Gestern standen einander der FC Arsenal, Chelsea London und somit zwei Londoner Teams gegenüber. Heißt, es handelte sich nicht nur um ein Spitzenspiel erster Güte, sondern sogleich um ein Treffen zweier Lokalrivalen. Nur ein Punkt trennte die Teams vor dem Spiel, Arsenal dafür schon fünf Punkte von Tabellenführer ManU. Die Partie hätte also bedeutender garnicht sein können, vor allem weil Wengers Mannschaft sich und seinem Publikum zu beweisen hatte, auch in Aufeinandertreffen mit unmittelbaren Gegner um die Meisterschaft bestehen zu können. Schlussendlich sollte den Gunners der Sieg gelingen, nämlich sogar ein relativ ungefährdeter…

die Startformationen
Der interessanteste Gesichtspunkt aus taktischer Sicht war zweifelsohne Arsenals Startformation: Entgegen aller Erwartungen blieb Arshavin vorerst auf der Bank sitzen, so auch Neuverpflichtung Squillaci. Stattdessen begannen mit dem Schweizer Djourou und Theo Walcott ein körperlich sehr robuster Innenverteidiger bzw. schneller, auch defensiv recht starker Winger. Wenger, dessen angeblich nicht vorhandenes taktisches Verständnis oft kritisiert wird, hat hiermit ins sprichwörtliche Schwarze getroffen – sowohl Djourou als auch Walcott taten Ihres zum Erfolg ihrer Mannschaft.

Carlo Ancelotti dagegen stellte sein Team erwartungsgemäß auf, bietet ihm der verhältnismäßig dünn gewordene Chelsea-Kader doch kaum Alternativen. Immerhin konnte er auf Frank Lampard (in den letzten Wochen und Monaten plagte ihn eine Leistenzerrung, Anm.) zurückgreifen. Dafür musste Nicolas Anelka verletzungsbedingt passen, ihn ersetzte Kalou.

die Startformationen (4-2-3-1 / 4-5-1)

die Startformationen (4-2-3-1 / 4-5-1)

 

Spielverlauf
Die ersten Minuten brachten den erwarteten offenen Schlagabtausch, zu Beginn mit leichten Vorteilen für Arsenal, aber auch etlichen Halbchancen für Chelsea. Interessant zu sehen war, dass Alexandre Song nicht wie in den Spielen zuvor einen Box-to-Box-6er gab, sondern sich wie in der Vorsaison hauptsächlich mit den Defensivaufgaben eines Abräumers beschäftigte. So wollte Arsenal jene Konter unterbinden, die ihnen in den vergangenen “Big Games” jeweils zum Verhängnis wurden.

Auch Walcotts Aufgabe war interessant: Als eigentlich gelernter Flügelstürmer fand er sich oft in der eigenen Hälfte wieder, um dort entweder Bälle zu erobern oder Ashley Cole einfach ein wenig auszubremsen. Außerdem wichen Kapitän Fabregas und Robin van Persie immer wieder wieder in tiefere Positionen (siehe hierzu die Graphik!), den Niederländer fand man sogar einige Male auf dem rechten Flügel. Obwohl der Papierform nach das zentrale Mittelfeld (bestehend aus Song, Wilshere, Fabregas bzw. Mikel, Essien, Lampard) ausgeglichen hätte sein sollen, konnte Arsenal in dieser Zone des Spielfelds einen klaren Vorteil für sich verbuchen.

van Persies Passes

van Persies Passes

 

Wenger hatte also seine Hausaufgaben gemacht und seine Truppe auf das Spitzenspiel vorbereitet. Nicht so anscheinend Ancelotti, dessen einziges taktisches Mittel offensichtlich ein massives Mittelfeld – deshalb die Umstellung von 4-3-3 zu 4-5-1 – und lange Bälle auf Solo-Spitze Didier Drogba hinter die hoch stehende Arsenal-Abwehr waren. Dass letzterer so überhaupt nicht ins Spiel fand, lag einerseits an der nicht vorhandenen Unterstützung seitens seiner Mitspieler, andererseits aber auch an Djourous athletischem Körper, der ihn auf Schritt und Tritt verfolgte.

Mit Fortdauer des Spiels bekamen die Hausherren selbiges immer besser in den Griff, unter anderem aufgrund des extrem wirkungsvollen Pressings das man von Beginn an betrieb: nicht mit nur einem und nicht mit zwei, drei Spielern setzte man Chelsea unter Druck, sondern die ganze Mannschaft beteiligte sich daran. So zwang man Chelsea zu Abspielfehlern, wie sie das passstärkste Team der Liga normalerweise nicht machen würde…

Gegen Ende der ersten Spielhälfte igelte sich Chelsea mehr und mehr ein und man hatte das Gefühl, der Führungstreffer der Gunners könne nurnoch eine Frage der Zeit sein. So war es dann auch – nach einem versuchten Doppelpass zwischen Wilshere und Song und einem regelrechten Gemetzel im Strafraum bewahrt der Kameruner die Übersicht und bringt das Leder im Tor unter.

Zweite Halbzeit
Zur Pause brachte Ancelotti Ramires für den enttäuschenden John Obi Mikel, wobei Essien dessen tiefe Rolle übernahm und Ramires neben Lampard spielte.
In die beiden Tore kurz nach dem Seitenwechsel zu viel hineinzuinterpretieren wäre sogut nicht, resultierten sie doch aus kapitalen Eigenfehlern der Blues. Immerhin belegen sie aber, was Arsenal an diesem Abend auszeichnete: Beim 2:0 kam Chelsea nicht mit van Persies Rolle als sogenannte “falsche 9” zurecht, Walcotts Treffer ging ein Ballgewinn durch Pressing voraus.

Außer dem Ehrentreffer durch Branislav Ivanovic – möglich gemacht durch katastrophales Abwehrverhalten des ansonsten starken Koscielny – gelang Chelsea in weiterer Folge recht wenig. Zwar ging nach und nach auch bei Arsenal der Spielfluss verloren, doch hatten die ihre Tore ja bereits erzielt. Dennoch, es hätten gut und gerne noch mehr werden können – unter anderem vergaben Nasri, aus Überschuss an Selbstvertrauen, und der eingewechselte Diaby, aus Mangel an einem funktionstüchtigen linken Fuß, Hochkaräter. Beim 3:1 blieb es letztlich, was dem Spielverlauf nach auch so in Ordnung ging.

Zusammenfassend
Auch wenn der Gegner über weite Strecken nicht wie einer gespielt hat, ist es den Gunners gestern seit langer Zeit wieder gelungen einen Großen zu besiegen. Mannschaftliche Tugenden wie ausgezeichnetes Pressing und Ansätze totalen Fußballs waren dafür ebenso verantwortlich wie herausragende Einzelleistungen wie sie beispielsweise Alex Song gezeigt hat. Erleichtert schien nach der Partie vor allem der zuletzt in die Kritik geratene Arsene Wenger, der die Folgen des Sieges folgendermaßen beschrieb:

It was a double impact. Mathematically, it keeps us in touch with the leaders of the league. And psychologically, it was important. We were questioned about our capability of winning big games. I’m happy with the desire in the team.

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