[ANALYSE] Wie und weshalb Salzburg Juve Schwierigkeiten bereitete

1 Kommentar

FC Salzburg – Juventus Turin
Red Bull Arena, 19 200 Zuseher
1 : 1 (Svento 36. / Krasic 48.)

Nach teils katastrophalen Vorstellungen im Liga-Alltag lief Österreichs Meister pünktlich zur Kür zu gewohnter Europacup-Hochform auf – über 90 spannende Minuten hinweg verlangte man dem italienischen Spitzenverein Juventus Turin alles ab und hätte letztendlich sogar gewinnen können. Es zeigte sich zum wiederholten Male, dass RedBull Salzburg die europäische Bühne weit besser liegt als das täglich Brot – zurückzuführen ist dies auf mehrere Faktoren, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der Heimniederlage gegen den KSV Superfund folgte also ein Punktgewinn gegen den Tabellenfünften der Serie A… kaum zu glauben eigentlich, nahm Stevens doch nur, so schien es zumindest, wenige Änderungen gegenüber dem Kapfenberg-Spiel vor.

Im Tor stand abermals Gerhard Tremmel, in der Viererkette davor verteidigte unter anderem der 18-jährige Alexander Hinteregger. Den 6er gab Franz Schiemer, den einzigen Stürmer Roman Wallner. All diese Spieler konnte man mehr oder weniger in der Startelf vermuten, doch mit Nikola Pokrivac rechnete kaum einer: Seit geraumer Zeit ist der Kroate bei Stevens unten durch, zuletzt wurde ihm sogar Thomas Augustinussen vorgezogen.

Gestern aber benötigte es einen Spieler wie Pokrivac. Warum er und nicht Leitgeb beginnen durfte?

Das hat taktische Gründe. Ich brauche heute einen passenden Spieler (Pokrivac, Anm.) und lasse dafür einen laufenden Spieler (Leitgeb, Anm.) auf der Bank. Natürlich hat die Startaufstellung immer mit Leistung zu tun, aber in diesem Fall geht es hauptsächlich um Taktik”

, meinte Stevens, von Gerhard Krabat auf die Personalie Pokrivac angesprochen. Wie nützlich der Kroate Salzburg sein kann, sollte sich bereits in den Anfangsminuten herausstellen…

Salzburgs Starformation (4-1-4-1)

Salzburgs Startformation (4-1-4-1)

Juventus’ 4-4-2 ließ insofern an Kompaktheit vermissen, als es die beiden Stürmer (Del Piero und Amauri) verabsäumten Druck auf den Ballführenden auszuüben – also konnte RedBull Salzburg die Vorzüge des 4-1-4-1-Systems in vollen Zügen genießen: Schiemer – oder auch Pokrivac, der sich immer wieder in tiefe Positionen fallen hat lassen – konnte das Spiel diktieren, den Ball nach Belieben an die Außenverteidiger oder Mendes da Silva weitergeben und Juve war, weil in nummerischer Unterzahl, immer einen Schritt hinterher.

Überzahl: Salzburg dominiert das Mittelfeld

Überzahl: Salzburg dominiert das Mittelfeld

Schiemer, Pokrivac und Mendes da Silva waren sich dessen offensichtlich bewusst und profitierten davon, indem sie mehrmals eine Art Dreieck formten und in diesem den Ball zirkulieren ließen. Salzburg blieb dadurch in Ballbesitz und drängte sowohl Viererkette als auch Flügelspieler der Gäste weit zurück.

Nichts anderes dürften Stevens’ “taktische Gründe” gewesen sein – er war sich einfach der Tatsache bewusst, dass ein 4-1-4-1 einem 4-4-2 im zentralen Mittelfeld unheimlich viel Schaden zufügen kann wenn der Ball richtig zirkuliert. Und Leitgeb ist nunmal ein laufender Spieler, der den Ball entweder in die Gefahrenzone trägt, oder ihn zumindest recht lange am Fuß hält – ihn aufzustellen wäre nicht unbedingt produktiv gewesen.

Ein weiterer kluger Schachzug von Stevens war es, David Mendes da Silva jene offensive Rolle zuzuteilen, die er schon während des Rückspiels gegen Omonia Nikosia hervorragend erfüllt hatte – war Salzburg in Ballbesitz spielte er, wie er es aus Alkmaar-Zeiten gewohnt ist, den sicheren Pass aus der Tiefe. Hatte der Gegner den Ball, war er zumeist vorderster Mittelfeldspieler. Zusammen mit Roman Wallner gelang es ihm sehr gut, den ballführenden Turiner “auszubremsen” und damit das Tempo aus den Angriffen der Gästen zu nehmen.

Jedenfalls war er gestern der unumstritten beste Spieler auf dem Feld. Sieht man, wie er dem Spiel seinen Stempel aufdrückte ohne sonderlich spektakulär zu wirken, wird einem nun auch klar, wieso Gludovatz Mendes da Silva zuletzt als den gefährlichsten Salzburger bezeichnet hat.

Spielverlauf
Gegenüber der 0:2-Niederlage gegen Kapfenberg präsentierte sich Salzburg in allen Belangen verbessert: Kämpferisch, taktisch und in der Folge auch spielerisch. Im zentralen Mittelfeld zogen Pokrivac und Mendes da Silva geschickt die Fäden, auf dem linken Flügel riefen Svento und Hinteregger ihr volles Leistungsvermögen ab – überhaupt war die linke die weitaus gefährlichere Seite der Salzburger, da Svento seine Schnelligkeit dazu nutzte, den Raum zwischen Rechtsverteidiger Grygera und Martinez zu beackern und so für viel Gefahr sorgte (siehe Graphik, Anm.).

Juventus Turins Angriffsbemühungen fehlte unterdessen die kreativen Momente eines Milos Krasics oder auch eines Aquilanis – beide waren im Sommer zu Juve gewechselt, mussten allerdings mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen. Weiters ließ die alte Dame Pressing jedweder Art vollständig vermissen. Eine Tatsache, die den Roten Bullen insofern entgegenkam, als es sie das Spiel gemächlich aufziehen hat lassen.

Die erste halbe Stunde gehörte zweifelsohne den Salzburgern, welche allerdings den letzten Zug zum Tor vermissen ließen. Bis schließlich das 1:0 fiel, so geschehen in der 36. Spielminute: Der überragende Mendes da Silva behauptet sich gegen zwei Gegenspieler und verlagert das Spiel auf die linke Seite, wo Svento mit einem gekonnten Haken Grygera aussteigen ließ – der Abschluss selbst landete genau im langen Eck, Manninger chancenlos.

