ÖSTERREICH – GRIECHENLAND
Ernst Happel-Stadion, 16 200 Zuseher

1 : 2 (Fuchs 67. / Samaras 49.; Fotakis 81)

Österreichs Fußballnationalmannschaft war am vergangenen Mittwoch inferioren Griechen über weite Strecken des Spiels klar überlegen, musste sich letztendlich jedoch mit einer 1:2-Heimniederlage begnügen. Da das Endergebnis in Freundschaftsspielen nur in Ausnahmefällen (Österreich gg Deutschland, Brasilien gg Argentinien, Portugal gg Spanien unter anderem) von Bedeutung ist, kann man mit dem Gesehenen an sich zufrieden sein. Zu den vielen positiven Aspekten der Partie gesellten sich natürlich auch weniger gute – diese und jene werden im Laufe des Blog-Eintrags genauestmöglich analysiert.

Nach der überraschender-, fast komischerweise recht guten Darbietung in Belgien hatte Österreich im letzten Länderspiel des Jahres den Europameister von 2004 sowie den Weltranglisten-Elften Griechenland zu Gast. An Österreichs Startformation änderte sich trotz völlig anderem Gegner wenig bis gar nichts, noch nicht mal Kapitän Marc Janko kehrte in die erste Elf zurück. Die wenigen Änderungen, die Constantini vornahm/vorzunehmen hatte tätigte er allerdings ausgerechnet in der so empfindlichen Doppelsechs: Der angeschlagene Baumgartlinger wich David Alaba, Paul Scharner (fürs nächste Pflichtspiel Rot-gesperrt, ausschließlich deswegen auf der Bank) machte Yasin Pehlivan Platz frei.

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Ebenso wie Österreich zu Beginn liefen auch die Griechen in einem leicht verkappten 4-2-3-1 auf, dessen zentrale Achse (Karagounis, Samaras, Salpingidis, Anm.) die Fäden im Spiel hätte ziehen sollen.

erste Halbzeit
Bereits nach fünf Minuten hätte Österreich in Führung gehen können – nämlich per Elfmeter, der nach Maierhofer-am-Leiberl-ziehn korrekterweise verhängt wurde. Anstatt einen Junuzovic oder sonstigen technisch versierten Spieler das Leder in die Maschen schießen zu lassen, durfte Geburtstagskind Florian Klein selbiges versuchen. Der Rechtsverteidiger scheiterte kläglichst. In einem Freundschaftsspiel wie gesagt so schlimm nicht, allerdings ebenso ein Zeichen von mangelnder Professionalität und im Ernstfall natürlich umso schlimmer.

Von 16 200 gekommen Fans fanatisch angefeuert präsentierte sich die Constantini-Elf in der darauffolgenden Viertelstunde wirklich erfrischend, selbst One-Touch-Kombis über mehrere Stationen hatte man in dieser Phase anzubieten. Tatsächlich gelang es uns gestern deutlich besser, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Auch Maierhofer tat hier das Seinige dazu, indem er die Bälle einige Male geschickt auf Junuzovic abprallen hat lassen. Der Austrianer wiederum suchte häufig nach Marko Arnautovic, der gestern – abgesehen von einem Distanzschuss in der 20. Minute – recht unauffällig spielte, mit seiner Ballsicherheit und einigen guten Pässe aber zu überzeugen wusste. Maierhofer – Junuzovic – Arnautovic war also die prägende Achse des österreichischen Spielaufbaus – gäbe es eine Netzwerkanalyse zum Spiel, so würde sie dies sicherlich belegen.

Um die 30. Spielminute herum verebbte das Spiel zusehends und bot nicht mehr die Torchancen, die es noch zu Beginn geboten hatte. Dennoch hatte Österreich das Spielgeschehen weiterhin im Griff. Griechenland hatte unterdessen alle Mühe, den Ball längere Zeit in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Wurde man gefährlich, dann hauptsächlich durch Konter über die linke österreichische Abwehrseite, wo Christian Fuchs zuweilen einfach zu offensiv agierte. Sein Gegenüber Florian Klein hatte das Glück, mit Mitroglou einen bestenfalls durchschnittlichen Gegenspieler zu haben – jeder andere hätte mit dem schlicht überforderten Klein nämlich seine Freude gehabt.

fliegender Systemwechsel
Nach rund 35 Minuten änderte Österreich (ob nun vorgegeben oder nicht…) sein System vom 4-2-3-1 in ein 4-1-4-1 um – Pehlivan war nun alleiniger 6er, Alaba spielte deutlich offensiver als zuvor und Junuzovic ließ sich immer häufiger in tiefere Rollen fallen. Man versuchte so offensichtlich auf die inferiore Spielweise der Griechen zu reagieren und noch mehr Druck zu entwickeln. Gelungen ist dies kaum, da Maierhofer fortan isoliert wirkte und die Laufwege von Pehlivan, Alaba und Junuzovic ein solides Kombinationsspiel im Zentrum verunmöglichten. Einen Versuch war es jedoch wert, wozu sonst sind Freundschaftsspiel schließlich da…?

Trotz diesen Umstands fand Österreich selbst in dieser Phase einige Einschussgelegenheiten vor – einige Male scheiterte man jedoch am Unvermögen, andere Male am Schiedsrichter.

zweite Hälfte
Zur Halbzeit kam, wie im Vorfeld vereinbart, Christian Gratzei für den quasi beschäftigungslosen Macho. Dass der Sturm-Goalie bereits nach vier Minuten den Ball aus dem Netz fischen musste, war so nicht unbedingt zu erwarten und eigentlich mehr als nur ungerecht. Andererseits darf man sich, wenn man sieht wie Klein Samaras deckt bzw. eben nicht-deckt, über den Gegentreffer an sich nicht wirklich beklagen.

Bereits Minuten später hätte Österreich ausgleichen können, doch der ansonsten überragende Junuzovic rutschte ungeschickterweise an einer Hereingabe von Christian Fuchs vorbei.

In der 58. Minute kam dann endlich Marc Janko ins Spiel. Doch anstatt Maierhofer, der mit Fortdauer des Spiels immer weniger an diesem Teil hatte, auszutauschen, musste Veli Kavlak den Platz verlassen. An sich nicht schlimm, Kavlak war schließlich bis auf ein paar Aktionen unmittelbar vor seiner Auswechslung nicht wirklich vorhanden, aber insofern sehrwohl problematisch, als der Wechsel von 4-2-3-1/4-1-4-1 auf 4-4-2 dem österreichischen Spiel einfach nicht gut tut. Bereits in Belgien sah man dies, also ist auch die Ausrede “Freundschaftsspiel, also eh wurscht” unzulässig. Ein fähiger Teamchef lernt aus Fehlern, Constantini augenscheinlich nicht.

Anschließend nahm Constantini den enttäuschenden Pehlivan vom Feld und brachte stattdessen Paul Scharner, doch selbst der England-Legionär vermochte dem mittlerweile recht trostlosen Spiel der Österreicher keine Wende zu geben. So musste also eine fantastische Einzelaktion des Deutschland-Legionärs Christian Fuchs den hochverdienten Ausgleich herbeiführen: Von Marko Arnautovic zuvor per Fersler in Szene gesetzt nimmt sich der Mainzer aus 25 Metern ein Herz und wuchtet das Runde ins Eckige.

Dass das Spiel letzten Endes trotzdem verloren ging, ist für mich nicht weiter schlimm, das Abwehrverhalten beim spielentscheidenden 1:2 gibt jedoch zu denken – abermals fiel es über Christian Fuchs’ Seite und zum wiederholten Mal aus einem schnellen Gegenstoß. Zeichnete sich Österreich zu Beginn der Ära Constantini noch durch seine solide Hintermannschaft aus, hat es mittlerweile stark an Souveränität eingebüßt. Vier Gegentreffer bei mittelmäßigen Belgiern und deren zwei von destruktiven Griechen sprechen für sich…

Zusammenfassend
Im Grunde genommen lässt sich mit der Leistung unserer Jungs leben, die viel zitierte und oft vermisste “Leistungssteigerung” war diesmal klar und deutlich ersichtlich. Durch Pech, Unvermögen und mangelhaftes Abwehrverhalten hat man sich allerdings um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Constantini muss man zugestehen, eine durchaus schlagkräftige Truppe geformt zu haben, seine Wechsel waren jedoch abermals ein Schuss in den sprichwörtlichen Ofen.

Ein Wort abschließend noch zu Griechenland: Erschreckend, dass man sich zwar von Otto Rehagel getrennt hat, unter einem neuen Teamchef aber weiterspielt wie bisher. Ungeachtet der guten Ergebnisse in der EM-Qualifikation wird man sich meiner Einschätzung nach nicht mehr lange auf dem elften Rang der FIFA-Weltrangliste halten können, es sei denn man gleicht seine Spielweise endlich dem internationalen Trend des Fußballs an.

Einzelkritik

Macho: So gut wie beschäftigungslos… wenn beschäftigt, dann sicher

Klein: kann nichts dafür, dass er nichts im Nationalteam verloren hat
Prödl: mehrere Male ein Unsicherheitsfaktor
Schiemer: Solide.
Fuchs:
seine Vorstöße sind Goldes wert, die Lücke, die er dadurch in der Viererkette hinterlässt, ist jedoch schwer zu stopfen

Pehlivan: etliche unnötige Fehlpässe, im Zweikampfverhalten fehlt oft die Entschlossenheit
Alaba:
ein Versprechen für die Zukunft, momentan nichts als ein Mitläufer… als 6er weit besser als als 8er, btw

Kavlak: hatte relativ wenige Ballkontakte. Wenn er den Ball dann mal hatte, folgte meist der Alibi-Pass.
Junuzovic: laufstark, dynamisch und mit einer hervorragenden Technik ausgestattet – könnte tatsächlich der ZOM sein, nach dem Österreich schon so lange sucht
Arnautovic: zusammen mit Junuzovic bester Mann auf dem Platz, Gründe sind oben angeführt

Maierhofer: holte das Beste aus sich raus, was aber noch immer zu wenig sein sollte, einen Marc Janko auf die Bank zu vertreiben

Gratzei: beim 1:2 kann er stehn bleiben, muss er aber nicht… am Ende war es nur ihm zu verdanken, dass man nicht noch ein drittes Gegentor kassierte
Janko:
fand nicht so recht ins Spiel – teilweise lag’s an ihm selbst, teils aber auch an den nicht vorhandenen Vorlagen
Scharner: Durchschnitt.
Linz:
sollte bei unserem Material an Stürmern eigentlich nicht für einen Einsatz infrage kommen…