[ANALYSE] Ergebnis ≠ Leistung

Hinterlasse einen Kommentar

ÖSTERREICH – GRIECHENLAND
Ernst Happel-Stadion, 16 200 Zuseher

1 : 2 (Fuchs 67. / Samaras 49.; Fotakis 81)

Österreichs Fußballnationalmannschaft war am vergangenen Mittwoch inferioren Griechen über weite Strecken des Spiels klar überlegen, musste sich letztendlich jedoch mit einer 1:2-Heimniederlage begnügen. Da das Endergebnis in Freundschaftsspielen nur in Ausnahmefällen (Österreich gg Deutschland, Brasilien gg Argentinien, Portugal gg Spanien unter anderem) von Bedeutung ist, kann man mit dem Gesehenen an sich zufrieden sein. Zu den vielen positiven Aspekten der Partie gesellten sich natürlich auch weniger gute – diese und jene werden im Laufe des Blog-Eintrags genauestmöglich analysiert.

Nach der überraschender-, fast komischerweise recht guten Darbietung in Belgien hatte Österreich im letzten Länderspiel des Jahres den Europameister von 2004 sowie den Weltranglisten-Elften Griechenland zu Gast. An Österreichs Startformation änderte sich trotz völlig anderem Gegner wenig bis gar nichts, noch nicht mal Kapitän Marc Janko kehrte in die erste Elf zurück. Die wenigen Änderungen, die Constantini vornahm/vorzunehmen hatte tätigte er allerdings ausgerechnet in der so empfindlichen Doppelsechs: Der angeschlagene Baumgartlinger wich David Alaba, Paul Scharner (fürs nächste Pflichtspiel Rot-gesperrt, ausschließlich deswegen auf der Bank) machte Yasin Pehlivan Platz frei.

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Ebenso wie Österreich zu Beginn liefen auch die Griechen in einem leicht verkappten 4-2-3-1 auf, dessen zentrale Achse (Karagounis, Samaras, Salpingidis, Anm.) die Fäden im Spiel hätte ziehen sollen.

erste Halbzeit
Bereits nach fünf Minuten hätte Österreich in Führung gehen können – nämlich per Elfmeter, der nach Maierhofer-am-Leiberl-ziehn korrekterweise verhängt wurde. Anstatt einen Junuzovic oder sonstigen technisch versierten Spieler das Leder in die Maschen schießen zu lassen, durfte Geburtstagskind Florian Klein selbiges versuchen. Der Rechtsverteidiger scheiterte kläglichst. In einem Freundschaftsspiel wie gesagt so schlimm nicht, allerdings ebenso ein Zeichen von mangelnder Professionalität und im Ernstfall natürlich umso schlimmer.

Von 16 200 gekommen Fans fanatisch angefeuert präsentierte sich die Constantini-Elf in der darauffolgenden Viertelstunde wirklich erfrischend, selbst One-Touch-Kombis über mehrere Stationen hatte man in dieser Phase anzubieten. Tatsächlich gelang es uns gestern deutlich besser, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Auch Maierhofer tat hier das Seinige dazu, indem er die Bälle einige Male geschickt auf Junuzovic abprallen hat lassen. Der Austrianer wiederum suchte häufig nach Marko Arnautovic, der gestern – abgesehen von einem Distanzschuss in der 20. Minute – recht unauffällig spielte, mit seiner Ballsicherheit und einigen guten Pässe aber zu überzeugen wusste. Maierhofer – Junuzovic – Arnautovic war also die prägende Achse des österreichischen Spielaufbaus – gäbe es eine Netzwerkanalyse zum Spiel, so würde sie dies sicherlich belegen.

Um die 30. Spielminute herum verebbte das Spiel zusehends und bot nicht mehr die Torchancen, die es noch zu Beginn geboten hatte. Dennoch hatte Österreich das Spielgeschehen weiterhin im Griff. Griechenland hatte unterdessen alle Mühe, den Ball längere Zeit in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Wurde man gefährlich, dann hauptsächlich durch Konter über die linke österreichische Abwehrseite, wo Christian Fuchs zuweilen einfach zu offensiv agierte. Sein Gegenüber Florian Klein hatte das Glück, mit Mitroglou einen bestenfalls durchschnittlichen Gegenspieler zu haben – jeder andere hätte mit dem schlicht überforderten Klein nämlich seine Freude gehabt.

fliegender Systemwechsel
Nach rund 35 Minuten änderte Österreich (ob nun vorgegeben oder nicht…) sein System vom 4-2-3-1 in ein 4-1-4-1 um – Pehlivan war nun alleiniger 6er, Alaba spielte deutlich offensiver als zuvor und Junuzovic ließ sich immer häufiger in tiefere Rollen fallen. Man versuchte so offensichtlich auf die inferiore Spielweise der Griechen zu reagieren und noch mehr Druck zu entwickeln. Gelungen ist dies kaum, da Maierhofer fortan isoliert wirkte und die Laufwege von Pehlivan, Alaba und Junuzovic ein solides Kombinationsspiel im Zentrum verunmöglichten. Einen Versuch war es jedoch wert, wozu sonst sind Freundschaftsspiel schließlich da…?

Trotz diesen Umstands fand Österreich selbst in dieser Phase einige Einschussgelegenheiten vor – einige Male scheiterte man jedoch am Unvermögen, andere Male am Schiedsrichter.

zweite Hälfte
Zur Halbzeit kam, wie im Vorfeld vereinbart, Christian Gratzei für den quasi beschäftigungslosen Macho. Dass der Sturm-Goalie bereits nach vier Minuten den Ball aus dem Netz fischen musste, war so nicht unbedingt zu erwarten und eigentlich mehr als nur ungerecht. Andererseits darf man sich, wenn man sieht wie Klein Samaras deckt bzw. eben nicht-deckt, über den Gegentreffer an sich nicht wirklich beklagen.

Bereits Minuten später hätte Österreich ausgleichen können, doch der ansonsten überragende Junuzovic rutschte ungeschickterweise an einer Hereingabe von Christian Fuchs vorbei.

In der 58. Minute kam dann endlich Marc Janko ins Spiel. Doch anstatt Maierhofer, der mit Fortdauer des Spiels immer weniger an diesem Teil hatte, auszutauschen, musste Veli Kavlak den Platz verlassen. An sich nicht schlimm, Kavlak war schließlich bis auf ein paar Aktionen unmittelbar vor seiner Auswechslung nicht wirklich vorhanden, aber insofern sehrwohl problematisch, als der Wechsel von 4-2-3-1/4-1-4-1 auf 4-4-2 dem österreichischen Spiel einfach nicht gut tut. Bereits in Belgien sah man dies, also ist auch die Ausrede “Freundschaftsspiel, also eh wurscht” unzulässig. Ein fähiger Teamchef lernt aus Fehlern, Constantini augenscheinlich nicht.

Anschließend nahm Constantini den enttäuschenden Pehlivan vom Feld und brachte stattdessen Paul Scharner, doch selbst der England-Legionär vermochte dem mittlerweile recht trostlosen Spiel der Österreicher keine Wende zu geben. So musste also eine fantastische Einzelaktion des Deutschland-Legionärs Christian Fuchs den hochverdienten Ausgleich herbeiführen: Von Marko Arnautovic zuvor per Fersler in Szene gesetzt nimmt sich der Mainzer aus 25 Metern ein Herz und wuchtet das Runde ins Eckige.

Dass das Spiel letzten Endes trotzdem verloren ging, ist für mich nicht weiter schlimm, das Abwehrverhalten beim spielentscheidenden 1:2 gibt jedoch zu denken – abermals fiel es über Christian Fuchs’ Seite und zum wiederholten Mal aus einem schnellen Gegenstoß. Zeichnete sich Österreich zu Beginn der Ära Constantini noch durch seine solide Hintermannschaft aus, hat es mittlerweile stark an Souveränität eingebüßt. Vier Gegentreffer bei mittelmäßigen Belgiern und deren zwei von destruktiven Griechen sprechen für sich…

Zusammenfassend
Im Grunde genommen lässt sich mit der Leistung unserer Jungs leben, die viel zitierte und oft vermisste “Leistungssteigerung” war diesmal klar und deutlich ersichtlich. Durch Pech, Unvermögen und mangelhaftes Abwehrverhalten hat man sich allerdings um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Constantini muss man zugestehen, eine durchaus schlagkräftige Truppe geformt zu haben, seine Wechsel waren jedoch abermals ein Schuss in den sprichwörtlichen Ofen.

