[ANALYSE] Constantini beseitigt Irrtümer und untermauert den Rest

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Constantini wird vielerlei vorgeworfen – Stamm habe er keinen, System erst recht nicht. Außerdem sei die Mannschaft zu jung und seine Startaufstellung nahezu jedes Mal blöd. Spätestens seit dem Heimsieg über Azerbaijan weiß man, welche Vorwürfe nun stimmen und welche nicht. Der dseitlhuber – sportblog analysiert die gestrige Partie und geht der Frage nach, ob das Nationalteam unter Dietmar Constantini Zukunft hat.

Nach den Kasachen, bekam man es auch in der zweiten Runde der EM-Quali mit Halbprofis zu tun. Sechs Punkte aus den ersten beiden Partien warn die Vorgabe von oben, Constantini fuhr sie mit Bauchweh ein. Gegen Azerbaijan präsentierte man sich wesentlich besser als gegen Kasachstan, was aber nichts an der tristen Situation unseres Nationalteams ändert.

Macho begann in Österreichs Tor, Schiemer bekam den Vorzug gegenüber Aleks Dragovic, Arnautovic stand in der Startelf und Roland Linz gab, wie schon gegen Kasachstan, den 10er. Den angeschlagenen Marc Janko ersetzte Stefan Maierhofer. In Addition mit den restlichen sieben Feldspielern ergab dies jenes 4-2-3-1, welches Constantini bereits gegen Kasachstan und die Schweiz spielen hat lassen (Stichwort: Stamm).

Azerbaijans Aufstellung wurde uns als 4-1-4-1 verkauft, glich in Ballbesitz aber mehr einem 4-2-3-1, da Mammadov immer wieder in eine tiefe Rolle schlüpfte.

 

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

 

Die österreichische Doppelsechs bildeten diesmal Paul Scharner und Zlatko Junuzovic. Scharner spielte das, was der Engländer einen “Box to Box”-Player nennt: Einen, der immerwährend von 16er zu 16er läuft. Auch bei WestBrom spielt er diese Rolle, entsprechend gut kam er mit ihr zurecht. Junuzovic behielt seine Position meist bei und versuchte, möglichst viele Ballkontakte zu sammeln. Warum ihm dies nicht gelang? Österreich hatte große Probleme, den Ball aus der Abwehrreihe heraus den 6ern zuzuspielen, einfach weil sich diese nicht zurückfallen haben lassen. Im modernen Fußball ist es üblich, dass man dies tut, selbst Azerbaijan war so klug. Einzig Constantini scheint nichts davon zu halten. Junuzovic hätte aus einer tieferen Rolle heraus das Spiel gestalten können, doch man ließ ihn stattdessen weiter vorn herumirren und passte den Ball lieber den überforderten Außenverteidigern zu.

Auch in seiner zweiten Partie als zentral offensiver Mittelfeldspieler erging es Linz nicht gut – wenig gute Pässe spielte er, keinen Druck übte er auf den ballführenden 6er aus und Torgefahr schon gar nicht. Wesentlich besser tat es Stefan Maierhofer, der sich gut/viel bewegte und rein fußballerisch deutlich besser auftrat, als bei seinen letzten Einsätzen. Außerdem lieferte er quasi die Vorlage zu Junuzovics Eckstoß, welchen wiederum Prödl zum frühen 1:0 nützte.

Das befürchte Geduldsspiel blieb also aus, doch anstatt vor Selbstbewusstsein zu strotzen und entsprechend zu spielen, ließ sich Österreich tatsächlich in der eigenen Spielhälfte festnageln – Grund waren hauptsächlich Ballverluste von Harnik und Linz sowie allgemeine Mängel im Spielaufbau. Die Drangperiode der Gäste dauerte gut 15 Minuten, danach hatte die Cosntantini-Elf das Spiel wieder unter Kontrolle. Von Pressing war jedoch weiterhin keine Spur – stattdessen gab man sich damit zufrieden, die Räume eng zu machen und die Führung zu verwalten. Zugegebenermaßen gelang Vor- und Letzteres recht gut, was ein wenig Hoffnung für Dienstag gibt, gegen einen Gegner wie Azerbaijan hätte es aber mehr Mut zum Risiko gebraucht.

Nach einer guten halben Stunde tauschten Harnik und Arnautovic Seiten – auf eigenen Entschluss hin, wie Constantini später zugeben sollte. Jedenfalls tat die Rochade dem österreichischen Spiel insofern gut, als Arnautovic auf Links endlich ins Spiel fand. Andererseits war nun die rechte Seite ziemlich verwahrlost, was angesichts der Harnik’schen Leistung allerdings auch nicht weiter schlimm gewesen ist.

Was taten eigentlich die Außenverteidger? Fuchs agierte erwartungsgemäß offensiver als Klein und bot Arnautovic somit eine Anspielstation, die Harnik auf dem rechten Flügel nicht hatte.
Dass die österreichische Vierer- bei Ballbesitz zur Dreierkette wird, hat der dseitlhuber – sportblog bereits nach dem Länderspiel gegen die Schweiz erwähnt, nun haben es auch die Kollegen von Ballverliebt.eu erkannt. So stand in deren Analyse nämlich:

Problematisch erwies sich an Fuchs’ Spielweise allerdings, dass die Abwehr in vielen Situation de facto als Dreierkette agieren und reagieren musste, wenn der umtriebige Kapitän sich wieder weiter vorne aufhielt.

geschrieben. Illustriert hat man das Ganze mit einer sehr anschaulichen Graphik – zumindest in Österreichs Online-Sportmedien ist also ein Aufwärtstrend erkennbar.

Um noch einmal auf Linz in seiner Rolle als Spielmacher zurückzukommen: Nirgendwo – ich betone nirgendwo – sonst würde ein Teamchef aus einem derartig breit gefächerten Spektrum an Spielmachern einen Strafraumstürmer als 10er einsetzen, Constantini tat es sogar zweimal. Wer Arnautovic (meiner Meinung nach spielt er nirgends besser als hinter den Spitzen), Junuzovic oder ja, auch Andi Ivanschitz zur Verfügung stehen hat, sollte von ihnen Gebrauch machen.

Überhaupt neigt unser Teamchef dazu, Spieler auf Positionen einzusetzen, die ihnen nicht liegen. Nicht weniger als drei Akteure (Linz, Harnik, Junuzovic) waren es allein gestern.

Zweite Hälfte
Einer katastrophalen ersten Halbzeit folgte eine bessere zweite, nicht zuletzt Arnautovics Treffer entschädigten für vieles: Das 2:0 war eine von wenigen Kurzpasskombinationen, das 3:0 eine simple Zur-Schau-Stellung von Arnautovics Können: Der Laufweg, der Schupfer – göttlich!

Doch auch ansonsten gelang der ÖFB-Auswahl weit mehr als in Hälfte Eins, wobei ein Zusammenhang zwischen Systemumstellung/Spielerwechseln und Leistung keineswegs ausgeschlossen werden kann: Kavlak ersetzte den schwachen Harnik, Hoffer kam für Linz. Jimmy gab jedoch keinen 10er, sondern eine zweite Spitze. Da außerdem Junuzovic mehr Freiheiten zugestanden bekam, kann man getrost von einem 4-1-3-2 sprechen. In dieser Phase spielte die Constantini-Elf ihren besten Fußball, doch mit der Einwechslung von Baumgartlinger und der damit verbundenen Systemumstellung war auch dieser Elan dahin.

Dass man die Gäste auch in der Schlussphase zu keiner ernsthaften Torgelegenheit kommen hat lassen, muss zwar erwähnt werden, was ich hiermit auch tue, ist aber ohnehin Grundvoraussetzung, will man gegen Belgien oder gar Deutschland ein Leiberl haben.

Zusammenfassend
Eine wenig unterhaltsame Partie gegen einen desolaten Gegner, die immerhin ein zufriedenstellendes Endresultat mit sich brachte. Constantinis hat zum einen haarsträubende Fehler gemacht und desweiteren nicht gegnergemäß, sprich: offensiv, spielen lassen. Die Begegnung offenbarte wenig Neues, trennte jedoch Wahres von Unwahrem: Ja, Dietmar Constantini hat wenig Ahnung von Taktik und Ordnung. Ja, unser Teamchef ist lernunfähig und stellt Spieler auf, wo sie nichts verloren haben. Nein, die Mannschaft ist nicht (zu) jung. Und schließlich die wichtigste aller Fragen:

Wird sich das spielerische Element jemals bessern, solange er das Amt des Teamchefs inne hat? Nein.

Einzelkritik

Macho: Einmal hielt er gut, ansonsten gab es nichts zu halten

Klein: Kann noch immer nichts dafür, dass er im Nationalteams nichts verloren hat…
Prödl: Einige Male ungeschickt, dafür mit einer hervorragenden Zweikampfbilanz

Schiemer:
Wer meint, er habe in der IV nichts verloren, kann ihn nicht spielen gesehen haben
Fuchs:
Ab und an sorgten seine Vorstöße für Gefahr, doch selbst wenn nicht sorgten sie immerhin für einen Hauch von spielerischer Linie

Scharner: Box-to-Box mag man, oder eben nicht… Wenn man es mag, kann man mit Fug und Recht von einer guten Leistung sprechen
Junuzovic: Viel zu wenig Ballkontakte, als dass er dem Spiel eine Wendung hätte geben können

Arnautovic: In Halbzeit Eins noch biederer Durchschnitt, nach dem Seitenwechsel bester Mann auf dem Platz
Linz: Kanns nichts dafür, dass er außerhalb des Strafraums nichts verloren hat…
Harnik:
Ein Freund seiner Spielweise werd ich nie werden. Meiner Meinung nach gibt er generell zu viele Bälle verloren, gestern erwischte er obendrein einen schlechten Tag

Maierhofer: Kämpferisch wie gewohnt, am Ball ungewohnt stark – seine mutmaßlich beste Leistung im Teamdress

Kavlak: Allein seine Vorlage zum 3:0 rechtfertigte seine Einwechslung
Hoffer: Viel Wirbel um nichts
Baumgartlinger: Kann nichts dafür, dass er zu kurz eingesetzt wurde

[ANALYSE] Die sterbende #10 und der Spielmacher des 21. Jahrhunderts

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Im nachfolgenden Blog-Eintrag beschäftigt sich der dseitlhuber – sportblog mit dem Fußball als Großes und Ganzes. Er stellt nicht nur fest, sondern hinterfragt und begründet das Sterben des klassischen Spielmachers.

Diego Maradona, Michelle Platini, Manuel Rui Costa und Zinedine Zidane eint nicht vieles, aber in Sachen Spielstil sind sie einander ähnlich wie Denilson und Christoph Leitgeb. Die fünf angeführten Weltklasse-Kicker sind Spielmacher, teils aus verschiedenen Epochen stammend, aber was zählt: Sie sind Spielmacher. Der angeschnittene Denilson oder der ebenfalls erwähnte Leitgeb sind dagegen alles andere als Spielmacher im eigentlichen Sinn. Und dennoch lösen sie die Spielmacher gewissermaßen ab.

Warum?
Zur Frage nach dem “Warum” tummeln sich verschiedenste Theorien im WWW, eine einleuchtender als die andere. Ob nun abgewandelte 4-5-1/4-3-3-Systeme an der globalen Entwicklung – also der Entwicklung weg vom 10er – Schuld tragen, oder nicht doch der defensive Aspekt des modernen Fußballs einen Freigeist im Zentrum schlicht unmöglich macht, lässt sich nicht wirklich beantworten. Faktum ist einfach: Die Spielmacher sterben nach und nach aus. Oder, man zwingt sie einfach, ihren ursprünglichen Lebensraum zu verlassen.

Geriet man früher bei Zidane oder Figo ins Schwärmen, sind es heute Messis oder Christiano Ronaldos, die die Augenpaare der Öffentlichkeit förmlich anzuziehen scheinen. Gerade Lionel Messi könnte locker in die Rolle des Spielmachers schlüpfen (tat es unter Maradona ja sogar), tut es in Barcelona aber aus gutem Grund nicht: Man würde ihn mit einer Doppel- oder gar Tripple-Sechs doppeln oder gar trippeln und ziemlich leicht aus dem Spiel nehmen können. Davon abgesehen, kommt die eigentliche Spielmacher-Position im zentral offensiven Mittelfeld in den „modernen“ (ich mag dieses Wort überhaupt nicht, benutze es aber der Einfachheit halber) Systemen gar nicht erst vor.

Der Überdrüberspieler muss sich folglich anderweitig aufhalten: Als “falsche 9” oder als Flügelspieler, manche entwickeln sich aber auch kurzerhand zu “Spielmachern” des 21. Jahrhunderts – dazu später mehr.

Es folgt eine Liste prominenter Spieler, die eigentlich zum Spielmacher geboren sind, von ihren Trainern aber anderswo eingesetzt werden/werden werden/wurden:

  • “falsche 9” oder hängende Spitze: Wayne Rooney (ManUdt), Andrei Arshavin (Arsenal), Kaka (damals bei Milan), Francesco Totti (AS Rom), Zoltan Gera (Fulham), Steven Gerrard (vermutlich unter Roy Hodgson bei Liverpool)
  • Flügelspieler: Lionel Messi (Barcelona), Ronaldinho (damals bei Barcelona), Samir Nasri (Arsenal), Thomas Rosicky (Arsenal), Ryan Giggs (ManUdt), Toni Kroos (Leverkusen), Alexandr Hleb (Stuttgart), Rafael van der Vaart (Nationalteam Niederlande), Yossi Shai Benayoun (Liverpool), Vladimir Weiss (ManCity, Nationalteam Slowakei), Claudio Marchisio (Juventus), Joaquin (Valencia), Andreas Ivanschitz (Mainz05), Michael Liendl (Austria), Milenko Acimovic (Austria), Steffen Hofmann (Rapid)
  • “Spielmacher” des 21. Jahrhunderts: Denilson (Arsenal), David Pizarro (AS Rom), Luka Modric (Tottenham), Christoph Leitgeb (Salzburg)

Die Liste ist bei weitem nicht vollständig, sondern beinhaltet nur einige wenige Spieler, die mir auf die Schnelle eingefallen sind.

Dass selbst eine unvöllständige Auflistung 27 umfunktionierte 10er anführt, zeigt, von welcher Größenordnung ich hier schreibe. Die Fußballwelt produziert mehr 10er denn je, teilt diesen aber andere, “modernere” Rollen zu. “Richtige”, herkömmliche Spielgestalter werden dennoch nicht gänzlich von der Bildfläche verschwinden – durch das aufkommende 4-2-3-1 und das wiedererstarkte 4-1-2-1-2 fördern immer mehr Teams immer mehr Spielmacher. Man nehme das 4-2-3-1-Team Lyon (Yoann Gourcuff), die Bremen Mannschaft von 2008 (Diego als Spielmacher im Schaaf’schen 4-2-3-1) und nicht zuletzt den Vfl Wolfsburg, der in der Saison 2008/09 mit Spielmacher Misimovic und 4-4-2-Raute Meister wurde.

Es handelt sich also mal wieder um eine Frage der Spielweise. Sicher ist aber, dass man heutzutage auch als 10er flexibel sein muss – der letzte verbliebene statische Spielmacher aus einer europäischen Top-Liga ist in Person von Juan Roman Riquelme bereits vor einigen Jahren abgelöst worden.

“Spielmacher” des 21. Jahrhunderts
Chelsea London hat ihn. Auch Manchester United hat ihn. Selbst Arsenal London hat ihn. Die Rede ist vom “Spielmacher” der kommenden Jahre. Ancelotti hat ihn in John Obi Mikel gefunden, United vertraute lange Zeit Michael Carrick und Wenger meint über seinen “Spielmacher”:

Wenn Fabregas, Nasri und Denilson bis zu ihrem 24. Lebensjahr für Arsenal spielen, dominieren wir Europa.

Komischerweise sieht die Fußballfachwelt und sogar die eigene Fanlandschaft die Dinge genau andersrum: Alan Hansen, Fußballexperte auf der Insel, fragt sich zusammen mit etlichen Blues-Fans: “What does John Obi Mikel do?”
Ebenso unglücklich sind Arsenal-Anhänger mit Denilson und ManU-Fanatiker mit Carrick.

Doch genau diese Art Fußballspieler wird von wirklichen Fachmännern als Zukunft des modernen Fußballs gesehen. Weder sind Mikel, Denilson und Carrick außerordentlich zweikampfstark, noch spielen sie den tödlichen Pass. Also: What do they do? Sie bewegen sich gut und viel, sind fleißige, bewegliche Akteure, meist in einer tiefen Mittelfeldrolle (siehe Graphik) angesiedelt und lenken von dort aus den Spielaufbau. Ihre Aufgabe ist meist klar strukturiert: Sich freilaufen, Ball empfangen, Ball abspielen, sich freilaufen, Ball empfangen, Ball abspielen, …

Arsenals Aufstellung

Arsenals mögliche Top-XI 2010/11 --- Denilson als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff

Wer glaubt, dass Spieler wie Denilson oder Carrick nur 08/15-Kicker sind, die auf den Spielverlauf nur indirekt Einfluss nehmen, irrt gewaltig – beispielsweise hatte Claude Makelele, ein Pionier dieser Roller, 2002 erheblichen Anteil am Champions League-Triumph der Madrilenen. Die beeindruckendste Vorstellung eines zentral defensiven Mittelfeldspielers der neuen Generation erbrachte jedoch zweifelsohne Denilson beim CL-Viertelfinal-Hinspiel seiner Gunners gegen Barcelona.Dem 22-Jährigen wurde ursprünglich Abou Diaby (ein ähnlicher Spielertyp, nur etwas offensiver) vorgezogen, nach der Verletzung von William Gallas (44.) musste Wenger jedoch reagieren – und tat dies, indem er Song in die Gallas-Position des Innenverteidigers schlüpfen ließ und eben diesen Denilson als Song-Vertretung im zentral defensiven Mittelfeld einwechselte. Dieser spielte, so man der “Guardian”-Statistik glauben darf, in 46 Einsatzminuten wiederum mehr angekommene Pässe, als jeder seiner Mitspieler über 90 Minuten hinweg. Welch großen Anteil er an der sensationellen Aufholjagd Arsenals hatte, verdeutlicht das eingefügte Video.

Denilson gegen WestHam

20.3.2010, Arsenal gg WestHam - Denilson bringt von 73 Pässen 73 zum Mitspieler, Liga-Rekord! (c) Guardian.co.uk

Ein anderer, ebenfalls häufig unterschätzter, Spieler dieser Art ist Manchesters Michael Carrick. Carrick ist technisch weniger gut ausgebildet als Denilson, diesem in Sachen Zweikampfverhalten dafür um Welten überlegen. Man sieht also: Der Spielmacher des 21. Jahrhunderts exisitiert definitiv, einen Prototypen des modernen zentralen Mittelfeldspielers gibt es allerdings nicht – einige kommen mit wenigen Ballkontakten aus, andere nicht; einige können nicht Tackeln, andere schon; und so weiter und so fort.

Beitrag stammt vom: 8. August – 14:46 Uhr

[WM2010] Erklärung und Erwartung

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Wie die Spanier Deutschland den Garaus machten, was dies für das heutige Endspiel bedeutet und wie das WM-Finale ablaufen wird

Bevor ich mich der alles entscheidenen Partie zwischen den Niederlanden und Spanien widme, sei ein kurzer Schwenk in die Vergangenheit gestattet:

Erklärung
Kaum einer findet hierzu- und in Nachbarslande eine Erklärung, weshalb die in der Vorrunde so mutigen, fast spanisch spielenden Deutschen gegen eben diese Spanier so dermaßen in die Defensive gedrängt wurden. Mangelnde Erfahrung und übermäßig großer Respekt, vielleicht sogar Angst, werden als Gründe für die drückende Überlegenheit der Iberer gehandelt. Was sicher der Wahrheit entsprechen mag – gegen den amtierenden Europameister spielt es sich nun mal nicht so locker flockig wie in Achtel- und Viertelfinals gegen taktisch desolate Gegner –, aber im Grunde genommen sicher nur ein kleiner Puzzleteil des Ganzen war. Vielmehr machten einfach die individuelle Klasse des spanischen Mittelfelds sowie die Vorzüge der spanischen Spielweise den Unterschied.

Hatte die Loew-Auswahl gegen England und Argentinien (insbesondere Argentinien) das Glück, im zentralen Mittelfeld ständig eine 3-gegen-2- oder sogar 4-gegen-2-Situation vorzufinden. Del Bosques System ist hingegen so konzipiert, dass sich die Weltstars rund um den Mittelkreis förmlich auf den Schuhen stehen: Zu den nominellen Zentrumsspielern (Sergio Busquets, Xabi Alonso, Xavi Hernandez) gesellt sich mit dem häufig nach innen ziehenden Andres Iniesta noch ein weiterer Ausnahmekönner (siehe Grafik weiter unten). Zudem zieht sich die einzige Spitze, David Villa, oft 15, 20 Meter zurück um seiner Mannschaft noch mehr Dominanz im Mittelfeld zu ermöglichen.

Deutschland fand sich folgedessen immer wieder in Unterzahl wieder – abgesehen davon, dass Jungspunde wie Sami Khedira oder Mesut Özil sicherlich noch einige Jahre brauchen werden, um gegen Iniesta, Xavi & Co. bestehen zu können.

Die Deutschen waren im Mittelfeld also restlos überfordert und eigentlich die gesamte Spielzeit über den berühmten Schritt hinterher. Die Spanier zogen ihr berüchtigtes Kurzpassspiel auf und drückten die deutsche Viererkette, welche normalerweise sehr “hoch” agiert, immer weiter in den eigenen Strafraum. Die beliebteste Waffe unseres Lieblingsnachbars, das Konterspiel nämlich, war somit auch mehr oder minder abgemeldet – selbst Klose musste hinten aushelfen, schnelle Gegenstöße erstickten mangels Anspielstationen im Keim.

In Wahrheit hatten die Deutschen dennoch die Möglichkeit, den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen, das Spiel zu gewinnen. Faktisch fanden die Spanier nämlich kaum Tormöglichkeiten vor, bis zum 16er kombinierte man prächtig, danach fehlte aber ein Brecher der Marke Torres. Ebenso ungefährlich waren natürlich auch die Angriffsbemühungen der deutschen Nationalmannschaft, wobei ein platzierter Vollspannschuss Toni Kroos’ das Spiel vermutlich in eine völlig andere Richtung hätte laufen lassen. Jedenfalls ist es müßig über das Was-wäre-Wenn zu debattieren, viel spannender ist es schließlich, Schlüsse aus diesem Spiel zu ziehen und diese auf das heutige Finale zu übertragen.

Die Startelf Spaniens (?)

Die Startelf Spaniens (?)

Erwartung
Das heutige Aufeinandertreffen zwischen der Elftal und der Seleccion verspricht auf den ersten Blick ein eher einseitiges Spiel mit zahlreichen Torszenen und dem Weltmeister Spanien zu werden. Komischerweise gerät man bei näherer Betrachtung bezüglich all dieser Thesen ins Grübeln, gut möglich, dass keine der drei Erwartungen auch so eintrifft. Mit Sicherheit ist Spanien der Favorit, mit Sicherheit ist Spanien die bessere Mannschaft, aber wer wenn nicht die Niederlande könnte dem Tiqui-Taca ein Ende bereiten.

Was ich erwarte ist ein beinharter Kampf im mittleren Drittel des Spielfeldes, der in gegenseitigem Neutralisieren endet. In punkto Ballbesitz werden die Spanier die dominierende Mannschaft sein, ob man daraus Kapital schlagen kann, ist allerdings die wiederum andere Frage. Die Niederländer werden versuchen, die Stärken von Dirk Kuyt in die Waagschale zu werfen – sprich: den Liverpool-Akteur die linke Seite auf und ab laufen lassen, was letztendlich zu einem Problem für Barcelonas Pedro Rodriguez werden könnte.

Startaufstellung der Niederlande (?)

Startaufstellung der Niederlande (?)

Insofern wird Dirk Kuyt definitiv ein wichtiger Faktor für den Spielausgang werden. Erst durch die Hereinnahme von Pedro Rodriguez bekam die rechte Angriffsseite der Spanier ein Gesicht, erst durch ihn war Sergio Ramos nicht länger überfordert. Gelingt es den Niederländern, Rodriguez hinten zu binden, könnte dies der Spielfreude des Gegners hinderlich sein. Weiters wird interessant zu beobachten sein, ob es dem arbeitswilligen van Persie zusammen mit Wesley Sneijder gelingt, Sergio Busquets im Spielaufbau zu stören. In Wahrheit ist dieser der Ruhepol des spanischen Spielaufbaus und entsprechend wichtig für sein Team.

Die möglichen 11en übereinander gelegt

Die möglichen 11en übereinander gelegt

Das Duell schlechthin werden sich dennoch Capdevila und Robben liefern. Setzt der Bayern-Dribblanski seine ansteigende Leistungskurve fort, wird er den spanischen Linksverteidiger vor eine Bewährungsprobe der besonderen Sorte stellen – mal sehen, ob er ihr gewachsen sein wird. Ebenso wichtig für die Oranje ist zweifelsohne Wesley Sneijder, der sich aber bei Busquets und Xabi Alonso in guten Händen befinden dürfte.

Im Kreise der spanischen Anhängerschaft definiert man die Furia Roja in letzter Zeit fast ausschließlich über David Villa. Legitim, wie ich finde – Villa spielt ein ausgezeichnetes Turnier. Dass er in der Rolle des Mittelstürmers (seine Tore in diesem Turnier erzielte er vorwiegend als linker Mittelfeldspieler, Anm.) genauso zur Geltung kommen wird, wie in den Spielen zuvor, zweifle ich trotz allem an. Vielmehr sehe ich das Kollektiv als die Waffe der Spanier – bei all den angeführten Mann-gegen-Mann-Duellen darf man nicht vergessen, dass das heutige Finale hauptsächlich durch eine kompakte Mannschaftsleistung gewonnen werden wird. Und die Spanier sind zweifellos die kompakteste Mannschaft der Gegenwart.

Zu erwartende Taktik
Von den Spaniern erwarte ich gewohnt hervorragendes Pressing, numerische Überlegenheit im Mittelfeld sowie permanente Seitenwechsel von Pedro Rodriguez und Andres Iniesta, welche im niederländischen Defensivverbund für zusätzliche Schwierigkeiten sorgen sollen. Xavi Hernandez hat sich mit der Zeit besser in seine Rolle im zentral offensiven Mittelfeld eingefunden, kommt dort aber weiterhin nicht so gut zur Geltung wie er es kommen könnte. Dies, und der Umstand, dass man mit David Villa einen sehr kleinen, körperlich eher schmächtigen Mittelstürmer hat, könnte bei entsprechender Leistung der Niederlande zu Problemen im spanischen Spielaufbau führen.

Nicht weniger Unstimmigkeiten wird es bei der Marwijk-Elf zu bewundern geben. Bereits in der Vorrunde präsentierte man sich zwar als guter Chancenverwerter aber als schlechter Chancenfabrikant, also ist nicht anzunehmen, dass dies gerade gegen das überragende spanische Mittelfeld anders sein wird. Die Trümpfe der Orangefarbenen sind für meine Begriffe Dirk Kuyt, Wesley Sneijder, natürlich Arjen Robben und ja, auch Mark van Bommel – gerade gegen Gegner wie die Spanier einer sind, braucht man Spielertypen wie ihn.

Ansonsten werden die Niederländer auf ihre Chancen warten, sich auf ihre verhältnismäßig gute Abwehr verlassen und über die zweifelsohne vorhandenen Qualitäten eines Robbens oder Sneijders ins Spiel kommen versuchen.

Zusammengefasst
Die Fußballfans erwartet ein qualitativ hochwertiges, aber möglicherweise tor- und chancenarmes Finale – wie es 4-2-3-1-gegen-4-2-3-1-Begegnungen einfach an sich haben. Die Spanier werden, so ich nicht völlig falsch liege, das Spiel dominieren, in den entscheidenden Situationen jedoch immer wieder an der niederländischen Viererkette (+ Doppelsechs davor) scheitern. Der Elftal wird ihr blitzschnelles Umschalten von Defensive auf Offensive entgegen kommen, was die Spanier wiederum vor stürmischen Angriffen warnt. Wie das WM-Finale endet, weiß weder Mensch, noch Tier, noch Wissenschaft – einzig der liebe Fußballgott. Doch was Ich weiß: Wir werden einen würdigen Weltmeister bekommen.

Beitrag stammt vom: 11. Juli 2010 – 19:13 Uhr

[ANALYSE] Unantastbarkeit, die vor Wünschen bewahrt

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Constantini reist wunsch- und vermutlich konzeptlos nach Warschau, will sich dort überraschen lassen. Eine Qualifkation für die EM ist für ihn ein Wunsch, ein Traum, aber „unrealistisch“

Wenn am Sonntag Platini zur Auslosung für die EM2012 in Polen und der Ukraine lädt, wird auch Constantini dabei sein. Nicht ungebeten, aber wunschlos. Was er tun könne, hätte er bereits getan, aus Quali-Topf Drei gezogen zu werden, erleichtere die Qualifikation – „Auch wenn’s unrealistisch ist“.
Die Auslosung könnte eine Teilnahme möglicher machen, unterliege aber höheren Gewalten. Daher wolle er sich nichts wünschen.
Wenn sich manch einer schon eine Wunsch-Gruppe zurecht legt, gefiele ihm das („Schön wenn sich die Leute dafür interessieren.“), selbst beteiligen wolle er sich deswegen aber noch lange nicht an Spekulationen.

Wir, der Traum eines jeden Anderen
Österreich hat also keine Wunschgruppe, das erleichtert, da es somit auch kein Horror-Los gibt. Ein solches wäre Österreich für andere gewiss nicht. „So realistisch muss man sein, aus Topf3 wünscht sich jeder uns“, gab Constantini zu Protokoll. Und wenn er von einem Uns spricht, meint er freilich die österreichische Nationalmannschaft. Diese Länderauswahl, die sich in seiner Ära vom fünften, dem letzten, in den dritten Topf vorgearbeitet hat. Als „zweifelsohne ein gutes Zeichen“ interpretierte der Teamchef das.
Zugegeben sei nicht alles rosig, was rot-weiß-rot glänze. „Fehler habe ich gemacht, Fehler haben wir gemacht“, gab er zu.

Andreas Ivanschitz, fast auf Lebzeiten Nationalspieler, spielt unter dem Tiroler keine Rolle mehr, mit Sturheit hätte dies aber nichts zu tun. Wünscht man am Ende der Qualifkation ein positives Resümee, welches zweifellos nur die erste selbstständig erworbene Teilnahme in Österreichs Fußballgeschichte wäre, ziehen wird man aber einen Ivanschitz gebrauchen. Auch wenn dieser zuletzt Schwierigkeiten hatte, an die Leistungen der Hinrunde anzuknüpfen, benötigt ein Land wie Österreich die spielerischen Qualitäten des Mainzers. Insbesondere das Auswärtsspiel gegen die Rumänen dürfte dies eigentlich bewiesen haben, eine Doppel-Sechs verhindert Tore, hüben wie drüben.
Der Teamchef selbst hielt sich vorerst bedeckt, wolle sich da bis zum 3. März (Bekanntgabe des Kaders gegen die Dänen, Anm.) Zeit gewähren.

Relativ fixe Exklusivität
Ziemlich wahrscheinlich, dass Österreich als wohl einziges europäisches Team auf Außenverteidiger verzichten wird, selbst auf den Färöern kennt und schätzt man die. Das 1:5 gegen die Spanier hätte aber bewiesen, dass Österreich sich solche nicht leisten könne. Außerdem, so meint der Teamchef, gibt es bei uns, und wieder meint er Österreich, Spieler die von offensiven Außenverteidigern sprächen, in ungemein vielen Länderspielen aber nicht eine Vorlage beigesteuert hätten. Constantini: „Leicht abzuschätzen, welche Variante daher die richtige Variante ist!“
Sonderbar, da Constantini zuweilen auf große Stürmer vertraut, es kann durchaus vorkommen, dass mal ein Janko, mal ein Maierhofer und mal Beide in Einem stürmen. Solche Spielertypen fordern gefüttert zu werden, seitwärts wenn möglich. Freilich besitzt Österreich Spieler die das können, Jakob Jantscher von links ist da ebenso gut wie Andreas Hölzl von rechts. Von internationaler Klasse, von außerordentlichem Durchsetzungsvermögen, kann bei Beiden aber keine Rede sein. Deswegen täte ihnen Unterstützung von Hinten mehr als gut, ob Emanuel Pogatetz (Middlesbrough, zweitklassig) oder Paul Scharner (im Verein mal Innenverteidiger, mal Abräumer, mal Spielgestalter, bei Didi seit Spanien äußerster Innenverteidiger) dazu imstande sind, darf man bei allem Respekt aber anzweifeln.

Trotz aller offensichtlichen menschlichen Unzulänglichkeiten, trotz teilweise unnachvollziehbarer Personalentscheidungen, muss man Constantini allerdings zugestehen, dass er zumindest kurzfristig für Erfolg und mittelfristig für einen Stamm gesorgt habe. Kurzfristiger Erfolg meint zum Beispiel vier Punkte gegen (zugegeben taumelnde) Rumänen. Langfristige Verbesserung ist, fehlendem Konzept sei Dank, nicht wirklich absehbar, aber das ist Lesen im Kaffeesud und unzulänglich. Viel greifbarer sind da die Jünger, die der Teamchef um sich gesammelt hat. Alle die er nicht für seinen Weg erlesen hatte wurden teilweise übelst demontiert (Ivanschitz, Manninger, Garics, …), so konnte er aber mit jenen an denen ihm etwas liegt, verhältnismäßig befreit arbeiten.

Hypothetisches
Welche Gegner und welches Konzept der dseitlhuber – sportblog dem österreichischen Nationalteam wünscht:

Topf1: England
Topf2: Griechenland
Topf3: ÖSTERREICH
Topf4: Zypern
Topf5: Kasachstan
Topf6: Malta

ÖSTERREICH gg England
Aus Topf1 wünsche ich unserem Nationalteam England. Die Engländer sind zwar Ranking und Namen zufolge nach ein übermächtiger Gegner, konnten zuletzt aber nie an alte Tage anknüpfen. Engländer wären für uns garantiert leichter zu bespielen als etwa Kroaten, die flink und überraschend sind. Außerdem wäre Constantinis ‚Taktik‘ für die Insulaner geeignet, man könnte sich einen Punkt ermauern.

ÖSTERREICH gg Griechenland
Otto Rehagel mag ein guter Trainer sein, hat jedoch mit Spielerischem wenig am Hut. Sein revolutionäres 3-5-2 brachte den Griechen die Europameisterschaft, heute kennt das jeder, kaum einer fällt noch darauf rein – Griechenland ist nicht mehr fähig, schwächere Gegner zu dominieren, der Name verspricht von den Südeuropäern zu viel. Sollte Österreich die Griechen bekommen, wäre ich für einen Sturm mit Roman Wallner und Marc Janko. Im defensiven Mittelfeld könnten Baumgartlinger und Pehlivan den schnellen Griechen entgegenwirken, die Außenverteidiger (!) müssten Druck erzeugen und Janko füttern, Wallner betreibt Laufarbeit und lässt sich oft bis ins Mittelfeld zurückfallen.

ÖSTERREICH gg Zypern
Topf4 Viers namentlich einfachster und wohl auch leichtest zu bespielender Vertreter ist Zypern. Janko und Arnautovic könnten im Sturm für Größe sorgen, letzterer ist außerdem technisch beschlagen und relativ schnell zu Fuß. Spätestens jetzt bräuchte man einen Andreas Ivanschitz oder zumindest einen Christoph Leitgeb, eine spielerische Kraft im Zentrum. Moderne Außenverteidiger wären natürlich unverzichtbar.

ÖSTERREICH gg Kasachstan
Kasachstan wäre leicht, aber nicht zu leicht. Um beurteilen zu können, welches Spielsystem die Kasachen erfordern, müsste ich sie besser kennen, tue dies aber nicht.

ÖSTERREICH gg Malta
Aus Topf6 gibt es beinahe nur schwierige Los, zumindest wenn wir bis dahin noch immer Constantini auf der Bank sitzen haben. Man bräuchte Mut zum Risiko, müsste sich von 6ern und etlichen anderen Vorstellungen trennen. Ein Spiel gegen Gegner wie diese ohne einen Mittelfeld-Motor zu gewinnen, ist ohne einen Patzen Glück kaum möglich.

Morgen wird ausgelost. Didi schaut zu, freut sich drauf. Immerhin will er sich qualifzieren. „Auch wenn’s unrealistisch ist!“

Artikel stammt vom: 6. Februar 2010 – 14:10 Uhr

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