Sechs im zentralen Mittelfeld blieb wie gehabt, im linken offensiven Mittelfeld bekam James Milner den Vorzug gegenüber Michael Johnson.

Mancinis Gegenüber, Carlo Ancelotti, sah sich ebenso wenig zu Änderungen veranlasst – Ramires ersetzte den angeschlagenen Frank Lampard, ansonsten glich die Startformation jener aus den vergangenen Spieltagen.

Die Startformationen

Die Startformationen

Wenn 4-3-3 4-3-3/4-5-1 trifft, führt dies für gewöhnlich zu torarmen Begegnungen – so auch in diesem Spiel, wie sich herausstellen sollte. Faktisch hatten beide Teams sehr ähnliche Probleme: Sie bekamen zu wenige Spieler vor den Ball (oder auch nur in die Nähe des Selbigen) und machten nicht von ihren Außenverteidigern Gebrauch, dazu später mehr.

Nahezu 90 Minuten lang neutralisierten die zentralen Mittelfeldspieler beider Mannschaften einander. Bei Ballbesitz des Gegners hatte jeder einen unmittelbaren Gegenspieler (Paare bildeten: Barry und Essien, Ramires und de Jong, sowie Obi Mikel und Yaya Toure), keiner der Sechs hatte den Freiraum, den es gebraucht hätte, damit er das Spiel an sich reißen hätte können. Hinzu kam der Umstand, dass Ramires (offensivster Mann im Chelsea-Mittelfeld) und Yaya Toure (agierte Sonntags teilweise wie ein ZOM, einst war er Barcelonas 6er) ihrer jeweiligen Rolle überhaupt nicht gewachsen waren und entsprechend schwach spielten. Chelsea umgeht dieses Problem normalerweise durch Frank Lampard, nur war und ist dieser verletzt. City hat hingegen Spiel um Spiel das gleiche Problem, der torgefährliche Mittelfeldspieler fehlt.

Während Malouda, Anelka und Silva bei Ballbesitz der eigenen wie auch der gegnerischen Mannschaften sehr zentral agierten, lief James Milner die linke Linie entlang – dies jedoch ohne Erfolg, ein echter Flügelspieler war er meiner Meinung nach noch nie. Malouda zog durch sein Nachinnenziehen Boyata mit sich, Ashley Cole hätte viel Platz vor sich gehabt, weigerte sich jedoch konsequent, diesen zu nützen. Cole hielt, ebenso wie Ivanovic auf der Gegenseite, das Spiel lediglich bereit, anstatt für ernsthafte Torgefahr zu sorgen. Wieso er dies tat? Vermutlich aus Angst vor schnellen Gegenstößen.

Chelsea kontrollierte die Begegnung und begnügte sich mit Ballbesitz sowie dutzenden Standardsituationen – eine solche hätte sogar beinahe  zum Führungstreffer geführt (Ivanovic traf nur Aluminium, Anm). Ansonsten blieben Chancen Mangelware, beide Defensivabteilungen leisteten gute Arbeit. An dieser Stelle seien die groben Unterschiede in punkto Abwehrarbeit hervorgehoben: ManCity stand relativ tief, verteidigte kompakt und mit elf Mann, Chelsea betrieb ab dem Mittelkreis Pressing, Drogba war von Defensivaufgaben freigesprochen und die Viererkette verteidigte deutlich höher – wie auch immer, beide Varianten führten zum Erfolg.

Zweite Halbzeit
Den siegbringenden Treffer erzielte City ausgerechnet nach einem Eckstoß des Gegners: Nach einem Ballgewinn/-verlust von James Milner/Ramires stehen Obi Mikel, Terry und Cole Silva und Tevez gegenüber, wobei letzterer das Leder führt. Silva zieht Mikel und Terry auf sich, Tevez gewinnt das Laufduell gegen Cole und vollendet mit einem präzisen Schuss ins lange Eck.

Chelsea gelingt in weiterer Folge sehr wenig, man fand sich offensichtlich mit der eigenen Unfähigkeit, Torchancen herauszuspielen, ab. Gegen Ende tauschte Carlo Ancelotti Zhirkov (spielte eine Art BackUp für Cole, der daraufhin endlich zu Sturmläufen ansetzte), McEachran (17-jährig) und Sturridge ein, für letzteren verließ Drogba das Feld. Kein Wunder, zumal er 80 Minuten lang farblos geblieben war und in der zweiten Hälfte nur einen einzigen (!) Pass zum Mitspieler brachte. Man könnte meinen, City habe Drogba an sich manngedeckt, doch war dies keineswegs der Fall. Die Citiziens nahmen schlicht die Passgeber des Ivorers aus dem Spiel und damit auch den Stürmer selbst. Doch anstatt sich die Bälle anderweitig zu verschaffen, beharrte Drogba auf seiner eher statischen Spielweise, ganz im Gegensatz zu seinem City-Pendant, Carlos Alberto Tevez  – die Auswechslung ging somit in Ordnung.

Dennoch sollte es Chelseas Ansprüchen nicht genügen, in Rückstand liegend auf Spieler wie McEachran oder Sturridge bauen zu müssen, Verletzungssorgen hin oder her. Freilich möge man der Jugend eine Chance geben, angewiesen sein sollte man auf sie jedoch nicht.

Zusammenfassend
ManCity ist am Ende glücklicher aber beileibe nicht unverdienter Sieger. In einem Spitzenspiel wie diesem zu unterliegen mag Chelsea schmerzen, allerdings besteht keinerlei Grund zur Sorge, da die Gründe leicht ausgemacht sind: Drogba erwischte einen pechschwarzen Tag, mit Lampard fehlte der letzte verbliebene Kreative und den Außenverteidigern die Durchschlagskraft. All dies sahen wir im Laufe der Saison bereits wesentlich besser, dieses eine Spiel ist also einzig und allein als solches zu bewerten.

Advertisements