Ein Wort abschließend noch zu Griechenland: Erschreckend, dass man sich zwar von Otto Rehagel getrennt hat, unter einem neuen Teamchef aber weiterspielt wie bisher. Ungeachtet der guten Ergebnisse in der EM-Qualifikation wird man sich meiner Einschätzung nach nicht mehr lange auf dem elften Rang der FIFA-Weltrangliste halten können, es sei denn man gleicht seine Spielweise endlich dem internationalen Trend des Fußballs an.

Einzelkritik

Macho: So gut wie beschäftigungslos… wenn beschäftigt, dann sicher

Klein: kann nichts dafür, dass er nichts im Nationalteam verloren hat
Prödl: mehrere Male ein Unsicherheitsfaktor
Schiemer: Solide.
Fuchs:
seine Vorstöße sind Goldes wert, die Lücke, die er dadurch in der Viererkette hinterlässt, ist jedoch schwer zu stopfen

Pehlivan: etliche unnötige Fehlpässe, im Zweikampfverhalten fehlt oft die Entschlossenheit
Alaba:
ein Versprechen für die Zukunft, momentan nichts als ein Mitläufer… als 6er weit besser als als 8er, btw

Kavlak: hatte relativ wenige Ballkontakte. Wenn er den Ball dann mal hatte, folgte meist der Alibi-Pass.
Junuzovic: laufstark, dynamisch und mit einer hervorragenden Technik ausgestattet – könnte tatsächlich der ZOM sein, nach dem Österreich schon so lange sucht
Arnautovic: zusammen mit Junuzovic bester Mann auf dem Platz, Gründe sind oben angeführt

Maierhofer: holte das Beste aus sich raus, was aber noch immer zu wenig sein sollte, einen Marc Janko auf die Bank zu vertreiben

Gratzei: beim 1:2 kann er stehn bleiben, muss er aber nicht… am Ende war es nur ihm zu verdanken, dass man nicht noch ein drittes Gegentor kassierte
Janko:
fand nicht so recht ins Spiel – teilweise lag’s an ihm selbst, teils aber auch an den nicht vorhandenen Vorlagen
Scharner: Durchschnitt.
Linz:
sollte bei unserem Material an Stürmern eigentlich nicht für einen Einsatz infrage kommen…

Advertisements

[ANALYSE] Constantini beseitigt Irrtümer und untermauert den Rest

Hinterlasse einen Kommentar

Constantini wird vielerlei vorgeworfen – Stamm habe er keinen, System erst recht nicht. Außerdem sei die Mannschaft zu jung und seine Startaufstellung nahezu jedes Mal blöd. Spätestens seit dem Heimsieg über Azerbaijan weiß man, welche Vorwürfe nun stimmen und welche nicht. Der dseitlhuber – sportblog analysiert die gestrige Partie und geht der Frage nach, ob das Nationalteam unter Dietmar Constantini Zukunft hat.

Nach den Kasachen, bekam man es auch in der zweiten Runde der EM-Quali mit Halbprofis zu tun. Sechs Punkte aus den ersten beiden Partien warn die Vorgabe von oben, Constantini fuhr sie mit Bauchweh ein. Gegen Azerbaijan präsentierte man sich wesentlich besser als gegen Kasachstan, was aber nichts an der tristen Situation unseres Nationalteams ändert.

Macho begann in Österreichs Tor, Schiemer bekam den Vorzug gegenüber Aleks Dragovic, Arnautovic stand in der Startelf und Roland Linz gab, wie schon gegen Kasachstan, den 10er. Den angeschlagenen Marc Janko ersetzte Stefan Maierhofer. In Addition mit den restlichen sieben Feldspielern ergab dies jenes 4-2-3-1, welches Constantini bereits gegen Kasachstan und die Schweiz spielen hat lassen (Stichwort: Stamm).

Azerbaijans Aufstellung wurde uns als 4-1-4-1 verkauft, glich in Ballbesitz aber mehr einem 4-2-3-1, da Mammadov immer wieder in eine tiefe Rolle schlüpfte.

 

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

 

Die österreichische Doppelsechs bildeten diesmal Paul Scharner und Zlatko Junuzovic. Scharner spielte das, was der Engländer einen “Box to Box”-Player nennt: Einen, der immerwährend von 16er zu 16er läuft. Auch bei WestBrom spielt er diese Rolle, entsprechend gut kam er mit ihr zurecht. Junuzovic behielt seine Position meist bei und versuchte, möglichst viele Ballkontakte zu sammeln. Warum ihm dies nicht gelang? Österreich hatte große Probleme, den Ball aus der Abwehrreihe heraus den 6ern zuzuspielen, einfach weil sich diese nicht zurückfallen haben lassen. Im modernen Fußball ist es üblich, dass man dies tut, selbst Azerbaijan war so klug. Einzig Constantini scheint nichts davon zu halten. Junuzovic hätte aus einer tieferen Rolle heraus das Spiel gestalten können, doch man ließ ihn stattdessen weiter vorn herumirren und passte den Ball lieber den überforderten Außenverteidigern zu.

Auch in seiner zweiten Partie als zentral offensiver Mittelfeldspieler erging es Linz nicht gut – wenig gute Pässe spielte er, keinen Druck übte er auf den ballführenden 6er aus und Torgefahr schon gar nicht. Wesentlich besser tat es Stefan Maierhofer, der sich gut/viel bewegte und rein fußballerisch deutlich besser auftrat, als bei seinen letzten Einsätzen. Außerdem lieferte er quasi die Vorlage zu Junuzovics Eckstoß, welchen wiederum Prödl zum frühen 1:0 nützte.

Das befürchte Geduldsspiel blieb also aus, doch anstatt vor Selbstbewusstsein zu strotzen und entsprechend zu spielen, ließ sich Österreich tatsächlich in der eigenen Spielhälfte festnageln – Grund waren hauptsächlich Ballverluste von Harnik und Linz sowie allgemeine Mängel im Spielaufbau. Die Drangperiode der Gäste dauerte gut 15 Minuten, danach hatte die Cosntantini-Elf das Spiel wieder unter Kontrolle. Von Pressing war jedoch weiterhin keine Spur – stattdessen gab man sich damit zufrieden, die Räume eng zu machen und die Führung zu verwalten. Zugegebenermaßen gelang Vor- und Letzteres recht gut, was ein wenig Hoffnung für Dienstag gibt, gegen einen Gegner wie Azerbaijan hätte es aber mehr Mut zum Risiko gebraucht.

Nach einer guten halben Stunde tauschten Harnik und Arnautovic Seiten – auf eigenen Entschluss hin, wie Constantini später zugeben sollte. Jedenfalls tat die Rochade dem österreichischen Spiel insofern gut, als Arnautovic auf Links endlich ins Spiel fand. Andererseits war nun die rechte Seite ziemlich verwahrlost, was angesichts der Harnik’schen Leistung allerdings auch nicht weiter schlimm gewesen ist.

Was taten eigentlich die Außenverteidger? Fuchs agierte erwartungsgemäß offensiver als Klein und bot Arnautovic somit eine Anspielstation, die Harnik auf dem rechten Flügel nicht hatte.
Dass die österreichische Vierer- bei Ballbesitz zur Dreierkette wird, hat der dseitlhuber – sportblog bereits nach dem Länderspiel gegen die Schweiz erwähnt, nun haben es auch die Kollegen von Ballverliebt.eu erkannt. So stand in deren Analyse nämlich:

Problematisch erwies sich an Fuchs’ Spielweise allerdings, dass die Abwehr in vielen Situation de facto als Dreierkette agieren und reagieren musste, wenn der umtriebige Kapitän sich wieder weiter vorne aufhielt.

geschrieben. Illustriert hat man das Ganze mit einer sehr anschaulichen Graphik – zumindest in Österreichs Online-Sportmedien ist also ein Aufwärtstrend erkennbar.

Um noch einmal auf Linz in seiner Rolle als Spielmacher zurückzukommen: Nirgendwo – ich betone nirgendwo – sonst würde ein Teamchef aus einem derartig breit gefächerten Spektrum an Spielmachern einen Strafraumstürmer als 10er einsetzen, Constantini tat es sogar zweimal. Wer Arnautovic (meiner Meinung nach spielt er nirgends besser als hinter den Spitzen), Junuzovic oder ja, auch Andi Ivanschitz zur Verfügung stehen hat, sollte von ihnen Gebrauch machen.

Überhaupt neigt unser Teamchef dazu, Spieler auf Positionen einzusetzen, die ihnen nicht liegen. Nicht weniger als drei Akteure (Linz, Harnik, Junuzovic) waren es allein gestern.

Zweite Hälfte
Einer katastrophalen ersten Halbzeit folgte eine bessere zweite, nicht zuletzt Arnautovics Treffer entschädigten für vieles: Das 2:0 war eine von wenigen Kurzpasskombinationen, das 3:0 eine simple Zur-Schau-Stellung von Arnautovics Können: Der Laufweg, der Schupfer – göttlich!

Doch auch ansonsten gelang der ÖFB-Auswahl weit mehr als in Hälfte Eins, wobei ein Zusammenhang zwischen Systemumstellung/Spielerwechseln und Leistung keineswegs ausgeschlossen werden kann: Kavlak ersetzte den schwachen Harnik, Hoffer kam für Linz. Jimmy gab jedoch keinen 10er, sondern eine zweite Spitze. Da außerdem Junuzovic mehr Freiheiten zugestanden bekam, kann man getrost von einem 4-1-3-2 sprechen. In dieser Phase spielte die Constantini-Elf ihren besten Fußball, doch mit der Einwechslung von Baumgartlinger und der damit verbundenen Systemumstellung war auch dieser Elan dahin.

Dass man die Gäste auch in der Schlussphase zu keiner ernsthaften Torgelegenheit kommen hat lassen, muss zwar erwähnt werden, was ich hiermit auch tue, ist aber ohnehin Grundvoraussetzung, will man gegen Belgien oder gar Deutschland ein Leiberl haben.

Zusammenfassend
Eine wenig unterhaltsame Partie gegen einen desolaten Gegner, die immerhin ein zufriedenstellendes Endresultat mit sich brachte. Constantinis hat zum einen haarsträubende Fehler gemacht und desweiteren nicht gegnergemäß, sprich: offensiv, spielen lassen. Die Begegnung offenbarte wenig Neues, trennte jedoch Wahres von Unwahrem: Ja, Dietmar Constantini hat wenig Ahnung von Taktik und Ordnung. Ja, unser Teamchef ist lernunfähig und stellt Spieler auf, wo sie nichts verloren haben. Nein, die Mannschaft ist nicht (zu) jung. Und schließlich die wichtigste aller Fragen:

Wird sich das spielerische Element jemals bessern, solange er das Amt des Teamchefs inne hat? Nein.

Einzelkritik

Macho: Einmal hielt er gut, ansonsten gab es nichts zu halten

Klein: Kann noch immer nichts dafür, dass er im Nationalteams nichts verloren hat…
Prödl: Einige Male ungeschickt, dafür mit einer hervorragenden Zweikampfbilanz

Schiemer:
Wer meint, er habe in der IV nichts verloren, kann ihn nicht spielen gesehen haben
Fuchs:
Ab und an sorgten seine Vorstöße für Gefahr, doch selbst wenn nicht sorgten sie immerhin für einen Hauch von spielerischer Linie

Scharner: Box-to-Box mag man, oder eben nicht… Wenn man es mag, kann man mit Fug und Recht von einer guten Leistung sprechen
Junuzovic: Viel zu wenig Ballkontakte, als dass er dem Spiel eine Wendung hätte geben können

Arnautovic: In Halbzeit Eins noch biederer Durchschnitt, nach dem Seitenwechsel bester Mann auf dem Platz
Linz: Kanns nichts dafür, dass er außerhalb des Strafraums nichts verloren hat…
Harnik:
Ein Freund seiner Spielweise werd ich nie werden. Meiner Meinung nach gibt er generell zu viele Bälle verloren, gestern erwischte er obendrein einen schlechten Tag

Maierhofer: Kämpferisch wie gewohnt, am Ball ungewohnt stark – seine mutmaßlich beste Leistung im Teamdress

Kavlak: Allein seine Vorlage zum 3:0 rechtfertigte seine Einwechslung
Hoffer: Viel Wirbel um nichts
Baumgartlinger: Kann nichts dafür, dass er zu kurz eingesetzt wurde

[ANALYSE] Von ballverteilenden Vollblutstürmern und wirkungslosen 6ern

5 Kommentare

Österreichs Nationalmannschaft gewann gegen Kasachstan und verdiente sich dadurch drei Punkte. Dem glücklichen 2:0-Sieg war jedoch eine katastrophale Vorstellung der Constantini-Elf vorausgegangen, welche hauptsächlich auf den Teamchef selbst zurückzuführen ist. Der dseitlhuber – sportblog gibt die gestrigen Ereignisse schonungslos wieder und zeigt auf, warum Constantinis minimalistische Taktik zum Scheitern verurteilt ist:

Dietmar Constantini – richtig, jener Teamchef, dem die Massen bei seinem Amtsantritt förmlich zu Füßen lagen – wäre, so sagt er selbst, möglicherweise nicht länger Teamchef, hätte Linz nicht ins Tor getroffen. Tatsächlich wäre dies eine Erlösung für Fußball-Österreich gewesen, weshalb der 2:0-Sieg in meinem Fußball-Herzen wie eine 0:7-Niederlage schmerzt. Doch Linz hat getroffen, infolgedessen ist das Zustandekommen des Ergebnisses egal – diesbezüglich sind Polzer, Prohaska und Constantini einander im Grunde genommen einig. Dass es nicht egal ist, weiß jeder unbefangene Beobachter normalen Intelligenzgrades. Soweit meine Meinung, nun zum Spielverlauf:

Im österreichischen Tor stand, wie versprochen, Jürgen Macho, die Viererkette davo bildeten Ekrem Dag, Sebastian Prödl, Emanuel Pogatetz und Christian Fuchs, allesamt Legionäre. Im Mittelfeld bewies Constantini insofern Mut, als er Veli Kavlak ins zentral defensive Mittelfeld beorderte – zuletzt hatte Kavlak diese Rolle bei der U20-WM in Kanada ausgefüllt – und Roland Linz, gemeinhin als lauffaul und technisch limitiert verschrien, als ZOM/hängende Spitze aufbot. Im rechten Mittelfeld kam Martin Harnik zum Zug (Constantini zwei Tage vor Spielbeginn: “Harnik ist meiner Meinung nach im Sturm am besten aufgehoben.”), die Mittelstürmer-Position hatte erwartungsgemäß Teamkapitän Janko inne.

Linz’ Rolle war meiner Meinung nach nicht klar definierbar, insofern auch nicht das System der Österreicher – ich tendiere dazu, Roland Linz (!) als Ballverteiler im zentral offensiven Mittelfeld und folglich ein 4-2-3-1 zu sehen.

Dietmars Startformation

Dietmars Startformation

Erste Halbzeit
Österreich begann einigermaßen gut, fand nach Geschenken der Kasachen und einfach strukturiertem Flügelspiel sogar Torchancen vor. Nach 15 Minuten des Anfangselans – man verfolgte offensichtlich die Taktik, ein schnelles Tor zu erzielen – fand jedoch der graue Alltag und somit auch die spielerischen Unzulänglichkeiten Einzug. Was vor allem auffiel: Anstatt die beiden 6er mit Bällen zu füttern, verwickelten die Außenverteidiger Jantscher beziehungsweise Harnik in 1-gegen-2-Duelle. Und das, obwohl mit Kavlak ein echter Kreativspieler in der Doppelsechs stand. Schiemer berührte in 90 Minuten gefühlt neun Mal das Leder, Kavlak einige Male öfters, aber keinesfalls oft genug, um ins Spiel zu finden.

Dass Constantini den Rapidler im Zentrum aufstellte, empfand ich als guten Schachzug, schließlich bringt Kavlak praktisch alle Fertigkeiten für einen guten 6er mit. Nur hätte man seine Stärken besser zur Geltung bringen können, indem man ihn und nicht die Flügelspieler zum Motor der Offensivbemühungen macht. Wie gesagt: Eine ursprünglich gute Idee des Teamchefs, einzig die Ausführung war eine Katastrophe in sich.

Die Spielminuten 15-45 offenbarten eine desolate österreichische Mannschaft, welche nicht einmal ansatzweise in der Lage war, die Kasachen auch nur wenige Minuten in deren Abwehrdrittel zu fesseln. Stattdessen ergab man sich seinem Schicksal, streute immer mehr hohe Bälle ein, anstatt den Gegner, wie angedacht, mit Seitenwechseln in die Enge zu treiben.

Zweite Hälfte
Österreich kam unverändert aus der Kabine – unverändert auch insofern, als man weiterhin auf Pressing verzichtete. Kasachstan wechselte derweilen, wobei der Tausch rein personeller Natur war und nichts am 4-4-1-1 des Weltranglisten-Hundertfünfundzwanzigsten (zum Vergleich: Brückner wurde nach einem sehr, sehr unglücklich zustande gekommenen 1:1 beim 118. entlassen). Der Siegeswille war weiterhin ersichtlich, man kombinierte allerdings ebenso planlos weiter wie in Halbzeit Eins. Allmählich verlor selbst der Anhang die Geduld, was bei der Auswechslung Marc Jankos (für ihn kam Maierhofer, Anm.) in einem gellenden Pfeifkonzert gipfelte und die Spieler jeglicher Form von positiver Körpersprache beraubte. Es folgte Steinzeitfußball, sinnlos in den Strafraum gedroschene Bälle und, fast noch schlimmer, beinahe der Führungstreffer für Kasachstan. Vom Wiederanpfiff bis zur 89. Minute kam Österreich zu keiner einzigen herausgespielten Tormöglichkeit, bis letztendlich doch noch zwei Tore fielen.

Constantinis Aussage – “Wenn man gewinnt, hat man alles richtig gemacht!” – ist dermaßen irrig, dass sie keines Kommentars bedarf und deshalb auch keinen bekommt.

Zusammenfassend
Die Kasachen waren unseren Kickern fußballerisch um Klassen unterlegen, igelten sich in keinster Weise ein, verteilten hinten Geschenke und spielten ihre Konterchance halbherzig aus – einen angenehmeren Gegner kann man nicht bekommen. Dennoch kam der Heimsieg letztlich durch ein Haufen des Glücks, und nicht etwa des Verstandes zustande. Freilich: Man vergab zu Spielbeginn einige Hochkaräter und zugegebenermaßen erwischten einige Stammspieler (namentlich: Janko, Jantscher, Dag) einen äußerst schlechten Tag. Die Unleistung selbst muss sich nichts desto trotz der Teamchef selbst ankreiden lassen. Gründe hierfür gibt es allerlei, Hauptursache für den stotternden Spielverlauf ist jedoch zweifelsohne Constantinis absurde Vorstellung von einer Doppelsechs.

Dieser stellte am Tag danach übrigens ein Comeback von Roland Linz im ZOM in den Raum, der Tiroler will eine “gute Leistung vom Roli” gesehen haben. Dass er meiner Wahrnehmung nach einer der Schlechteren war und mit seiner Rolle hinten und vorne nicht fertig wurde, mag meinetwegen an mir liegen.

Beitrag stammt vom: 8. September 2010 – 18:39 Uhr

[ANALYSE] Constantini at his best

4 Kommentare

Der dseitlhuber – sportblog analysiert das freundschaftliche Länderspiel zwischen Österreichs A- und der schweizerischen B-Auswahl

18 000 Zuseher – einer davon war, man könnte sagen ‘unglücklicherweise’, ich – pilgerten in die Klagenfurter Hypo Group-Arena, um dort zu hoffen, dass sich bessert, was sich unter einem Teamchef Dietmar Constantini nicht mehr bessern wird: Der Spielaufbau des ÖFB-Teams, oder grob gesagt: das Auftreten selbigens.

Das Ergebnis täuscht über eine katastrophale Leistung hinweg, gegen in Bestbesetzung und mit vollem Einsatz auftretende Schweizer hätte man sich keineswegs mit einer, letztendlich fast unglücklich zustande gekommenen, knappen Niederlage aus der Affäre ziehen können. Dennoch – und darauf lege ich im Laufe des Blog-Eintrags explizit Wert, einfach weil gerne Gegenteiliges behauptet wird – hatte Constantini einen Plan und folglich auch eine Taktik.

So sah die Grundformation aus:

Österreich gegen Schweiz

Österreichs Startformation gegen die Schweiz

Constantinis Taktik und warum diese scheiterte
Ich habe es bereits angesprochen, Constantini hatte eine Taktik – die Graphik veranschaulicht dies zusätzlich. Der sture Tiroler mit Schilehrer-Vergangenheit verzichtete auf einen Stürmer neben Jimmy Hoffer und bot stattdessen erstmals in seiner nunmehr 17-monatigen Teamchef-Ära ein 4-2-3-1 auf. Bei Ballbesitz des Gegners wurde dieses allerdings zu einem 4-4-2 , welches den Gegner in dessen Spielaufbau stören sollte und das auch einigermaßen tat – dieses Muster hat sich Constantini vermutlich vom Nachbar abgeschaut, Mesut Özil erfüllte für Deutschland genau jene Rolle, die vorgestern auch Zlatko Junuzovic zugeteilt war.

Das 4-2-3-1 mit Deutschland-Touch war jedenfalls insofern eine gute Wahl, als unser Gegenüber in seinem traditionellen 4-2-2-2/4-4-1-1-System auftrat und Österreich, von der Papierform her, leichtes Übergewicht im Mittelfeld hatte. Dass es sich hierbei nicht um Zufall, sondern tatsächlich eine Überlegung Constantinis handelte, zeigt sich auch am folgenden taktischen Muster: Praktisch jedes Mal wenn der Ball in den österreichischen Reihen zirkulierte, wurde einer der beiden Außenverteidiger (in 98% der Fälle war es Christian Fuchs) zum sechsten Mittelfeldspieler und die 4er- zur 3er-Kette. Folglich hatte Dag bei schnellen Gegenstößen der Schweizer zwei Positionen, nämlich jene des Innen- und die des Außenverteidigers, zu erfüllen, was ihm sichtlich Probleme bereitete und den Schweizern zu zwei Großchancen verhalf.

Wirklich verloren hat Österreich die Partie jedoch anderswo: Im zentral defensiven Mittelfeld. Zum einen konnte ich trotz intensivster Beobachtung von genau dieser Zone in der österreichischen Doppelsechs nicht mal ansatzweise eine Form der Arbeitsteilung ausmachen. War nun Schiemer der offensivere, oder doch Baumgartlinger? Ich tendiere eher zu Baumi, wissen tu ich es aber nicht.
Weiters passte der Abstand von Abräumer A zu Abräumer B nichtmal ansatzweise, wobei ich mir in diesem Fall nicht sicher bin, ob Schiemer/Baumgartlinger schlicht überfordert waren, oder ihr Fehlverhalten einer absurden Idee des Teamchefs entsprang.

Schließlich und endlich der wesentlichste Verhau: Das Umschalten (beziehungsweise Nicht-Umschalten) von Offensive auf Defensive, welches in einem 4-2-3-1 noch wichtiger ist, als in vielen anderen Systemen. Baumgartlinger bekam offensichtlich die “Busquets-Rolle” (Vorbild ist nämlich Spanien) zugeteilt, was so viel wie “Ball annehmen, passen, freilaufen, Ball annehmen, passen, freilaufen, Ball annehmen, …” bedeutet (Sinn = 0, nachdem man den geregelten Spielaufbau bereits nach 30 Minuten eingestellt hatte). Ein Schiemer – natürlich wäre jeder Badekicker für diese Rolle besser geeignet als Schiemer, aber Constantini will es nunmal so – als Xabi Alonso für Arme wäre für den Spielverlauf ein Segen gewesen, dass er nahtlos an seine Zerstörer-Funktion bei RB Salzburg anknüpfte, ist andererseits konsequent, weil die perfekte Abrundung einer perfekten Vergewaltigung des Prinzips ‘Doppelsechs’. Gebracht hat die Doppelsechs also nur eines: das altbekannte „Österreicherloch“.

Dass Erwin Hoffer und nicht ein etwas größerer Spieler die Solo-Spitze gab, sehe ich übrigens, im Gegensatz zu manch anderem, nicht als Fehler des Teamchefs. Solange er Bälle für sich und sich in Zweikämpfen behauptet – was er meiner Meinung nach durchaus getan hat –, ist er in meinen Augen auch ohne Riesen an seiner Seite zu gebrauchen.

Zusammenfassend
Wer sagt, Constantini hätte seinen Spielern keine Taktik mit auf den Weg gegeben, lügt, oder verfügt einfach über eine mäßige Beobachtungsgabe. Seine Strategie war schlichtweg a) oberflächlich… und deshalb b) um nichts besser als keine Taktik. Alleine, dass DC Schiemer offensichtlich aufgetragen hat, sich bei jedem Abschlag ins ZOM zu begeben, nur damit er dort Kopfballduelle gewinnt, demonstriert die Naivität unseres Teamchefs auf eindrucksvolle Art und Weise, weshalb er sich nachfolgenden Sager im Grunde genommen sparen hätte können:

Das Konzept schaut so aus: Jeder soll sich bewegen und jeder soll einen einfachen Pass spielen. Dann kommen wir nach vorne zum Tor und machen den Treffer. Das wäre mein Konzept. Da kommt aber etwas dazwischen: Der Gegner zerstört mir dieses Konzept. Bei jeder Vereinsmannschaft ist es dasselbe. Unser Konzept ist so ausgelegt, dass wir so spielen wie Spanien. Das wäre ideal. Aber das geht nicht, weil wir nicht so gut sind wie Spanien.

Um meinen Blog-Eintrag auf den Punkt zu bringen: Eine Taktik hatten wir sehrwohl, der Teamchef dürfte aber einfach nicht in der Lage sein, eine in sich stimmige zusammenzustellen. Heißt: Unter Dietmar Constantini wird Österreich höchstwahrscheinlich keine besseren Spiele mehr erbringen. Das Unternehmen ‚WM-Quali‘ ist somit vorbei, ehe es begonnen hat – ein fähiger ÖFB-Präsident würde aus dieser Perspektive seine Schlüsse ziehen und das einzig richtige tun

Einzelkritik:

Gratzei: Im ersten Durchgang hielt er einige Male die Null fest, nach Seitenwechsel nicht mehr ernsthaft geprüft

Dag: Mitunter einer der Schlechtesten, was aber eher auf Constantini zurückzuführen ist
Prödl:
Hölzern wie eh und je, aber allemal zweikampfstark und deshalb eine Bereicherung
Pogatetz:
In der Innenverteidigung Fels in der Brandung, im gegnerischen 16er gefährlichster Österreicher
Fuchs:
Hätte er sich beim Elfer zurückgehalten und jemand anders schießen lassen, könnte man von einer guten Leistung sprechen

Schiemer: Lieferte im Rahmen seiner Möglichkeiten eine solide Vorstellung ab
Baumgartlinger:
Gefiel mir phasenweise ganz gut, machte sich/uns mit einigen Abspielfehlern allerdings auch vieles zunichte

Wolf: Kann nichts dafür, dass er nichts im Nationalteam zu suchen hat
Junuzovic:
Anfangs noch okay, danach zusehends untergetaucht
Jantscher:
Hat schon bessere Tage gesehen, wobei einige Hereingaben dennoch brauchbar waren

Hoffer: Ihm wurde bereits ein Absatz gewidmet

Klein: Kann genauso viel dafür wie Patrick Wolf
Korkmaz:
Technisch macht ihm weder Freund noch Feind was vor, andererseits ist seine Effizienz weiterhin unter jeder Kritik
Harnik:
Holte das 11er-Geschenk heraus und war auch ansonsten bemüht, sein fehlender Torinstinkt brachte ihn jedoch oft um die Früchte seiner Arbeit

Beitrag stammt vom: 13. August 2010 – 18:26 Uhr

[ANALYSE] Absehbar

5 Kommentare

Das österreichische Nationalteam hat sich gestern mal wieder selbst übertroffen. Wie Blassfüßler, taktische Nackabatzln und biedere Amateurkicker agierten die Österreicher teilweise. Die ÖFB-Auswahl hat in mittlerweile 9 Spielen unter Teamchef Constantini noch immer keine Leistungssteigerung zuwege gebracht.
– Klärungsbedarf.

Zugegeben: Kroatien hat auch ohne Rakitic, Pranjic, Kranjcar oder Olic genug Qualität, Österreich an guten Tagen mit dem kleinen Finger zu heben. Alleine Luca Modric hat mehr individuelle Klasse im Fuß, als Dietmar Constantini im Kader. Dennoch meine ich, dass man auch gegen einen solchen Gegner seinen Stolz zu wahren, eine ordentliche Leistung zu erbringen hat.

Weit gefehlt, die DiCo-Elf hat in 90 Minuten keine einzige (ernüchternderweise nicht übertrieben; !) Kombination über mehrere Stationen in Gang und gebracht und sich – wie mittlerweile üblich – auf Zufälle verlassen. Fast hätte ein solcher sogar zum 1:0 geführt, leider (?) scheiterte der sträflich vernachlässigte Janko aus wenigen Metern jedoch um wenige Zentimeter.
Ansonsten sahen 20 000 relativ Vertrautes: Kein Mittelfeld, keine zusammenhängenden Spielzüge, kein durchdachtes Konterspiel, kein Kollektiv.

Der Mannschaft schienen stabile Abwehr und speziell eine lenkende Hand im Mittelfeld zu fehlen – auch wenn Constantini insofern Fortschritte machte, als dass er mit Junuzovic erstmals einen technisch begabten zentralen Mittelfeldspieler aufbot. Wie er, der Teamchef, das Jung-Veilchen integrierte, passt jedoch ins ernüchternde Bild. Bevor ich näher auf das Mittelfeld-Loch und die grenzenlose Überforderung Junuzovics eingehe, vorweg unsere

Startelf:

Macho
Prödl – Dragovic – Ortlechner – Fuchs
Schiemer_____
_____Junuzovic
Harnik_______________Korkmaz
Wallner – Janko

Das Mittelfeld-Loch
Junuzovic, ein wie gesagt technisch hervorragender Kicker, bekam die gesamte Verantwortung für den Spielaufbau seiner Mannschaft auferlegt. Im Rahmen seiner Möglichkeiten erledigte er die Aufgabe eigentlich recht ansprechend, obwohl – und das muss sich der Teamchef, auch wenn er nicht mag, ankreiden lassen – es in einem ausgeklügelten taktischen Konzept sicherlich besser hätte laufen können. Junuzovic ist einfach nicht der Typ, der ein Spiel an sich reißen und lenken kann. Er ist vielmehr einer, der anderen (bei seiner Austria ist das Acimovic, beziehungsweise bei dessen Fehlen Liendl) die Zügel in die Hand gibt, oft fast als hängende Spitze agiert und von dort aus Impulse gibt.

Gestern hatte er nicht die Möglichkeit dazu, Fränkie Schiemer hätte er den Spielaufbau wohl kaum überlassen können. Als Teamchef bleiben dir, wenn du im Vorfeld siehst, dass dieser Engpass entstehen könnte, grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder stellst du Junuzovic einen Leitgeb zur Seite, oder aber du stellst statt Junuzovic einfach Leitgeb auf. Leitgeb, weil dieser im Salzburg-Alltag seit der System-Umstellung Stevens‘ (Cziommer ist nominell zwar RZM, aber eigentlich als HS gedacht) bestens mit einer solchen Mammut-Aufgabe vertraut ist.

Sähe so (Constantini: „Über 4-1-4-1 kann man diskutieren“)

Macho
Prödl – Dragovic – Ortlechner – Fuchs
Schiemer
Leitgeb – Junuzovic
Harnik_______________Korkmaz
Wallner/Janko

oder eben so

Macho
Prödl – Dragovic – Ortlechner – Fuchs
Schiemer_____
_____Leitgeb
Harnik_______________Korkmaz
Wallner – Janko

aus. Jedensfall wären Löcher wie jenes aus der 36. Minute (wer sich erinnert: Mandzukic bekommt 10, 15 Meter innerhalb der österreichischen Hälfte den Ball zu gespielt und kann seelenruhig Richtung Tor spazieren, weil Schiemer bereits in die IV gewandert und Junuzovic Vorne stehen geblieben war) mit einer dieser Alternativlösungen wohl deutlich seltener geblieben.

Harnik von Tagesform und Mitspielern verlassen
Themenwechsel: Martin Harnik. Der Comebacker wurde bereits gegen Ende der ersten Hälfte ausgetauscht, da ihm in 39 Einsatzminuten praktisch nichts gelungen war. Gut, vermutlich hat Harnik tatsächlich schon bessere Tage gesehen (der Deutschland-Legionär sagte ja selbst nichts anderes über sich), aber teilweise war seine schlechte Vorstellung sicherlich mit dem Außenverteidiger Sebastian Prödl verknüpft. Wenn du als flinker, aber technisch eher limitierter rechter Mittelfeldspieler weder von einem zentralen Mittelfeldspieler noch von einem rechten Verteidiger Unterstützung bekommst, fehlt dir einfach der Raum, deine Stärken zu entfalten. Wie gesagt: Harnik hat freilich schlecht gespielt, aber auch hier hat der Teamchef Fehler begangen – spätestens wenn man weiß, welche Spieler die RV-Position ausführen könnten, von Constantini aber (aus welchen unsinnigen Gründen auch immer) keine Wertschätzung finden, sollte dies jedem Anhänger des österreichischen Nationalteams klar sein.

Konterspiel
Wo war es? Irgendwo, jedenfalls nicht auf dem Platz.
Wobei Constantini grundsätzlich Recht hat: Österreich verfügt tatsächlich über einige potenzielle Konterspieler. Korkmaz, Harnik, Junuzovic und mit Abstrichen auch Wallner eignen sich prächtig. Was wenn es dennoch nicht klappt? Entweder der Gegner war zu stark oder der Teamchef zu schwach. Der Leser möge seine Entscheidung treffen, ich für meinen Teil habe es bereits getan.

Artikel stammt vom: 20. Mai 2010 – 16:50 Uhr

Analytischer Zusatzteil

Einzelkritik Österreich:

Constantini: Dürfte der Mannschaft kein fundiertes taktisches Konzept auf den Platz mit gegeben haben (er meint, das liege nicht an ihm, sondern am starken Gegner und an der kurzen Vorbereitungszeit). In Minute 85 bekam er – eigentlich viel, viel zu spät – die Quittung präsentiert. Bitter: Seine Nachbetrachtung ähnelte mehr einem „Sommergespräch“ mit diversen Wischi-Waschi Aussagen, denn einer ernsthaften Aufarbeitung des Spielgeschehens

Macho: Wurde manchmal zwar schlicht und einfach angeschossen, hielt aber auch einige Male freiwillig richtig gut. Gestern war er Österreichs Bester.

Prödl: Schuldlos, weil fehlplatziert. Von Modric nach Strich und Faden umdribbelt, Offensivspiel erwartungsgemäß
Dragovic:
War schon mal besser, braucht sich für die gestrige Leistung aber sicherlich nicht genieren
Ortlechner:
War schon schlechter, braucht sich auch nicht schämen
Fuchs:
War nach Kroatien-Eckstoß auf dem besten Wege eine katastrophale Vorstellung ideal ab zu runden

Harnik: Schlechte Tagesverfassung und Fehlkalkulation des Teamchefs reichten einander die Hände und fabrizierten einen Zwangsaustaustausch nach 39 Einsatzminuten
Schiemer:
Als dritter Innenverteidiger machte er sich durchaus gut, sein Passspiel hingegen war augenbeleidigend.
Junuzovic:
Ohne Unterstützung kann ein Junuzovic bestenfalls mittelmäßig spielen. Im Rahmen der Möglichkeiten durchaus passable Leistung
Korkmaz:
Technisch hervorragend und mit Selbstvertrauen reichlich gesegnet stellte er die Kroatien-Abwehr Mal um Mal vor Probleme, im Endeffekt blieb aber auch er ziemlich ineffizient… vom nicht vorhandenen Defensivspiel einmal abgesehen

Wallner: Ungewohnt in der Luft hängend, wenngleich gewohnt bemüht
Janko:
Es gibt kein System, das Janko weniger schmeicheln würde, als jenes von Huub Stevens? Doch, Constantini hat es erfunden.

[ANALYSE] Österreich, das Land der begrenzten Möglichkeiten

7 Kommentare

Mit Bauchweh im Spielaufbau und eisener Konsequenz im Defensivverbund hat man den Dänen im gestrigen Testspiel ein Bein gestellt. Die Constantini-Elf gewann die Partie gegen den geschwächten WM-Teilnehmer mit 2:1. Gar nicht unverdient, wenngleich Österreich eigentlich kaum überzeugen konnte. Warum es trotzdem klappte, was besser wurde und was voraussichtlich nie besser werden wird

Zuerst einmal muss ich auf die Euphorie-Bremse drücken: Weder die Offensive noch die Hintermannschaft waren auch nur ansatzweise „EM-reif“ – davon sprach nämlich die Tageszeitung ÖSTERREICH, die der Kronen Zeitung mittlerweile den Ruf des Revolverblattes abgelaufen haben dürfte. „Herzerfrischende Leistung unseres Teams“, erklärte Christian Russegger in seiner „Analyse“ weiter. Und das, wovor ich bereits hier und hier gewarnt habe, scheint sich somit zu bewahrheiten: Die falsche Einordnung einer offensichtlich mäßigen Partie. Gut, wir haben 2:1 gewonnen und das mag für eine Fußball-Nation wie Österreich auf’s blanke Ergebnis reduziert zugegeben ein großer Erfolg sein. Blickt man hinter Fassade, sieht die Welt aber eher konträr aus.
Denn bei allem Respekt für den Einsatzwillen, für die durchaus starke Defensivleistung unseres Nationalteams: Der Sieg ist mehr auf Überheblichkeit, fehlende Spieler und mangelnde Kampfkraft seitens der Dänen zu schieben, als es manchem lieb ist. Ich will damit wahrlich nicht den Schwarzmaler spielen – die haben wir ohnehin zuhauf – mein Ziel ist es, zum nachdenken anzuregen. Wieso zum Beispiel hatte die Gastnation Dänemark nach 20 Minuten 78% aller Ballkontakte? Wieso fanden passable Angriffe nur über Kavlak stand? Weshalb tut man sich mit dem Kombinieren so schwer, auch wenn einem die Dänen genug Platz bereiten? Fragen über Fragen, die allesamt egal scheinen.

Österreich hat nämlich ein Freundschaftsspiel gegen Dänemark gewonnen. Übrigens der erste Sieg zu Nationalteam-Jahresbeginn seit 8 Jahren – es scheint, als wäre es das, was zählt. Denn die Nachbetrachtungen die derzeit auf Papier und im WWW kursieren sind leider – mit Verlaub – unter ferner liefen und absolut oberflächlich. Lobend hervorheben kann ich nur Thomas Schaffer von der Online-Plattform derstandard.at – eine großteils sehr treffende Nachbetrachtung des gestrigen Fußball-Abends. Worauf ich hinaus will? Dass ich Recht hatte. Recht hatte, als ich schrieb, dass uns eine Niederlage vielleicht gelegen käme. Die Motive sollten auf der Hand liegen: Beispielsweise ein Vorteil, dass Niederlagen meist mehr zum Nachdenken anregen als 2:1-Siege und auch inhaltlich bessere Aufarbeitungen nach sich ziehen.

Nun ist es halt so, dass wir die Dänen 2:1 besiegt haben. Und damit werden Fehler übersehen, die einfach offensichtlich sind. Zum Beispiel sah ich in zweimal 90 Minuten (einmal Live, einmal die Videoaufzeichnung) nur je eine (!) echte Kurzpass-Kombination der Österreicher. Um gegen andere Gegner – welche, die auch wirklich gewinnen wollen – erfolgreich bestehen zu können, ist das einfach zu wenig. Unsere Abwehrkette spielte, geleitet von Paul Scharner, eigentlich eine durchwegs souveräne Partie. Dazu muss man dem Teamchef ein Lob aussprechen, nicht jedem ÖFB-Teamchef gelingt das. Bedingt aber natürlich auch dadurch, dass das Mittelfeld beinahe ausschließlich aufs Absichern beschränkt war und Spielzüge dementsprechend rar blieben.
Gelegen hat dies vor Allem an der Doppelsechs in der Schaltzentrale, gebildet von Schiemer und Baumgartlinger. Mittlerweile kann hoffentlich auch jeder Halb-Blinde nachvollziehen, warum der Didi keinen Andi wünscht: Die Position Ivanschitz gibt es im System Constantini schlichtweg nicht. Bitter, aber wahr. Man muss Constantini schon zu Gute halten, dass er durchaus gute Überlegungen haben dürfte: Trotz des Aufschwungs im heimischen Fußball ist Österreich weiterhin ein Land der begrenzten Möglichkeiten – für einen Teamchef jedenfalls, dementsprechend kompakt gilt es aufzutreten – Spieler wie Ivanschitz oder Arnautovic können einem da schon den einen oder auch den anderen Strich durch die Rechnung machen. Wie gesagt keine schlechte Überlegung, eventuell sogar eine sehr gute. Durch die Doppelsechs nimmt das Mittelfeld enormen Druck von der Abwehr, was sich teilweise auch auf Tor oder Nicht-Tor auswirken kann. Diese Maßnahme gilt es jedoch zu kompensieren, um nicht abermals so ideenlos wie gestern da zu stehen. Beispielsweise könnte man flinke Kreativspieler wie Prager oder Junuzovic ins offensive Mittelfeld stellen und stattdessen den hängenden Stürmer opfern. Schon hätte man die fehlende spielerische Stärke ansatzweise wett gemacht. Freilich ist der Fußball nicht ganz so leicht, gewisse Vorteile würden sich in einem 4-2-3-1 aber schon ergeben.

  • Die Dominanz/Ebenbürtigkeit
    Von Dominanz zu sprechen klingt ein bisschen vermessen – ist es auch. Auch doppelt und dreifach betrachtet. Die österreichischen Mitteln sind doch noch recht limitiert, einen Gegner an die Wand zu kicken können wir noch nicht erwarten. Trotzdem gilt es, so gut als möglich mitzuspielen, sich nicht ununterbrochen ins Abwehrdrittel drängen zu lassen. Selbst gegen die lustlosen Dänen ist uns dies sehr häufig passiert, ergibt sich diesbezüglich keine Änderung könnte die EM-Quali bitter werden. Ein 10er oder 8er statt Wallner würde vermutlich nicht alle Probleme im österreichischen Spielaufbau lösen, aber schlicht und einfach die Kluft zwischen Angriff und Defensive schließen – das derzeit größte Übel des Didi-Systems.
  • Der Überraschungsmoment
    Der Spielaufbau unserer Nationalelf ist derzeit erschreckend simpel strukturiert. Einer der IVs passt zu einem der AVs, dieser AV gibt zurück zum IV. Der IV gibt zu Baumgartlinger oder Schiemer ab, welcher den Ball raschestmöglich auf den Flügel bringt, wo die dort befindlichen Spieler den Turbo zünden und sich nur allzu oft festlaufen. Es fehlt das unkalkulierbare, der Überraschungsmoment. Es muss nicht gleich ein Ivanschitz sein – dessen Laufleistungen ich übrigens auch für mehr als grenzwertig halte -, aber es gibt in Österreich genügend Spieler die sowohl nach hinten arbeiten als auch technisch sehr bewandert sind.
  • Der letzte Pass/Lochpass
    Haben Sie mitgezählt? Hoffentlich nicht. Vergeblich hätte man warten müssen auf einen echten tödlichen, finalen Pass, der Löcher in die gegnerische Abwehr reißt. Wieso? Weil dem ÖFB-Team in momentaner Besetzung die Spieler hierfür fehlen. Einen One-Touch-Fußball im Stile der Topteams erwartet sich kaum einer, aber das Suchen und Finden von Löchern ist noch immer das probateste Mittel um Tore zu erzielen. Dieser Aspekt wird momentan vollstens ignoriert.

Fazit: Ein 5er-Mittelfeld klingt zwar defensiver, ist es aber nicht. Denn ob man sich mit 2 Stürmern oder einem Stürmer dem Spielaufbau der Dänen ergibt ist im Grunde genommen egal. Mit dem Unterschied, dass ein Spielgestalter à la Junuzovic garantiert für Offensiv-Schwung sorgen könnte. Und eines ist vorprogrammiert: Gelingt unserem Team (allen voran dem Teamchef) diesbezüglich kein Umschwung, ist ein Scheitern in der EM-Quali – so leid mir das tun würde – leider vorprogrammiert. So viel zu einer von vielen potenziellen Verbesserungsvorschlägen. Nun widme ich mich dem, was ich gesehen habe:

1. Durchgang: Not gegen Elend
Gut sortiert, aber ohne ernsthafte Ambitionen aufs Tore schießen ließen wir Minute um Minute verstreichen. Grundsätzlich ja nicht schlecht: Jede Minute die du gegen eine Top-Mannschaft (und die ist Dänemark normalerweise) ohne Tor überstehst, war eine gute Minute. Nur – und das muss jeder kühnste Optimist einsehen – waren die Dänen gestern einfach keine Top-Mannschaft. Zum Einen blieben Tomasson und Poulsen gleich daheim, zum Anderen schienen uns die Skandinavier nicht unbedingt ernst zu nehmen. Bezeichnend dass trotz Rückstands im zweiten Durchgang gleich 6 Spieler durch einen anderen ersetzt wurden. Dementsprechend sträflich wurden wir allein gelassen bei Standardsituationen, die wir uns geschickt erarbeitet und gefährlich vorgetragen haben. Erst traf eine Kavlak-Flanke Schiemers Kopf und von dort aus das Out – wenige Minuten später sollte es der Defensiv-Allrounder aber besser machen. Kavlak mit der Hereingabe, die in einem Fußgemenge endet, in der Folge Schiemers Fuß findet und von dort aus ins Tor kullert. Die Führung währte aber nicht wirklich lange. Abermals aus einer Standard-Situation finden die Dänen Bendtners Kopf und dessen wuchtiger Kopfball auch das Tor. Das Videostudium klärt auf: Die Österreicher haben sich von den Dänen austricksen lassen. Deren drei warteten am 16er-Eck um genau zum richtigen Zeitpunkt der Hereingabe in Richtung Tor zu stürmen. Gut einstudiert seitens der Gäste, nicht bemerkt von uns. Kann passieren – Wäre eine Unachtsamkeit in einer Standard-Situation der einzige Fehler in einem Freundschaftsspiel geblieben, könnten wir uns wohl glücklich schätzen.

Die nächsten Minuten brachten kaum Herzeigbares. So forsch Dänemark das Spiel begann, so rasch begnügten sie sich auch mit dem Getanen. Die Gäste blieben zwar die spielbestimmende Mannschaft, ohne aber ausgesprochen gefährlich zu kombinieren. Es hätte den Herren also ganz recht geschehen wenn Kavlak – gestern zweifelsohne unser Bester – nach gutem Sololauf nicht die Stange sondern das Tor getroffen hätte. Eine der wenigen ansehlichen Szenen bis zu diesem Zeitpunkt – das Spiel war zuweilen so fad, dass Thomas König kurzzeitig laut über den vergangen Schlager Rapid gegen Salzburg nachdenken konnte. 2 Minuten später, 8 vor der Halbzeit, wurde er aus seinen Träumereien gerissen. Und wie! Roman Wallner, der selbst einen Lionel Messi an physischer Größe nur sehr unwesentlich überragt, machte nämlich das, was ihm „nur einmal im Jahr“ passiert: Ein Kopfballtor. Lustig das Abwehrverhalten der Dänen und widerspiegelnd für den Charakter der Partie. Umjubelt von 13.500 Anhängern ging unsere Elf mit einer etwas schmeichelhaften Führung in die Kabine.

2. Durchgang: „Zu riskant“
Weiter in den zweiten Durchgang. Österreich traute sich trotz Führung etwas mehr. „Wir haben teilweise zu riskant gespielt“, sollte Constantini nach der Partie darüber sagen. „Wie bitte?“, frage ich mich still und schreibe es gleichzeitig nieder. Erwartungsgemäß bekomme ich keine Antwort – weder vom Teamchef selbst, noch von meiner inneren Vernunft. Womit kann man gegen Gegner wie Deutschland rechnen, wenn der Teamchef das gestrige Auftreten als zu riskant empfand? Die Defensive erstmal groß zu schreiben ist das gute Recht eines Nationalteams wie Österreich. Nimmt man sich aber vor, noch defensiver als ohnehin zu spielen, kann sich das rasch ins Negative wandeln. Dann nämlich wenn man „gut stehen, die Räume eng machen“ mit permanentem Hinten-drin-Stehen verwechselt – so etwas kann über 90 Minuten hinweg einfach nicht gut gehen. Ein bisschen zu riskant also spielten sie weiter die Österreicher, ernsthaft mitgespielt haben wir aber auch in dieser Phase nicht. In Minute 55 fand Marc Janko übrigens seine erste Torchance vor. Symptomatisch, weil Janko nicht wirklich in Didis Spielweise passt. Janko brilliert in Mannschaften die den Gegner dominieren (RB Salzburg Adriaanse) oder auch in Teams die ihn für seine Ablagen schätzen (RB Salzburg Stevens) – beides scheint Constantini so nicht vorzusehen. Drei Minuten waren verstrichen, ehe dann auch die Dänen erstmals in Durchgang II so richtig gefährlich vor unserem Tor auftauchten. Dragovic machte wie so oft im gestrigen Spiel keine Figur, Keeper Gratzei dafür eine umso bessere.
In der 61. Minute verließ der einzige echte Gefahrenherd der Gäste, Nicklas Bendtner, das Spielfeld. Wem bis dahin noch nicht klar war, dass den Dänen der Ausgang des Spiels mehr oder minder wurscht ist, der dürfte es spätestens jetzt gemerkt haben. In der selben Minute debütierte übrigens Patrick Wolf für Österreich. Erfolgreich? Eher nicht.

Nicht Debütant aber trotzdem im Bilde – dies gelang dem Jung-Bayern David Alaba. In Minute 73 betrat er den Rasen und lieferte eine weitere Bewährungsprobe ab. Auch wenn ich Alaba spielerisch schon als Profi sehe und Constantini auch zu diesem Fang (er hatte ihn ja schon beim FAK unter seinen Fittichen, Anm.) zu gratulieren ist, wäre der Junge im U21-Nationalteam wohl noch besser aufgehoben.

Gerade in den Schlussminuten stellen die Dänen jegliche Angriffsbemühungen ein, wirken vom Rückstand nicht unbedingt tangiert – daraus folglich hatten die Österreicher auch wenig Mühe einen durchaus verdienten Sieg in trockene Tücher zu bringen. Ein weitere Indikator für die Erwartungshaltung der Dänen waren zwei Interviews nach dem Spiel. Teamchef Olsen zeigte sich recht locker, kaum böse auf seine Mannschaft. Über das Ergebnis sprach er erst gar nicht, mehr darüber, dass er sich nicht wirklich Sorgen mache. Hätte er eine 100%ig motivierte dänische Mannschaft gesehen, hätte er vermutlich anders reagiert. Noch ungewöhnlicher aber das Interview des Bremer Jensen: „In einem Freundschaftsspiel so defensiv zu spielen, halte ich für sehr komisch. Das spricht nicht unbedingt für die Österreicher“, meinte er.

Bilanz: Ich für meinen Teil bin kein Freund des Menschen Constantinis und auch nicht der Spielweise, die dem Menschen Constantini vorschwebt. Geworden bin ich es auch nach dem 2:1 nicht, wenngleich man ihm und seiner Mannschaft Lob aussprechen muss, für eine durchaus dagewesene Leistungssteigerung. Russegger sprach zwar von einer EM-reifen Offensive, aber von einer Abwehr die noch besser werden muss. Gewohnt – und ich denke das spricht eher gegen ihn als gegen mich – sehe ich die Dinge anders als der ÖSTERREICH-Redakteur. Selten ist eine österreichische Mannschaft defensiv so kompakt aufgetreten, selten ließ man so wenig Torchancen zu. Die Offensive hingegen ist weiterhin so harmlos wie eh und je. Sollte Constantini – wie abermals von Russegger vermutet – seine Mannschaft mit den 11 Jungs von Dänemark schon (annähernd) gefunden haben, sehe ich für die EM-Qualifkation auch bezüglich einer Besserung schwarz.

Artikel stammt vom: 5. März 2010 – 14:52 Uhr

Analytischer Zusatzteil

Aufstellung Nationalteam Österreich (4-4-1-1-System): Gratzei – Dag, Scharner, Dragovic, Fuchs – Beichler, Schiemer, Baumgartlinger, Kavlak – Wallner – Janko

Aufstellung Nationalteam Dänemark (4-3-3-System): Sörensen – Silberbauer, Kjaer, Kröldrup, Jessen – Kvist, Kahlenberg, Jensen – Rommedahl, Bendtner, Krohn-Dehli

Die Unsrigen:
Gratzei: Souverän, selten gefordert

Dag: Deutete Klasse an, scheint sich im Mittelfeld aber wohler zu fühlen
Scharner: Ohne Schleife ging’s besser als mit
Dragovic: Äußerst durchwachsene Darbietung des Veilchen
Fuchs: Siehe Dag

Beichler: Schwach, weil vom Teamchef grob fehlplatziert
Schiemer: Tor und abgeklärte Leistung
Baumgartlinger: Dem Spiel der Großen sichtlich nicht gewachsen
Kavlak: Unser Bester gestern! Sorgte oftmals für Wirbel

Wallner: Verwechselte Einsatz oft mit Foulspiel, spielerisch wenig glänzend
Janko: Wegen Österreichs Spielanlage oft in der Luft gehangen – wenn am Ball, dann passabel.

Constantinis Weg „nicht der richtige“

3 Kommentare

Der beerbte Kapitän Paul Scharner holte nach anfänglicher Gelassenheit schließlich doch zum Rundumschlag aus. Arnautovic folgte, wenngleich sanfter. Beide hatten und haben folgendes zu beanstanden: Manche spielen den Watschenmann, Constantini kommuniziere selten und schlecht. Der rote Faden der Ära Didi zieht sich somit weiter. Blog-Eintrag über Geschehenes und Hoffnung

Scharner: „Er hätte anrufen können!“
Vermutlich hätte ich meinen üblichen Appell an Constantini vor dem morgigen Länderspiel ihm zuliebe ausfallen lassen. Zwar nur vielleicht, aber die Chance hätte durchaus bestanden – hätte Paul Scharner nicht heute berechtigterweise für neuerliche Teamchef-Kritik gesorgt. Es macht nämlich langsam müde, Wort für Wort die selben Inhalte predigen zu müssen, nur um später feststellen zu müssen, dass es dem Teamchef nicht nach Lernen beliebt. So gesehen heute beziehungsweise gestern. Gestern, weil er für die Entmachtung Scharners keine Begründung hatte – heute, weil ihm genau das auf den Kopf fiel. Spät aber wuchtig holte Paul Scharner heute aus um ihm vor Dänemark noch eine gehörige verbale mitzugeben. Grundtenor seiner Wutrede: Der Teamchef kommuniziere schlecht – sofern man überhaupt noch von Kommunikation sprechen könne. Über die Medien, so behauptet er, habe man ihm die Degradierung zugesteckt. Die feine Art eines Menschenkenners, der Constantini vorgibt zu sein? Kaum. Vielmehr scheint mal wieder der rote Faden durch – Jener Strick der sich seit seinem Amtsantritt durch Länderspiele und deren Pausen zieht. Entweder der Nationaltrainer wird aus unergründlichen Motiven heraus extrem persönlich, oder aber, er teilt sich erst gar nicht mit.

Arnautovic: „Wieso ruft er nicht an?“
Mehr auf der Hand liegend als komisch ist daher auch, dass Arnautovic ebenfalls kein Constantini-Fan ist. Zum einen fühlt er sich nicht wertgeschätzt, zum anderen kommt er sich gar überflüssig vor. „Ich bin der teuerste Spieler Österreichs. Warum kann mich Constantini nicht einmal anrufen, und mich fragen, wie es mir geht?“, verschafft er, ebenfalls heute, seinem Ärger Luft.
Wieder Scharner: „Das (die Causa Kapitän, Anm.) war nicht der richtige Weg, das habe ich ihm auch in unserem Gespräch am Montag gesagt“. Weiters kommt es ihm beinahe so vor, als diene der Kapitän ausschließlich als Watschenmann.

Schließlich und endlich – und da bin ich bei ihm – habe er sich kaum etwas vorzuwerfen und sei trotzdem bei jeder Gelegenheit geprügelt worden. Er, Paul Scharner, wurde als er, Paul Scharner, zum Kapitän bestimmt. Und Paul Scharner hat sich auch verhalten wie Paul Scharner. Übermotiviert (Paul selbst: „Ist mir lieber als zu wenig!“), motiviert (Didi über Paul: „Gefällt mir!“) und ein wenig skurril (Paul über Pauls Frisur: „Die war doch nur da, um im Gespräch zu bleiben!“). Zuweilen habe er sich dem Didi zuliebe sogar verstellt. „Diplomatischer geht’s nicht, ich habe stets die Ruhe bewahrt und dem Teamchef die Stange gehalten“. Im übrigen hätte sich Scharner auch gefreut, wenn er und nicht sein Manager den Anruf erhalten hätte.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Weg des Constantinis das ist was er nicht zu sein scheint – der beste. Genügen würde es auch, wenn er der richtige wäre, aber auch davon kann man nicht ausgehen. Morgen warten die Dänen – freiwillig ohne Salzburger Augustinussen, unfreiwillig ohne Poulsen und Tomasson – und wollen vermutlich gewinnen. Früh wird abzusehen sein, ob sich Constantini auf dem Holzweg oder auf der A1 befindet. Ist letzteres nicht der Fall, so rate ich jedem patriotischen Österreicher die Daumen für die Dänen und alle weiter folgenden Gegner in der Ära Constantini zu drücken. Aus zu Liebe zu Österreich, aus Hoffnung auf Besserung!
Eines Besseren belehren lasse ich mich natürlich gerne.

Artikel stammt vom: 2. März 2010 – 17:48 Uhr

Older Entries

%d Bloggern gefällt das: