Arsenal FC : FC Barcelona
2-1 (van Persie 77., Arshavin 83. bzw. Villa 26.)

Welch ein Spiel im Emirates Stadium, das da der Arsenal Football Club mit ein wenig Glück aber letztlich nicht unverdient gewonnen hat. Das Kräftemessen zweier außergewöhnlich spielstarker Mannschaften brachte das erwartete Spitzenspiel und durch den knappen Endstand viel Spannung fürs Rückspiel. Lange Zeit sah Barcelona wie der sichere Sieger aus, doch Arsenals Mut ließ am Ende die Nordlondoner jubeln…

programmgemäße Startformationen

Beide Teams begannen rein personell genau so, wie man sich das im Vorfeld erwartet hatte. Emmanuel Eboue ersetzte bei Arsenal den gesperrten Sagna, Samir Nasri kehrte nach überstandener Sprunggelenksverletzung in die Mannschaft zurück.
Bei Barcelona fehlte Kapitän Puyol verletzungsbedingt. Manch einer mutmaßte deshalb im Vorfeld, dass Guardiola Busquets zurückziehen und Mascherano in die Mannschaft bringen würde, Busquets blieb jedoch einziger 6er und Abidal spielte zu Piques Linken in der Innenverteidigung.

die Startformationen (4-4-1-1 gg 4-3-3)

die Startformationen (4-4-1-1 gg 4-3-3)

Auch die taktische Anordnung beider Mannschaften glich jener aus den vorherigen Spielen, bei Arsenal vielleicht mit dem Unterschied dass Nasri und Walcott diesmal etwas defensiver spielten, sodass sich eine weitere Viererkette vor der Abwehr ergab. Die Katalanen spielten der Papierform nach mit drei echten Stürmern, nur konnte man Messi an diesem Abend eigentlich gar keinen solchen nennen, so weit zurückfallen hat er sich teilweise lassen. Es war also das Duell eines 4-2-3-1/4-4-1-1 gegen ein 4-3-3 mit einem Lionel Messi als “falsche 9” – der Papierform nach heißt das: Überzahl für Barca im Mittelfeld, dafür möglicherweise viel Raum für Arsenals Flügelspieler; und so kam es dann eigentlich auch.

mutige Gunners

In den ersten drei Spielminuten ließ Barcelona gleich anklingen, worauf sich Arsenal gefasst zu machen hatte – endlose Ballstafetten, gern auch ausschließlich in der eigenen Hälfte, aber insofern effektiv als der Gegner den Ball nicht hat und so selbst für keine Gefahr sorgen kann. Nachdem sie 180 Sekunden lang kaum einen Ballkontakt hatten, fanden die Gunners jedoch immer mehr zu ihrem Spiel und hätten nach Fabregas-Vorlage schon in Minute 6 durch Robin van Persie in Führung gehen können. Die nächsten Minuten gehörten dann auch hauptsächlich den Gastgebern, die zu Beginn weitaus intensiveres Pressing als in den meisten Ligaspielen und so Barcelona nicht wirklich zu deren Spiel finden haben lassen.

Mit der Zeit sah sich Arsenal allerdings immer weiter zurückgedrängt, was schlichtweg an der enormen Ballsicherheit des Gegners lag.

Song als Unsicherheitsfaktor

In dieser Phase erwies sich der sonst so souveräne Alexandre Song als dem Tempo der Katalanen einfach nicht gewachsen. Bereits nach wenigen Minuten sah er für ein taktisches Foul an Messi (ob in einem CL-Achtelfinale das erste Vergehen gleich eine Karte zufolge haben sollte, lass ich hier mal dahingestellt…) die gelbe und musste somit vorsichtig in seinen Tacklings sein. Als dann noch ein paar Fouls und so auch mehrere ausdrückliche Ermahnungen des Schiedsrichters folgten, konnte Song endgültig nichtmehr ohne Bedenken in normale Zweikämpfe gehen, vor allem weil Spieler wie Busquets jede Gelegenheit nutzten eine Gelb-Rote zu provozieren.

Nachdem zuvor Weltfußballer Messi eine 100%ige Torchance ausgelassen hatte, folgte Minuten später durch David Villa der Führungstreffer für die Gäste. Neben Gael Clichy – der Franzose hob das Abseits auf – war hier auch Song mitverantwortlich für das Gegentor: Eben weil er schon am Rande eines Platzverweises wandelte musste er Messi im Mittelfeld ziehen lassen, wodurch dieser relativ unbedrängt auf die Arsenal’sche Viererkette zulaufen und in der Folge den Pass zum Tor spielen konnte.

Walcott weitesgehend harmlos, Wilshere nicht

Nun waren die Gunners unter Zugzwang, denn eine Heimniederlage käme gegen einen solchen Gegner praktisch dem Ausscheiden gleich. Als Arsenals gefährlichster Mann war im Vorhinein Theo Walcott eingestuft worden, der blieb jedoch bis auf eine gute Szene zu Beginn recht farblos und auch Fabregas und van Persie konnten zu Beginn nicht sonderlich für Akzente sorgen. Es musste also der 19(-!)-Jährige Jack Wilshere einspringen und den Londonern wieder auf die Beine helfen. Der Teenager machte eine wirklich gute Partie – unerreicht seine Ruhe in der eigenen Hälfte, extrem ausgereift seine Technik, offensichtlich seine enorme Spielintelligenz und unheimlich gefährlich die Tempo-Dribblings, von denen eines zu einer großen Torchance führte.

Von dieser abgesehen war für die Heimmanschaft aber wenig zu holen, den Ball hatte praktisch nurnoch Barcelona und die Art und Weise wie sie ihn spielend zirkulieren ließen erinnerte ein wenig an die Demütigung vom letzten Jahr. Gut dass sich Arsenal mental auf die Überlegenheit des Gegners eingestellt hatte, wie Wenger später erklärte, denn es gab durchaus schon Mannschaften die in solchen Phasen die Neven weggeschmissen haben…

Arsenals Comeback

Aus der Kabine kamen die Gunners wie ausgewechselt, ohne dass sich personell auch nur irgendetwas getan hätte. Es war vielmehr die deutlich offensivere Ausrichtung, die Arsenal wieder ins Spiel finden ließ und Barcelona von übermäßiger Ballkontrolle abhielt. Zwar schauten zunächst hauptsächlich Halbchancen dabei heraus, doch die waren genug um die Spieler wieder Glauben an sich und die Zuseher Vertrauen in die Spieler finden zu lassen.

Nach 68 Minuten nahmen dann beide Trainer Wechsel vor: Guardiola brachte Keita für den Torschützen Villa, Arsene Wenger Arshavin anstelle von Alex Song. Bei Barca ging nun Iniesta in die Spitze, bei den Gunners Nasri an die Seite von Wilshere. Zur Folge hatte das natürlich, dass Barcelona ohne Iniesta nicht länger die Ballzirkulation aus Hälfte Eins aufrechten erhalten konnte, während Nasri den Spielaufbau der Gunners aus dem Zentrum heraus noch mehr belebte. Ein wenig später kam dann auch noch Nicklas Bendtner für Theodor James Walcott, ein Wechsel der sich auszahlen sollte, war es doch der Däne der Valdes beim herausragenden Ausgleichstreffer durch van Persie entscheidend irritierte.

Das Emirates war nun außer sich und Arsenal psychologisch klar im Vorteil. Worin das ganze letztendlich mündete ist bekannt, einen bilderbuchartigen Konter schließt Andrej Arshavin in Minute 83 zur Führung für sein Team ab. Barcelona, sichtlich geschockt, versuchte noch alles auszugleichen, von einer großen Gelegenheit in der Nachspielzeit abgesehen – Szczesny vereitelte sie mit tollem Stellungsspiel – war es das jedoch gewesen. So durften also die Gunners und ihr Anhang feiern, wobei man sich natürlich darüber im Klaren ist wie schwer es sein wird im Nou Camp zu bestehen.

Fazit

Ein hervorragendes Spiel in vielerlei Hinsicht haben wir erleben dürfen, insbesondere auch eines dass die Fähigkeiten der jeweiligen Teams sehr gut repräsentiert: Das Passspiel der Katalanen ist unerreicht und unnachahmlich, mit technisch ebenso feinem aber wesentlich direkterem Angriffsfußball versuchte Arsenal da dagegen zu halten und hatte letzten Endes Erfolg damit. Die erfolgreiche Aufholjagd verdankt man einerseits dem konditionellen Vorteil gegen Ende (man siehe nur, wie Alves beim 2:1 seinen Sprint frühzeitig abbrechen muss, Anm.) und zum anderen den gelungenen Wechseln von Arsene Wenger. Während Pep Guardiola mit seinem Tausch seiner Mannschaft mehr geschadet hat, gingen Wengers mutige Umstellungen auf. Der erfolgreiche Coach, nach dem Spiel darauf angesprochen, sagt folgendes:

I took a gamble. But I had to do it, we needed two goals. I’m very proud because everybody urged us to play differently to our nature.

Mal sehen, ob sich Arsenals Spielweise auch in Spanien bewährt oder ob nicht doch ein parkender Bus (= extrem tiefes Verteidigen, kaum eigene Offensivbemühungen, Inter Mailand eben), wie etwa der Hercules-Coach meint, die einzige Möglichkeit ist sich langfristig mit dem unbestritten besten Team der Welt messen zu können…