Real Madrid : FC Barcelona
1-1 (Messi 54. bzw C. Ronaldo 82.)

Nach der historischen 0:5-Niederlage im letzten Aufeinandertreffen mit Barcelona hatten Real – und vor allem José Mourinho, für den besagte Schmach die größte seiner bisherigen Trainerkarriere bedeutete – so einiges gutzumachen. Barca dagegen wusste, dass selbst ein Remis im zweiten Clasico der Saison endgültig den neuerlichen Titelgewinn sichern würde – und genau dieses fuhr man letztlich, wenn auch mit fast schon ungewohnter Mühe, auch ein.

Die Partie selbst war nicht annähernd so gut wie das letzte Match dieser beiden Teams, aus taktischer Hinsicht und mit Blick auf die kommenden drei Begegnungen aber umso interessanter. Nämlich bereitete Mourinho mit seiner Mannschaften den Katalanen Schwierigkeiten, wie diese sie seit der Niederlage im Emirates nicht mehr hatten. Zugleich zeigt sich dadurch auch, wie verwundbar Barca doch ist wenn man entsprechend intelligent gegen sie spielt.

“Intelligent” war bei den Madrilenen in erster Linie der Systemwechsel vom ursprünglichen 4-2-3-1- zu einem wesentlich massiveren 4-5-1-System – Özils Platz im Mittelfeld nahm Pepe ein, ansonsten blieb alles wie gehabt. Pepe ist zwar gelernter Innenverteidiger, kennt das zentrale Mittelfeld aber bereits aus Zeiten mit der portugiesischen Nationalmannschaft. Im Unterschied zu seinen dortigen Auftritten gab er für Real jedoch keineswegs den Abräumer vor der Viererkette sondern war äußerst aktiv am Pressing beteiligt. Auch von einer Manndeckung für Lionel Messi konnte keineswegs die Rede sein – weder Pepe noch ein anderer Real-Spieler kümmerte sich übermäßig um den Weltfußballer. Mit Sicherheit eine richtige Entscheidung von Mourinho, genügte es doch vollkommen Xavi, Iniesta und Dani Alves zu neutralisieren, womit Messi mehr oder weniger isoliert war und zeitweise extrem tief spielen musste.

Bei den Gästen ergab sich so über weite Strecken unfreiwillig eine Art Mittelfeld-Raute, mit Pedro und Villa, eigentlichen Flügelstürmern, davor. Wie man sich vorstellen und auch gut anhand der folgenden Graphik erkennen kann, fehlte Barca so einfach der Platz und natürlich auch eine echte Anspielstation in ihrem Angriffsdrittel.

die Starformationen (4-5-1 gg. 4-3-1-2)

die Starformationen (4-5-1 gg. 4-3-1-2)

Vor allem Xavi und Iniesta hatten große Schwierigkeiten, ihr gewohntes Netz an Pässen auszutauschen, was dem Spielfluss Barcas sichtlich schadete. Zeit und Raum ließ Real eigentlich nur Sergio Busquets, der so durchaus das Spiel dominieren hätte können; aus Mangel an Anspielstationen musste er jedoch meist den Kurzpass zu Xavi wählen.

Als Barcas effektivstes Offensivmittel stellten sich im Laufe der ersten Halbzeit lange Bälle auf Messi, Villa oder Pedro, unmittelbar hinter die Madrid-Abwehr, heraus. Mourinho wählte für sein Team abermals eine relativ hohe Verteidigungslinie, was einerseits den Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr sehr gering hielt, allerdings auch Gefahr bot, von einem Tempowechsel der Katalanen überrascht zu werden – erst scheiterte Messi zwar noch mit einem Heber an Casillas, es sollten aber noch weitere Gelegenheiten aus solchen Situationen folgen…

Ein weiterer Grund für die fehlende Durchschlagskraft bei Barcelona war sicherlich auch der gebremste Offensivdrang von Rechtsverteidiger Alves; verursacht durch a) den unheimlich diszipliniert verteidigenden di Maria und b) die Unnotwendigkeit für Barcelona, in diesem Spiel volles Risiko einzugehen.

Bei Real hieß unterdessen die einzige Möglichkeit für Gefahr zu sorgen Cristiano Ronaldo: Der 26-Jährige Portugiese erwischte einen ausgesprochen guten Abend, spielte mannschaftsdienlich, konnte allein auf weiter Flur aber nur bedingt echte Torchancen herausspielen.

Alles in allem war die erste Spielhälfte deshalb eine eher enttäuschende, wobei das Tempo meist sehr hoch und die alternative Real-Formation bei Ballbesitz des Gegners durchaus interessant war:

alternative Real-Formation (derStandard.at/sport)

alternative Real-Formation (derStandard.at/sport)

Zu sehen war diese in der ersten Hälfte meist dann, wenn Ronaldo im Spielzug zuvor seine Position verlassen hatte.

Real vorbereitet…

Die zweite Spielhälfte begann Real ein wenig druckvoller und abermals mit einem in Topform befindlichen Cristiano Ronaldo, der mit einem Freistoß den er zuvor selbst herausgeholt hatte Aluminium traf.

Wenige Minuten später bereitet auf der anderen Seite ein an und für sich recht harmloser Pass von Pique Albiol derartig Schwierigkeiten, dass sich dieser gegen den wesentlich agileren David Villa nur mit einem Foulspiel zu helfen weiß. Den fälligen Strafstoß verwandelt Lionel Messi zur Führung für sein Team, zudem wurde Albiol (fälschlicherweise in meinen Augen, nie und nimmer hatte Villa den Ball unter Kontrolle) wegen Torraubes vom Platz gestellt.

Glücklicherweise hatte Mourinho, wie er bereits am Donnerstag der Presse mitteilte, seine Mannschaft das Spielen in Unterzahl trainieren lassen. Somit war man auf diese Ausnahmesituation den Umständen entsprechend gut vorbereitet. In weiterer Folge tauschte Mourinho nacheinander Özil für Benzema, Arbeloa für di Maria und Emanuel Adebayor anstelle des weitestgehend wirkungslosen Xavi Alonso, wobei die letzten beiden Wechsel jeweils in der 66. Spielminute von Statten gingen.

… und mit dem Ausgleich belohnt

Von da an spielte Real mit Sergio Ramos in der Innenverteidigung, Arbeloa rechts hinten, Pepe & Khedira praktisch allein gelassen im Mittelfeld und Ronaldo, Adebayor sowie Özil im Angriff. Real ging also reichlich Risiko ein. Risiko, dass gegen ein Barcelona in bester Verfassung sicherlich in weiteren Gegentreffern gemündet hätte, an diesem Abend jedoch ohne Folgen blieb.

Im Gegenteil, Torgelegenheiten hatte eigentlich nur noch Real, wovon eine ein Elfmeter war, den Cristiano Ronaldo zum Endstand von 1:1 nutzte.

Fazit

Einen Clasico, der verdientermaßen keinen Sieger hatte und der vor allem Lust auf die folgenden drei macht, durften wir mit ansehen. Wem mit dem Ausgang des Spiels mehr geholfen ist? Schwer zu sagen. In Sachen Meisterschaft ist diese mittlerweile klar zugunsten des FC Barcelona entschieden, auch ein Real-Sieg hätte daran wohl nichts geändert, also sind die Auswirkungen des Spiels hauptsächlich psychologische: Mourinho hat nun die Spieler und insbesondere die taktischen Mitteln, Barcelona Paroli zu bieten, in mindestens einem der drei kommenden Aufeinandertreffen ist also zwingend mit den Madrilenen zu rechnen.

Favorit bleibt dennoch die Mannschaft von Pep Guardiola, die zweifelsohne die beste der Gegenwart ist und in Topform nur von den allerwenigsten besiegt werden kann. Aber wem, wenn nicht einem Jose Mourinho/Cristiano Ronaldo sollte es gelingen auch dieses Team fertig zu machen…

Eine interessante Randnotiz übrigens noch zur Darbietung des ehemaligen Weltfußballers: Mit exakt 9 zurückgelegten Kilometern stellte er auch in dieser Hinsicht Lionel Messi (7,9 km) deutlich in den Schatten. Ein weiteres Anzeichen dafür, wie viel mannschaftsdienlicher er in seiner Zeit unter dem ‘Special One’ geworden ist.

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