[ANALYSE] Das Zünglein hieß Carlos Alberto Tevez

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Am Wochenende trafen einander Manchester City und Chelsea, also zwei Anwärter auf den Premier League-Titel. Am Ende hatte der Gastgeber als spielerisch unterlegene Mannschaft die Nase vorn – der folgende Blog-Eintrag befasst sich mit den Umständen, die dazu führten.

Roberto Mancini, ob des Umgangs mit seinen Spielern mittlerweile in Verruf geraten, bot im großen und ganzen jene Spieler auf, die bereits in den Runden zuvor sein Vertrauen genossen hatten. Den einzigen weniger geläufigen Namen in Citys Startelf stellte Dedryck Boyata dar – der 19-Jährige war bereits gegen RedBull Salzburg 22 Minuten lang im Einsatz und durfte nun ausgerechnet im Duell mit dem Tabellenführer von Beginn an. Boyata übernahm die Position des Rechtsverteidigers, weshalb Rechtsfuß Zabaleta diesmal den linken Flügel bekleidete. Die Dreifach-Sechs im zentralen Mittelfeld blieb wie gehabt, im linken offensiven Mittelfeld bekam James Milner den Vorzug gegenüber Michael Johnson.

Mancinis Gegenüber, Carlo Ancelotti, sah sich ebenso wenig zu Änderungen veranlasst – Ramires ersetzte den angeschlagenen Frank Lampard, ansonsten glich die Startformation jener aus den vergangenen Spieltagen.

Die Startformationen

Die Startformationen

Wenn 4-3-3 4-3-3/4-5-1 trifft, führt dies für gewöhnlich zu torarmen Begegnungen – so auch in diesem Spiel, wie sich herausstellen sollte. Faktisch hatten beide Teams sehr ähnliche Probleme: Sie bekamen zu wenige Spieler vor den Ball (oder auch nur in die Nähe des Selbigen) und machten nicht von ihren Außenverteidigern Gebrauch, dazu später mehr.

Nahezu 90 Minuten lang neutralisierten die zentralen Mittelfeldspieler beider Mannschaften einander. Bei Ballbesitz des Gegners hatte jeder einen unmittelbaren Gegenspieler (Paare bildeten: Barry und Essien, Ramires und de Jong, sowie Obi Mikel und Yaya Toure), keiner der Sechs hatte den Freiraum, den es gebraucht hätte, damit er das Spiel an sich reißen hätte können. Hinzu kam der Umstand, dass Ramires (offensivster Mann im Chelsea-Mittelfeld) und Yaya Toure (agierte Sonntags teilweise wie ein ZOM, einst war er Barcelonas 6er) ihrer jeweiligen Rolle überhaupt nicht gewachsen waren und entsprechend schwach spielten. Chelsea umgeht dieses Problem normalerweise durch Frank Lampard, nur war und ist dieser verletzt. City hat hingegen Spiel um Spiel das gleiche Problem, der torgefährliche Mittelfeldspieler fehlt.

Während Malouda, Anelka und Silva bei Ballbesitz der eigenen wie auch der gegnerischen Mannschaften sehr zentral agierten, lief James Milner die linke Linie entlang – dies jedoch ohne Erfolg, ein echter Flügelspieler war er meiner Meinung nach noch nie. Malouda zog durch sein Nachinnenziehen Boyata mit sich, Ashley Cole hätte viel Platz vor sich gehabt, weigerte sich jedoch konsequent, diesen zu nützen. Cole hielt, ebenso wie Ivanovic auf der Gegenseite, das Spiel lediglich bereit, anstatt für ernsthafte Torgefahr zu sorgen. Wieso er dies tat? Vermutlich aus Angst vor schnellen Gegenstößen.

Chelsea kontrollierte die Begegnung und begnügte sich mit Ballbesitz sowie dutzenden Standardsituationen – eine solche hätte sogar beinahe  zum Führungstreffer geführt (Ivanovic traf nur Aluminium, Anm). Ansonsten blieben Chancen Mangelware, beide Defensivabteilungen leisteten gute Arbeit. An dieser Stelle seien die groben Unterschiede in punkto Abwehrarbeit hervorgehoben: ManCity stand relativ tief, verteidigte kompakt und mit elf Mann, Chelsea betrieb ab dem Mittelkreis Pressing, Drogba war von Defensivaufgaben freigesprochen und die Viererkette verteidigte deutlich höher – wie auch immer, beide Varianten führten zum Erfolg.

Zweite Halbzeit
Den siegbringenden Treffer erzielte City ausgerechnet nach einem Eckstoß des Gegners: Nach einem Ballgewinn/-verlust von James Milner/Ramires stehen Obi Mikel, Terry und Cole Silva und Tevez gegenüber, wobei letzterer das Leder führt. Silva zieht Mikel und Terry auf sich, Tevez gewinnt das Laufduell gegen Cole und vollendet mit einem präzisen Schuss ins lange Eck.

Chelsea gelingt in weiterer Folge sehr wenig, man fand sich offensichtlich mit der eigenen Unfähigkeit, Torchancen herauszuspielen, ab. Gegen Ende tauschte Carlo Ancelotti Zhirkov (spielte eine Art BackUp für Cole, der daraufhin endlich zu Sturmläufen ansetzte), McEachran (17-jährig) und Sturridge ein, für letzteren verließ Drogba das Feld. Kein Wunder, zumal er 80 Minuten lang farblos geblieben war und in der zweiten Hälfte nur einen einzigen (!) Pass zum Mitspieler brachte. Man könnte meinen, City habe Drogba an sich manngedeckt, doch war dies keineswegs der Fall. Die Citiziens nahmen schlicht die Passgeber des Ivorers aus dem Spiel und damit auch den Stürmer selbst. Doch anstatt sich die Bälle anderweitig zu verschaffen, beharrte Drogba auf seiner eher statischen Spielweise, ganz im Gegensatz zu seinem City-Pendant, Carlos Alberto Tevez  – die Auswechslung ging somit in Ordnung.

Dennoch sollte es Chelseas Ansprüchen nicht genügen, in Rückstand liegend auf Spieler wie McEachran oder Sturridge bauen zu müssen, Verletzungssorgen hin oder her. Freilich möge man der Jugend eine Chance geben, angewiesen sein sollte man auf sie jedoch nicht.

Zusammenfassend
ManCity ist am Ende glücklicher aber beileibe nicht unverdienter Sieger. In einem Spitzenspiel wie diesem zu unterliegen mag Chelsea schmerzen, allerdings besteht keinerlei Grund zur Sorge, da die Gründe leicht ausgemacht sind: Drogba erwischte einen pechschwarzen Tag, mit Lampard fehlte der letzte verbliebene Kreative und den Außenverteidigern die Durchschlagskraft. All dies sahen wir im Laufe der Saison bereits wesentlich besser, dieses eine Spiel ist also einzig und allein als solches zu bewerten.

[ANALYSE] Von ballverteilenden Vollblutstürmern und wirkungslosen 6ern

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Österreichs Nationalmannschaft gewann gegen Kasachstan und verdiente sich dadurch drei Punkte. Dem glücklichen 2:0-Sieg war jedoch eine katastrophale Vorstellung der Constantini-Elf vorausgegangen, welche hauptsächlich auf den Teamchef selbst zurückzuführen ist. Der dseitlhuber – sportblog gibt die gestrigen Ereignisse schonungslos wieder und zeigt auf, warum Constantinis minimalistische Taktik zum Scheitern verurteilt ist:

Dietmar Constantini – richtig, jener Teamchef, dem die Massen bei seinem Amtsantritt förmlich zu Füßen lagen – wäre, so sagt er selbst, möglicherweise nicht länger Teamchef, hätte Linz nicht ins Tor getroffen. Tatsächlich wäre dies eine Erlösung für Fußball-Österreich gewesen, weshalb der 2:0-Sieg in meinem Fußball-Herzen wie eine 0:7-Niederlage schmerzt. Doch Linz hat getroffen, infolgedessen ist das Zustandekommen des Ergebnisses egal – diesbezüglich sind Polzer, Prohaska und Constantini einander im Grunde genommen einig. Dass es nicht egal ist, weiß jeder unbefangene Beobachter normalen Intelligenzgrades. Soweit meine Meinung, nun zum Spielverlauf:

Im österreichischen Tor stand, wie versprochen, Jürgen Macho, die Viererkette davo bildeten Ekrem Dag, Sebastian Prödl, Emanuel Pogatetz und Christian Fuchs, allesamt Legionäre. Im Mittelfeld bewies Constantini insofern Mut, als er Veli Kavlak ins zentral defensive Mittelfeld beorderte – zuletzt hatte Kavlak diese Rolle bei der U20-WM in Kanada ausgefüllt – und Roland Linz, gemeinhin als lauffaul und technisch limitiert verschrien, als ZOM/hängende Spitze aufbot. Im rechten Mittelfeld kam Martin Harnik zum Zug (Constantini zwei Tage vor Spielbeginn: “Harnik ist meiner Meinung nach im Sturm am besten aufgehoben.”), die Mittelstürmer-Position hatte erwartungsgemäß Teamkapitän Janko inne.

Linz’ Rolle war meiner Meinung nach nicht klar definierbar, insofern auch nicht das System der Österreicher – ich tendiere dazu, Roland Linz (!) als Ballverteiler im zentral offensiven Mittelfeld und folglich ein 4-2-3-1 zu sehen.

Dietmars Startformation

Dietmars Startformation

Erste Halbzeit
Österreich begann einigermaßen gut, fand nach Geschenken der Kasachen und einfach strukturiertem Flügelspiel sogar Torchancen vor. Nach 15 Minuten des Anfangselans – man verfolgte offensichtlich die Taktik, ein schnelles Tor zu erzielen – fand jedoch der graue Alltag und somit auch die spielerischen Unzulänglichkeiten Einzug. Was vor allem auffiel: Anstatt die beiden 6er mit Bällen zu füttern, verwickelten die Außenverteidiger Jantscher beziehungsweise Harnik in 1-gegen-2-Duelle. Und das, obwohl mit Kavlak ein echter Kreativspieler in der Doppelsechs stand. Schiemer berührte in 90 Minuten gefühlt neun Mal das Leder, Kavlak einige Male öfters, aber keinesfalls oft genug, um ins Spiel zu finden.

Dass Constantini den Rapidler im Zentrum aufstellte, empfand ich als guten Schachzug, schließlich bringt Kavlak praktisch alle Fertigkeiten für einen guten 6er mit. Nur hätte man seine Stärken besser zur Geltung bringen können, indem man ihn und nicht die Flügelspieler zum Motor der Offensivbemühungen macht. Wie gesagt: Eine ursprünglich gute Idee des Teamchefs, einzig die Ausführung war eine Katastrophe in sich.

Die Spielminuten 15-45 offenbarten eine desolate österreichische Mannschaft, welche nicht einmal ansatzweise in der Lage war, die Kasachen auch nur wenige Minuten in deren Abwehrdrittel zu fesseln. Stattdessen ergab man sich seinem Schicksal, streute immer mehr hohe Bälle ein, anstatt den Gegner, wie angedacht, mit Seitenwechseln in die Enge zu treiben.

Zweite Hälfte
Österreich kam unverändert aus der Kabine – unverändert auch insofern, als man weiterhin auf Pressing verzichtete. Kasachstan wechselte derweilen, wobei der Tausch rein personeller Natur war und nichts am 4-4-1-1 des Weltranglisten-Hundertfünfundzwanzigsten (zum Vergleich: Brückner wurde nach einem sehr, sehr unglücklich zustande gekommenen 1:1 beim 118. entlassen). Der Siegeswille war weiterhin ersichtlich, man kombinierte allerdings ebenso planlos weiter wie in Halbzeit Eins. Allmählich verlor selbst der Anhang die Geduld, was bei der Auswechslung Marc Jankos (für ihn kam Maierhofer, Anm.) in einem gellenden Pfeifkonzert gipfelte und die Spieler jeglicher Form von positiver Körpersprache beraubte. Es folgte Steinzeitfußball, sinnlos in den Strafraum gedroschene Bälle und, fast noch schlimmer, beinahe der Führungstreffer für Kasachstan. Vom Wiederanpfiff bis zur 89. Minute kam Österreich zu keiner einzigen herausgespielten Tormöglichkeit, bis letztendlich doch noch zwei Tore fielen.

Constantinis Aussage – “Wenn man gewinnt, hat man alles richtig gemacht!” – ist dermaßen irrig, dass sie keines Kommentars bedarf und deshalb auch keinen bekommt.

Zusammenfassend
Die Kasachen waren unseren Kickern fußballerisch um Klassen unterlegen, igelten sich in keinster Weise ein, verteilten hinten Geschenke und spielten ihre Konterchance halbherzig aus – einen angenehmeren Gegner kann man nicht bekommen. Dennoch kam der Heimsieg letztlich durch ein Haufen des Glücks, und nicht etwa des Verstandes zustande. Freilich: Man vergab zu Spielbeginn einige Hochkaräter und zugegebenermaßen erwischten einige Stammspieler (namentlich: Janko, Jantscher, Dag) einen äußerst schlechten Tag. Die Unleistung selbst muss sich nichts desto trotz der Teamchef selbst ankreiden lassen. Gründe hierfür gibt es allerlei, Hauptursache für den stotternden Spielverlauf ist jedoch zweifelsohne Constantinis absurde Vorstellung von einer Doppelsechs.

Dieser stellte am Tag danach übrigens ein Comeback von Roland Linz im ZOM in den Raum, der Tiroler will eine “gute Leistung vom Roli” gesehen haben. Dass er meiner Wahrnehmung nach einer der Schlechteren war und mit seiner Rolle hinten und vorne nicht fertig wurde, mag meinetwegen an mir liegen.

Beitrag stammt vom: 8. September 2010 – 18:39 Uhr

[ANALYSE] Constantini at his best

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Der dseitlhuber – sportblog analysiert das freundschaftliche Länderspiel zwischen Österreichs A- und der schweizerischen B-Auswahl

18 000 Zuseher – einer davon war, man könnte sagen ‘unglücklicherweise’, ich – pilgerten in die Klagenfurter Hypo Group-Arena, um dort zu hoffen, dass sich bessert, was sich unter einem Teamchef Dietmar Constantini nicht mehr bessern wird: Der Spielaufbau des ÖFB-Teams, oder grob gesagt: das Auftreten selbigens.

Das Ergebnis täuscht über eine katastrophale Leistung hinweg, gegen in Bestbesetzung und mit vollem Einsatz auftretende Schweizer hätte man sich keineswegs mit einer, letztendlich fast unglücklich zustande gekommenen, knappen Niederlage aus der Affäre ziehen können. Dennoch – und darauf lege ich im Laufe des Blog-Eintrags explizit Wert, einfach weil gerne Gegenteiliges behauptet wird – hatte Constantini einen Plan und folglich auch eine Taktik.

So sah die Grundformation aus:

Österreich gegen Schweiz

Österreichs Startformation gegen die Schweiz

Constantinis Taktik und warum diese scheiterte
Ich habe es bereits angesprochen, Constantini hatte eine Taktik – die Graphik veranschaulicht dies zusätzlich. Der sture Tiroler mit Schilehrer-Vergangenheit verzichtete auf einen Stürmer neben Jimmy Hoffer und bot stattdessen erstmals in seiner nunmehr 17-monatigen Teamchef-Ära ein 4-2-3-1 auf. Bei Ballbesitz des Gegners wurde dieses allerdings zu einem 4-4-2 , welches den Gegner in dessen Spielaufbau stören sollte und das auch einigermaßen tat – dieses Muster hat sich Constantini vermutlich vom Nachbar abgeschaut, Mesut Özil erfüllte für Deutschland genau jene Rolle, die vorgestern auch Zlatko Junuzovic zugeteilt war.

Das 4-2-3-1 mit Deutschland-Touch war jedenfalls insofern eine gute Wahl, als unser Gegenüber in seinem traditionellen 4-2-2-2/4-4-1-1-System auftrat und Österreich, von der Papierform her, leichtes Übergewicht im Mittelfeld hatte. Dass es sich hierbei nicht um Zufall, sondern tatsächlich eine Überlegung Constantinis handelte, zeigt sich auch am folgenden taktischen Muster: Praktisch jedes Mal wenn der Ball in den österreichischen Reihen zirkulierte, wurde einer der beiden Außenverteidiger (in 98% der Fälle war es Christian Fuchs) zum sechsten Mittelfeldspieler und die 4er- zur 3er-Kette. Folglich hatte Dag bei schnellen Gegenstößen der Schweizer zwei Positionen, nämlich jene des Innen- und die des Außenverteidigers, zu erfüllen, was ihm sichtlich Probleme bereitete und den Schweizern zu zwei Großchancen verhalf.

Wirklich verloren hat Österreich die Partie jedoch anderswo: Im zentral defensiven Mittelfeld. Zum einen konnte ich trotz intensivster Beobachtung von genau dieser Zone in der österreichischen Doppelsechs nicht mal ansatzweise eine Form der Arbeitsteilung ausmachen. War nun Schiemer der offensivere, oder doch Baumgartlinger? Ich tendiere eher zu Baumi, wissen tu ich es aber nicht.
Weiters passte der Abstand von Abräumer A zu Abräumer B nichtmal ansatzweise, wobei ich mir in diesem Fall nicht sicher bin, ob Schiemer/Baumgartlinger schlicht überfordert waren, oder ihr Fehlverhalten einer absurden Idee des Teamchefs entsprang.

Schließlich und endlich der wesentlichste Verhau: Das Umschalten (beziehungsweise Nicht-Umschalten) von Offensive auf Defensive, welches in einem 4-2-3-1 noch wichtiger ist, als in vielen anderen Systemen. Baumgartlinger bekam offensichtlich die “Busquets-Rolle” (Vorbild ist nämlich Spanien) zugeteilt, was so viel wie “Ball annehmen, passen, freilaufen, Ball annehmen, passen, freilaufen, Ball annehmen, …” bedeutet (Sinn = 0, nachdem man den geregelten Spielaufbau bereits nach 30 Minuten eingestellt hatte). Ein Schiemer – natürlich wäre jeder Badekicker für diese Rolle besser geeignet als Schiemer, aber Constantini will es nunmal so – als Xabi Alonso für Arme wäre für den Spielverlauf ein Segen gewesen, dass er nahtlos an seine Zerstörer-Funktion bei RB Salzburg anknüpfte, ist andererseits konsequent, weil die perfekte Abrundung einer perfekten Vergewaltigung des Prinzips ‘Doppelsechs’. Gebracht hat die Doppelsechs also nur eines: das altbekannte „Österreicherloch“.

Dass Erwin Hoffer und nicht ein etwas größerer Spieler die Solo-Spitze gab, sehe ich übrigens, im Gegensatz zu manch anderem, nicht als Fehler des Teamchefs. Solange er Bälle für sich und sich in Zweikämpfen behauptet – was er meiner Meinung nach durchaus getan hat –, ist er in meinen Augen auch ohne Riesen an seiner Seite zu gebrauchen.

Zusammenfassend
Wer sagt, Constantini hätte seinen Spielern keine Taktik mit auf den Weg gegeben, lügt, oder verfügt einfach über eine mäßige Beobachtungsgabe. Seine Strategie war schlichtweg a) oberflächlich… und deshalb b) um nichts besser als keine Taktik. Alleine, dass DC Schiemer offensichtlich aufgetragen hat, sich bei jedem Abschlag ins ZOM zu begeben, nur damit er dort Kopfballduelle gewinnt, demonstriert die Naivität unseres Teamchefs auf eindrucksvolle Art und Weise, weshalb er sich nachfolgenden Sager im Grunde genommen sparen hätte können:

Das Konzept schaut so aus: Jeder soll sich bewegen und jeder soll einen einfachen Pass spielen. Dann kommen wir nach vorne zum Tor und machen den Treffer. Das wäre mein Konzept. Da kommt aber etwas dazwischen: Der Gegner zerstört mir dieses Konzept. Bei jeder Vereinsmannschaft ist es dasselbe. Unser Konzept ist so ausgelegt, dass wir so spielen wie Spanien. Das wäre ideal. Aber das geht nicht, weil wir nicht so gut sind wie Spanien.

Um meinen Blog-Eintrag auf den Punkt zu bringen: Eine Taktik hatten wir sehrwohl, der Teamchef dürfte aber einfach nicht in der Lage sein, eine in sich stimmige zusammenzustellen. Heißt: Unter Dietmar Constantini wird Österreich höchstwahrscheinlich keine besseren Spiele mehr erbringen. Das Unternehmen ‚WM-Quali‘ ist somit vorbei, ehe es begonnen hat – ein fähiger ÖFB-Präsident würde aus dieser Perspektive seine Schlüsse ziehen und das einzig richtige tun

Einzelkritik:

Gratzei: Im ersten Durchgang hielt er einige Male die Null fest, nach Seitenwechsel nicht mehr ernsthaft geprüft

Dag: Mitunter einer der Schlechtesten, was aber eher auf Constantini zurückzuführen ist
Prödl:
Hölzern wie eh und je, aber allemal zweikampfstark und deshalb eine Bereicherung
Pogatetz:
In der Innenverteidigung Fels in der Brandung, im gegnerischen 16er gefährlichster Österreicher
Fuchs:
Hätte er sich beim Elfer zurückgehalten und jemand anders schießen lassen, könnte man von einer guten Leistung sprechen

Schiemer: Lieferte im Rahmen seiner Möglichkeiten eine solide Vorstellung ab
Baumgartlinger:
Gefiel mir phasenweise ganz gut, machte sich/uns mit einigen Abspielfehlern allerdings auch vieles zunichte

Wolf: Kann nichts dafür, dass er nichts im Nationalteam zu suchen hat
Junuzovic:
Anfangs noch okay, danach zusehends untergetaucht
Jantscher:
Hat schon bessere Tage gesehen, wobei einige Hereingaben dennoch brauchbar waren

Hoffer: Ihm wurde bereits ein Absatz gewidmet

Klein: Kann genauso viel dafür wie Patrick Wolf
Korkmaz:
Technisch macht ihm weder Freund noch Feind was vor, andererseits ist seine Effizienz weiterhin unter jeder Kritik
Harnik:
Holte das 11er-Geschenk heraus und war auch ansonsten bemüht, sein fehlender Torinstinkt brachte ihn jedoch oft um die Früchte seiner Arbeit

Beitrag stammt vom: 13. August 2010 – 18:26 Uhr

[ANALYSE] Die sterbende #10 und der Spielmacher des 21. Jahrhunderts

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Im nachfolgenden Blog-Eintrag beschäftigt sich der dseitlhuber – sportblog mit dem Fußball als Großes und Ganzes. Er stellt nicht nur fest, sondern hinterfragt und begründet das Sterben des klassischen Spielmachers.

Diego Maradona, Michelle Platini, Manuel Rui Costa und Zinedine Zidane eint nicht vieles, aber in Sachen Spielstil sind sie einander ähnlich wie Denilson und Christoph Leitgeb. Die fünf angeführten Weltklasse-Kicker sind Spielmacher, teils aus verschiedenen Epochen stammend, aber was zählt: Sie sind Spielmacher. Der angeschnittene Denilson oder der ebenfalls erwähnte Leitgeb sind dagegen alles andere als Spielmacher im eigentlichen Sinn. Und dennoch lösen sie die Spielmacher gewissermaßen ab.

Warum?
Zur Frage nach dem “Warum” tummeln sich verschiedenste Theorien im WWW, eine einleuchtender als die andere. Ob nun abgewandelte 4-5-1/4-3-3-Systeme an der globalen Entwicklung – also der Entwicklung weg vom 10er – Schuld tragen, oder nicht doch der defensive Aspekt des modernen Fußballs einen Freigeist im Zentrum schlicht unmöglich macht, lässt sich nicht wirklich beantworten. Faktum ist einfach: Die Spielmacher sterben nach und nach aus. Oder, man zwingt sie einfach, ihren ursprünglichen Lebensraum zu verlassen.

Geriet man früher bei Zidane oder Figo ins Schwärmen, sind es heute Messis oder Christiano Ronaldos, die die Augenpaare der Öffentlichkeit förmlich anzuziehen scheinen. Gerade Lionel Messi könnte locker in die Rolle des Spielmachers schlüpfen (tat es unter Maradona ja sogar), tut es in Barcelona aber aus gutem Grund nicht: Man würde ihn mit einer Doppel- oder gar Tripple-Sechs doppeln oder gar trippeln und ziemlich leicht aus dem Spiel nehmen können. Davon abgesehen, kommt die eigentliche Spielmacher-Position im zentral offensiven Mittelfeld in den „modernen“ (ich mag dieses Wort überhaupt nicht, benutze es aber der Einfachheit halber) Systemen gar nicht erst vor.

Der Überdrüberspieler muss sich folglich anderweitig aufhalten: Als “falsche 9” oder als Flügelspieler, manche entwickeln sich aber auch kurzerhand zu “Spielmachern” des 21. Jahrhunderts – dazu später mehr.

Es folgt eine Liste prominenter Spieler, die eigentlich zum Spielmacher geboren sind, von ihren Trainern aber anderswo eingesetzt werden/werden werden/wurden:

  • “falsche 9” oder hängende Spitze: Wayne Rooney (ManUdt), Andrei Arshavin (Arsenal), Kaka (damals bei Milan), Francesco Totti (AS Rom), Zoltan Gera (Fulham), Steven Gerrard (vermutlich unter Roy Hodgson bei Liverpool)
  • Flügelspieler: Lionel Messi (Barcelona), Ronaldinho (damals bei Barcelona), Samir Nasri (Arsenal), Thomas Rosicky (Arsenal), Ryan Giggs (ManUdt), Toni Kroos (Leverkusen), Alexandr Hleb (Stuttgart), Rafael van der Vaart (Nationalteam Niederlande), Yossi Shai Benayoun (Liverpool), Vladimir Weiss (ManCity, Nationalteam Slowakei), Claudio Marchisio (Juventus), Joaquin (Valencia), Andreas Ivanschitz (Mainz05), Michael Liendl (Austria), Milenko Acimovic (Austria), Steffen Hofmann (Rapid)
  • “Spielmacher” des 21. Jahrhunderts: Denilson (Arsenal), David Pizarro (AS Rom), Luka Modric (Tottenham), Christoph Leitgeb (Salzburg)

Die Liste ist bei weitem nicht vollständig, sondern beinhaltet nur einige wenige Spieler, die mir auf die Schnelle eingefallen sind.

Dass selbst eine unvöllständige Auflistung 27 umfunktionierte 10er anführt, zeigt, von welcher Größenordnung ich hier schreibe. Die Fußballwelt produziert mehr 10er denn je, teilt diesen aber andere, “modernere” Rollen zu. “Richtige”, herkömmliche Spielgestalter werden dennoch nicht gänzlich von der Bildfläche verschwinden – durch das aufkommende 4-2-3-1 und das wiedererstarkte 4-1-2-1-2 fördern immer mehr Teams immer mehr Spielmacher. Man nehme das 4-2-3-1-Team Lyon (Yoann Gourcuff), die Bremen Mannschaft von 2008 (Diego als Spielmacher im Schaaf’schen 4-2-3-1) und nicht zuletzt den Vfl Wolfsburg, der in der Saison 2008/09 mit Spielmacher Misimovic und 4-4-2-Raute Meister wurde.

Es handelt sich also mal wieder um eine Frage der Spielweise. Sicher ist aber, dass man heutzutage auch als 10er flexibel sein muss – der letzte verbliebene statische Spielmacher aus einer europäischen Top-Liga ist in Person von Juan Roman Riquelme bereits vor einigen Jahren abgelöst worden.

“Spielmacher” des 21. Jahrhunderts
Chelsea London hat ihn. Auch Manchester United hat ihn. Selbst Arsenal London hat ihn. Die Rede ist vom “Spielmacher” der kommenden Jahre. Ancelotti hat ihn in John Obi Mikel gefunden, United vertraute lange Zeit Michael Carrick und Wenger meint über seinen “Spielmacher”:

Wenn Fabregas, Nasri und Denilson bis zu ihrem 24. Lebensjahr für Arsenal spielen, dominieren wir Europa.

Komischerweise sieht die Fußballfachwelt und sogar die eigene Fanlandschaft die Dinge genau andersrum: Alan Hansen, Fußballexperte auf der Insel, fragt sich zusammen mit etlichen Blues-Fans: “What does John Obi Mikel do?”
Ebenso unglücklich sind Arsenal-Anhänger mit Denilson und ManU-Fanatiker mit Carrick.

Doch genau diese Art Fußballspieler wird von wirklichen Fachmännern als Zukunft des modernen Fußballs gesehen. Weder sind Mikel, Denilson und Carrick außerordentlich zweikampfstark, noch spielen sie den tödlichen Pass. Also: What do they do? Sie bewegen sich gut und viel, sind fleißige, bewegliche Akteure, meist in einer tiefen Mittelfeldrolle (siehe Graphik) angesiedelt und lenken von dort aus den Spielaufbau. Ihre Aufgabe ist meist klar strukturiert: Sich freilaufen, Ball empfangen, Ball abspielen, sich freilaufen, Ball empfangen, Ball abspielen, …

Arsenals Aufstellung

Arsenals mögliche Top-XI 2010/11 --- Denilson als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff

Wer glaubt, dass Spieler wie Denilson oder Carrick nur 08/15-Kicker sind, die auf den Spielverlauf nur indirekt Einfluss nehmen, irrt gewaltig – beispielsweise hatte Claude Makelele, ein Pionier dieser Roller, 2002 erheblichen Anteil am Champions League-Triumph der Madrilenen. Die beeindruckendste Vorstellung eines zentral defensiven Mittelfeldspielers der neuen Generation erbrachte jedoch zweifelsohne Denilson beim CL-Viertelfinal-Hinspiel seiner Gunners gegen Barcelona.Dem 22-Jährigen wurde ursprünglich Abou Diaby (ein ähnlicher Spielertyp, nur etwas offensiver) vorgezogen, nach der Verletzung von William Gallas (44.) musste Wenger jedoch reagieren – und tat dies, indem er Song in die Gallas-Position des Innenverteidigers schlüpfen ließ und eben diesen Denilson als Song-Vertretung im zentral defensiven Mittelfeld einwechselte. Dieser spielte, so man der “Guardian”-Statistik glauben darf, in 46 Einsatzminuten wiederum mehr angekommene Pässe, als jeder seiner Mitspieler über 90 Minuten hinweg. Welch großen Anteil er an der sensationellen Aufholjagd Arsenals hatte, verdeutlicht das eingefügte Video.

Denilson gegen WestHam

20.3.2010, Arsenal gg WestHam - Denilson bringt von 73 Pässen 73 zum Mitspieler, Liga-Rekord! (c) Guardian.co.uk

Ein anderer, ebenfalls häufig unterschätzter, Spieler dieser Art ist Manchesters Michael Carrick. Carrick ist technisch weniger gut ausgebildet als Denilson, diesem in Sachen Zweikampfverhalten dafür um Welten überlegen. Man sieht also: Der Spielmacher des 21. Jahrhunderts exisitiert definitiv, einen Prototypen des modernen zentralen Mittelfeldspielers gibt es allerdings nicht – einige kommen mit wenigen Ballkontakten aus, andere nicht; einige können nicht Tackeln, andere schon; und so weiter und so fort.

Beitrag stammt vom: 8. August – 14:46 Uhr

Aus der Fansicht: Wie Stevens Salzburg zur Niederlage taktierte

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Der folgende Blog-Eintrag wurde ursprünglich für Rasenfussball.at, ein Portal für RedBull Salzburg-Fans, verfasst – die subjektive Sichtweise sollte mir daher verziehen sein 😉

Schlafende Riesen weckt man nicht. Salzburg hat es trotzdem getan – und bekam in der 93. von 93 Spielminuten vom Fußballgott persönlich die Quittung präsentiert. Gewissermaßen kann man auch von einem Denkzettel für Huub Stevens sprechen: Lernunwilligkeit, möglicherweise Lernunfähigkeit, sind Tugenden, die eines Meistertrainers nicht würdig sind. Rasenfussball.at arbeitet ein brisantes Spitzenspiel von vorne bis hinten auf:

Startformation
Stevens schickte gegen einen taumelden, weil von zwei Saisonniederlagen angeschlagenen, Vize-Bundesliga-Rekordmeister die selben elf Spieler, wie schon gegen Omonia Nikosia auf den heiligen Rasen. Dass Wallner als Solo-Spitze nur foulen, schwalben und abseitsstehen würde, war allemal zu erahnen, für den 56-Jährigen aber kein Grund, Änderungen vorzunehmen. Vermutlich des Rhythmus’ wegen.

Wie die folgende Graphik zeigt, teilte Stevens Leitgeb und Mendes da Silva Rollen zu, für die weder der eine, noch der andere wirklich geschaffen ist. Leitgeb liebt es, aus einer tiefen Mittelfeldposition heraus die Bälle zu verteilen, Kontrolle über den Ball zu haben und das Spiel geschickt zu verlagern – Stevens stellte ihn als zentralen/zentral offensiven Mittelfeldspieler auf. Mendes da Silva liebt es, aus der 6er-Position heraus Bälle in Empfang zu nehmen, möglichst rasch weiterzugeben, egal ob kurz oder lang – Stevens stellte ihn neben Christoph Leitgeb auf.

Aufstellung gegen Rapid

Startformation gegen Rapid Wien

Spielverlauf
Indem er neuerlich ein 4-2-2-2 aufbot, erwies sich Pacult zwar als ebenso engstirnig wie Stevens, die einfallslose Schaltzentrale der Salzburger (Schiemer, Mendes da Silva, Leitgeb) vertuschte den Systemfehler in Rapids Spielweise jedoch einwandfrei. Die übermäßig passive Art zu verteidigen, die häufigen Abspielfehler im Spielaufbau, das fehlende Durchsetzungsvermögen im Angriff – all das spielte den Hütteldorfern direkt in die Hände. Vor allem in den ersten 30 Minuten wussten die Grün-Weißen Kapital daraus zu schlagen, die Pacult-Elf war bissig und gewohnt dynamisch, zog ihr gefürchtetes Flügelspiel auf und brachte das Sturmduo Salihi/Jelavic immer wieder in Schussposition.
Wie man dies verhindert, haben Schöttel und dessen MAGNA Wiener Neustadt bewiesen – man forme ein kreatives Mittelfeld (Stanislaw, Grünwald, Wolf, Simkovic) und mache sich drei Hilfsmittel zunutz: Pressing, Pressing, Pressing.
Die Doppelsechs von Rapid bekommt Bauchschmerzen, sobald sie auch nur ansatzweise Druck verspürt. Dadurch bleibt den Flügelspielern nichts anderes übrig, als in der Luft zu hängen. Von den beiden Stürmern ganz zu schweigen. Leider hat RedBull Salzburg stur seinen Stiefel runtergespielt, ohne Rücksicht auf Spielweise und Form des Gegners.

Die Rapidler spielten hingegen genau das, was sie in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht hat: Unkomplizierter Spielaufbau, ambitioniertes Flügelspiel. Und, nicht zu vernachlässigen: Die Stürmer Jelavic und Salihi waren flexibel wie in besten Zeiten, wichen immer wieder auf die Seite aus, um Verwirrung in der Salzburger Abwehr zu stiften.

Einen detaillierten Spielverlauf erspare ich den Lesern an dieser Stelle, die Partie dürfte eh so ziemlich jeder verfolgt haben – und wer nicht, kann ja in einem der dutzenden APA-Spielberichte nachlesen. Vielmehr interessiert mich das “Warum” der Niederlage. Also: Warum?

Fehler im System
Vorweg: Ein “Darum” gibt es nicht. Es sind eher Puzzleteile, die ineinandergesteckt eine 1:2-Niederlage ergeben. Ein Puzzleteile – und wahrlich kein kleiner – ist die Rolle von Christoph Leitgeb. Der gebürtige Steirer hat Huub Stevens in Wahrheit viel zu verdanken. Erst Stevens gab ihm den Feinschliff, der aus dem ewigen Flügelflitzer das machte, was er eigentlich ist –
ein zentraler Mittelfeldspieler der neuen Generation. Am ehesten ist er in meinen Augen mit Arsenals Denilson vergleichbar, einem ebenfalls oft unterschätzten Akteur. Leitgeb ist ein Mann für die Drecksarbeit, ein Mann für das, was der gemeine Zuseher oft nicht wahrnimmt. Er passt den Ball dorthin, wo er hinmuss, und “trägt” ihn gegebenenfalls dorthin, wo er nicht hingepasst werden kann. So jemand ist ungeheuer wertvoll, auch wenn viele es nicht wahr haben wollen. Auch die Statistik belegt meine hohe Meinung von ihm: Leitgeb hat trotz als seiner leichtfertigen Abspielfehler die höchste Quote an angekommenen Pässen aller Mittelfeldspieler der Tipp3-Bundesliga (rund 90! Prozent).

Nun gelingt es Leitgeb seit der Ausbootung von Pokrivac, Cziommer und Jantscher (?) allerdings einfach nicht, sein ungeheures Potential abzurufen. Für meine Begriffe aus dem einfachen Grund, dass er mit der Spielmacherrolle nicht klarkommt, sich einen dominanten Spieltyp an seiner Seite wünscht. Momentan ist dieser jedoch nicht gegeben und insofern ist Stevens auf dem besten Weg zum Totengräber des Christoph Leitgeb zu werden.
Wie gesagt, die Fehlpositionierung der #24 ist nur EIN Puzzleteil des Ganzen, das heißt aber mit Sicherheit nicht, dass man ihm deshalb keine Beachtung schenken sollte. Auf weitere Puzzleteile werde ich im Laufe der nächsten Spiele eingehen.

Back2Spielverlauf
Um noch einmal auf das Rapid-Spiel zurückzukommen: Rapid hat mehr oder weniger verdient gewonnen. Nicht, dass sie besser gespielt hätten, aber wer sich in der 93. Minute einen solchen Treffer einschenken lässt, verdient sich im Hanappi nunmal keinen Punkt. In einem durchaus ansehlichen Spiel hatten beide Mannschaften ihre Torgelegenheiten, einzig die Auswertung klappte hüben wie drüben nicht. Ohne es als Ausrede für die Niederlage benutzen zu wollen, muss ich an dieser Stelle doch noch Schiedsrichter Gangl erwähnen: Rapid hätte einmal Rot (Hinums Vergehen war im Grunde genommen 1:1 das gleiche, wie jenes von Kragl gegen Gustafsson) und einmal Gelb-Rot sehen müssen. Nicht das erste Mal, dass sich ein Schiri von der Stimmung im Hanappi beeinflussen lässt.

Lichtblick der Niederlage waren insbesondere die Einwechselspieler Boghossian und Jantscher. Ersterer wirkte wie eine erfolgreiche Kreuzung aus Janko und Maierhofer und Letzterer erzielte sogar den Ausgleichstreffer. Somit sollten beide heiße Kandidaten für die Startelf gegen Omonia Nikosia sein, schließlich haben deren direkte Konkurrenten – Wallner bzw. Svento – bisher keineswegs überzeugt.

Feuer am Rapid-Dach

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Mit Rapid Wien präsentierte sich vergangenen Sonntag ein österreichischer Leistungsträger schlecht wie selten zuvor: Beim finanziell klar unterlegenen FC Wacker Innsbruck setzte es im Rahmen des Bundesliga-Auftaktes eine verheerende 0:4-Niederlage. In der Euro-League-Quali folgte vier Tage später ein ernudelter 4:2-Heimsieg.
Dem nicht genug, tun sich nun erstmals Klüfte zwischen Vereinsführung, sportlicher Leitung, Ultras und dem Rest der grün-weißen Anhängerschaft auf. Der dseitlhuber – sportblog hat das WWW durchforstet und ist dabei auf Ungereimtheiten in verschiedensten Bereichen gestoßen.

Sie, die die österreichische Meisterschaft bereits 32 Mal gewonnen haben, und sie, die sich – völlig zurecht – den beliebtesten Klub Österreichs schimpfen, fangen sich in Runde Eins gegen den Aufsteiger aus Tirol vier Tore ein, ohne selbst eines zu erzielen. Auch gegen Sudova Marijampole lief es für sie suboptimal.
Bittere Pillen musste der Rapid-Anhang folglich schlucken, Pillen, die man weder heute noch morgen vergessen haben wird. Pillen, die vor allem noch größer hätten sein können – etwa, wenn Julius Perstaller am Sonntag zumindest einen seiner Hochkaräter in ein Tor ummünzt. Ja, der Sieg der Tiroler war allemal verdient, vielleicht sogar auch in dieser Höhe gerechtfertigt. Meint jedenfalls der sympathische Raimund Hedl.

Was schief gelaufen ist? Vom aufgebotenen Personal, über die ausgewählte Taktik, bis hin zum Abändern des Systems während des Spiels eigentlich alles.

Aufgebotenes Personal, ausgewählte Taktik
Konkret heißt das, dass ein 4-2-2-2 (althergebrachtes 4-4-2 mit zwei tiefen 6ern) im 21. Jahrhundert ohnehin nur noch als Abwehrtaktik zu gebrauchen ist – wer Ahnung vom Fußball hat, wird es einem bestätigen – und mit zwei himmellangen, und technisch entsprechend limitierten, Stürmern wie Jelavic und Salihi sowieso nur in die Hose gehen kann. Dazu kommt, dass die Doppelsechs, gestern – wie eigentlich immer – von Heikkinen und Pehlivan gebildet, aus einem Finne, der mit dem Ball seit jeher per Sie ist und seit geraumer Zeit den Spaß am Kicken verloren haben dürfte (dazu später mehr), und einem Österreicher, der einzig durch sein Spiel ohne Ball zu überzeugen weiß, besteht. Entsprechend löchern war das zentrale Mittelfeld.

Wacker Innsbruck - Rapid Wien

Rapid - Wacker (4-2-2-2)


Hofmann suchte zwar immer wieder den Weg ins Zentrum, fand ihn auch häufig, konnte dort, weil manngedeckt, jedoch nie ernsthaft Gefahr erzeugen. Den Wienern blieben die geliebten Flanken (19 an der Zahl) auf Jelavics Kopf, welche aber ausnahmslos wirkungslos bleiben sollten. Ein sportliches Ausrufezeichen setzte einstweilen Tanju Kayhan, der an einem, für die Mannschaft, schwarzen Sonntag eine ausgesprochen gute Leistung erbrachte.

Abändern des Systems während des Spiels
Nach 54 Minuten – also bei 0:1 aus Sicht Rapids – Drazan für den eigentlich recht soilden Pehlivan zu bringen, Kavlak nach rechts und Hofmann in die Mitte zu ziehen, grenzt schließlich an Dummheit und ebnet den Innsbruckern den Weg zu unzähligen Kontermöglichkeiten. Dass der (momentan?) unwillige (als Belohnung ersetzte er gegen Sudova übrigens Hofmann als Kapitän) Heikkinen ohne Pehlivan völlig hilflos sein wird, war absehbar und trat auch genau so ein.

Schlüsse
Nach fast vier Jahren Rapid-Trainer-Dasein scheint Pacult endlich begriffen zu haben, dass man im 4-2-2-2 weder Schönheitspreis noch Meisterschale gewinnen wird. Nicht zuletzt die Aufstellung gegen Sudova Marijampole deutet darauf hin, dass der gebürtige Winter und gelernte Postler künftig ein 4-2-3-1 versuchen will – entweder mit Kavlak oder Hofmann im Zentrum, je nachdem ob Drazan oder Trimmel in der Startelf stehen soll. Wobei es Pacult durchaus zuzutrauen ist, das 4-2-3-1 nach einem – zugegeben sehr – schlechten Spiel gleich wieder zu verwerfen. Auch wenn eigentlich jeder Blinde sehen konnte, dass es diesmal ausnahmsweise nicht am System lag.

Rapid Wien - Sudova Marijampole

Rapid - Sudova (4-2-3-1)


Fanmeinungen zum Thema Startaufstellung
Der Großteil der Rapid-Fans steht Pacult trotz allen Ausrastern und Fehlern positiv gegenüber, überwiegend können sich die Anhänger mit der geraden Art des 49-Jährigen identifizieren. Dennoch macht sich nach der deutlichen Niederlage gegen den Aufsteiger Unmut, insbesondere über die taktischen Vorstellungen des Trainers, breit.

4-4-2 mit einer Doppel-Sechs bringt sich mMn genau gar nix, das allzubeliebte 4-2-3-1 lebt ja davon das du zwar die Doppelsechs hast aber 3 offensive Mittelfeldspieler, da hast einen Boskovic, einen Kavlak und einen Hofmann.. da einen Boskovic zu nehmen und ihn durch Salihi zu ersetzen und damit ein 4-4-2 zu machen das bringt sich einfach nichts, weil eben im MF genau gar nix geht, da ist ein Vakum das einfach nicht geschlossen werden kann…

Meint etwa ein Wienerfußballfan. Und er hat damit – zwar sehr oberflächlich, aber doch – Recht. Freilich kann ein 4-2-2-2 weiterhin funktionieren, allerdings nur, wenn man entsprechende, nämlich technisch begabte, Spieler in seinen Defensivreihen hat. Ebenso sollte eine der beiden Spitzen hängender als die jeweils andere sein, René Gartler bietet sich im Falle Rapids förmlich dafür an, ein Bewerbungsschreiben hat er mit seinen zwei Treffern gegen die Litauer bereits abgegeben.

Nun folgen, um endlich konkret zu werden, einige Aufstellungsvorschläge der Grün-Weißen. Um es vorweg zu nehmen: Von Raute bis Fächer war alles zu lesen, allein die Pacult-Aufstellung vom Wacker/Sudova-Spiel fand ich in keiner einzigen Variante.

Payer
Kayhan – Eder – Sonnleitner – Katzer
Pehlivan
Saurer____________Kavlak
Hofmann
Salihi – Jelavic

Hedl
Kayhan – Eder – Sonnleitner – Katzer
Pehlivan
Hofmann – Saurer – Katzer
Jelavic – Salihi

Hedl
Dober – Sonnleitner – Eder – Kayhan
Hinum____
____Kavlak
Hofmann________________Saurer
Salihi – Jelavic

Hedl
Dober – Patocka – Sonnleitner – Kayhan
Hinum
Hofmann – Kavlak – Saurer
Salihi – Jelavic

Hedl
Kayhan – Sonnleitner – Patocka – Dober
Hinum
Hofmann – Kavlak – Drazan
Salihi – Jelavic

Ich habe mich hierbei bemüht, die aussagekräftigsten Werke herauszusuchen, unabhängig davon ob sich gut oder schlecht finde. Natürlich können fünf Aufstellungen keine Fankultur repräsentieren, aber geschickt gewählte Beispiele sind immer aussagekräftig. Was auffällt: Viele Rapid-Fans würden lieber entweder Kayhan oder Dober Links spielen sehen, anstatt Katzer in der Startelf ertragen zu müssen.

Die Mehrheit wünscht sich außerdem – verständlicherweise, sehe ich genauso – Kavlak ins Zentrum, Heikkinen auf die Bank und Saurer von Beginn an. Auch Thomas Hinum dürfte bei Vorbereitungs- und Qualifikations-Spielen Eindruck hinterlassen haben – nicht wenige wollen ihn im zentral defensiven Mittelfeld beginnen lassen.

Schließlich, damit auch dies geklärt ist, biete ich noch meine Wunschaufstellung an:

Hedl
Kayhan – Sonnleitner – Eder – Katzer
Pehlivan
Hofmann – Kavlak
Saurer____________________Drazan
Jelavic

Womit wir das erste Kapitel beschlossen hätten.

Christoph Saurer –
24 Jahre alt, 1,75 Meter klein, beidbeinig, Ex-Veilchen – ist nach Andreas Ivanschitz die vermutlich umstrittenste grün-weiße Personalie des 21. Jahrhunderts, wer den Konflikt um ihn einigermaßen verfolgt hat, weiß, wovon ich spreche. Mehrere, teils machthungrige, teils übermäßig fanastische, Bewohner des BlockWest (richtig, das sind die, vor denen AstonVilla noch heute zittert), lehnen den im Sommer aus Linz verpflichteten Mittelfeldspieler wegen seiner Austria-Vergangenheit ab. Nach der Niederlage gegen Innsbruck – bei der Saurer, weil nicht im Kader, nicht mitwirken durfte – machte im Rapid-Anhang Kunde, dass Saurer von oberster Vereinsetage aus “geschützt” werde – “geschützt” heißt, geschützt vor dem BlockWest, der ihn auszupfeifen droht – und das übrigens bei Saurers Einwechselung gegen Marijampole auch gnadenlos durchzog. Einige, nicht wirklich wenige, Nicht-Block-West-Sitzer, aber trotzdem Rapid-Anhänger, vermuten hinter dem Ganzen gar Kalkül der Anti-Saurer-Fans: Nicht seine violette Vergangenheit stehe im Vordergrund, die sei dem Großteil egal, es gehe dem BlockWest hauptsächlich darum, seine Macht noch weiter auszuweiten. Heißt: Man will Grenzen austesten, Grenzen erweitern und vor allem: mitreden.

Inwiefern diese Theorien – manche geben an, sie sogar belegen zu können – ihre Richtigkeit hat, weiß man nicht. Ich zumindest nicht. Jedenfalls kann ein Fan-interner Kleinkrieg sich sicher negativ auf die Gute-Laune-Stimmung auf den Tribünen auswirken. Als ob Rapid Wien nicht schon genug Probleme sportlicher Art hätte…

Problemkind #1: Markus Heikkinen…
… “will einfach nicht mehr in Österreich spielen”, schreibt jemand, der angibt, Insider-Infos zu bekommen/bekommen zu haben. Dass der Finne bis 2011 Vertrag hat, ist so gesehen einigermaßen bitte, insbesondere zumal man seine Lustlosigkeit schon im Frühjahr bewundern durfte.

Erstmals hab ich den Verdacht geäußert, dass etwas mit ihm nicht stimmt, als wir Villa geschlagen haben. Damals hat mich seine Körpersprache im Stadion schon richtig schockiert. Das 3:0 gegen den HSV hab ich mir aus dem Grund noch einmal ganz alleine nur wegen Heikkinen angeschaut und seitdem war ich überzeugt, dass irgendwas nicht passt. Freilich war er noch nie einer, der besonders viel gelächelt hat, aber man merkt einfach schon sehr langer Zeit, dass er sich nicht mehr wohl fühlt. Leider!

Der Verein entschied sich gegen eine Vertragsauflösung. Heikkinen steht nun also auf dem Feld, spielt aber tatsächlich so, als ob er nicht spielen mag. Pacult schafft es trotzdem irgendwie wegzuschauen, Spiel für Spiel spielt Mika – wie sie ihn in Hütteldorf liebevoll nennen – durch. Erfolg- und lustlos.

Dass Heikkinen gegen Marijampole anstatt des verletzten Hofmanns die Schleife trug, habe ich ja bereits erwähnt…

Beitrag stammt vom: 23. Juli 2010 – 17:11 Uhr

[WM2010] Erklärung und Erwartung

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Wie die Spanier Deutschland den Garaus machten, was dies für das heutige Endspiel bedeutet und wie das WM-Finale ablaufen wird

Bevor ich mich der alles entscheidenen Partie zwischen den Niederlanden und Spanien widme, sei ein kurzer Schwenk in die Vergangenheit gestattet:

Erklärung
Kaum einer findet hierzu- und in Nachbarslande eine Erklärung, weshalb die in der Vorrunde so mutigen, fast spanisch spielenden Deutschen gegen eben diese Spanier so dermaßen in die Defensive gedrängt wurden. Mangelnde Erfahrung und übermäßig großer Respekt, vielleicht sogar Angst, werden als Gründe für die drückende Überlegenheit der Iberer gehandelt. Was sicher der Wahrheit entsprechen mag – gegen den amtierenden Europameister spielt es sich nun mal nicht so locker flockig wie in Achtel- und Viertelfinals gegen taktisch desolate Gegner –, aber im Grunde genommen sicher nur ein kleiner Puzzleteil des Ganzen war. Vielmehr machten einfach die individuelle Klasse des spanischen Mittelfelds sowie die Vorzüge der spanischen Spielweise den Unterschied.

Hatte die Loew-Auswahl gegen England und Argentinien (insbesondere Argentinien) das Glück, im zentralen Mittelfeld ständig eine 3-gegen-2- oder sogar 4-gegen-2-Situation vorzufinden. Del Bosques System ist hingegen so konzipiert, dass sich die Weltstars rund um den Mittelkreis förmlich auf den Schuhen stehen: Zu den nominellen Zentrumsspielern (Sergio Busquets, Xabi Alonso, Xavi Hernandez) gesellt sich mit dem häufig nach innen ziehenden Andres Iniesta noch ein weiterer Ausnahmekönner (siehe Grafik weiter unten). Zudem zieht sich die einzige Spitze, David Villa, oft 15, 20 Meter zurück um seiner Mannschaft noch mehr Dominanz im Mittelfeld zu ermöglichen.

Deutschland fand sich folgedessen immer wieder in Unterzahl wieder – abgesehen davon, dass Jungspunde wie Sami Khedira oder Mesut Özil sicherlich noch einige Jahre brauchen werden, um gegen Iniesta, Xavi & Co. bestehen zu können.

Die Deutschen waren im Mittelfeld also restlos überfordert und eigentlich die gesamte Spielzeit über den berühmten Schritt hinterher. Die Spanier zogen ihr berüchtigtes Kurzpassspiel auf und drückten die deutsche Viererkette, welche normalerweise sehr “hoch” agiert, immer weiter in den eigenen Strafraum. Die beliebteste Waffe unseres Lieblingsnachbars, das Konterspiel nämlich, war somit auch mehr oder minder abgemeldet – selbst Klose musste hinten aushelfen, schnelle Gegenstöße erstickten mangels Anspielstationen im Keim.

In Wahrheit hatten die Deutschen dennoch die Möglichkeit, den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen, das Spiel zu gewinnen. Faktisch fanden die Spanier nämlich kaum Tormöglichkeiten vor, bis zum 16er kombinierte man prächtig, danach fehlte aber ein Brecher der Marke Torres. Ebenso ungefährlich waren natürlich auch die Angriffsbemühungen der deutschen Nationalmannschaft, wobei ein platzierter Vollspannschuss Toni Kroos’ das Spiel vermutlich in eine völlig andere Richtung hätte laufen lassen. Jedenfalls ist es müßig über das Was-wäre-Wenn zu debattieren, viel spannender ist es schließlich, Schlüsse aus diesem Spiel zu ziehen und diese auf das heutige Finale zu übertragen.

Die Startelf Spaniens (?)

Die Startelf Spaniens (?)

Erwartung
Das heutige Aufeinandertreffen zwischen der Elftal und der Seleccion verspricht auf den ersten Blick ein eher einseitiges Spiel mit zahlreichen Torszenen und dem Weltmeister Spanien zu werden. Komischerweise gerät man bei näherer Betrachtung bezüglich all dieser Thesen ins Grübeln, gut möglich, dass keine der drei Erwartungen auch so eintrifft. Mit Sicherheit ist Spanien der Favorit, mit Sicherheit ist Spanien die bessere Mannschaft, aber wer wenn nicht die Niederlande könnte dem Tiqui-Taca ein Ende bereiten.

Was ich erwarte ist ein beinharter Kampf im mittleren Drittel des Spielfeldes, der in gegenseitigem Neutralisieren endet. In punkto Ballbesitz werden die Spanier die dominierende Mannschaft sein, ob man daraus Kapital schlagen kann, ist allerdings die wiederum andere Frage. Die Niederländer werden versuchen, die Stärken von Dirk Kuyt in die Waagschale zu werfen – sprich: den Liverpool-Akteur die linke Seite auf und ab laufen lassen, was letztendlich zu einem Problem für Barcelonas Pedro Rodriguez werden könnte.

Startaufstellung der Niederlande (?)

Startaufstellung der Niederlande (?)

Insofern wird Dirk Kuyt definitiv ein wichtiger Faktor für den Spielausgang werden. Erst durch die Hereinnahme von Pedro Rodriguez bekam die rechte Angriffsseite der Spanier ein Gesicht, erst durch ihn war Sergio Ramos nicht länger überfordert. Gelingt es den Niederländern, Rodriguez hinten zu binden, könnte dies der Spielfreude des Gegners hinderlich sein. Weiters wird interessant zu beobachten sein, ob es dem arbeitswilligen van Persie zusammen mit Wesley Sneijder gelingt, Sergio Busquets im Spielaufbau zu stören. In Wahrheit ist dieser der Ruhepol des spanischen Spielaufbaus und entsprechend wichtig für sein Team.

Die möglichen 11en übereinander gelegt

Die möglichen 11en übereinander gelegt

Das Duell schlechthin werden sich dennoch Capdevila und Robben liefern. Setzt der Bayern-Dribblanski seine ansteigende Leistungskurve fort, wird er den spanischen Linksverteidiger vor eine Bewährungsprobe der besonderen Sorte stellen – mal sehen, ob er ihr gewachsen sein wird. Ebenso wichtig für die Oranje ist zweifelsohne Wesley Sneijder, der sich aber bei Busquets und Xabi Alonso in guten Händen befinden dürfte.

Im Kreise der spanischen Anhängerschaft definiert man die Furia Roja in letzter Zeit fast ausschließlich über David Villa. Legitim, wie ich finde – Villa spielt ein ausgezeichnetes Turnier. Dass er in der Rolle des Mittelstürmers (seine Tore in diesem Turnier erzielte er vorwiegend als linker Mittelfeldspieler, Anm.) genauso zur Geltung kommen wird, wie in den Spielen zuvor, zweifle ich trotz allem an. Vielmehr sehe ich das Kollektiv als die Waffe der Spanier – bei all den angeführten Mann-gegen-Mann-Duellen darf man nicht vergessen, dass das heutige Finale hauptsächlich durch eine kompakte Mannschaftsleistung gewonnen werden wird. Und die Spanier sind zweifellos die kompakteste Mannschaft der Gegenwart.

Zu erwartende Taktik
Von den Spaniern erwarte ich gewohnt hervorragendes Pressing, numerische Überlegenheit im Mittelfeld sowie permanente Seitenwechsel von Pedro Rodriguez und Andres Iniesta, welche im niederländischen Defensivverbund für zusätzliche Schwierigkeiten sorgen sollen. Xavi Hernandez hat sich mit der Zeit besser in seine Rolle im zentral offensiven Mittelfeld eingefunden, kommt dort aber weiterhin nicht so gut zur Geltung wie er es kommen könnte. Dies, und der Umstand, dass man mit David Villa einen sehr kleinen, körperlich eher schmächtigen Mittelstürmer hat, könnte bei entsprechender Leistung der Niederlande zu Problemen im spanischen Spielaufbau führen.

Nicht weniger Unstimmigkeiten wird es bei der Marwijk-Elf zu bewundern geben. Bereits in der Vorrunde präsentierte man sich zwar als guter Chancenverwerter aber als schlechter Chancenfabrikant, also ist nicht anzunehmen, dass dies gerade gegen das überragende spanische Mittelfeld anders sein wird. Die Trümpfe der Orangefarbenen sind für meine Begriffe Dirk Kuyt, Wesley Sneijder, natürlich Arjen Robben und ja, auch Mark van Bommel – gerade gegen Gegner wie die Spanier einer sind, braucht man Spielertypen wie ihn.

Ansonsten werden die Niederländer auf ihre Chancen warten, sich auf ihre verhältnismäßig gute Abwehr verlassen und über die zweifelsohne vorhandenen Qualitäten eines Robbens oder Sneijders ins Spiel kommen versuchen.

Zusammengefasst
Die Fußballfans erwartet ein qualitativ hochwertiges, aber möglicherweise tor- und chancenarmes Finale – wie es 4-2-3-1-gegen-4-2-3-1-Begegnungen einfach an sich haben. Die Spanier werden, so ich nicht völlig falsch liege, das Spiel dominieren, in den entscheidenden Situationen jedoch immer wieder an der niederländischen Viererkette (+ Doppelsechs davor) scheitern. Der Elftal wird ihr blitzschnelles Umschalten von Defensive auf Offensive entgegen kommen, was die Spanier wiederum vor stürmischen Angriffen warnt. Wie das WM-Finale endet, weiß weder Mensch, noch Tier, noch Wissenschaft – einzig der liebe Fußballgott. Doch was Ich weiß: Wir werden einen würdigen Weltmeister bekommen.

Beitrag stammt vom: 11. Juli 2010 – 19:13 Uhr

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