[ANALYSE] Wie und weshalb Salzburg Juve Schwierigkeiten bereitete

1 Kommentar

FC Salzburg – Juventus Turin
Red Bull Arena, 19 200 Zuseher
1 : 1 (Svento 36. / Krasic 48.)

Nach teils katastrophalen Vorstellungen im Liga-Alltag lief Österreichs Meister pünktlich zur Kür zu gewohnter Europacup-Hochform auf – über 90 spannende Minuten hinweg verlangte man dem italienischen Spitzenverein Juventus Turin alles ab und hätte letztendlich sogar gewinnen können. Es zeigte sich zum wiederholten Male, dass RedBull Salzburg die europäische Bühne weit besser liegt als das täglich Brot – zurückzuführen ist dies auf mehrere Faktoren, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der Heimniederlage gegen den KSV Superfund folgte also ein Punktgewinn gegen den Tabellenfünften der Serie A… kaum zu glauben eigentlich, nahm Stevens doch nur, so schien es zumindest, wenige Änderungen gegenüber dem Kapfenberg-Spiel vor.

Im Tor stand abermals Gerhard Tremmel, in der Viererkette davor verteidigte unter anderem der 18-jährige Alexander Hinteregger. Den 6er gab Franz Schiemer, den einzigen Stürmer Roman Wallner. All diese Spieler konnte man mehr oder weniger in der Startelf vermuten, doch mit Nikola Pokrivac rechnete kaum einer: Seit geraumer Zeit ist der Kroate bei Stevens unten durch, zuletzt wurde ihm sogar Thomas Augustinussen vorgezogen.

Gestern aber benötigte es einen Spieler wie Pokrivac. Warum er und nicht Leitgeb beginnen durfte?

Das hat taktische Gründe. Ich brauche heute einen passenden Spieler (Pokrivac, Anm.) und lasse dafür einen laufenden Spieler (Leitgeb, Anm.) auf der Bank. Natürlich hat die Startaufstellung immer mit Leistung zu tun, aber in diesem Fall geht es hauptsächlich um Taktik”

, meinte Stevens, von Gerhard Krabat auf die Personalie Pokrivac angesprochen. Wie nützlich der Kroate Salzburg sein kann, sollte sich bereits in den Anfangsminuten herausstellen…

Salzburgs Starformation (4-1-4-1)

Salzburgs Startformation (4-1-4-1)

Juventus’ 4-4-2 ließ insofern an Kompaktheit vermissen, als es die beiden Stürmer (Del Piero und Amauri) verabsäumten Druck auf den Ballführenden auszuüben – also konnte RedBull Salzburg die Vorzüge des 4-1-4-1-Systems in vollen Zügen genießen: Schiemer – oder auch Pokrivac, der sich immer wieder in tiefe Positionen fallen hat lassen – konnte das Spiel diktieren, den Ball nach Belieben an die Außenverteidiger oder Mendes da Silva weitergeben und Juve war, weil in nummerischer Unterzahl, immer einen Schritt hinterher.

Überzahl: Salzburg dominiert das Mittelfeld

Überzahl: Salzburg dominiert das Mittelfeld

Schiemer, Pokrivac und Mendes da Silva waren sich dessen offensichtlich bewusst und profitierten davon, indem sie mehrmals eine Art Dreieck formten und in diesem den Ball zirkulieren ließen. Salzburg blieb dadurch in Ballbesitz und drängte sowohl Viererkette als auch Flügelspieler der Gäste weit zurück.

Nichts anderes dürften Stevens’ “taktische Gründe” gewesen sein – er war sich einfach der Tatsache bewusst, dass ein 4-1-4-1 einem 4-4-2 im zentralen Mittelfeld unheimlich viel Schaden zufügen kann wenn der Ball richtig zirkuliert. Und Leitgeb ist nunmal ein laufender Spieler, der den Ball entweder in die Gefahrenzone trägt, oder ihn zumindest recht lange am Fuß hält – ihn aufzustellen wäre nicht unbedingt produktiv gewesen.

Ein weiterer kluger Schachzug von Stevens war es, David Mendes da Silva jene offensive Rolle zuzuteilen, die er schon während des Rückspiels gegen Omonia Nikosia hervorragend erfüllt hatte – war Salzburg in Ballbesitz spielte er, wie er es aus Alkmaar-Zeiten gewohnt ist, den sicheren Pass aus der Tiefe. Hatte der Gegner den Ball, war er zumeist vorderster Mittelfeldspieler. Zusammen mit Roman Wallner gelang es ihm sehr gut, den ballführenden Turiner “auszubremsen” und damit das Tempo aus den Angriffen der Gästen zu nehmen.

Jedenfalls war er gestern der unumstritten beste Spieler auf dem Feld. Sieht man, wie er dem Spiel seinen Stempel aufdrückte ohne sonderlich spektakulär zu wirken, wird einem nun auch klar, wieso Gludovatz Mendes da Silva zuletzt als den gefährlichsten Salzburger bezeichnet hat.

Spielverlauf
Gegenüber der 0:2-Niederlage gegen Kapfenberg präsentierte sich Salzburg in allen Belangen verbessert: Kämpferisch, taktisch und in der Folge auch spielerisch. Im zentralen Mittelfeld zogen Pokrivac und Mendes da Silva geschickt die Fäden, auf dem linken Flügel riefen Svento und Hinteregger ihr volles Leistungsvermögen ab – überhaupt war die linke die weitaus gefährlichere Seite der Salzburger, da Svento seine Schnelligkeit dazu nutzte, den Raum zwischen Rechtsverteidiger Grygera und Martinez zu beackern und so für viel Gefahr sorgte (siehe Graphik, Anm.).

Juventus Turins Angriffsbemühungen fehlte unterdessen die kreativen Momente eines Milos Krasics oder auch eines Aquilanis – beide waren im Sommer zu Juve gewechselt, mussten allerdings mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen. Weiters ließ die alte Dame Pressing jedweder Art vollständig vermissen. Eine Tatsache, die den Roten Bullen insofern entgegenkam, als es sie das Spiel gemächlich aufziehen hat lassen.

Die erste halbe Stunde gehörte zweifelsohne den Salzburgern, welche allerdings den letzten Zug zum Tor vermissen ließen. Bis schließlich das 1:0 fiel, so geschehen in der 36. Spielminute: Der überragende Mendes da Silva behauptet sich gegen zwei Gegenspieler und verlagert das Spiel auf die linke Seite, wo Svento mit einem gekonnten Haken Grygera aussteigen ließ – der Abschluss selbst landete genau im langen Eck, Manninger chancenlos.

Die zehn verbliebenen Minuten bis zum Pausenpfiff waren von Abspielfehlern der Gäste und zurückgezogenen Hausherren geprägt. Jedoch konnte man davon ausgehen, dass Juventus mit Beginn der zweiten Hälfte Druck machen würde. Dieser trat auch ein und führte bereits nach drei Spielminuten zum Erfolg: Der eben eingewechselte Krasic lässt Tremmel aus wenigen Meter keinerlei Chance. Zählen hätte das Tor aber nicht dürfen, da sich der Serbe an Hintereggers Leiberl zog und sich so einen klaren Vorteil verschaffte – eine von mehreren Fehlentscheidungen des Unparteiischen.

Eine nächste folgte sogleich, nämlich als Martinez Gelb-Rot hätte sehen müssen. Dem Schiedsrichter fehlte aber offensichtlich der Mut, das Foul regelkonform zu ahnden. Als Minuten später eine Tätlichkeit an Schwelger ohne Konsequenzen blieb, konnte man endgültig von einem Kniefall vor dem Großen sprechen. Sei’s drum…

Gegen Ende der Partie praktizierte RedBull Salzburg teils atemberaubendes Pressing, welches seinen Zweck erfüllte und Juventus zu zahlreichen Abspielfehlern zwang. Angetrieben vom mittlerweile eingewechselten Christoph Leitgeb war Österreichs Meister dem Siegtreffer weit näher als Juventus, einzig die mäßige Chancenauswertung verhinderte einen Heimsieg.

Zusammenfassend
Salzburg hätte das Spiel gut und gerne gewinnen können, kann aber auch so stolz auf sich sein – vom Glanz vergangener Tage mag bei Juventus zwar wenig bis gar nichts übrig geblieben sein, internationales Format haben die Turiner allerdings weiterhin. Nun braucht es, sofern man die Gruppenphase überstehen möchte, wohl oder übel einen Auswärtssieg in Turin – zuzutrauen ist es der Mannschaft allemal, einfach wird es jedoch mitnichten.

Advertisements

Aus der Fansicht: Wie Stevens Salzburg zur Niederlage taktierte

Hinterlasse einen Kommentar

Der folgende Blog-Eintrag wurde ursprünglich für Rasenfussball.at, ein Portal für RedBull Salzburg-Fans, verfasst – die subjektive Sichtweise sollte mir daher verziehen sein 😉

Schlafende Riesen weckt man nicht. Salzburg hat es trotzdem getan – und bekam in der 93. von 93 Spielminuten vom Fußballgott persönlich die Quittung präsentiert. Gewissermaßen kann man auch von einem Denkzettel für Huub Stevens sprechen: Lernunwilligkeit, möglicherweise Lernunfähigkeit, sind Tugenden, die eines Meistertrainers nicht würdig sind. Rasenfussball.at arbeitet ein brisantes Spitzenspiel von vorne bis hinten auf:

Startformation
Stevens schickte gegen einen taumelden, weil von zwei Saisonniederlagen angeschlagenen, Vize-Bundesliga-Rekordmeister die selben elf Spieler, wie schon gegen Omonia Nikosia auf den heiligen Rasen. Dass Wallner als Solo-Spitze nur foulen, schwalben und abseitsstehen würde, war allemal zu erahnen, für den 56-Jährigen aber kein Grund, Änderungen vorzunehmen. Vermutlich des Rhythmus’ wegen.

Wie die folgende Graphik zeigt, teilte Stevens Leitgeb und Mendes da Silva Rollen zu, für die weder der eine, noch der andere wirklich geschaffen ist. Leitgeb liebt es, aus einer tiefen Mittelfeldposition heraus die Bälle zu verteilen, Kontrolle über den Ball zu haben und das Spiel geschickt zu verlagern – Stevens stellte ihn als zentralen/zentral offensiven Mittelfeldspieler auf. Mendes da Silva liebt es, aus der 6er-Position heraus Bälle in Empfang zu nehmen, möglichst rasch weiterzugeben, egal ob kurz oder lang – Stevens stellte ihn neben Christoph Leitgeb auf.

Aufstellung gegen Rapid

Startformation gegen Rapid Wien

Spielverlauf
Indem er neuerlich ein 4-2-2-2 aufbot, erwies sich Pacult zwar als ebenso engstirnig wie Stevens, die einfallslose Schaltzentrale der Salzburger (Schiemer, Mendes da Silva, Leitgeb) vertuschte den Systemfehler in Rapids Spielweise jedoch einwandfrei. Die übermäßig passive Art zu verteidigen, die häufigen Abspielfehler im Spielaufbau, das fehlende Durchsetzungsvermögen im Angriff – all das spielte den Hütteldorfern direkt in die Hände. Vor allem in den ersten 30 Minuten wussten die Grün-Weißen Kapital daraus zu schlagen, die Pacult-Elf war bissig und gewohnt dynamisch, zog ihr gefürchtetes Flügelspiel auf und brachte das Sturmduo Salihi/Jelavic immer wieder in Schussposition.
Wie man dies verhindert, haben Schöttel und dessen MAGNA Wiener Neustadt bewiesen – man forme ein kreatives Mittelfeld (Stanislaw, Grünwald, Wolf, Simkovic) und mache sich drei Hilfsmittel zunutz: Pressing, Pressing, Pressing.
Die Doppelsechs von Rapid bekommt Bauchschmerzen, sobald sie auch nur ansatzweise Druck verspürt. Dadurch bleibt den Flügelspielern nichts anderes übrig, als in der Luft zu hängen. Von den beiden Stürmern ganz zu schweigen. Leider hat RedBull Salzburg stur seinen Stiefel runtergespielt, ohne Rücksicht auf Spielweise und Form des Gegners.

Die Rapidler spielten hingegen genau das, was sie in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht hat: Unkomplizierter Spielaufbau, ambitioniertes Flügelspiel. Und, nicht zu vernachlässigen: Die Stürmer Jelavic und Salihi waren flexibel wie in besten Zeiten, wichen immer wieder auf die Seite aus, um Verwirrung in der Salzburger Abwehr zu stiften.

Einen detaillierten Spielverlauf erspare ich den Lesern an dieser Stelle, die Partie dürfte eh so ziemlich jeder verfolgt haben – und wer nicht, kann ja in einem der dutzenden APA-Spielberichte nachlesen. Vielmehr interessiert mich das “Warum” der Niederlage. Also: Warum?

Fehler im System
Vorweg: Ein “Darum” gibt es nicht. Es sind eher Puzzleteile, die ineinandergesteckt eine 1:2-Niederlage ergeben. Ein Puzzleteile – und wahrlich kein kleiner – ist die Rolle von Christoph Leitgeb. Der gebürtige Steirer hat Huub Stevens in Wahrheit viel zu verdanken. Erst Stevens gab ihm den Feinschliff, der aus dem ewigen Flügelflitzer das machte, was er eigentlich ist –
ein zentraler Mittelfeldspieler der neuen Generation. Am ehesten ist er in meinen Augen mit Arsenals Denilson vergleichbar, einem ebenfalls oft unterschätzten Akteur. Leitgeb ist ein Mann für die Drecksarbeit, ein Mann für das, was der gemeine Zuseher oft nicht wahrnimmt. Er passt den Ball dorthin, wo er hinmuss, und “trägt” ihn gegebenenfalls dorthin, wo er nicht hingepasst werden kann. So jemand ist ungeheuer wertvoll, auch wenn viele es nicht wahr haben wollen. Auch die Statistik belegt meine hohe Meinung von ihm: Leitgeb hat trotz als seiner leichtfertigen Abspielfehler die höchste Quote an angekommenen Pässen aller Mittelfeldspieler der Tipp3-Bundesliga (rund 90! Prozent).

Nun gelingt es Leitgeb seit der Ausbootung von Pokrivac, Cziommer und Jantscher (?) allerdings einfach nicht, sein ungeheures Potential abzurufen. Für meine Begriffe aus dem einfachen Grund, dass er mit der Spielmacherrolle nicht klarkommt, sich einen dominanten Spieltyp an seiner Seite wünscht. Momentan ist dieser jedoch nicht gegeben und insofern ist Stevens auf dem besten Weg zum Totengräber des Christoph Leitgeb zu werden.
Wie gesagt, die Fehlpositionierung der #24 ist nur EIN Puzzleteil des Ganzen, das heißt aber mit Sicherheit nicht, dass man ihm deshalb keine Beachtung schenken sollte. Auf weitere Puzzleteile werde ich im Laufe der nächsten Spiele eingehen.

Back2Spielverlauf
Um noch einmal auf das Rapid-Spiel zurückzukommen: Rapid hat mehr oder weniger verdient gewonnen. Nicht, dass sie besser gespielt hätten, aber wer sich in der 93. Minute einen solchen Treffer einschenken lässt, verdient sich im Hanappi nunmal keinen Punkt. In einem durchaus ansehlichen Spiel hatten beide Mannschaften ihre Torgelegenheiten, einzig die Auswertung klappte hüben wie drüben nicht. Ohne es als Ausrede für die Niederlage benutzen zu wollen, muss ich an dieser Stelle doch noch Schiedsrichter Gangl erwähnen: Rapid hätte einmal Rot (Hinums Vergehen war im Grunde genommen 1:1 das gleiche, wie jenes von Kragl gegen Gustafsson) und einmal Gelb-Rot sehen müssen. Nicht das erste Mal, dass sich ein Schiri von der Stimmung im Hanappi beeinflussen lässt.

Lichtblick der Niederlage waren insbesondere die Einwechselspieler Boghossian und Jantscher. Ersterer wirkte wie eine erfolgreiche Kreuzung aus Janko und Maierhofer und Letzterer erzielte sogar den Ausgleichstreffer. Somit sollten beide heiße Kandidaten für die Startelf gegen Omonia Nikosia sein, schließlich haben deren direkte Konkurrenten – Wallner bzw. Svento – bisher keineswegs überzeugt.

[ANALYSE] Was Gomez und Janko eint und trennt

5 Kommentare

Ohne die beiden auf die selbe sportliche Stufe stellen zu wollen: Mario Gomez und Marc Janko sind einander vom grundsätzlichen Spieltyp sehr ähnlich – und werden momentan auch vom haargenau selben Problem geplagt: Groß gewachsene Strafraumstürmer sind – aus teils sehr unterschiedlichen Gründen – in den Systemen vieler Trainer unerwünscht.

Man fühlte sich fast an die donners- und freitägige Meisterfeier der Salzburger erinnert, als man Gomez gestern betröpfelt (Gomez war im Pokal-Finale nicht zum Einsatz gekommen, Anm.) durch das Berliner Olympiastadion spazieren sah, während der Rest des frisch gebackenen Cup-Siegers fleißig das Double bejubelte. Marc Janko – im Vorjahr hatte er mit 39 Saisontoren „Goldenen Schuh“ sowie Krankl-Rekord nur knapp verpasst – ist es nach dem 2:0-Auswärtssieg seiner Bullen nämlich ähnlich ergangen: Sein halbherziger Jubel und seine Interviews im Laufe des Abends dürften bekannt sein.

Sowohl der 35-Millionen-Euro-Transfer als auch der österreichische Teamkapitän passen ihrem jeweiligen Trainer derzeit nicht ins Konzept. Was auffällt: In beiden Fällen wird einem groß gewachsenen Strafraumstürmer (Gomez 1,89m groß, Janko 7cm größer als Gomez) ein kleiner, wendiger, kampfstarker Bulldozer vorgezogen. Einziger Unterschied: Bei Bayern heißt er Ivica Olic, in Salzburg Roman Wallner.

Die Motive Van Gaals dürften sich von jenen Huub Stevens‘ hingegen recht deutlich unterscheiden. Während der Tulpengeneral quasi dazu gezwungen ist, mittels laufstarker Stürmer (Olic, Müller) die defensiven Unzulänglichkeiten von Robbery auszugleichen, könnte Stevens diesbezüglich beruhigter zur Sache gehen – immerhin hat er mit Svento, Leitgeb und Schiemer gleich drei defensivfreudige Akteure im Mittelfeld. So Stevens‘ Interviews ernst zu nehmen sind, gehe ich vielmehr davon aus, dass der Bullen-Dompteur fächerübergreifend – sprich: in Offensive und Defensive – denkt. Er meint, eine Solo-Spitze müsse den Gegner bestmöglich unter Druck setzen. Nicht nur, um den Ball rasch zurück zu erobern, sondern einfach, um dem 5er-Mittelfeld die Defensivarbeit zu erleichtern. Die Probe auf’s Example fällt folgendermaßen aus:

Typ Janko: Ruht sich mehr oder weniger aus, deckt nur die Räume ab, anstatt sich in Richtung Ball und Gegner zu bewegen

Da Janko nur versucht möglichst viele Passwege abzuschneiden anstatt den Ballführenden aktiv zu bearbeiten, hat dieser die Möglichkeit, ungestört einige Meter nach vorne zu spazieren. Je nachdem ob sich der Vorstoß auf Links oder Rechts abspielt, müssen daher Dusan Svento oder Simon Cziommer/Christoph Leitgeb statt Janko Druck ausüben – das Verteidigungskonzept leidet erheblich. Auszugleichen versucht dies die Salzburg-Hintermannschaft in der Regel so:

Szenario: Vorstoß auf Links, Svento rückt hinaus

TW
RV – RIV – LIV – LV
DM
RM___RZM – LZM
MS
_____Svento

Die beiden zentralen Mittelfeldspieler weichen nach Links um Sventos zeitweilige Abwesenheit auszugleichen. Mit einem schnellen Seitenwechsel könnte die gegnerische Mannschaft nun das Salzburger Mittelfeld überwältigen.

Szenario: Vorstoß auf Rechts, Cziommer oder Leitgeb rücken hinaus

TW
RV – RIV – LIV – LV
RM – DM – LZM – LM
Cziommer – MS

Einer der ZMs – meist ist es Cziommer – prescht in die Spitze und setzt den Ballführenden unter Druck. Um gröbere Lücken im Zentrum zu vermeiden, rückt der 6er nach und platziert sich auf der ursprünglichen Cziommer-Position. Die Stabilität ist somit wieder gegeben. Einziger Nachteil: Für einen gewissen Zeitraum gibt es die Position des defensiven Mittelfeldspielers nicht mehr.

Typ Wallner: Versucht den Ballführenden auf Biegen und Brechen zum Ballverlust zu zwingen

Ein Typ a lá Wallner verlangt im Gegensatz zu einem Strafraumstürmer Keinen, der für ihn Defensivarbeit verrichtet. Er orientiert sich ausschließlich am ballführenden Gegenspieler und versucht diesem den Ball ab zu jagen. Gelingt dies nicht, muss dieser den Ball zumindest abspielen. Sobald das Abspiel erfolgt pressen jedoch bereits Svento, Leitgeb und/oder Cziommer in Richtung des Balles – ein kontrollierter Spielaufbau fällt somit deutlich schwieriger als in den vorherigen Szenarien.

So oder so ähnlich dürfte Huub Stevens überlegen, wenn er Marc Janko alle paar Spiele mal auf die Bank setzt und in gut jedem fünften Interview seinen Unmut zu verstehen gibt. Eine diesbezügliche Einigung scheint schwerlich machbar, weil sowohl Janko als auch Stevens fix fertige Vorstellungen von den Aufgaben einer Solo-Spitze zu haben scheinen. Frei nach ÖSTERREICH-Kolumnist Krankl gibt es somit nur zwei Auswege: „Zusammenreißen und Stevens beweisen, was er kann […] oder er sucht sich einen neuen Verein“.

Mario Gomez hat es in gewisser Weise noch schwerer als Marc Janko. Der Ex-Stuttgarter ist eigentlich kein klassischer Standfußballer, lässt sich oft bis ins Mittelfeld zurückfallen und setzt sogar immer wieder zu Dribblings an. Gomez leidet schlichtweg unter Van Gaals System, welches neuerdings keinen Spielraum für groß gewachsene Angreifer mehr lässt. Zudem haben sowohl Müller als auch Olic (!) durch gute Auftritte überzeugt. Ob der 35-Mille-Mann noch einmal in die Mannschaft zurückfindet, oder doch nur per Gaudi (siehe Tymoshchuk) gekauft wurde, wird sich weisen.

Artikel stammt vom: 16. Mai 2010 – 17:28 Uhr

2001 ≠ 2010

1 Kommentar

Entgegen der Hoffnungen von Medien, Anti-Kommerzlern, Rapidlern und Austrianern, konnte Red Bull Salzburg das Alles entscheidende letzte Spiel der Saison 2009/10 für sich entscheiden und den Titel aus dem Vorjahr somit verteidigen. Der dseitlhuber – sportblog saß in Graz-Liebenau und schildert, was sich im und um das Stadion herum zugetragen hat

Auch wenn du als Fan Vertrauen in deine Mannschaft hast, zitterst du immer ein bisschen. Insbesondere dann, wenn irgendwie Vieles gegen deine Mannschaft zu sprechen scheint – aber gut, das ist ein anderes Kapitel.
Komischerweise kommt die große Nervosität aber immer erst 1,2 oder halt ein paar Minuten vor Spielbeginn – gestern dauerte es sogar bis zum Sekagya-Schnitzer ehe das Adrenalin so richtig da war.
Vielleicht, weil die 2 1/2 stündige Anreise ungewohnt reibunglos verlief und man in Liebenau angekommen von mehreren Sturm-Fans Sonst-Was gekrault bekam. Darunter meinte Einer – dem Aussehen nach vermutlich japanischer Abstammung, was aber nichts zur Sache tut – gar, er werde heute für Salzburg jubeln und klatschen. „Des Wiener Xindl“ brauche er nicht – „und scho goar ned als Meister“.

Gut eine halbe Stunde vor Spielbeginn nehme ich in Sektor 2 (direkt neben aber nicht im RBS-Fansektor, Begleitungen wollten nicht unbedingt dort hin) Platz, in der Erwartung von Blackies umringt zu sein. Erwartungen nicht erfüllt: Zu meiner Linken saß ein waschechter Salzburger, zu meiner Rechten ein Grazer, der „seit 10 Jahren nicht mehr im Stadion“ war und heute eigentlich auch nur da ist, um gegen die Wiener Mafia zu hoffen.
Der RBS-Fanblock – wie gesagt direkt neben mir – machte derweilen Stimmung wie ich sie von einem Salzburger Publikum noch selten zu hören bekam, man schien sich ob der Wichtigkeit des Spiels – no na – bewusst zu sein.

Als die 11 Grazer (Jantscher, Hölzl verletzt; Sonnleitner wegen Rapdi-Transfer nicht dabei; Haas zwecks Ehrerweisung in der Startelf), die 11 Bullen (Bulle Wallner bekam den Vorzug vor Janko) und die dazugehörigen Kids einliefen, hatten sich schließlich auch die letzten Fans auf ihre vier Buchstaben gesetzt. Das Spiel begann mit einer durchaus ambitionierten Sturm-Mannschaft, die nach schwerem Sekagya-Fehler sogar den ersten ‚Sitzer‘ der Partie vorfand. Doch das Tor fiel auf der Gegenseite: Nachdem Roman Wallner eine Ulmer-Hereingabe ideal mitnahm, jedoch an Gratzei scheiterte, fiel der Ball vor Simon Cziommers Füße und von da aus ins Tor – Pure Ekstase im Gästesektor.

Noch ehe der Torjubel vollständig verklungen war, erhöhte Wallner mit einem scharfen, aber unplatzierten Freistoß von der Strafraumgrenze auf 2:0. Ohne dem Nationalgoalie im Kasten von Sturm Absicht (ja, es gibt wirklich Leute, die das tun) unterstellen zu wollen, meine ich: Ein bis in die Haarspitzen motivierter Schlussmann pariert diesen Ball. Sei’s drum.
In der Folge präsentierte sich Salzburg äußerst souverän, hatte gefühlte 90 Prozent Ballbesitz. Und selbst wenn Sturm einmal zu Angriffen kam – meist ohnehin nur aus Kontern -, konnte die Stevens-Elf durch gutes Verschieben die Ordnung wahren und den Gegner vom eigenen 16er fern halten.

Erst gegen Ende des ersten Durchgangs schlichen sich der eine oder andere individuelle Aussetzer ein, welcher von den Grazern aber recht nachlässig behandelt wurde. Mit dem Beginn der zweiten Hälfte stellten die Salzburger auch ihre Spielweise um, spielten abwartender und übertrugen Sturm die Verantwortung für den Spielaufbau. Irgendwie kann ich diese Maßnahme nicht nachvollziehen, hatte sich Sturm im ersten Durchgang doch so bereitwillig in die eigene Hälfte drängen lassen. Trotzdem hielt die Null, auch wenn Fehler im Stellungsspiel von Andreas Ulmer, das Loch im rechten Mittelfeld (Tchoyi musste verletzungsbedingt ausgewechselt werden, Janko kam, Wallner wich ins RM) und einige haarsträubende Unzulänglichkeiten Ibrahim Sekagyas (es sei ihm verziehen, war er doch vor Kurzem noch verletzt) für zwischenzeitliche Schreckmomente sorgten. Daher blieb es beim verdienten 2:0 und folgerichtig beim dritten Meistertitel in der Ära RedBull.

Für das Negativ-Highlight eines wunderbaren Fußballabends sorgten übrigens – im Fernsehen war es, so ein Kollege von mir, ja nicht zu sehen – die Ultra-Ultra-Sturm-Graz-Fans, die wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff das Feld stürmten, mit einem Salzburg-Fan aneinander gerieten und letztendlich sogar versuchten, gegenüber den RBS-Spielern handgreiflich zu werden. Mein Sitznachbar: „Ich schäme mich, Fan vom selben Verein wie diese [dann fehlte ihm – begleitet von einem leichten Kopfschütteln – das richtige Wort dafür, Anm.] zu sein!“

Für das Positiv-Highlight eines wunderbaren Fußballabends sorgte die Meisterfeier. Gespickt mit vielen Emotionen und ehrlicher Freude bei fast allen Spielern bekamen die Bullen das Honorar für eine starke, wenngleich freilich nicht perfekte, Saison 2009/10 überreicht – den Meisterteller. Bewegend fand ich vor Allem die Zuneigung der Salzburg-Fans gegenüber dem verletzten Einser-Goalie Gustafsson. Praktisch jede Aktion des Schwedens wurde mit tosendem Applaus und „Eddie, Eddie, Eddie“-Rufen bedacht. Die Meisterfeier an sich verlief ausgiebig, intensiv und ohne gröbere Zwischenfälle.

Als ich das Stadion schließlich, naturgemäß in aller Freude über den Triumph, verlasse, lassen sich mehrere vorbeifahrende Sturm-Graz-Fans natürlich noch zu den obligaten „Bullenschweine“-Rufen hinreißen. Mit dem Gedanken an die gewonnene Meisterschaft und die Worte meines Sitznachbars waren mir diese aber genauso egal wie die Ergebnisse in Wien (2:0) beziehungsweise Mattersburg (1:3).

Artikel stammt vom: 14. Mai 2010 – 12:27 Uhr

[ANALYSE] Gezwitscher Teil I

2 Kommentare

Die Meisterschaftssaison 2009/10 noch voll im Gange, stehen bereits erste Namen auf den Blöcken der Scouts, Sportdirektoren und Trainern des Bundesliga-Oberhauses, auch der eine oder andere Transfer wurde schon unter Dach und Fach gebracht. Gerüchte sind wie üblich breit und dicht gesät – es gilt abzuwarten welches sich als Ente und welches als Faktum herausstellen wird.
Der dseitlhuber – sportblog wagt einen Blick ins Transferkarussell:

Red Bull Salzburg:

Ziemlich reich, Meister, Tabellenführer, Titelverteidiger in Spe – viele Argumente sprechen, sofern man sich als Kicker Österreich antun will, für den Liga-Krösus. Ob dieser unbedingt kaufen will, verrät Beiersdorfer niemandem, ratsam wäre es definitiv.

Gustafssons Vertretung (!)
Gut, diesbezüglich muss man recht vorsichtig zur Sache gehen. Ja nicht zu schwach – man will immerhin endlich Königsklasse spielen – aber auch ja nicht zu stark – das wäre Gustafsson gegenüber mehr als uncool. Fornezzi, Rensing, Lehmann, Rost hört man aus diversen Medien (teils seriös, teils sehr unseriös).
Wenn man mich fragt wird keiner der vier Herren an die Salzach wechseln, Rost höchstwahrscheinlich noch am ehesten, mit ihm soll sich Beiersdorfer sogar schon auf einen Café getroffen haben.
Mein persönliches Gefühl: Es wird Einer aus dem Hut gezaubert werden, der pensionsreif ist, keinen großen Namen hat und nach Gustafssons Genesung (so sie erfolgen sollte) wieder in der Versenkung verschwindet.
Spekulationen ohne Gewähr.

Außenverteidiger-BackUps (!)
So ausgeglichen der Salzburg-Kader sein mag: Auf manchen Positionen gibt es teils grausliche Ersatzleute. Insbesondere die Ulmer- bzw. Schwegler-Vertreter (mit Opdam/Dudic zwei gelernte IVs) sind mehr zum Schmeißen als zum Einsetzen. Hier sollte RBS Hand anlegen, vermutlich werden sie es auch tun.
Konkrete Gerüchte gibt es hierfür bislang kaum welche – vom linksfüßigen Bankdrücker der Bayern, Andreas Görlitz, einmal abgesehen.

Spielgestalter (?)
Braucht man einen? Braucht man keinen? Schwierig zu sagen. Leitgeb ist kämpferisch wie spielerisch top, hat außerdem erst kürzlich verlängert. Ansonsten sieht es auch nicht wirklich übel aus, machte doch Simon Cziommer zuletzt eine blendende Figur neben zuvor erwähnter #24. Dahinter wartet Pokrivac und etwas weiter dahinter Karel Pitak.
Trotzdem werden immer wieder Gerüchte ob einer Verpflichtung eines 10ers spekuliert. Vonlanthen, auch wenn eben erst aus Zürich geschmissen, wird es wohl kaum werden, aber grundsätzlich halte ich die Verpflichtung eines ZMs oder OMs für durchaus zielführend und wahrscheinlich.

Wallner und Wallners-Gleiche (?)
Erst hieß es, Salzburg hätte die Kaufoption auf Roman Wallner fix gezogen, später hieß es, Salzburg habe die Kaufoption auf Roman Wallner fix nicht gezogen. Letzteres erscheint realistischer. Schließlich spielt Wallner unter halbwegs normalen Umständen (wegen Größe/Kleine) keine Rolle in einem 4-1-4-1, den ursprünglichen Versuch eines 4-1-3-2 – wofür er ja eigentlich geholt wurde – hat Stevens sowieso recht rasch fallen lassen. Eine Trennung scheint daher unausweichlich.
Weiters dürften Robin Nelisse sowie Alexander Zickler (RBS-Jugend? LASK?) den Verein verlassen. Beiersdorfer scheint sich dahingehend schon nach Ersatzleuten umzusehen – Zarate (spielt MS, HS, LOM, ROM, ZOM) soll so gut wie in Salzburg sein. Auch Hierländer könnte es in die Red Bull Arena ziehen.

Rapid Wien:

Die Hütteldorfer sehen sich als Rekordmeister der Kontinuität, den Verfechter des Anti-Kommerzes und somit als Gegner übermäßiger Einkaufstouren. Dementsprechend wird die Transferpolitik im Sommer wohl aussehen.

Innenverteidigung (X)
Jovanovic ist weder gut noch diszipliniert, Soma immerhin diszipliniert und zweikampfstark. Da Pacult und nicht Schinkels Trainer der Hütteldorfer ist, spielt man bei Rapid mit zwei Innenverteidigern, womit ein passabler Mann neben Soma fehlt. Freilich: Für Rang 2, 3 oder 5 sind Fix & Foxi definitiv zu gebrauchen, will man international was reißen oder eventuell gar die Bullen vom Thron stoßen, braucht es aber eine Verstärkung.
Vor einigen Tagen hat man diese in Mario Sonnleitner (vor einem Monat behauptete er gegenüber Jörg Kühne noch, Rapid werde es „eher ned“) gefunden => Gratulation zur Verpflichtung, Diskussion beendet.

Zentrum (?)
Das Mittelfeld scheint Peter Pacult in seiner momentanen Form zu gefallen, lediglich ein möglicher Abgang von Branko Boskovic könnte Schwierigkeiten bereiten. Der Montenegriner verlangt Kohle, die Rapid nicht hat oder haben will und steht daher unmittelbar vor einem Wechsel nach Nirgendwo. Sollte dieses Szenario eintreten, könnte Pacult wieder zum 4-2-2-2 mit Pehlivan/Heikkinen als Doppelsechs zurückkehren oder sich billigen Ersatz besorgen lassen.

Austria Wien:

Den Ausstieg Stronachs hat die Austria ausgesprochen gut bewältigt, finanziell ist man selbstredend jedoch weit von vergangenen Tagen entfernt. Mit Margreitter, Hlinka und Salomon wurde bereits klug eingekauft – viel mehr wird nicht mehr kommen

Innenverteidigung (X)
Margreitter hat bereits unterschrieben, Dragovic wird mit 99,9%iger Wahrscheinlichkeit Richtung Ausland abwandern. Einen zweiten Kracher für die IV wird es wohl nicht spielen, stattdessen stehen junge Leute wie Christopher Dibon auf der Wunschliste.

Erweiterung im Mittelfeld (X)
Erledigt. Mit Patrick Salomon und Peter Hlinka (scheint bereits fix, nur noch nicht bestätigt) wurde ein aufstrebender Jungspund und ein arrivierter 6er verpflichtet. Sehe hier keinen Handlungsbedarf, Parits vermutlich auch nicht.

Okotie-Ersatz (?)
Dass Okotie gehen wird, ist schon seit Längerem gewiss, die Austria wird sich daher schon seit geraumer Zeit nach einem Nachfolger umgesehen haben, sofern man einen braucht. Linz und Jun sind herausragende Stürmer, Diabang und Schumacher hingegen das konkrete Gegenteil – mal sehen ob die Veilchen einen Angreifer verpflichten, die Gerüchteküche hat bislang noch keine Namen parat.

Sturm Graz

Seit dem Konkurs scheint Sturm Graz über einen Jungbrunnen zu verfügen, Talente quasi aus dem Hut zaubern zu können. Von der Innenverteidigung abgesehen hat sich über die Jahre hinweg ein breiter Kader ergeben, weshalb nicht unbedingt mit großem Import zu rechnen ist.

Sonnleitner, Schildenfeld (?) kompensieren (!)
Sonnleitner ist definitiv in Wien, Schildenfeld möglicherweise bald wieder in Istanbul – schlechte Vorzeichen für die einstmals beste Hintermannschaft der Liga. Oliver Kreuzer wird alle Hände voll zu tun haben, dieses Loch zu stopfen – momentan haben die Blackies nämlich, exklusive Sonnleitner und Schildenfeld, nur einen einzigen Innenverteidiger, Ferdinand Feldhofer, im Profikader.

Wundertüte (?)
Ansonsten sind die Grazer eigentlich im Mittelfeld wie im Sturm recht gut aufgestellt, auch einen möglichen Jantscher-Transfer könnte man vermutlich auffangen. Dennoch könnte es sein, dass auch in der kommenden Saison der eine oder andere Nachwuchsspieler den Sprung zu den Profis schafft und diese bereichert. Dem österreichischen Fußball kann es nur gut tun.

!!! Hinweis !!!
Natürlich werde ich auch die Transferabsichten der restlichen sechs Erstliga-Teams genauer durchforsten, vorerst belasse ich es allerdings bei den vier Top-Mannschaften – meiner und der Konzentration meiner Leser wegen.

Artikel stammt vom: 3. Mai 2010 – 19:00 Uhr

[ANALYSE] Rotieren falsch gemacht

3 Kommentare

Peter Pacult muss man irgendwo gratulieren. Der Mann hat Rapid als Rekordmeister (Fragezeichen dahinter hin oder her) aber sicher nicht als Titelaspiranten übernommen, Vorgänger Zellhofer hatte die Mannschaft zuvor recht selbstsicher ins Mittelfeld manövriert. Heute spielt Rapid nicht wirklich gut, aber immerhin um den zweiten Platz.

Kritik an Pacult wird trotzdem erlaubt sein. Menschlich scheint er seinen Spielern gegenüber ab und an zu versagen, taktisch greift er zuweilen in die Kloschüssel. Seine Person ist für mich, als Blogger, eher nebensächlich – die soll meinetwegen ein Hobby-Psychologe analysieren. Ich kann nur den taktischen Aspekt beachten – und selbst den nur teilweise, alles sieht auch ein Blogger nicht.

Die folgenden Absätze behandeln die Rotation gegen schwächere Gegner im Spielsystem von Rapid Wien.
Sofern jeder fit, spielt Pacult sehr gerne mit einem 4-2-2-2. 4-2-2-2 heißt Doppelsechs und Doppelsechs heißt für eine Spitzenmannschaft (Maßstab natürlich die heimische Liga), dass einer der beiden Flügelspieler bei eigenen Angriffen in die Spielmacherrolle schlüpfen muss. Bei Rapid erledigt das Hofmann, Hofmann erledigt das bei Rapid gut. Wie solch ein 4-2-2-2 funktionieren kann, demonstriert uns zum Beispiel Bayer04 Leverkusen: Toni Kroos wird bei Ballbesitz Leverkusens zum Spielmacher, Castro übernimmt dessen Position im rechten Mittelfeld – wenn man’s kann, klappt das prima, die rechte Seite bleibt besetzt.

Rapid kann es, weil auf der Rechtsverteidiger-Position nicht wirklich gut besetzt, halt nicht. Dober klebt entweder auf seiner Position, oder nimmt sich durch technische Unzulänglichkeiten jede Chance auf einen gelungenen Vorstoß. Schnell ist der rechte Flügel daher unterbesetzt, 30 Meter Kombinationsfreiraum gehen sinnlos verloren. Deshalb fällt es Mannschaften wie dem LASK oft sehr leicht, die Räume gegen Rapid eng und Angriffe der Hütteldorfer wirkungslos werden zu lassen.

Trotzdem beharrt Pacult auf seiner Art zu spielen, er will scheinbar nicht lernen. Freilich entscheidet diese taktische Fehlplanung nicht über Meister und Nicht-Meister, Spiele wie jenes gegen den LASK macht man sich so aber unnötig schwer.

Genug der leeren Worte, man kann den Prozess auch veranschaulichen:

1. Papierform

Hedl
Dober – Eder – Soma – Katzer
Heikkinen – Pehlivan
Hofmann________________Kavlak
Trimmel – Jelavic

Soweit so Doppelsechs.

2. Herausspielen

Hedl
Dober – Eder – Soma – Katzer
Heikkinen – Pehlivan
Hofmann – Trimmel – Kavlak
Jelavic

Trimmel oder Jelavic lassen sich hängen und helfen dem zentralen Mittelfeld

3. Spielaufbau

Hedl
Dober – Eder – Soma – Katzer
Heikkinen – Pehlivan
__________Hofmann____Kavlak
Trimmel – Jelavic

Hofmann rückt ins zentrale Mittelfeld, zieht die Fäden im Spiel der Hütteldorfer

4. Chancenerarbeitung/Torabschluss

Hedl
___Eder – Soma – Katzer
Dober__Pehlivan – Heikkinen
_________Hofmann_____Kavlak
_____Trimmel – Jelavic

Dober sollte nachrücken, sollte Druck machen und sollte die rechte Seite im Besitz der Grün-Weißen halten

Schaut gut aus, ist auch gut. Nur bräuchte man einen starken RV, sonst nimmt man sich – wie bereits erwähnt – den Raum zum Kombinieren. Auch diesen Zustand kann man kreativ ausdrücken – man ersetze einfach den Namen Dober durch fünf Unterstriche:

Hedl
___Eder – Soma – Katzer
_______Pehlivan – Heikkinen
_________Hofmann_____Kavlak
_____Trimmel – Jelavic

Zugegeben handelt es sich hier um eine übertriebene Darstellung, Dober befindet sich schon auf dem Platz – faktisch kommt es dem Dilemma der Rapidler aber sehr nahe, der fehlende Raum für die Chancenerarbeitung lässt sich sehr schön herauslesen.

Soviel zu Rapid Wien, weiter zum Konkurrenten und damit zu einem Beispiel für gesunde Rotation.

Huub Stevens muss man sowieso gratulieren. Anfangs noch als grauslicher Defensivapostel verspottet, nach dem Ausscheiden gegen Haifa verteufelt, rockte seine Mannschaft die Europa-League und fährt geradewegs Richtung Meistertitel. Stevens‘ System greift mittlerweile, die Laufwege sitzen und der Spielaufbau floriert förmlich. Auch in Sachen Rotieren ist der Tabellenführer dem Vize-Tabellenführer überlegen:

Auch wenn man es bei 19 nicht verlorenen Spielen in Serie nicht glauben mag, gab es im Laufe der Saison 2009/10 auch schwere und teilweise recht bittere Spiele für die Bullen. Entweder gerät man in Rückstand wenn man nicht in Rückstand geraten darf oder man tut sich gegen eine Menschenmauer schwer – jedesmal wenn einer der beiden Fälle eintritt, ändern die Salzburger ihre taktische Ausrichtung.

Das „Problem“ ist Dusan Svento. Ein genialer Spieler wenn er den Raum hat, aber auch schnell mal ein Totalausfall wenn der Gegner die Räume dicht macht. Dann muss man Svento zur Hand gehen, ihm einen durchschlagskräftigen Spieler zur Seite stellen – im Falle RBS Somen Tchoyi:

1. Papierform

Gustafsson
Schwegler – Afolabi – Sekagya – Ulmer
Schiemer
Cziommer – Leitgeb
Tchoyi________________Svento
Janko

Soweit so 4-1-4-1.

2. Herausspielen

Gustafsson
Afolabi – Sekagya
Schwegler – Schiemer – Ulmer
Cziommer – Leitgeb
___________Tchoyi_____Svento
Janko

Tchoyi zieht zur Mitte, ist dort aber nicht am Spiel beteiligt, sondern spaziert mehr oder weniger umher

3. Spielaufbau

Gustafsson
Afolabi – Sekagya
Schwegler____Schiemer____Ulmer
Cziommer – Leitgeb__Svento
____________________Tchoyi
Janko

Tchoyi plötzlich auf links. Direkt vor Svento, der offensiv keinen Auftrag mehr hat

4. Chancenerarbeitung/Torabschluss

Gustafsson
Afolabi – Schiemer – Sekagya
Schwegler________________Ulmer
____Leitgeb_____Svento
_________Cziommer____Tchoyi
Janko

Schwelger spielt fast schon einen RM, Ulmer in der Regel etwas zurück gezogener. Leitgeb verteilt die Bälle, Svento hält sich nobel zurück. Für den Torerfolg sollen Simon Cziommer, derweil zum 10er avanciert, LM Somen Tchoyi und Solo-Spitze Marc Janko sorgen. Damit hinten nix anbrennt, gesellt sich Schiemer zwischen Afolabi und Sekagya.

Artikel stammt vom: 15. April 2010 – 20:44 Uhr

„Es gibt immer etwas zu verbessern“

Hinterlasse einen Kommentar

Im Bullenstall läuft derzeit vieles nach Wunsch. Mattersburg hatte zweimal keinen Auftrag, die Tabelle führt man einigermaßen beruhigend an. Dass man sich gegen Mauergegner weiterhin schwer tut, ist kein Beinbruch, birgt allerdings vermutlich noch Verbesserungspotenzial

Dass Gegner wie Mattersburg besonders für Tabellenführer  unliebsame Gegner sind, ist nichts Neues. Gegen Mannschaften die permanent rund um den eigenen 16er patrouillieren, hat auch der amtierende Meister und Spitzenreiter der aktuellen Meisterschaft seine Schwierigkeiten.

Auswärts hatte man das Glück, früh in Führung zu gehen und danach von ungewohnt selbstzerstörerischem Auftreten der Mattersburger zu profitieren. 6:1-Endresultate sieht man gegen Gegner wie die Burgenländer gerne, aber nur sehr selten. Lederer war der Ärger nach der Partie ins Gesicht geschrieben, weshalb davon auszugehen war, dass er den Salzburgern das nächste Aufeinandertreffen mit seiner Mannschaft schwerer gestalten wolle.

Wie es der Spielplan haben wollte, traf man sich bereits am nächsten Wochenende. Wie es die Bundesliga wünschte, am gestrigen Karfreitag. Der Spieltermin dürfte den einen oder anderen Gast abgeschreckt haben, 10 850 Bullen haben trotzdem in die Arena gefunden. Anfangs sahen sie ein Mattersburg, das mitspielen durfte, schnell zog sich der Tabellensechste jedoch gänzlich in die eigene Spielhälfte zurück.
Salzburg spielte auf gutem Niveau, fand aber kein Mittel, den Abwehrriegel der Burgenländer zu durchdringen. Svento, weil abhängig von Räumen, tut sich gegen Gegner dieser Art sowieso schwer und Somen ist eben Somen. Die linke Seite fand deswegen nicht wirklich statt, auf Rechts war Christian Schwegler ein Aktivposten (63 Ballkontakte in 45 Minuten).

Die Fäden im Angriffsspiel der RedBulls zogen Leitgeb und Neo-Stammspieler (Stevens: „Stammplatz hat mir mir jeder, aber eigentlich keiner.“) Simon Cziommer. Beide machten ihre Sache gut, sahen sich aber oft mit einer unlösbaren Aufgabe konfrontiert. Abhilfe schaffen könnte meiner Ansicht nach ein konstruktiver Sechser – Nikola Pokrivac wäre eine Option. Bei aller Zweikampfstärke eines Opdams (67% gewonnene Zweikämpfe ehe er zu Beginn der zweiten Halbzeit Pokrivac weichen musste), bei allem Kredit den sich Schiemer durch starke Auftritte als Zerstörer erarbeitet hat, verdient sich ein Tabellenführer vermutlich Attraktiveres.

Der zerstörerische 6er ist nämlich eigentlich fast nur dazu gedacht, das zentrale Mittelfeld des Gegners auszuschalten. Da praktisch keine österreichische Mannschaft gegen Salzburg das Spiel macht oder auch nur annähernd für Druck durch die Mitte sorgt, ist diese Maßnahme aber mehr oder weniger unnütz. Durch einen reinen Spielzerstörer wie Opdam oder Schiemer (ersterer hat zwar eine gute Übersicht, ist technisch aber doch recht limitiert) verschwendet man in meinen Augen eine äußerst wichtige Position des 4-1-4-1-Systems. Nicht nur Van Gaal sagt, dass Sechser die Spielmacher der neuen Generation sind und sein werden. Dass sie das in Salzburg nicht sind, entspricht wohl der Philosophie eines Huub Stevens, ist mir allerdings nicht ganz verständlich.

Der spielende Sechser hingegen, hat seine Vorzüge in Form von Pokrivac gestern eindrucksvoll bewiesen: Neben mehreren öffnenden Lochpässen, entlastete er auch Leitgeb beziehungsweise Cziommer im Spielaufbau und verhalf diesen zu mehr offensiven Freiheiten. Dass Salzburg das Spiel schlussendlich hochverdient und durch zwei Tore (I und II) von Marc Janko gewann, liegt natürlich nur unwesentlich an der Hereinnahme von Nikola Pokrivac – dass das Spiel von da an wesentlich runder lief, war aber mehr als offensichtlich.

Stevens ist definitiv mehr Fachmann als ich es bin, vielleicht muss er aber dennoch darüber nachdenken, ob nicht Pokrivac der bessere Mann für die Sechser-Position wäre, er dem Spiel der Salzburger nicht neue Impulse verleihen könnte.
Freilich sprechen wir hier von Kritik (sofern überhaupt von einer die Rede sein kann) auf höchstem Niveau und sicherlich auch vom Changing eines Winning Teams – des spielerischen Fortschritts und der Attraktivität des Salzburger Spiels wegen, würde ich diesen Schritt aber mehr als begrüßen.
Schließlich war es Stevens himself, der sagte: „Es gibt immer etwas zu verbessern!“

Artikel stammt vom: 3. April 2010 – 12:10 Uhr

Older Entries

%d Bloggern gefällt das: