[ANALYSE] Real vorbereitet und belohnt

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Real Madrid : FC Barcelona
1-1 (Messi 54. bzw C. Ronaldo 82.)

Nach der historischen 0:5-Niederlage im letzten Aufeinandertreffen mit Barcelona hatten Real – und vor allem José Mourinho, für den besagte Schmach die größte seiner bisherigen Trainerkarriere bedeutete – so einiges gutzumachen. Barca dagegen wusste, dass selbst ein Remis im zweiten Clasico der Saison endgültig den neuerlichen Titelgewinn sichern würde – und genau dieses fuhr man letztlich, wenn auch mit fast schon ungewohnter Mühe, auch ein.

Die Partie selbst war nicht annähernd so gut wie das letzte Match dieser beiden Teams, aus taktischer Hinsicht und mit Blick auf die kommenden drei Begegnungen aber umso interessanter. Nämlich bereitete Mourinho mit seiner Mannschaften den Katalanen Schwierigkeiten, wie diese sie seit der Niederlage im Emirates nicht mehr hatten. Zugleich zeigt sich dadurch auch, wie verwundbar Barca doch ist wenn man entsprechend intelligent gegen sie spielt.

“Intelligent” war bei den Madrilenen in erster Linie der Systemwechsel vom ursprünglichen 4-2-3-1- zu einem wesentlich massiveren 4-5-1-System – Özils Platz im Mittelfeld nahm Pepe ein, ansonsten blieb alles wie gehabt. Pepe ist zwar gelernter Innenverteidiger, kennt das zentrale Mittelfeld aber bereits aus Zeiten mit der portugiesischen Nationalmannschaft. Im Unterschied zu seinen dortigen Auftritten gab er für Real jedoch keineswegs den Abräumer vor der Viererkette sondern war äußerst aktiv am Pressing beteiligt. Auch von einer Manndeckung für Lionel Messi konnte keineswegs die Rede sein – weder Pepe noch ein anderer Real-Spieler kümmerte sich übermäßig um den Weltfußballer. Mit Sicherheit eine richtige Entscheidung von Mourinho, genügte es doch vollkommen Xavi, Iniesta und Dani Alves zu neutralisieren, womit Messi mehr oder weniger isoliert war und zeitweise extrem tief spielen musste.

Bei den Gästen ergab sich so über weite Strecken unfreiwillig eine Art Mittelfeld-Raute, mit Pedro und Villa, eigentlichen Flügelstürmern, davor. Wie man sich vorstellen und auch gut anhand der folgenden Graphik erkennen kann, fehlte Barca so einfach der Platz und natürlich auch eine echte Anspielstation in ihrem Angriffsdrittel.

die Starformationen (4-5-1 gg. 4-3-1-2)

die Starformationen (4-5-1 gg. 4-3-1-2)

Vor allem Xavi und Iniesta hatten große Schwierigkeiten, ihr gewohntes Netz an Pässen auszutauschen, was dem Spielfluss Barcas sichtlich schadete. Zeit und Raum ließ Real eigentlich nur Sergio Busquets, der so durchaus das Spiel dominieren hätte können; aus Mangel an Anspielstationen musste er jedoch meist den Kurzpass zu Xavi wählen.

Als Barcas effektivstes Offensivmittel stellten sich im Laufe der ersten Halbzeit lange Bälle auf Messi, Villa oder Pedro, unmittelbar hinter die Madrid-Abwehr, heraus. Mourinho wählte für sein Team abermals eine relativ hohe Verteidigungslinie, was einerseits den Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr sehr gering hielt, allerdings auch Gefahr bot, von einem Tempowechsel der Katalanen überrascht zu werden – erst scheiterte Messi zwar noch mit einem Heber an Casillas, es sollten aber noch weitere Gelegenheiten aus solchen Situationen folgen…

Ein weiterer Grund für die fehlende Durchschlagskraft bei Barcelona war sicherlich auch der gebremste Offensivdrang von Rechtsverteidiger Alves; verursacht durch a) den unheimlich diszipliniert verteidigenden di Maria und b) die Unnotwendigkeit für Barcelona, in diesem Spiel volles Risiko einzugehen.

Bei Real hieß unterdessen die einzige Möglichkeit für Gefahr zu sorgen Cristiano Ronaldo: Der 26-Jährige Portugiese erwischte einen ausgesprochen guten Abend, spielte mannschaftsdienlich, konnte allein auf weiter Flur aber nur bedingt echte Torchancen herausspielen.

Alles in allem war die erste Spielhälfte deshalb eine eher enttäuschende, wobei das Tempo meist sehr hoch und die alternative Real-Formation bei Ballbesitz des Gegners durchaus interessant war:

alternative Real-Formation (derStandard.at/sport)

alternative Real-Formation (derStandard.at/sport)

Zu sehen war diese in der ersten Hälfte meist dann, wenn Ronaldo im Spielzug zuvor seine Position verlassen hatte.

Real vorbereitet…

Die zweite Spielhälfte begann Real ein wenig druckvoller und abermals mit einem in Topform befindlichen Cristiano Ronaldo, der mit einem Freistoß den er zuvor selbst herausgeholt hatte Aluminium traf.

Wenige Minuten später bereitet auf der anderen Seite ein an und für sich recht harmloser Pass von Pique Albiol derartig Schwierigkeiten, dass sich dieser gegen den wesentlich agileren David Villa nur mit einem Foulspiel zu helfen weiß. Den fälligen Strafstoß verwandelt Lionel Messi zur Führung für sein Team, zudem wurde Albiol (fälschlicherweise in meinen Augen, nie und nimmer hatte Villa den Ball unter Kontrolle) wegen Torraubes vom Platz gestellt.

Glücklicherweise hatte Mourinho, wie er bereits am Donnerstag der Presse mitteilte, seine Mannschaft das Spielen in Unterzahl trainieren lassen. Somit war man auf diese Ausnahmesituation den Umständen entsprechend gut vorbereitet. In weiterer Folge tauschte Mourinho nacheinander Özil für Benzema, Arbeloa für di Maria und Emanuel Adebayor anstelle des weitestgehend wirkungslosen Xavi Alonso, wobei die letzten beiden Wechsel jeweils in der 66. Spielminute von Statten gingen.

… und mit dem Ausgleich belohnt

Von da an spielte Real mit Sergio Ramos in der Innenverteidigung, Arbeloa rechts hinten, Pepe & Khedira praktisch allein gelassen im Mittelfeld und Ronaldo, Adebayor sowie Özil im Angriff. Real ging also reichlich Risiko ein. Risiko, dass gegen ein Barcelona in bester Verfassung sicherlich in weiteren Gegentreffern gemündet hätte, an diesem Abend jedoch ohne Folgen blieb.

Im Gegenteil, Torgelegenheiten hatte eigentlich nur noch Real, wovon eine ein Elfmeter war, den Cristiano Ronaldo zum Endstand von 1:1 nutzte.

Fazit

Einen Clasico, der verdientermaßen keinen Sieger hatte und der vor allem Lust auf die folgenden drei macht, durften wir mit ansehen. Wem mit dem Ausgang des Spiels mehr geholfen ist? Schwer zu sagen. In Sachen Meisterschaft ist diese mittlerweile klar zugunsten des FC Barcelona entschieden, auch ein Real-Sieg hätte daran wohl nichts geändert, also sind die Auswirkungen des Spiels hauptsächlich psychologische: Mourinho hat nun die Spieler und insbesondere die taktischen Mitteln, Barcelona Paroli zu bieten, in mindestens einem der drei kommenden Aufeinandertreffen ist also zwingend mit den Madrilenen zu rechnen.

Favorit bleibt dennoch die Mannschaft von Pep Guardiola, die zweifelsohne die beste der Gegenwart ist und in Topform nur von den allerwenigsten besiegt werden kann. Aber wem, wenn nicht einem Jose Mourinho/Cristiano Ronaldo sollte es gelingen auch dieses Team fertig zu machen…

Eine interessante Randnotiz übrigens noch zur Darbietung des ehemaligen Weltfußballers: Mit exakt 9 zurückgelegten Kilometern stellte er auch in dieser Hinsicht Lionel Messi (7,9 km) deutlich in den Schatten. Ein weiteres Anzeichen dafür, wie viel mannschaftsdienlicher er in seiner Zeit unter dem ‘Special One’ geworden ist.

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[ANALYSE] Mourinho taktierte Inter zum Triple

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Auch wenn es viele – von wegen Inter hätte arg destruktiv gespielt und klarerweise unverdient gewonnen – nicht wahrhaben wollen: Der Gewinner der Champions League-Saison 2009/10 heißt Inter Mailand. Die Mannen des aktuell sicherlich besten Trainers der Welt, setzten das taktische Konzept Mourinhos ideal um und brachten Robben samt Bayern damit zur Verzweiflung.
Der dseitlhuber – sportblog holt zur Großanalyse aus

Manchmal ist es im Fußball eben so, dass der Bessere gewinnt. Nicht immer. Manchmal. Idealerweise bei Champions-League-Finali. Gestern war dies glücklicherweise der Fall. Mit Inter Mailand hat die klar bessere Mannschaft den Titel eingefahren. Doch wollen wir das Spiel der Reihe nach aufarbeiten:

Das Geheimnis des Verlierers
Die Bayern waren mit deren üblicher Spielweise (möglichst viel Ballbesitz, tausendfach einstudiertes Positionsspiel bedingunglos abspielen, Robben bei jeder Gelegenheit suchen) in die Partie gegangen, obwohl man eigentlich davon ausgehen konnte, dass man mit dieser Art Fußball zu spielen, gegen Inter nichts reißen wird können. Selbst Van Gaal hat es bereits vor dem Spiel angedeutet.
Die Münchner machten es der Mourinho-Elf erschreckend einfach. Unheimlich langsamer Spielaufbau, sodass bei den Italienern nicht einmal der Funke von Unordnung aufkommen hat können, gepaart mit dem konsequenten Ignorieren der linken Seite, macht eine Mannschaft nunmal extrem ausrechenbar.

Darunter litt insbesondere Arjen Robben. Während der Niederländer in Bundesliga und DFB-Cup Unterstützung von Schweinsteiger, Olic, Müller und Ribery (gut, der konnte gestern nicht übermäßig viel beitragen) bekommt, war er gestern praktisch auf sich alleine gestellt. Bei praktisch jedem Angriff ließen die Münchner den Ball minutenlang zirkulieren, nur um ihn schließlich doch Robben zu zu spielen – selbst wenn vor diesem eine Menschenmauer und er somit vor einer quasi unlösbaren Aufgabe stand.
Normalerweise versuchen und schaffen es die Bayern, den Gegner durch geschicktes Verschieben und punktgenaues Passspiel im zentralen Mittelfeld regelrecht zu erdrücken und Robben (und mit Abstrichen auch Ribery) dadurch Eins-gegen-Eins-Situation zu ermöglichen. Gestern war die Mailänder Doppelsechs (unterstützt von Sneijder, Eto’o und Pandev) aber schier zu stark, weshalb der Druckaufbau der Bayern ins Leere ging und es Robben jedes Mal mit Eins-gegen-Drei-Situation gegen Chivu, Cambiasso und Pandev zu tun bekam.

Inter stellte sich im Verteidigen gegen Robben zudem auch noch irrsinnig geschickt an. Standardbewegungen wie Vorstöße bis an die Grundlinie lies man dem Niederländer beinahe ohne Gegenwehr durchgehen, weil man aus solchen – richtigerweise, wer sollte im Strafraum schließlich Nutzen daraus ziehen, wenn Gomez und Klose auf der Bank sitzen? – keine Gefahr vermutete. Kaum wollte Robben jedoch mit flinken Hacken nach innen gehen, wurde er augenblicklich von Cambiasso und Chivu gepresst und ein möglicher Schussweg von Walter Samuel abgedeckt. Genial, weil eigentlich unheimlich simpel – sofern der Gegner mitspielt.

Die rechte Seite hatte Inter also praktisch abmontiert, blieb den Bayern immerhin noch die Linke. Aber nein, ohne Ribery scheint man die irgendwie nicht bespielen zu wollen. Badstuber klebte förmlich auf der LV-Position und Altintop spielte häufig Alibi-Pässe, die das Spiel offensichtlich nur noch weiter verzögerten. Der LvG-Truppe gelang es nie wirklich, eine optimale Bindung aus rechter und linker Seite herzustellen – nur so hätte man eine Chance gehabt, der Abwehr der Mailänder kurzfristig zu destabilisieren. Einige Male hat Robben sogar versucht, das Spiel schnell zu verlagern, was aber Van Bommel sichtlich zu flott ging und durch dessen Langsamkeit stets in nichts bringendem Ballverschiebe verebbte.

Das System Van Gaals bekam vom überragenden Taktiker Mourinho 90 Minuten lang seine Grenzen aufgezeigt. Es mag unheimlich angriffsorientiert sein, ziemlich hübsch aussehen und absolut unabhängig von jeder Art von Zufall sein (seit LvG stelle ich einen deutlichen Rückgang des oft zitieren „Bayern-Dussels“ fest), aber es fehlt ihm an Effektivität. Die Bayern „spielen für das Publikum“, aber oft nicht unbedingt auf den Endzweck orientiert. Das war es, was Lahm im Interview mit der Süddeutschen zu Saisonbeginn meinte – bevor Arjen Robben zu Bayern gekommen war. Ich werde mich hüten, jemals von einem „FC Robben“ zu sprechen – die Mannschaft an sich ist für mich ein Kunstwerk – aber gestern hat es sich wieder mal offenbart: Für die Bundesliga reicht das Van Gaal-System vollkommen aus, auch ohne Robben. Sobald jedoch eine Klasse-Mannschaft mit defensiver Ausrichtung daher kommt, sind die Münchner mit ihrem Latein am Ende. Weil der Ball nicht rasch genug zirkuliert, weil die Zuammenarbeit zwischen linker und rechter Seite nicht hinhaut und meiner Meinung nach auch deshalb, weil Olic sowie Müller gegen solche Mannschaften überhaupt nicht zur Geltung kommen. Wieso nicht mit Gomez oder Klose statt einem der beiden beginnen?

Das Geheimnis des Siegers
Was den Bayern fehlt, wissen wir mittlerweile. Zeit, die Stärken des Sieger entsprechend zu würdigen. Taktisch perfekt geschult, frei von jeden Starallüren und technisch begnadet – die Mannschaft erfüllt sämtliche Kriterien einer internationalen Top-Mannschaft im modernen Fußball. Nicht immer war dies der Fall, Inter fehlte lange Zeit das gewisse Etwas. Und spätestens seit gestern wissen wir, dass das gewisse Etwas Jose Mourinho heißt. Neben taktischer Finesse, die das Triple überhaupt erst ermöglicht hat, besticht der Portugiese auch durch vorausschauendes Denken. Ibrahimovic war ihm beispielsweise ein Dorn im Auge, woraufhin er den Schweden gegen Eto’o tauschte, diesen erfolgreich zum RM umfunktionierte und auf der Position des Mittelstürmers einen gewissen Diego Milito groß machte. Nicht erst seit gestern ist der Argentinier für mich der kompletteste Stürmer der Gegenwart. Selten habe ich eine bessere Mischung aus Körpereinsatz, Ballbehauptung, Technik, Stellungsspiel, Spielverständnis und Vollstreckerqualitäten gesehen – sicherlich AUCH ein Verdienst Jose Mourinhos. Selbes Spiel bei Eto’o: Unter Guardiola noch bezahlter im-Strafraum-herum-Steher, verrichtet er bei Inter auf seiner rechten Seite unheimlich viel Defensivarbeit und trägt das Konzept seines Trainers wesentlich mit.

Im Konterspiel, der unbestritten größten Stärke Inters, ist er ebenfalls ein wichtiger Baustein. Er – Eto’o – sowie Wesley Sneijder, Gordon Pandev und Diego Milito kombinieren sich mit sehenswertem One-Touch-Fußball in Windeseile zu Tormöglichkeiten – kein Vergleich zu Angriffen der Münchner. Doch hier gilt es einzuhacken, Van Gaal hat es in einem Interview bereits getan: Sind die Mailänder so stark, oder die Voraussetzungen für gutes Konterspiel einfach so gut? Schwer zu sagen. Van Gaal glaubt an Letzteres und erklärt das, auf Nachfrage sogar mehrmals, so:

Wir spielen für das Publikum, Inter für den Sieg. Wir wollen angriffsorientiert spielen und müssen gegen eine defensive Mannschaft wie Inter auf kleinem Raum kombinieren, Inter muss also auch auf kleinem Raum verteidigen. Mailand kann dafür auf großem Raum angreifen und wir müssen auf großem Raum verteidigen – das ist ein Nachteil für uns. Wir waren gestern nicht gut genug, mit unserem Spiel zu gewinnen

Irgendwo hat er Recht. Die Frage die sich mir allerdings stellt: Wieso stellt er sich und die Mannschaft nicht auf diese Begebenheiten ein? Wäre es unter Umständen nicht besser gewesen, das Positionsspiel ausnahmsweise leicht abzuändern. Gut, er will für das Publikum – sprich: extrem offensiv – spielen, aber wäre der Gewinn der Champions League nicht das höchste Geschenk an den Anhang gewesen? Vermutlich schon.

Milito #1
Nun möchte ich noch auf die beiden Milito-Tore eingehen, da diese zwar hauptsächlich durch die enorme Qualität des Torschützens aber teilweise auch wegen zweier Fehler in der Bayern-Verteidigung zustande gekommen sind.

Beim 0:1 in der 35. Minute begingen Daniel Van Buyten sowie die Doppelsechs Schweinsteiger/Van Bommel jeweils schwerwiegende Fehler. Insbesondere Mark van Bommel hätte sich bei Julio Cesars Abschlag weiter zurückfallen lassen müssen. Es kann nicht sein, dass Demichelis Eins-gegen-Eins Milito und Van Buyten Eins-gegen-Eins Sneijder verteidigen muss – einer der beiden Abräumer muss sich in der Nähe des Geschehens aufhalten, dazu ist eine Doppelsechs schließlich gedacht.

Van Buytens Abwehrverhalten war ebenfalls bestenfalls suboptimal. Der Belgier hat gegen Sneijder versucht zu verzögern, sich dabei aber insofern verrechnet, als dass Sneijder im Mann-gegen-Mann-Duell eigentlich gar keine ernsthafte Gefahr darstellte (überspielt Sneijder Van Buyten, kann Lahm immer noch retten), sondern lediglich der Passweg zu Milito zugestellt hätte werden müssen – eine offensivere Art des Verteidigens wäre in dieser Situation vermutlich die bessere Wahl gewesen. Sei’s drum, Fehler passieren.

Milito #2
Beim 0:2 spreche ich Van Buyten von besonderer Schuld frei. Dass er in Sachen Geschwindigkeit gegen die Besten der Welt nie und nimmer bestehen kann, ist allgemein bekannt, er muss sich im Eins-gegen-Eins daher anders zu helfen wissen. Gegen Diego Milito macht der Belgier das einzig Richtige: Passiv verteidigen, das Spiel verzögern, den Mitspielern die Chance geben zurück zu eilen. Philipp Lahm – für mich eigentlich bester Rechtsverteidiger unserer Zeit – hätte die Chance gehabt, hat sie unverständlicherweise aber nicht wahr genommen. Der ansonsten so lauffreudige Lahm trabt locker flockig hinterher, anstatt den Raum hinter Van Buyten zu zu machen – ein Abwehrverhalten, das man heutzutage bereits im Nachwuchs eingeimpft bekommt.

Richtiges Resümee
Für meine Begriffe hat Inter Mailand gestern keineswegs destruktiv, keinesfalls unansehlich und in Wahrheit wirklich gut gespielt. Normalerweise werden Kombinationen wie die meisten Konter der Italiener als Fußballkunst bezeichnet – wenn der Produzent Inter heißt und das Klischee einer typischen Catenaccio-Mannschaft auf den ersten Blick vollstens erfüllt scheint, vergisst man aber leider scheinbar recht rasch, darüber nachzudenken.

Ein weiterer Grund, wieso es sehr, sehr viele Leute gibt, die nun Groll gegen Inter hegen, ist vermutlich der, dass Spiele mit Inter-Beteiligung tatsächlich oft zu Rasenschach ohne große Tormöglichkeiten werden. Meiner Meinung nach deshalb, weil die Fußball-Welt in Jahrzehnten des Suchens noch immer meilenweit vom perfekten Angriffsspiel entfernt und deshalb gegen taktisch geniale Mannschaften oft hilflos ist. Wer ein schlechtes Champions League-Finale gesehen haben will, möge sich ausschließlich bei den Bayern beklagen – das Konterspiel der Mailänder sollte nämlich für jeden echten Fußballkenner ein Hochgenuss gewesen sein.

Falsche Resümees
Der dseitlhuber – sportblog hat recherchiert und folgende Negativ-Highlights aus dem derStandard.at-Forum erwählt:

Gratulation Inter
Dank euch konnte ich meinen ital. Wortschatz erweitern Betoniera bedeutet Betonmischer *lach*

Anti Fußball is back

31 % Ballbesitz waren es und diesmal hatten sie alle Spieler am Platz!!
Diese Mannschaft wollte den Ball gar nicht spielen, da könnten ja Fehler passieren.. Lieber 2x hoch raus auf Milito+1Verteidiger und Milito wirds schon richten!

Mein absoluter Favorit ist jedoch FCB-Kapitän Mark Van Bommel, der meint: „Ich kann nur eines sagen: Nicht die beste Mannschaft, sondern die effektivste hat gewonnen.“
Einfach auf der Zunge zergehen lassen.

Artikel stammt vom: 23. Mai 2010 – 15:58 Uhr

Analytischer Zusatzteil

Einzelkritik Bayern München:

Butt: Bei beiden Gegentreffern schuldlos, ansonsten nicht oft gebraucht – von einem Pandev-Schupfer, den er ausgezeichnet parierte, abgesehen

Lahm: Eigentlich okay, aber beim 0:2 von allen guten Geistern verlassen.
Van Buyten: Beim ersten Tor mit Stellungsfehler, beim zweiten Tor zu hölzern
Demichelis: Früh Gelb kassiert, daher oft halbherzig und den berühmten halben Schritt zu spät
Badstuber: Bemüht, aber restlos überfordert

Robben: Gegen Chivu, Cambiasso und Pandev machte er keinen Stich, bewies beim Scheitern jedoch Charakterstärke und steckte erst in den Schlussminuten auf
Van Bommel: Vorne wie hinten zu langsam, auch im Denken. Verlangsamte den Spielaufbau der Bayern erheblich und nahm manch viel versprechendem Angriff den Schwung
Schweinsteiger: Man hat ihn in dieser Saison schon besser spielen sehen, wenngleich ich ihn auch gestern nicht unbedingt schlecht empfunden haben
Altintop: In einigen Situation ein bisschen feig, in anderen schlichtweg ungeschickt – durch seine blendende Technik sorgte er aber hier und da für Gefahr, bereitete unter anderem die Müller-Chance vor

Müller: Im ersten Durchgang praktisch nicht existent, in der zweiten Hälfte nur durch eine vergebene Torchance in Erscheinung getreten
Olic: Gegen Gegner wie Inter hat er es ungemein schwer. Leistung: Mäßig, wie es eigentlich zu erwarten war

Einzelkritik Inter Mailand:

Julio Cesar: Hielt, was es zu halten gab

Maicon: Stellte sich in den Dienst der Mannschaft, ließ unnötige Ausflüge bleiben und machte einfach seinen Job
Lucio: Von ein, zwei taktischen Undiszipliniertheiten abgesehen, eine gute Leistung
Samuel: Eine gute Leistung
Chivu: 60 Minuten lang relativ souverän gegen Robben, ehe nach Krampf Schluss war

Eto’o: Arbeitete brav nach hinten und leitete einige Konter, wie etwa das 0:2, ein
Zanetti: Machte sich auf der für ihn ungewohnten Position im rechten defensiven Mittelfeld ziemlich gut und bestach durch seine Routine
Cambiasso: Spätestens wegen ihm, machte Robben keinen Stich – eine staubtrockene Darbietung des Argentiniers
Sneijder: Half oft hinten mit und war außerdem Schaltzentrale jedes Inter-Angriffs
Pandev: Fand die richtige Mischung aus konsequenter Defensivarbeit und gefährlichen Vorstößen

Milito: Bester Mittelstürmer der Welt? IMHO ja.

[ANALYSE] Inter schlug die Unschlagbaren

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Im sagenumwobenen San Siro trafen gestern Inter Mailand, der FC Barcelona und somit zwei Welten aufeinander. Die Welt von Inter Mailand war nach 90 Minuten mehr als in Ordnung, gewann man doch, verdientermaßen, gegen die viel gerühmten Katalanen. Warum Mourinho ein Mittel fand, Guardiola kein Mittel fand und die Ausgangslage vor dem Showdown im Camp Nou spannender nicht sein könnte

Barcelona ist auch nur eine Mannschaft
Vorweg – die Barcelona-Fans unter euch mögen mir nicht böse sein: Ich bin mit dem Ausgang des Spiels glücklich, in meinen Erwartungen erfüllt und nochmals glücklich. Die, Barcelona, die man als unschlagbar deklarierte, waren doch schlagbar und insbesondere Lionel Messi, bekanntlich nicht zu verteidigen (Wenger: „Unstopable“, Sammer: „Nicht zu verteidigen“, Rossi: „Nicht zu verteidigen), wurde perfekt verteidigt.
Generell neigt man dazu, das momentane Maß aller Dinge, das nichts desto trotz momentan sicherlich Barca ist, bis ins Unendliche zu verherrlichen – dass Hirn weg zu schmeißen und in der Folge auf Kritik verzichten. Auch als ich Messi als Abhängigen – im fußballerischen Sinne, vom Kollektiv Barcelona – bezeichnet und Ronaldo als den kompletteren Fußballer beschrieben habe, wurde mir rasch Majestätsbeleidigung vorgeworfen. Jedem das Seine, aber mir das Meine.

Mourinho ist mehr als ein guter Trainer
Insgeheim habe ich wirklich gehofft, dass Mourinho etwas aus dem Hut zaubert und Barca, samt Messi, endlich vor eine gute Hintermannschaft und ernsthafte Probleme stellt. Gehofft, getan.
José Mourinho machte seinem Titel als „Bester Trainer der Welt“, den er sich übrigens einst selbst verliehen hat, alle Ehre und neutralisierte mit seiner Aufstellung sämtliche Qualitäten der Katalanen.

„Seiner Aufstellung“ war folgende:

Cesar
Maicon – Samuel – Lucio – Zanetti
Cambiasso – Motta
Eto’o____________Pandev
Sneijder
Milito

Stand zwar anders zu Papier, wurde faktisch aber wie oben angeführt gespielt. Während Milito relativ wenig machen musste, attackierte Snejder schon wesentlich energischer, zwang 6er Busquets oft zu Abspielfehlern. Die Flügelspieler Eto’o und Pandev spielten mal so, mal so – je nach Situation offensiver oder defensiv orientiert. Die beiden ließen zu den Flügelspielern der Barcas – meistens waren es die Außenverteidiger – unheimlich viel Platz, konnten dies durch exzellente Raumdeckung jedoch wieder wett machen.

Knackpunkt
Dahinter wurde das Spiel erst richtig entschieden: Cambiasso – und zeitweise auch Thiago Motta – montierte die Schaltzentrale, sie heißt Xavi, kompromisslos ab und lähmte damit den gesamten Spielaufbau der Gäste.
Dass Ibrahimovic völlig in der Luft hing, vorwiegend Löcher in die Luft schaute, ist da mehr als typisch, fast logisch, wenn man ihn kennt. Messi ist weit weniger exzentrisch als der Schwede, brachte gestern aber doch recht wenig auf den Platz. Ich glaube nicht dass es an der schlechten Tagesform gelegen hat, vielmehr meine ich weiterhin, dass Messi nur funktioniert, wenn der Gegner ihm Raum und Zeit, Lust und Laune lässt – nebenbei muss natürlich auch der Rest der Mannschaft mitspielen. Beides war gestern nicht gegeben, Messi daher unauffällig. Trotzdem: Er hat keinesfalls schlecht gespielt, er ist halt wie er ist: Weltklasse, sofern Gegner und Teamkollegen mitspielen.

Sonderbewachung gab es für den Argentinier – wie von Mourinho versprochen – übrigens keine, er wurde fast wie jeder andere Spieler behandelt. 1 1/2 Mannen attackierten den Ballführenden, der Rest spulte Kilometer um Kilometer ab – selbstredend auf fix fertig einstudierten Laufwegen. Überhaupt bot Inter eine Konzentrationsleistung der Sonderklasse, kaum ein Ball wurde unnötig verloren gegeben.
Etwas anders sah die Sache bei Barcelona aus: Dort verfiel man teilweise in Selbstgefälligkeit (wieso eigentlich?) und somit Konzentrationsdefizite, die sich durch eine ungewöhnlich hohe Fehlpassquote bemerkbar machte.

Krieg der Welten
Womit wir beim Kampf zweier Welten angelangt wären. Neben Inter gegen Barcelona trafen auch zwei von Grund auf verschiedene Einstellungen aufeinander: Einerseits die taktisch disziplinierten, kampfstarken Italiener, die aber auch offensiv – meistens durch schnelle Gegenstöße mit 1,2 Mal Ballberühren – ansehlich agierten. Auf der anderen Seite Barcelona, die technisch brillanten, wieselflinken Spanier, die in der Regel auch defensiv zu überzeugen wissen.
Gestern entschied zum Einen die Fähigkeit des Siegers, die Stärken des anderen (Technik, Geschwindigkeit, …) nahezu gänzlich zu neutralisieren und zum Anderen die Fähigkeit des Siegers, die Schwächen des anderen (4er-Abwehrkette, weil eigentlich nur aus Innenverteidigung bestehend) eiskalt auszunutzen.
Diesbezüglich war Inter Barcelona meilenweit (man könnte gut und gerne auch von 1 000 Kilometern sprechen) überlegen, hat daher auch völlig verdient gewonnen.

Soviel zu gestern. Viel pikanter, weil fundamentaler, ist für mich allerdings die Frage nach der Erstrebsamkeit von übermäßig viel Ballbesitz. Manche empfinden ihn als Segen (Van Gaal, Guardiola, …), andere als unliebsame Bürde (Magath, Mourinho, …), die man gerne umgeht.
Wirklich beantworten kann man die Frage meiner Meinung nach nicht. Auch wenn das in Zeiten des modernen, engen, perfektionistischen Fußballgeschäft sehr schwer zu glauben ist: Es geht beides. Das sieht man auf höchster- (Champions League: Guardiola gg Mourinho), hoher Ebene (Deutsche Bundesliga: Van Gaal vs. Magath) und mit Abstrichen auch im österreichischen Fußball (Stevens vs. Pacult). Überall liefern sich die Philosophien ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in manchen Spielen hat der Eine einen Vorteil, im anderen der wiederum andere.
Gestern hat der Anti-Ballbesitz (Inter hatte nur 33% Ballbesitz, aber wesentlich mehr Hochkaräter) gewonnen, mal schaun ob er auch aufsteigt.

Artikel stammt vom: 21. April 2010 – 15:35 Uhr

Analytischer Zusatzteil

Inter Mailand:

Cesar: Hatte gar nicht so arg viel zu tun, war beim Gegentor mehr als machtlos und ansonsten ein solider Rückhalt.

Maicon: Machte hinten wie vorne (siehe Tor zum 2:1) eine gute Partie, wesentlich besser als sein Diagonal-Gegenüber Dani Alves
Samuel:
Nicht der Schnellste, aber dank brillanten Stellungsspiel ohne echte Fehler – tadellose Darbietung
Lucio:
Legte den Grundstein für die starke Defensivleistung Inters, blieb über 90 Minuten ohne ernsthafte Fehler, lediglich das Missverständnis mit Cambiasso beim 0:1 befleckt seinen Auftritt ein wenig
Zanetti:
Wäre der Mann nicht 37 sondern 25 Jahre alt, könnte man seine Leistung verstehen – so ist es ein Rätsel, wie man auf diesem Niveau noch dermaßen gut verteidigen kann. Top!

Cambiasso: Hatte das zentrale Mittelfeld der Spanier fast alleine im Griff, teilweise aber mit Ungenauigkeiten im Spielaufbau
Motta:
Pendant Cambiassos… Unterschiede: Nach vorne hin etwas genauer, hinten etwas nachlässiger.
Eto’o:
Mourinho formte ihn vom Mittelstürmer zum RF um – tat auch gut daran, Eto’o blüht dort so richtig auf. Sorgte Vorne für Wirbel und hatte auch defensiv kaum Probleme mit Maxwell.
Pandev:
Solide. Dazu noch ein paar technische Gustostückerl, wie etwa das Gurkerl an Dani Alves. Dazu war auch Hinten auf ihn Verlass.
Sneijder:
Spielte den Regisseur recht gut, bewegte sich trotz Trainingsrückstands viel und erzielte zudem den wichtigen Ausgleich.

Milito: Vermutlich der beste Mann am Platz! Vom Standard-Live-Ticker wurde er nach zwei kläglich vergebenen Chancen in der Anfangsphase schon zum „Chancentod des Spiels“ deklariert – mit zwei Torvorlagen und einem Abseitstor, das zählte, strafte er Herrn Bauer Lügen.

FC Barcelona:

Valdés: Irgendwie trat der Spanier ziemlich komisch, weil unerklärlich unsicher, auf – bei den Gegentreffer darf man ihm jedoch keine Mitschuld einräumen

Alves: Wie immer fast wie ein Flügelstürmer, Vorne aber wirkungslos und in der 4er-Kette teilweise inferior
Puyol:
Gewann wichtige- und verlor schwierige Zweikämpfe – Durchschittspartie. Fehlt übrigens wegen Gelb-Sperre im Rückspiel!
Pique:
Siehe Puyol, nur ein Äutzerl schwächer
Maxwell:
Setzte sich beim 1:0 gut durch, blieb ansonsten im Offensivspiel wirkungslos und war defensiv mit Eto’o überfordert.

Busquets: Hatte mehrere Chancen, fand im Spielaufbau aber nicht wirklich statt
Xavi:
Hatte keine Chancen, fand im Spielaufbau sonderbarerweise nicht statt
Keita:
Wirkte teilweise einfach überfordert

Messi: Oben bereits lang und breit erklärt… Passabel, aber unauffällig trifft es wohl am Besten
Ibrahimovic:
Klassischer Löcher-in-die-Luft-Schau-Ibrahimovic
Pedro:
Spielte eine sehr gute Partie und war an nahezu jeder Offensivaktion der Katalanen beteiligt.

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