FC Salzburg – Juventus Turin
Red Bull Arena, 19 200 Zuseher
1 : 1 (Svento 36. / Krasic 48.)

Nach teils katastrophalen Vorstellungen im Liga-Alltag lief Österreichs Meister pünktlich zur Kür zu gewohnter Europacup-Hochform auf – über 90 spannende Minuten hinweg verlangte man dem italienischen Spitzenverein Juventus Turin alles ab und hätte letztendlich sogar gewinnen können. Es zeigte sich zum wiederholten Male, dass RedBull Salzburg die europäische Bühne weit besser liegt als das täglich Brot – zurückzuführen ist dies auf mehrere Faktoren, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der Heimniederlage gegen den KSV Superfund folgte also ein Punktgewinn gegen den Tabellenfünften der Serie A… kaum zu glauben eigentlich, nahm Stevens doch nur, so schien es zumindest, wenige Änderungen gegenüber dem Kapfenberg-Spiel vor.

Im Tor stand abermals Gerhard Tremmel, in der Viererkette davor verteidigte unter anderem der 18-jährige Alexander Hinteregger. Den 6er gab Franz Schiemer, den einzigen Stürmer Roman Wallner. All diese Spieler konnte man mehr oder weniger in der Startelf vermuten, doch mit Nikola Pokrivac rechnete kaum einer: Seit geraumer Zeit ist der Kroate bei Stevens unten durch, zuletzt wurde ihm sogar Thomas Augustinussen vorgezogen.

Gestern aber benötigte es einen Spieler wie Pokrivac. Warum er und nicht Leitgeb beginnen durfte?

Das hat taktische Gründe. Ich brauche heute einen passenden Spieler (Pokrivac, Anm.) und lasse dafür einen laufenden Spieler (Leitgeb, Anm.) auf der Bank. Natürlich hat die Startaufstellung immer mit Leistung zu tun, aber in diesem Fall geht es hauptsächlich um Taktik”

, meinte Stevens, von Gerhard Krabat auf die Personalie Pokrivac angesprochen. Wie nützlich der Kroate Salzburg sein kann, sollte sich bereits in den Anfangsminuten herausstellen…

Salzburgs Starformation (4-1-4-1)

Salzburgs Startformation (4-1-4-1)

Juventus’ 4-4-2 ließ insofern an Kompaktheit vermissen, als es die beiden Stürmer (Del Piero und Amauri) verabsäumten Druck auf den Ballführenden auszuüben – also konnte RedBull Salzburg die Vorzüge des 4-1-4-1-Systems in vollen Zügen genießen: Schiemer – oder auch Pokrivac, der sich immer wieder in tiefe Positionen fallen hat lassen – konnte das Spiel diktieren, den Ball nach Belieben an die Außenverteidiger oder Mendes da Silva weitergeben und Juve war, weil in nummerischer Unterzahl, immer einen Schritt hinterher.

Überzahl: Salzburg dominiert das Mittelfeld

Überzahl: Salzburg dominiert das Mittelfeld

Schiemer, Pokrivac und Mendes da Silva waren sich dessen offensichtlich bewusst und profitierten davon, indem sie mehrmals eine Art Dreieck formten und in diesem den Ball zirkulieren ließen. Salzburg blieb dadurch in Ballbesitz und drängte sowohl Viererkette als auch Flügelspieler der Gäste weit zurück.

Nichts anderes dürften Stevens’ “taktische Gründe” gewesen sein – er war sich einfach der Tatsache bewusst, dass ein 4-1-4-1 einem 4-4-2 im zentralen Mittelfeld unheimlich viel Schaden zufügen kann wenn der Ball richtig zirkuliert. Und Leitgeb ist nunmal ein laufender Spieler, der den Ball entweder in die Gefahrenzone trägt, oder ihn zumindest recht lange am Fuß hält – ihn aufzustellen wäre nicht unbedingt produktiv gewesen.

Ein weiterer kluger Schachzug von Stevens war es, David Mendes da Silva jene offensive Rolle zuzuteilen, die er schon während des Rückspiels gegen Omonia Nikosia hervorragend erfüllt hatte – war Salzburg in Ballbesitz spielte er, wie er es aus Alkmaar-Zeiten gewohnt ist, den sicheren Pass aus der Tiefe. Hatte der Gegner den Ball, war er zumeist vorderster Mittelfeldspieler. Zusammen mit Roman Wallner gelang es ihm sehr gut, den ballführenden Turiner “auszubremsen” und damit das Tempo aus den Angriffen der Gästen zu nehmen.

Jedenfalls war er gestern der unumstritten beste Spieler auf dem Feld. Sieht man, wie er dem Spiel seinen Stempel aufdrückte ohne sonderlich spektakulär zu wirken, wird einem nun auch klar, wieso Gludovatz Mendes da Silva zuletzt als den gefährlichsten Salzburger bezeichnet hat.

Spielverlauf
Gegenüber der 0:2-Niederlage gegen Kapfenberg präsentierte sich Salzburg in allen Belangen verbessert: Kämpferisch, taktisch und in der Folge auch spielerisch. Im zentralen Mittelfeld zogen Pokrivac und Mendes da Silva geschickt die Fäden, auf dem linken Flügel riefen Svento und Hinteregger ihr volles Leistungsvermögen ab – überhaupt war die linke die weitaus gefährlichere Seite der Salzburger, da Svento seine Schnelligkeit dazu nutzte, den Raum zwischen Rechtsverteidiger Grygera und Martinez zu beackern und so für viel Gefahr sorgte (siehe Graphik, Anm.).

Juventus Turins Angriffsbemühungen fehlte unterdessen die kreativen Momente eines Milos Krasics oder auch eines Aquilanis – beide waren im Sommer zu Juve gewechselt, mussten allerdings mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen. Weiters ließ die alte Dame Pressing jedweder Art vollständig vermissen. Eine Tatsache, die den Roten Bullen insofern entgegenkam, als es sie das Spiel gemächlich aufziehen hat lassen.

Die erste halbe Stunde gehörte zweifelsohne den Salzburgern, welche allerdings den letzten Zug zum Tor vermissen ließen. Bis schließlich das 1:0 fiel, so geschehen in der 36. Spielminute: Der überragende Mendes da Silva behauptet sich gegen zwei Gegenspieler und verlagert das Spiel auf die linke Seite, wo Svento mit einem gekonnten Haken Grygera aussteigen ließ – der Abschluss selbst landete genau im langen Eck, Manninger chancenlos.

Die zehn verbliebenen Minuten bis zum Pausenpfiff waren von Abspielfehlern der Gäste und zurückgezogenen Hausherren geprägt. Jedoch konnte man davon ausgehen, dass Juventus mit Beginn der zweiten Hälfte Druck machen würde. Dieser trat auch ein und führte bereits nach drei Spielminuten zum Erfolg: Der eben eingewechselte Krasic lässt Tremmel aus wenigen Meter keinerlei Chance. Zählen hätte das Tor aber nicht dürfen, da sich der Serbe an Hintereggers Leiberl zog und sich so einen klaren Vorteil verschaffte – eine von mehreren Fehlentscheidungen des Unparteiischen.

Eine nächste folgte sogleich, nämlich als Martinez Gelb-Rot hätte sehen müssen. Dem Schiedsrichter fehlte aber offensichtlich der Mut, das Foul regelkonform zu ahnden. Als Minuten später eine Tätlichkeit an Schwelger ohne Konsequenzen blieb, konnte man endgültig von einem Kniefall vor dem Großen sprechen. Sei’s drum…

Gegen Ende der Partie praktizierte RedBull Salzburg teils atemberaubendes Pressing, welches seinen Zweck erfüllte und Juventus zu zahlreichen Abspielfehlern zwang. Angetrieben vom mittlerweile eingewechselten Christoph Leitgeb war Österreichs Meister dem Siegtreffer weit näher als Juventus, einzig die mäßige Chancenauswertung verhinderte einen Heimsieg.

Zusammenfassend
Salzburg hätte das Spiel gut und gerne gewinnen können, kann aber auch so stolz auf sich sein – vom Glanz vergangener Tage mag bei Juventus zwar wenig bis gar nichts übrig geblieben sein, internationales Format haben die Turiner allerdings weiterhin. Nun braucht es, sofern man die Gruppenphase überstehen möchte, wohl oder übel einen Auswärtssieg in Turin – zuzutrauen ist es der Mannschaft allemal, einfach wird es jedoch mitnichten.

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