Constantini wird vielerlei vorgeworfen – Stamm habe er keinen, System erst recht nicht. Außerdem sei die Mannschaft zu jung und seine Startaufstellung nahezu jedes Mal blöd. Spätestens seit dem Heimsieg über Azerbaijan weiß man, welche Vorwürfe nun stimmen und welche nicht. Der dseitlhuber – sportblog analysiert die gestrige Partie und geht der Frage nach, ob das Nationalteam unter Dietmar Constantini Zukunft hat.

Nach den Kasachen, bekam man es auch in der zweiten Runde der EM-Quali mit Halbprofis zu tun. Sechs Punkte aus den ersten beiden Partien warn die Vorgabe von oben, Constantini fuhr sie mit Bauchweh ein. Gegen Azerbaijan präsentierte man sich wesentlich besser als gegen Kasachstan, was aber nichts an der tristen Situation unseres Nationalteams ändert.

Macho begann in Österreichs Tor, Schiemer bekam den Vorzug gegenüber Aleks Dragovic, Arnautovic stand in der Startelf und Roland Linz gab, wie schon gegen Kasachstan, den 10er. Den angeschlagenen Marc Janko ersetzte Stefan Maierhofer. In Addition mit den restlichen sieben Feldspielern ergab dies jenes 4-2-3-1, welches Constantini bereits gegen Kasachstan und die Schweiz spielen hat lassen (Stichwort: Stamm).

Azerbaijans Aufstellung wurde uns als 4-1-4-1 verkauft, glich in Ballbesitz aber mehr einem 4-2-3-1, da Mammadov immer wieder in eine tiefe Rolle schlüpfte.

 

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

Österreichs Startformation (4-2-3-1)

 

Die österreichische Doppelsechs bildeten diesmal Paul Scharner und Zlatko Junuzovic. Scharner spielte das, was der Engländer einen “Box to Box”-Player nennt: Einen, der immerwährend von 16er zu 16er läuft. Auch bei WestBrom spielt er diese Rolle, entsprechend gut kam er mit ihr zurecht. Junuzovic behielt seine Position meist bei und versuchte, möglichst viele Ballkontakte zu sammeln. Warum ihm dies nicht gelang? Österreich hatte große Probleme, den Ball aus der Abwehrreihe heraus den 6ern zuzuspielen, einfach weil sich diese nicht zurückfallen haben lassen. Im modernen Fußball ist es üblich, dass man dies tut, selbst Azerbaijan war so klug. Einzig Constantini scheint nichts davon zu halten. Junuzovic hätte aus einer tieferen Rolle heraus das Spiel gestalten können, doch man ließ ihn stattdessen weiter vorn herumirren und passte den Ball lieber den überforderten Außenverteidigern zu.

Auch in seiner zweiten Partie als zentral offensiver Mittelfeldspieler erging es Linz nicht gut – wenig gute Pässe spielte er, keinen Druck übte er auf den ballführenden 6er aus und Torgefahr schon gar nicht. Wesentlich besser tat es Stefan Maierhofer, der sich gut/viel bewegte und rein fußballerisch deutlich besser auftrat, als bei seinen letzten Einsätzen. Außerdem lieferte er quasi die Vorlage zu Junuzovics Eckstoß, welchen wiederum Prödl zum frühen 1:0 nützte.

Das befürchte Geduldsspiel blieb also aus, doch anstatt vor Selbstbewusstsein zu strotzen und entsprechend zu spielen, ließ sich Österreich tatsächlich in der eigenen Spielhälfte festnageln – Grund waren hauptsächlich Ballverluste von Harnik und Linz sowie allgemeine Mängel im Spielaufbau. Die Drangperiode der Gäste dauerte gut 15 Minuten, danach hatte die Cosntantini-Elf das Spiel wieder unter Kontrolle. Von Pressing war jedoch weiterhin keine Spur – stattdessen gab man sich damit zufrieden, die Räume eng zu machen und die Führung zu verwalten. Zugegebenermaßen gelang Vor- und Letzteres recht gut, was ein wenig Hoffnung für Dienstag gibt, gegen einen Gegner wie Azerbaijan hätte es aber mehr Mut zum Risiko gebraucht.

Nach einer guten halben Stunde tauschten Harnik und Arnautovic Seiten – auf eigenen Entschluss hin, wie Constantini später zugeben sollte. Jedenfalls tat die Rochade dem österreichischen Spiel insofern gut, als Arnautovic auf Links endlich ins Spiel fand. Andererseits war nun die rechte Seite ziemlich verwahrlost, was angesichts der Harnik’schen Leistung allerdings auch nicht weiter schlimm gewesen ist.

Was taten eigentlich die Außenverteidger? Fuchs agierte erwartungsgemäß offensiver als Klein und bot Arnautovic somit eine Anspielstation, die Harnik auf dem rechten Flügel nicht hatte.
Dass die österreichische Vierer- bei Ballbesitz zur Dreierkette wird, hat der dseitlhuber – sportblog bereits nach dem Länderspiel gegen die Schweiz erwähnt, nun haben es auch die Kollegen von Ballverliebt.eu erkannt. So stand in deren Analyse nämlich:

Problematisch erwies sich an Fuchs’ Spielweise allerdings, dass die Abwehr in vielen Situation de facto als Dreierkette agieren und reagieren musste, wenn der umtriebige Kapitän sich wieder weiter vorne aufhielt.

geschrieben. Illustriert hat man das Ganze mit einer sehr anschaulichen Graphik – zumindest in Österreichs Online-Sportmedien ist also ein Aufwärtstrend erkennbar.

Um noch einmal auf Linz in seiner Rolle als Spielmacher zurückzukommen: Nirgendwo – ich betone nirgendwo – sonst würde ein Teamchef aus einem derartig breit gefächerten Spektrum an Spielmachern einen Strafraumstürmer als 10er einsetzen, Constantini tat es sogar zweimal. Wer Arnautovic (meiner Meinung nach spielt er nirgends besser als hinter den Spitzen), Junuzovic oder ja, auch Andi Ivanschitz zur Verfügung stehen hat, sollte von ihnen Gebrauch machen.

Überhaupt neigt unser Teamchef dazu, Spieler auf Positionen einzusetzen, die ihnen nicht liegen. Nicht weniger als drei Akteure (Linz, Harnik, Junuzovic) waren es allein gestern.

Zweite Hälfte
Einer katastrophalen ersten Halbzeit folgte eine bessere zweite, nicht zuletzt Arnautovics Treffer entschädigten für vieles: Das 2:0 war eine von wenigen Kurzpasskombinationen, das 3:0 eine simple Zur-Schau-Stellung von Arnautovics Können: Der Laufweg, der Schupfer – göttlich!

Doch auch ansonsten gelang der ÖFB-Auswahl weit mehr als in Hälfte Eins, wobei ein Zusammenhang zwischen Systemumstellung/Spielerwechseln und Leistung keineswegs ausgeschlossen werden kann: Kavlak ersetzte den schwachen Harnik, Hoffer kam für Linz. Jimmy gab jedoch keinen 10er, sondern eine zweite Spitze. Da außerdem Junuzovic mehr Freiheiten zugestanden bekam, kann man getrost von einem 4-1-3-2 sprechen. In dieser Phase spielte die Constantini-Elf ihren besten Fußball, doch mit der Einwechslung von Baumgartlinger und der damit verbundenen Systemumstellung war auch dieser Elan dahin.

Dass man die Gäste auch in der Schlussphase zu keiner ernsthaften Torgelegenheit kommen hat lassen, muss zwar erwähnt werden, was ich hiermit auch tue, ist aber ohnehin Grundvoraussetzung, will man gegen Belgien oder gar Deutschland ein Leiberl haben.

Zusammenfassend
Eine wenig unterhaltsame Partie gegen einen desolaten Gegner, die immerhin ein zufriedenstellendes Endresultat mit sich brachte. Constantinis hat zum einen haarsträubende Fehler gemacht und desweiteren nicht gegnergemäß, sprich: offensiv, spielen lassen. Die Begegnung offenbarte wenig Neues, trennte jedoch Wahres von Unwahrem: Ja, Dietmar Constantini hat wenig Ahnung von Taktik und Ordnung. Ja, unser Teamchef ist lernunfähig und stellt Spieler auf, wo sie nichts verloren haben. Nein, die Mannschaft ist nicht (zu) jung. Und schließlich die wichtigste aller Fragen:

Wird sich das spielerische Element jemals bessern, solange er das Amt des Teamchefs inne hat? Nein.

Einzelkritik

Macho: Einmal hielt er gut, ansonsten gab es nichts zu halten

Klein: Kann noch immer nichts dafür, dass er im Nationalteams nichts verloren hat…
Prödl: Einige Male ungeschickt, dafür mit einer hervorragenden Zweikampfbilanz

Schiemer:
Wer meint, er habe in der IV nichts verloren, kann ihn nicht spielen gesehen haben
Fuchs:
Ab und an sorgten seine Vorstöße für Gefahr, doch selbst wenn nicht sorgten sie immerhin für einen Hauch von spielerischer Linie

Scharner: Box-to-Box mag man, oder eben nicht… Wenn man es mag, kann man mit Fug und Recht von einer guten Leistung sprechen
Junuzovic: Viel zu wenig Ballkontakte, als dass er dem Spiel eine Wendung hätte geben können

Arnautovic: In Halbzeit Eins noch biederer Durchschnitt, nach dem Seitenwechsel bester Mann auf dem Platz
Linz: Kanns nichts dafür, dass er außerhalb des Strafraums nichts verloren hat…
Harnik:
Ein Freund seiner Spielweise werd ich nie werden. Meiner Meinung nach gibt er generell zu viele Bälle verloren, gestern erwischte er obendrein einen schlechten Tag

Maierhofer: Kämpferisch wie gewohnt, am Ball ungewohnt stark – seine mutmaßlich beste Leistung im Teamdress

Kavlak: Allein seine Vorlage zum 3:0 rechtfertigte seine Einwechslung
Hoffer: Viel Wirbel um nichts
Baumgartlinger: Kann nichts dafür, dass er zu kurz eingesetzt wurde