Die zehn verbliebenen Minuten bis zum Pausenpfiff waren von Abspielfehlern der Gäste und zurückgezogenen Hausherren geprägt. Jedoch konnte man davon ausgehen, dass Juventus mit Beginn der zweiten Hälfte Druck machen würde. Dieser trat auch ein und führte bereits nach drei Spielminuten zum Erfolg: Der eben eingewechselte Krasic lässt Tremmel aus wenigen Meter keinerlei Chance. Zählen hätte das Tor aber nicht dürfen, da sich der Serbe an Hintereggers Leiberl zog und sich so einen klaren Vorteil verschaffte – eine von mehreren Fehlentscheidungen des Unparteiischen.

Eine nächste folgte sogleich, nämlich als Martinez Gelb-Rot hätte sehen müssen. Dem Schiedsrichter fehlte aber offensichtlich der Mut, das Foul regelkonform zu ahnden. Als Minuten später eine Tätlichkeit an Schwelger ohne Konsequenzen blieb, konnte man endgültig von einem Kniefall vor dem Großen sprechen. Sei’s drum…

Gegen Ende der Partie praktizierte RedBull Salzburg teils atemberaubendes Pressing, welches seinen Zweck erfüllte und Juventus zu zahlreichen Abspielfehlern zwang. Angetrieben vom mittlerweile eingewechselten Christoph Leitgeb war Österreichs Meister dem Siegtreffer weit näher als Juventus, einzig die mäßige Chancenauswertung verhinderte einen Heimsieg.

Zusammenfassend
Salzburg hätte das Spiel gut und gerne gewinnen können, kann aber auch so stolz auf sich sein – vom Glanz vergangener Tage mag bei Juventus zwar wenig bis gar nichts übrig geblieben sein, internationales Format haben die Turiner allerdings weiterhin. Nun braucht es, sofern man die Gruppenphase überstehen möchte, wohl oder übel einen Auswärtssieg in Turin – zuzutrauen ist es der Mannschaft allemal, einfach wird es jedoch mitnichten.

Advertisements

[KOMMENTAR] Souveränes 0:0

3 Kommentare

Salzburg verliert das Sechzehntelfinale zur Hälfte im Hinspiel, zum Guten biegen hätte man die Sache aber noch können. Über 90 Minuten hinweg kontrollierten die Bullen die Partie, ohne jedoch wirklich gefährlich zu werden – Der verdiente Gewinner dieser Paarung ist somit Standard Lüttich.
Blog-Eintrag über Pseudo-Kenner und fehlende Cleverness, die einem letztendlich auf den Kopf fiel

„Ich glaube, dass wir es im Hinspiel verloren haben“, meint Janko. Trainer Stevens sagte, ohne zu wissen was sein Goalgetter Minuten zuvor ins Puls4-Mikrophon sprach, in etwa das gleiche. Er, Stevens, glaubt, dass Standard schlicht und ergreifend um die berühmte Fußspitze mehr Qualität hat als seine eigene Mannschaft. Somit verwunderte es ihn nicht unbedingt, dass man sich teils sehr schwer tat. „So einfach ist Fußball. Die (Standard, Anm.) sind abgezockt. Wenn es da zur Halbzeit 0:0 steht, spielen die das (Spiel, Anm.) Heim.“

Taten sie. Weder hüben noch drüben sind Tore gefallen im Rückspiel. Woran’s gelegen ist? Experten, Fans orten Stevens als den Schuldigen, Heribert Weber fehlte der Kampfgeist. Nimmt man beide Aussagen auseinander, fällt einem auf, dass man es mal wieder mit einem typisch österreichischen Problem zu tun hat – Kaum ein Spiel wird richtig, oder auch nur ansatzweise schlüssig analysiert.
Beispielsweise kritisierten und kritisieren viele, dass Cziommer den Vorzug gegenüber Roman Wallner bekam. Es fehle ohne zweitem Stürmer schlicht und ergreifend die Entlastung für Janko, das sehe jeder, selbst ein Blinder. Und genau das ist es, was einen eigentlich in Zweifel versetzen sollte. Keine passable Betrachtung eines Fußballspiels kann so einfach sein, dass sie für die Mehreren nachvollziehbar wäre. Das dürfte jedem einleuchten, Stevens könnte sich 20 Jahre Berufserfahrung schenken wäre dem nicht so. Somit darf man an der Milchmädchenrechnung „11 Spieler – 1 Cziommer + 1 Wallner = 1:0“ schon leicht zweifeln. Doch viel aussagekräftiger ist die Probe auf’s Example: Man beobachte das Spiel der Salzburger ab der 64. Spielminute, der Hereinnahme von Roman Wallner. Tatsächlich Besserung? Im Gegenteil.
Wallner spielte die hängende Spitze, das Mittelfeld wich zu den Belgiern über – die Dominanz die man sich über 60 Minuten erspielt hatte war mit einem Tausch verschwunden. Vielleicht etwas krass ausgedrückt, aber inhaltlich zweifelsohne richtig, dafür stehe ich mit meinen Augen.

Meine Augen, freilich durch eine Brille unterstützt, sahen in der ersten Halbzeit eine gute Salzburger Mannschaft. Eine, die System hatte und ein Konzept den Gegner auszuschalten. Dass mit einem 4-1-4-1 der Erfolg nicht von heute auf morgen einkehrt, ist doch nur mehr als logisch. Doch – und Stevens hat Recht: in dieser Beziehung ist der Fußball erschreckend einfach – kann man eine echte Feldüberlegenheit über 90 Minuten hinweg konsequent bewahren, scheppert es irgendwann. Und sei es in der 93. Minute, meinetwegen auch seitens des Goalies. So einfach ist der Fußball, und so gerecht.
Leider – und wieder liegt Stevens richtig – hat Standard Lüttich nunmal mehr Qualität als Salzburg, ein Faktum, das manchem Österreicher weh tut und deswegen geleugnet werden muss. Mangelnde Aggressivität muss daher als Grund für die Niederlage herhalten, schließlich kann es ja nicht sein, dass es Red Bull Salzburg nicht gelingt gegen den belgischen Meister ein Tor zu erzielen – Es muss der Einsatz- beziehungsweise der Nicht-Einsatz-Wille gewesen sein. Erneute Fehlanzeige.
Jedem aufmerksamen Beobachter dürfte nicht entgangen sein, dass hinten wie vorne eifrig um die Bälle gekämpft wurde, dass gegen eine Mannschaft wie Lüttich nicht jeder Zweikampf gewonnen werden kann, sollte auf der Hand liegen.

Puls4-Analytiker Weber meinte außerdem: „Vielleicht haben die Salzburger Standard unterschätzt, oder sogar noch ein bisschen an das letztwöchige Spiel gedacht“. Fällt in die selbe Kategorie wie der Mythos von fehlender Aggressivität und wurde aus dem selben Motiv heraus kreiiert: Die Erwartungshaltung ist eine falsche.
Nur weil Red Bull Salzburg alle von allen Gruppenpartien mit einem Sieg abgeschlossen hat, macht es sie nicht weniger zu Red Bull Salzburg. Ich glaube, dass in Wals-Siezenheim mehr oder minder Großes im Entstehen ist, die Betonung liegt aber weiterhin auf dem „Entstehen“. Die sportliche Leitung hat gerade einmal begonnen auf Kontinuität zu setzen, für Red Bull war die Saison 09/10 die überhaupt erste in einer europäischen Gruppenphase. Folgerichtig erscheint mir der Anspruch manches Anhängers, manches Journalisten, eines Herbert Weber unrealistisch.

Man kann nicht Woche für Woche gegen Kapfenberg oder Mattersburg spielen und im Gegenzug erwarten, dass man Lüttich ausspielen kann. „Noch nicht“, brachte es Stevens abermals auf den Punkt. Außerdem ist das Salzburger Spiel ohnehin an andere Situationen gewöhnt. Wenn man gewinnen muss, geht das meistens schlecht aus, für Stevens und seine Jungs. Das liegt aber in der Natur der Sache. Entweder man will den FC Hollywood spielen, Mannschaften wie Standard Lüttich vorführen, in der Gruppenphase sang- wie klanglos ausscheiden – oder aber, man will nach Stevens‘ Art spielen, mit Mannschaften wie Lüttich mitspielen, in der Gruppenphase ganz Europa beeindrucken. Welche Variante die bessere ist? Letztgenannte, 100%ig.
Nur besteht eine Saison nicht nur aus internationalen Spielen, es gibt dazwischen auch vereinzelt Liga-Spiele. 36 an der Zahl, wer aus diesen die meisten Punkte holt, ist am Ende Titelträger. Damit der Titel aber auch wirklich in Salzburg landet, musste Stevens sich und das System anpassen. Weniger 6er, mehr Wallner. Das scheint in der Liga recht gut zu funktionieren, an der internationalen Ausgangslage ändert das aber rein gar nichts: Salzburg wird auch künftig als Außenseiter in wichtige europäische Spiele gehen.

Umso bitterer wenn man dann auswärts mit 2:0 führt, schlussendlich aber 2:3 verliert. Freilich hat Salzburg die Partie nicht in Lüttich verspielt, da liegt Janko bestenfalls teilweise im Recht. Wäre aber der eine oder auch andere Treffer weniger gefallen, ins Tor der Salzburger, hätte man sich daheim, vor übrigens 26.500 Zusehern, vermutlich leichter getan. Da muss man auch absolute Kritik an der Mannschaft üben, der schlicht und einfach die Abgeklärtheit fehlte, den Vorsprung über die Bühne zu bringen. Das ist es, was international den Unterschied ausmacht, die Cleverness. Dass diese gefehlt hat, war letztendlich wohl ausschlaggebend für das Ausscheiden und das muss man den Salzburgern auch erheblich ankreiden. Trotzdem war die Hoffnung noch nicht gestorben, auf dem Kunstrasen wäre der Austieg durchaus im Bereich des Möglichen gelegen.

Versucht hat man es jedenfalls, Bemühen kann man den Bullen nicht absprechen. Nur hatte Salzburg ein Spiel zu spielen, welches dem grundsätzlichen Naturell der Mannschaft widerspricht: Man musste ein Tor mehr erzielen als der Gegner. Für so etwas braucht man oft besondere Spieler, sogenannte Spielmacher. Den 10er – den Acimovic, den Hofmann – gibt es im Salzburger Spielsystem aber nicht. Gott sei Dank muss ich sagen, man stelle sich vor wie die Gruppenspiele mit einem echten Spielmacher gelaufen wären. Wohl kaum so erfolgreich. Bei Stevens genießt nur ein Spieler, Somen Tchoyi, Freiheiten – und das ist gut so. Doch das Spielen ohne echten Freigeist hat natürlich auch seine Nachteile, eindrucksvoll demonstriert beim gestrigen Fußballabend.

Salzburg versuchte den Abwehrriegel Lüttichs über die Flügel zu knacken, was auch das absolut richtige Mittel war. Immerhin verfügen die Lütticher über nicht besonders gute Außenverteidiger, abgesehen davon, dass fast jede Abwehr am leichtesten über die Flügel zu durchspielen ist. Mit dem wichtigen einen Tor hat es schlussendlich jedoch nicht geklappt, es wäre ehrlich gesagt auch nicht verdient gewesen.
Das Spiel in all seinen Einzelheiten zu schildern, ergibt für mich nicht wirklich Sinn. Auf den Punkt bringen kann man die Partie aber folgendermaßen: Bezeichnend, dass die beste Chance des Spiels trotz klarer Überlegenheit der Bullen Standard Lüttich verzeichnen konnte: Mbokani traf in Minute 45 Aluminium.
Ein weiterer Indikator für Salzburgs Probleme im Spielaufbau: Die beste Chance der Salzburger war mehr oder minder ein Zufallsprodukt, zustande gekommen durch einen massiven Patzer von Torhüter Bolat. Abgegeben wurde der Schuss (eigentlich die Flanke) übrigens von Abwehrchef Sekagya.

Was bleibt ist aber nicht das Ausscheiden gegen Lüttich, welches in jedem Fall vermeidbar gewesen wäre, sondern, so hoffe ich zumindest, der Gedanke an eine grandiose Europa-League-Gruppenphase und der Blick in eine garantiert positive Zukunft.

Artikel stammt vom: 26. Februar 2010 – 18:25 Uhr

[ANALYSE] Über die Regel der UEFA und das Positive einer Enttäuschung

2 Kommentare

Ein Janko-Doppelpack bringt Salzburg auswärts gegen taumelnde Belgier 2:0 in Front. Am Ende bleibt Huub Stevens‘ Charakterstärke das aufmunterndste. Das 2:3, welches es schließlich zu betrauern gab, ist zwar „ein gutes Ergebnis“ aber „vom Spielverlauf her eine Katastrophe“

„Okay, aber eine Katastrophe“
„Ergebnis okay, aber der Spielverlauf war eine Katastrophe“, bilanzierte Janko unmittelbar nachdem seine zwei Tore erheblich entwertet wurden. Zweimal Witsel und einmal De Camargo brachten den FC Salzburg nämlich unverhofft auf die Verliererstraße und schließlich zu einer bitteren 2:3-Niederlage. Nichts wurde es aus dem siebten Sieg im siebten Spiel. Die Bullen vertraten den österreichischen Fußball teils sehr würdig, stehen am Ende aber doch nur mit zwei Auswärtstoren und einer bitteren Niederlage da. Doch der Reihe nach:

ÖFB belohnt Sinnlos-Bürokratie
Etwas distanziert – nicht geistiger sondern körperlicher Natur – führte sich Salzburg-Trainer Huub Stevens die Partie zu Gemüte. Der Schiedsrichter forderte ihn unter Berufung auf UEFA-Regularien auf, sich doch zwecks besserer Kennzeichnung ein grünes Leiberl überzustreifen. Stevens bewies Charakter und Courage, zog einen Platz auf der Tribüne der Beugung gegenüber einer sinnentleerten Regel vor. Später meinte er, er hätte den Weg in die Lounge des Dufrasne Stadion von sich aus angetreten, um ein Zeichen zu setzen und möglichen Sanktionen zu entgehen. Der Salzburg-Trainer währte sein Prinzip und wurde vom ÖFB posthum mit einer Geldstrafe von 1.000€ belegt. Der Angeklagte spricht so: „Wieso sollte ich ein grünes Leiberl anziehen und der UEFA den Clown spielen? Soweit ich weiß bin ich ein roter Bulle und kein grüner“. Die Geldstrafe des Österreichischen Fußball Bunds werde er übrigens nicht akzeptieren.

Doppelter Janko bringt Doppelführung
Seine Bullen, ausnahmsweise blau und nicht rot, legten einen Blitzstart hin. In Minute 4 wagt sich Andreas Ulmer in ferne Regionen, bringt das Leder ideal zur Mitte, wo Marc Janko tut was Top-Torjäger tun müssen. Aus rund 5 Metern lässt der 1,96-Mann Sinan Bolat keine Abwehrchance und sorgt für das wichtige Auswärtstor.
In der Folge wirken die Lütticher gebrochen, was nicht überraschte, zumal der amtierende belgische Meister auch in der Liga mit Turbulenzen zu rudern hat. Die nächsten Spielminuten bringen somit eine kreativitätslose Heimmannschaft und Salzburger die das Spiel lange Zeit ihr Eigen nennen können, zu Deutsch: Es dominieren.
Drehen tut sich das nicht wirklich rasch, eher sachte aber stätig. So kam es, dass Standard Lüttich mit der Zeit auch zu Kombinationen kam, Axel Witsel (- der Junge mit der dunklen Vergangenheit -) war meist der Initator von ebensolchen, aber auch Steve Defour ging ihm gerne zur Hand.
Als angsteinflössend erwiesen sich die Belgier aber nicht, weder die Spieler noch deren Fans: Man hatte sich auf dominantes Flügelspiel und einen Hexenkessel eingestellt, stattdessen servierte Lüttich Stückwerk und Pfiffe von den Rängen. Dementsprechend nicht wirklich erstaunlich, dass die Salzburger auch einzelne Drangperioden von Standard überstehen konnte und sogar selbst zu der einen oder anderen Konterchance kam.
Nicht wirklich ein Konter, mehr ein simpler Abschlag war es, der schließlich das 2:0 einleitete: Ein mehr oder minder unkontrollierter Ball aus Salzburgs Defensivverbund findet den Kopf eines Lüttichers, dieser kann die Kugel nicht bändigen und gibt ihr gerade noch den idealen Effet mit, um sie schließlich genau vor Marc Jankos Beine zu bugsieren. Dieser verzögert, macht den Torhüter kniend und gurkerlt Bolat souverän – 2:0; Pause.

Anschluss und Wende
Während die Spieler in einer intensiv geführten Partie für die sporadischen 15 Minuten Luft holen durften, hatte sich Dietmar Beiersdorfer den Fragen von SKY-Reporter Matthias Folkmann zu stellen. Folkmann fragt ob Beiersdorfer das Gezeigte gefiele, Beiersdorfer antwortete mit Vorahnung – sprich zurückhaltend.
Er dürfte geahnt haben, dass Lüttich die Wundertüte spielen könnte, als die man im BeNeLux’schen Raum gilt. Doch ehe die Belgier wieder ins Spiel fanden, hätte Salzburg gar noch die Chance gehabt auf drei Tore davon zu ziehen. Janko erstolpert sich Platz, bekommt das Runde aber im letzten Moment noch vom Fuß gestohlen.
Der bereits angesprochene Anschlusstreffer folgte mit Verzögerung. Der Schiedsrichter hätte nämlich schon früher auf Strafstoß entscheiden können, als er es schließlich tat. Einmal foulte Cziommer im 16er, einmal blieb die Pfeife ruhig – Einmal berührte Schiemer im 16er, einmal tönte die Pfeife. Den fälligen Elfer nützt Alex Witsel ungefährdet zum 1:2.

„Aufstiegschancen sind mit 99,9% zu betiteln“
Nun kippte die Stimmung, auf- wie neben dem Rasen. Lüttich witterte Abendluft und von den Rängen waren plötzlich Anfeuerungen anstatt vereinzelter Pfiffe zu hören. Doch auch ab jetzt ist Lüttich nicht wirklich in der Lage, das Spiel in die Hälfte der Salzburger zu verlagern. Zwar gelingt den Bullen – abgesehen von einem Pokrivac-Hammer – kein ernstzunehmender Angriff mehr, die Einschussmöglichkeiten der Hausherren gestalten sich aber weiterhin recht rar.
Erst als De Camargo aus 30 Metern per Donnerstagsschuss das Netz hinter Gustafsson zappeln lässt, machen sich die spielerischen Vorzüge einiger Belgier bemerkbar. Der Ausgleich scheint der Psyche von Salzburg schlecht zu bekommen: Wenig später verzichtet nämlich die Abwehrreihe relativ grundlos auf genaue Zuordnung, sodass Witsel kaum Mühe hatte per Kopf zu treffen. SKY-Kommentator Martin Konrad schien nicht wirklich enttäuscht zu sein, bestenfalls aufgrund seiner verlorenen Wette. „Es ist davon auszugehen, dass die Salzburger die Partie gewinnen“, meinte er recht früh. Außerdem, so posaunte er in Minute 50, sein die Aufstiegschancen der Salzburger mit 99,9 Prozent zu betiteln.
Die knappen zehn Minuten bis zum Abpfiff gestalten sich für die Salzburger als wenig erfolgreich, man sah sich noch einige Male mit der Bedrohung eines Gegentreffers konfrontiert. Die einzig hervorzuhebende Bemühung auszugleichen hatte ausgerechnet Franz Schiemer. Bezeichnenderweise für das Spiel der Salzburger agierte er aber glücklos und verpasste nach einem Leitgeb-Eckball in den Schlussminuten das Ziel nur knapp.
Endstand: 3:2 aus Sicht des Siegers.

Man kann nicht sagen, Salzburg hätte nicht über Strecken guten Fußball geboten. Die ersten 45 Minuten spielte man gegen eine mittelprächtige Mannschaft so, wie es sich gehörte, hatte ein Auswärtsspiel unter Kontrolle und erzielte durch Marc Janko zwei Tore. Mit dem Anschlusstreffer kam Hektik und Unordnung auf, wie man sie in der europäischen Saison 09/10 von den Salzburger noch nicht gesehen hat. Da klang die individuelle Klasse von Spielern wie Defour, Jovanovic oder Witsel dann mehr und mehr durch und ergab letztendlich den Unterschied.
Freuen wollte sich Stevens nach der bitteren Niederlage erwartungsgemäß nicht, zeigte sich aber doch zuversichtlich, ob der Tatsache dass man den Aufstieg noch immer in den eigenen Füßen hat.
Dem Spielverlauf entsprechend hätte Salzburg die Partie für sich entscheiden können beziehungsweise müssen, die zwei Auswärtstore lassen nüchtern betrachtet unter dem Strich aber eine ganz passable Ausgangslage stehen. Insbesondere weil die Belgier nicht besonders gut mit dem künstlichen Grün vertraut sind und Salzburg vor ausverkauftem Haus zusätzlich motiviert sein wird. Stimmen zum Ausklang:
D’Onofrio (Interimscoach Standard Lüttich, Anm.): „Salzburg ist nicht stark, sondern sehr stark“.
Stevens (Chefcoach der roten Bullen): „Die Chancen stehen 50/50“.

Analytischer Zusatzteil

Aufstellung Standard Lüttich:
4-3-2-1-System: Bolat – Goreux, Mangala, Victor Ramos, Pocognoli – Nicaise, Defour, Witsel – De Camargo, Jovanovic – Mbokani

Aufstellung FC Salzburg:
4-1-4-1-System: Gustafsson – Schwegler, Afolabi, Sekagya, Ulmer – Schiemer – Tchoyi, Leitgeb, Cziommer, Svento – Janko

Individuelle Klassiker Lüttichs:
Defour – lenkte das Spiel, blieb teilweise farblos, war dann jedoch ausschlaggebend für den Umschwung
Jovanovic – ist für seine Größe unheimlich beweglich und bereitete Schwegler oft Kopfweh>
Witsel – spielte den Wirbelwind schlechthin und war an quasi jeder gefährlichen Aktion seiner Mannschaft beteiligt

Leistungsträger des FC Salzburg:
Afolabi – wirkte etwas sicherer als Abwehrpartner Sekagya und machte bis auf wenige Ausnahmen eine gute Partie
Ulmer – toller Vorstoß beim Führungstreffer und auch defensiv eine passable Leistung
Janko – 2 Tore die seine internationale Klasse noch weiter untermauern sollten, zeigte Kampfgeist und brachte sich so oft es ging ins Spiel ein

Thematik Spielsystem
Stevens wählte im Auswärtsspiel gegen Standard Lüttich das gewohnte 4-1-4-1-System, kehrte dem 4-4-1-1 vorläufig den Rücken zu. In meinen Augen die richtige Entscheidung, da nur so die defensive Kompaktheit gewährt werden kann, selbst mit der defensiven Ausrichtung ist dies nicht immer gelungen. Dass Cziommer neben Leitgeb spielte hat mich zugegeben sehr überrascht. Ich halte den Deutschen für einen hervorragenden Spielgestalter und einen guten Mann, aber im gestrigen System war er wohl Fehl am Platz. Dominanz im Mittelfeld und komplexen Spielaufbau konnte man einfach nicht erwarten und nur in so einem macht Cziommer Sinn. Das Konterspiel wie es gestern praktiziert wurde wird hauptsächlich von den Flügeln getragen, zentrale Mittelfeldspieler bleiben da oft außen vor.
Anstatt Cziommer hätte ich Pokrivac spielen lassen, da dieser die Hintermannschaft noch zusätzlich stabilisieren hätte können. Da ich Stevens aber für den, gelinde gesagt, etwas besseren Fachmann halte, traue ich ihm durchaus zu, dass seine Gedankengänge wesentlich komplexer waren als die meinigen und er auf seine Weise schon Recht hatte mit seiner Wahl.

Nicht unwichtig wird die Aufstellung im Rückspiel werden. Christian Schwegler und Fränkie Schiemer sind jeweils gelb-gesperrt und dürfen in Salzburg nicht mitwirken. Schiemer, der 6er, kann verhältnismäßig leicht ersetzt werden. Opdam könnte seine Position spielen, oder auch Augustinussen. Weitaus problematischer erscheint die Kompensierung von Schwegler. Mit Schiemer hat man nur einen weiteren rechten Verteidiger im Kader. Da dieser wie bereits angesprochen nicht mit von der Partie ist, wird sich Stevens etwas überlegen müssen. Spieler wie Dudic zum Außenverteidiger umzufunktionieren halte ich für nicht zielführend, da man ja gewinnen und Druck aufbauen muss. Ob ein Vladavic oder Karel Pitak auf der Außenbahn gut aufgehoben wären, darf man aber ebenfalls anzweifeln. Man darf gespannt sein auf das Rückspiel und die Taktik die Stevens seinen Bullen mit auf den Weg gibt.

Artikel stammt vom: 19. Februar 2010 – 18:57 Uhr

{Analyse} Es darf Geschichte geschrieben werden

Hinterlasse einen Kommentar

Blog-Eintrag über ferne Geschichte, ein nahes Finale und den Aufstieg durch fünf Siege aus ebenso vielen Spielen

Das System ist gefunden, die Spiele werden gewonnen
Genau vier Monate nach dem mageren Last-Minute-Aufstieg gegen die bohemischen Iren, hatte Salzburg die Ehre dem italienischen Erstligisten Lazio Rom Unterkunft zu gebieten. Die Rolle des Gastgebers erfüllten die Salzburger Bullen anfangs zu gut, den Gästen wurden zwecks Gastfreundschaft zuviele Räume überlassen. Im Laufe des fußballerischen Meetings konnte Salzburg die spielerische Überhand mehr und mehr ihr Eigen nennen. Ausschlaggebend zeigte sich die Dominanz im Mittelfeld. In diesem vertrat Opdam den verletzten Schiemer würdig und bereitete so manchem flinken Italo-Offensiven Kopf- und Fußzerbrechen. Das gewohnte 4-1-4-1-System wurde durch einen genesenen Marc Janko komplettiert. In der 19. Minute wurde der Schädel des Stiers gefunden, ein langer Einwurf von Schwegler eröffnete die durchaus gute Tormöglichkeit. Auch ansonsten rührt die lange Solo-Spitze recht gut um und besticht insbesondere durch Einsatzwillen. Dieser war es, der ihn in Minute 34 in eine brisante Situation verwickelte:

Beiersdorfer: „Waren es sechs oder sieben Schiris? Ich konnte sie nicht mehr zählen!“
Nach einer zu kurz geratenen Hereingabe eines Salzburgers unterläuft Janko den Lazio-Keeper. Der Entscheid auf Foul war für den Referee lediglich Formsache. Muslera hingegen sieht Rot und macht einen auf Bulle. Nein, er sah nur sprichwörtliches Rot, aus Karton war es nicht. Nach einer Tätlichkeit des Goalies beließ es das Schiedsrichter-Sextett (!) bei einer ins Gelbe getunkten Karte. Der Fehlentscheidung folgte ein gellendes Pfeifkonzert der 26.270 Zuseher über mehrere Minuten hinweg. Die Entscheidung des Schiris blieb unerklärlich, die Salzburger dominant.

Nähe und Gewissheit
Die Minuten kurz vor und kurz nach dem Pausenpfiff bringen Hektik und vielerorts auch Gelb. Die 52. Minute darf sich aus deutlich löblicheren Gründen ein Highlight nennen. Erst hatte Svento in ihr vier Italiener überbrückt, dann führte der verhängte Freistoß zum 1:0 für Rot-Weiß(-Rot). Nachdem sich die hitzigen Italiener gegen Svento nur per Regelverstoß verteidigen konnten, findet ein Leitgeb-Standard die Birne von Afolabi; Tor. Der Aufstieg scheint erschreckend nahe, die zuvor bewiesene Souveränität und Konzentration der Hausherren wiegte einen in Sicherheit. Doch weil in dieser Welt nichts sicher scheint, nahm Gustafsson einem Schuss der Römer zwar ein bisschen Geschwindigkeit, aber der Abstauber war dann irgendwas was bleibt. Der Ausgleich nämlich.

Die bereits abgeschobenen Römer finden die Luft wieder. Beinahe im Minutentakt regnet es Torchancen, eine davon folgte einem kapitalen Eigenfehler des Salzburger Torschützen. In Gegenzügen präsentierte sich der amtierende Meister jedoch gefährlich. Als solcher wäre zum Beispiel der Alu-Knaller von Leitgeb zu werten, die ideale Flanke war eine Ulmer-Produktion. Im direkten Gegenzug findet sich das Runde im eckigen Strafraum der Salzburger und in der Folge auch an der Hand von Schwegler wieder, über die Absicht darf gestritten werden, über die Gerechtigkeit eines möglichen Elfmeters nicht. Auch das Sextett hielt nichts von einem solchen – zum Unmut der Lazio-Spieler, die heftige Wutausbrüche einer kompakten Defensivleistung vorzogen. Die Verwirrung nutzt der ansonsten unterirrdische Tchoyi aus, lernt Cribari das Schwindeln und netzt mit aller Ruhe und mit noch mehr Lupfer zur wohmöglichen Vorentscheidung. Die kommenden Minuten gestalten die Bullen ruhig und elegant, bis auf ein zufälliges Stangen-Tor eines Italieners bleiben die Salzburger Herr im eigenen Haus.

Feste werden gefeiert, wie sie fallen
Nach dem Schlusspfiff – das Spiel endete 2:1 und brachte somit den fünften Sieg im sovielten Spiel – wurden die Siegenden gebührend gefeiert, Gustafsson war Wort- und Schmähstad, lediglich der Verweis auf ein mögliches Finale lag ihm am Herzen – „Im Fußball ist alles möglich!“. Stevens wollte einfach nur „von Spiel zu Spiel schauen“. Auf die Frage, ob der Aufstieg geschichtsträchtig sei, entgegnete Janko, dass dies nur das von Gustafsson angestrebte Szenario wäre.

Artikel stammt vom: 3. Dezember 2009 – 17:37 Uhr

Analytischer Zusatzteil:

Aufstellung RB Salzburg:
4-1-4-1-System: Gustafsson – Schwegler, Afolabi, Sekagya, Ulmer – Opdam – Tchoyi, Leitgeb, Pokrivac, Svento – Janko

Aufstellung Lazio Rom:
3-4-3-System: Muslera – Diakhite, Cribari, Radu – Lichtsteiner, Brocchi, Mauri, Kolarov – Foggia, Zarate, Eliseu

Die roten Bullen werden einzeln kritisiert:
Gustafsson, Grandios: Hielt was zu halten war, brüllte was es zu brüllen gab – Sicherer Rückhalt, sehr guter Kapitän

Schwegler, Unauffällig gut: Defensiv durchaus ansprechend, Hammer-Einwürfe, Flanken teilweise ungenau
Afolabi, Ansprechend: Hinten zwar gut aber teilweise unsicher, bewies beim Tor Durchsetzungsvermögen
Sekagya, Cool: Fehlerfreie Leistung des Abwehrchefs
Ulmer, Lernend: Ist auf internationaler Ebene defensiv überfordert, lernt ganz brav, schlug gute Flanken

Opdam, Nett vertretend: Machte Schiemer keine Schande, war eine würdige Vertretung

Tchoyi, Grenzgenial: 89 Minuten lang Pfui, Tor war jedoch ein Mega-Hui
Leitgeb, Wichtig: Bereitete beide Tore mustergültig vor, teilweise unsicher, ansonsten stark
Pokrivac, noch Wichtiger: Um ein Haarspitzerl besser als Leitgeb, leitete so manche gute Szene ein, war ein Ruhepol
Svento, Tourenwagen: Kommt langsam richtig auf Touren, schlechte Flanken machte aber viel Druck

Janko, rackernder Provokateur: Versuchte die Italiener sichtlich zu einem Frustfoul zu provozieren, teilte aus und steckte ein, kämpfte außerordentlich gut, fand zwei gute Chancen per Kopf zu

Herrische HSVler verabschieden damische Rapidler

Hinterlasse einen Kommentar

Blog-Eintrag über einen 2:0-Sieg der Hansestadt gegen den österreichischen Hauptstadt-Klub

6 Männer sahen wenig, 11 Burschen spielten schlecht
Es durfte gefeiert werden. Angedacht war, dass sich das Motto vom grandiosen Hinspiel-Erfolg im Hanappi wiederhole, draus geworden ist nachweislich recht wenig. Wurde der HSV vor Monaten noch mit drei Toren Vorsprung gebogen, mussten sich die Hütteldorfer den Norddeutschen im Rückspiel torlos geschlagen geben.
Das Spiel erweckte zwar durchaus den Eindruck, aus österreichischer Sicht ein gutes zu werden, wurde es aber nicht. Die Grün-Weißen erwischten den besseren Start, bereits im Alter von 3 Minuten wurde der Partie die erste Torchance aufgedrückt. Den oft zitierten Stempel hätte ihr nur wenige Minuten später Steffen Hofmann auferlegen können, das Schiedsrichter-Sextett wollte aber ein Abseits gesehen haben. Die Richtigkeit durfte sofort angezweifelt werden, nach eifriger Beobachtung der Fernsehbilder, konnte man der Schiedsrichterentscheidung später die Schneid abkaufen und sie als falsch dastehen lassen. 6 Männer hatten also mal wieder nicht gereicht. Bei Rapid waren über 90 Minuten hinweg deren 11 am werkeln, Treffer wollte keiner gelingen. Das Bemühen danach war freilich vorhanden: Beispielsweise wählte ein Heikkinen-Schuss nach gut einer Stunde erfolgreich die Querlatte als Ziel.

Und immer, immer wieder…
Außerdem versuchte sich auch Jelavic am Tore schießen. Einmal war er durchaus knapp dran, ein forsches Einschreiten von Rost verhinderte Besseres. Elfer hätte Pacult gerne einen gesehen, die Rapid-Fans fühlen sich abermals betrogen, man rufe sich nur die Benachteiligung gegen Red Bull Salzburg in Erinnerung.
Jedenfalls kann es die mitgereiste, wie auch die daheim gebliebene, Anhängerschaft drehen und wenden wie es ihnen gerade beliebt – Ein Torverhältnis von 1:10 aus den letzten drei Europa-League-Partien spricht eindeutig gegen Reife für das internationale Pflaster.

Artikel stammt vom: 3. Dezember 2009 – 17:00 Uhr

Lahme Römer und kranke Hansen

Hinterlasse einen Kommentar

Blog-Eintrag über zwei Trainer, die unterschiedlicher nicht sein könnten – passend zu den differenzierenden Philosophien ihrer Arbeitgeber. Für die beiden Dompteure steht am Mittwoch jeweils ein Schlüssespiel auf europäischer Bühne auf dem Speiseplan

Unausgeglichenheit, die belebt
Man kann weder sagen ein Stevens wäre ein halber Pacult, noch kann man behaupten, der Rekord- hätte etwas mit dem amtierenden Meister gemein. Unterschiedlicher könnten Klubs nicht sein. Der Eine, Rapid Wien, ist Rekordmeister und seit neuestem Tabellenführer der höchsten österreichischen Spielklasse. Der Verein hat sich Fans und Tradition verschrieben, Leidenschaft und Einsatz werden groß geschrieben. Zu behaupten, letzteres wäre bei Salzburg nicht der Fall, wäre spätestens seit der Ära Huub Stevens gemein. Zwar wird der Austria-Salzburg-Nachfolger nie die Kampfkraft der aus einem Arbeiterklub hervorgegangenen Hütteldorfer erreichen, aber von der oft zitierten ruhig geschoben Kugel kann bei weitem nicht die Regel sein. Das Budget der Mozartstädter ist freilich für österreichische Verhältnisse schwindelerregend – die von rapid-nahen Medien spekulierten 60 Millionen sind Humbug, die kolportierten 40 Mille aber durchaus real -, aber Kapazunder wie Villareal (Budget: 170 Millionen!) oder Lazio Rom müssen trotzdem erst mal geschlagen werden. Der Fairness halber muss jedoch erwähnt sein, dass auch der grün-weiße Erzrivale kein Freund schlechter Europacup-Ergebnisse ist. In der Quali wurde Aston Villa der Gar ausgemacht, in der Gruppenphase durften die Hansestadt-Kicker baden gehen. Dem Höhenflug folgte das Malheur zweier Debakel:
Erst musste man sich den unterschätzten Israeli um Längen, das entspricht etwa 5 Gegentoren, geschlagen geben. Das Rückspiel sollte versöhnen, tat es aber nicht. 0:3 die ernüchternde Klatsche im heilig gesprochenen Hanappi.

Dieser Weg wird kein leichter sein
In der Bundesliga läuft es für beide Vereine gut. Rapid ist Tabellenführer, gefolgt von den Bullen. Der Abstand ist minimalst, lediglich die knapp bessere Tordifferenz des Medienlieblings ist für das ersehnte Anführen der Wertung ausschlaggebend. Mit der Winterkrone darf Peter Pacult trotzdem liebäugeln. Dem Auswärtsauftritt der Siezenheimer wird in Runde 18 eine grün-weiße Darbietung gegen Kapfenberg gegenüberstehen, eine Woche später wird Gludovatz samt Spielerschaft im Hanappi sein. Für Spannung ist jedenfalls gesorgt. Der Weg zum Meistertitel ist jedenfalls noch ein weiter, egal welche Mannschaft man hernehmen möchte.

Dieses Spiel wird kein leichtes sein
Dass Rapid nicht Salzburg ist, weiß man – das ist Allgemeinbildung. Dass die österreichische Bundesliga nicht ganz die Klasse der Europa-League hat auch. Letzteres weiß auch Stevens. „Gegen Lazio wird es sicherlich schwerer als gegen Rapid.“, merkte der Salzburg-Coach an. Dass es einer „deutlichen Leistungssteigerung“ seiner Mannschaft bedarf, weiß er ebenfalls, auch wenn er im Großen und Ganzen mit dem zuletzt Gezeigten zufrieden war. Das zuletzt Gezeigte umfasst insbesondere Rapid, aber das ist grün-weißer Schnee von gestern. Das Xerl im Spitzenduell bekam den Salzburgern dennoch nicht gut, aber auch der morgige Gegner ist kein Teams aus Wunderwuzzis. Der 15. Tabellenrang spricht klar verständliche italienische Sprache, der zweite Platz in der Gruppenphase zeigt jedoch, dass es der amtierende österreichische Meister auch mit keinem Kind von Traurigkeit zu tun bekommen wird. Wie es der Zufall möchte, könnten übrigens genau jene Spieler fehlen, die durchaus beträchtlichen Anteil am Sieg im Hinspiel hatten. Schiemer und Janko erzielten jeweils einen Treffer und haben derzeit jeweils eine Verletzung.
Stevens: „Arzt bin ich keiner, aber ich sehe die Spieler beim Training. Wenn Marc fit ist, spielt er.“ Selbes Privileg könnte auch Schiemer genießen.

Der Gegner der Rapidler ist kein geringerer als der HSV. Dem längst entrohnten Tabellenführer der deutschen Bundesliga mangelt es zwar kaum an Klasse, aber an nicht-verletzten Spielern. Mehr als die Hälfte der Startelf sind verletzt oder rekonvaleszent, neuester Patient ist Wirbelwind Elia. Den Aufstieg kann Rapid morgen keineswegs fixieren – diese Chance gebührt einzig und allein Red Bull Salzburg -, aber das „Wunder von Hamburg“ sollte drinnen sein. Mitreisen werden übrigens rund 8.000 Rapidler!

Fakt ist: Rapid ist nicht Salzburg, Pacult nicht Stevens und Schörgenhofer (noch) kein UEFA-Schiri.

Artikel stammt vom: 1. Dezember 2009 – 18:48 Uhr

Das Glück ist ein Vogerl

Hinterlasse einen Kommentar

Blog-Eintrag über 4 Spiele, 4 Siege und das geflügelte Glück

Rasende Kunst, aber kein Kunstrasen
Red Bull Salzburg ist nicht der Freund eines jeden fußballinteressierten Österreichers. Der FC Salzburg auch nicht, aber er ist beliebter, immerhin fightet er, anstatt um den Meisterteller, um Punkte für die UEFA-Wertung. Vor der Gruppenphase hätten viele den Salzburgern nur wenig zugetraut, nach dem durchaus erfolgreichen Spiel gegen Lazio Rom mehrten sich die positiv klingenden Stimmen. Die Gala gegen Villareal führte zu Jubel, der knappe Triumph gegen Sofia zu Zufriedenheit. Doch drei Spiele sind nicht sechs und neun Punkte nicht 18, das sagt einem schon der Hausverstand. So musste Salzburg gleich ein zweites Mal gegen Sofia ran, diesmal war der Boden jedoch ein ungewohnter.

Zu Beginn brennen die von der UEFA zensierten RedBulls ein wahres Offensivfeuerwerk ab. Alleine Janko vergibt zwei recht gute Chancen, Afolabi immerhin eine. Die dritte Großchance hat der groß aufspielende Marc Janko nach etwa 10 Minuten, die gemeine Stange meinte es allerdings nicht gut mit der Salzburger 21. Nun wird Sofia besser, Salzburg etwa in selben Maße schlechter. Die Gastgebenden reißen die Partie an sich und kommen zu zählbaren Torchancen, welche allesamt ungenutzt bleiben.
Nach einem Drittel des Spiels hätte es gut und gerne schon 2:2 stehen können, da bei Stevens aber die ‚Null‘ Tradition und Pflicht hat, war dem nicht so. Bis zum Pausenpfiff bleibt es bei diesem trügerischen Ergebnis.

Die nicht bekömmliche Rote…
Pünktlich geht es weiter, der Seitenwechsel findet regelkonform statt, Salzburg wird wieder besser. Der in der ersten Halbzeit schwindlich gedribbelte Ulmer erfängt sich und die Kreativabteilung beginnt wieder Fußball zu spielen, der Rest der Brigade ebenso.
Nette Tänzchen waren von Tchoyi am gestrigen Tag keine Seltenheit, der Tormann davon inspiriert versuchte sich an selbigem, wurde jedoch etwas unsanft von Janko gebremst. Der Ball landet vor den Füßen von Dusan Svento, der das leerstehende Tor vor sich sieht und nur noch einzupassen braucht. Ein Sofia-Verteidiger ist allerdings nicht am Kassieren eines Gegentores interessiert und mäht den RBS-Offensiven kurzerhand nieder.
Im Fallen bugsiert der Slowake das Runde doch noch ins Eckige, anlässlich einer zu verhängenden Roten Karte hatte der Referee aber das Spiel schon unterbrochen und in der Folge das erzielte Tor für nichtig erklärt. Levski nur noch zu Zehnt!

… bereitet dem leicht verdaulichen 1:0 den Weg
Die numerische Überlegenheit bekommt den Bullen entgegen der Erwartungen nicht gut, Sofia nun fast besser als die Tabellenanführenden.
Durch die Seltenheit einer Unaufmerksamkeit bekommen die Bulgaren sogar noch den Sitzer auf die Führung serviert, das Geschenk wollte man aber nicht annehmen. Als nahezu alle, inklusive Didi Beiersdorfer, exklusive Huub Stevens, mit einem torlosen Remis gerechnet hatten, war es Fränkie Schiemer, der nach freundlich präzisem Einwurf von Christian Schwegler die Salzburger Bank zum Tollhaus machte. Zwar hatte der Schweizer den Einwurf nicht ganz den Regeln entsprechend ausgeführt, aber das ist egal, immerhin ist das Glück wie in Vogerl, welches sich nun – nach anfänglicher Abstinenz – doch in Salzburgs Reihen niedergelassen hat. Außerdem könne man laut Stevens das Glück erzwingen.

Durch die 12 Punkte dürfte den Salzburgern der Aufstieg kaum zu nehmen sein, Rechenspiele möchte ich der Leserschaft ersparen, denn wenn Salzburg die derzeitige internationale Form beibehält werden spätestens am 2. Dezember – Lazio gastiert an diesem Tag in der Red Bull Arena – sämtliche Zweifel beseitigt sein.

Artikel stammt vom: 6. November 2009 – 17:17 Uhr

Older Entries

%d Bloggern gefällt das: